Ruth und die Apfeltasche

Wir waren mal wieder im Schnellrestaurant mit dem großen M im Namen. Wenn Sohn und Mann solche Küche lieben, muss man sich des Familienfriedens Willen ab und an in solch einen Fresstempel begeben – auch wenn einem selbst eine stinknormale Butterbrezel oder eine Wurststulle mit Lyoner lieber wären. Was an dieser Art der Nahrungsaufnahme schnell ist, habe ich mir mehr als einmal überlegt, während ich in der Pommesluft in der langen Schlange stand. Stoßzeit, es war 12 Uhr Mittag. Eine Kasse auf. Vor mir eine hungrige Großfamilie, unentschlossen, was jeder essen will. Lieber Burger? Salat nach dem ganzen Weihnachtszeugs? Oder doch eine Apfeltasche? Ach ne, Papi ist eh zu dick. Ich stand und stand und stand. Ah, eine zweite Kasse. Schnell überholte ich rechts und ordnete mich hinter zwei jungen Mädels ein. „Die wollen ja eh nur Salat ohne Dressing“, frohlockte mein hungriger Bauch. Fehlgeschlagen. Zuerst bestellten die beiden jungen Fräuleins das gesamte Repertoire sieben Minuten lang. Dann war das meiste nicht vorrätig. Weil sie den Angestellten kannten, verwickelten sie ihn auch noch in eine lange Diskussion – seine Gattin war offenbar schwanger. Und während man an der Kasse gemeinsam disktuierte, ob ein Kaiserschnitt oder eine natürliche Geburt besser wären oder ob Namen wie Ruth, Mary-Jane oder Cindy Kindern schaden, hatte ich urplötzlich Hunger auf ein Leberkäsweckle.

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