Kleiner Junge, großes Herz

Das hier ist endlich Pauls Geschichte. Die Geschichte von einem kleinen Baby, einem großen Herzen und unfassbarem Glück.

„Sie haben ein tolles Kind. Genießen Sie die kurze Zeit, die Ihnen bleibt.“ Sind wir ehrlich: Das sind nicht die Sätze, die man als frisch gebackene Eltern hören will. In der Tat: Paul wurde nach einer zügigen Risikogeburt sehr jäh mit der Welt draußen konfrontiert. Und wir mit drei verschiedenen Kliniken. Eine größer als die andere. Wir hörten in den ersten Tagen von einem schweren Herzfehler (Pauls rechte Herzkammer war viel zu groß), jeder Menge sehr schlechter Blutwerte und letztendlich von einer potenziell tödlich verlaufenden Stoffwechselstörung. „Aber von dieser Krankheit wissen selbst wir an der Uni-Klinik kaum etwas. Sie ist viel zu selten, so dass da kaum geforscht wird. Aber meistens liegt die Lebenserwartung bei zwischen einem und fünf Jahren.“ Paul, unser kleines Baby mit den großen Knopfaugen, bekam viel Sauerstoff und wurde in der Uniklinik rund um die Uhr von allen möglichen piepsenden Maschinen überwacht, die gellend laut Alarm schlugen, wenn vermeintlich etwas nicht in Ordnung war. Noch nie in unserem Leben hatten wir alle solche Angst gehabt. Wir schliefen nicht. Wir aßen nicht. Wir verstanden nichts. Wir waren wie eingefroren. Mitten im Mai. Unser Rettungsanker in jener Zeit: unser großer Peter, der sich so rührend um sein Brüderchen kümmerte (sofern es die Klinikkabel zuließen) und immer bei uns war, wenn uns der Mut verließ.

Heute ist Paul sieben Monate alt und gesund. Er krabbelt wie ein Weltmeister, liebt Bananen, Oma Schatz‘ Stoffmäuse und vor allem seinen großen Bruder Peter. Er hasst es, gewickelt zu werden, schaut oft zum Fenster hinaus und fährt für sein Leben gern Auto. Morgens um vier lacht er gern „Gnihiii“ wie Ernie aus der Sesamstraße. Und wenn Peter aus der Schule kommt, geht in seinem kleinen Gesichtchen die Sonne auf.

Was ist unsere Weihnachtsbotschaft an Euch? Wir haben gemerkt, wie schnell das eigene Leben komplett aus den Fugen geraten kann. Plötzlich ist nichts mehr so, wie, wie es einmal war. Was einmal wichtig war, zählt nicht mehr. Alles hätten wir genau dem Arzt geschenkt, der uns gesagt hätte: „Ich mache Ihr Kind gesund. Kein Thema. Passt morgen?“ Was ist ein Haus? Was ein Auto? Ein Urlaub? Gegen Gesundheit? Zwei so tolle Kinder? Uns hat die Hoffnung über schwere Monate gerettet. Der feste Glaube daran, dass alles wieder gut werden MUSS. So leicht, wie es jetzt hier zu lesen ist, war es dann aber doch nicht. Doch wir hatten Menschen, die uns dabei halfen und zur Seite standen. Familie, Freunde, liebe Nachbarn, einen tollen Kinderarzt. Und erfahrenen Kardiologen, der sich von Blutwerten, Tabellen und Wahrscheinlichkeiten nicht in die Irre führen ließen. Sondern auf ihr Gefühl vertrauten.

Nach vielen bangen Wochen der Ungewissheit stand endlich fest, dass Pauls Herz normal arbeitet. Der Stoffwechsel-Gentest? War ebenfalls negativ ausgefallen: „Ihr Kind ist ein Kämpfer. Andere Babys hätten es mit DEM Herzen und diesen Startbedingungen nicht geschafft.“

Und wir? Wir leben heute ein anderes Leben. Wir setzen andere Prioritäten und sind dankbar für das, was wir JETZT haben. Danke, kleiner Paul! Weil a bissel Glück für di no lang net reicht….

Wir wünschen Euch zu Weihnachten alles, was wichtig ist im Leben… macht was draus. Und glaubt daran.

PETERPAUL mit Fridolin

Kasis Welt Peter & Paul

3 Comments Hinterlasse einen Kommentar

  1. Danke, ihr Lieben, das ist eine tolle Botschaft, die Mut macht und Herz und Augen öffnet…
    Ganz liebe Grüße…
    Dina

  2. Toller Text, Katja!!
    Und ich freu mich wirklich für euch, dass sich alles zum Positiven gewendet hat 🙂

    P.S.: Weil a bissel Glück für di no lang net reicht… – was für ein unglaublich passendes Song-Zitat aus einem sehr sehr tollen Lied 🙂

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