Familienausflug Teil 1

Familienausflug bei Familie Kasi. Zur Freude des Sohnkinds wollen wir ins Kino, in den neuen Laura-Stern-Film. Dass das Wetter herrlich ist, lassen wir beiseite. Dass ich denke, dass normales Fernsehen für die reizüberfluteten Kinder von heute auch ausreicht zur Bespaßung auch. Jeder im Kindergarten war schon im Kino, nur unser Thronfolger nicht. Wir geben uns geschlagen. Bei herrlichem Herbstwetter. Und weil wir dem Kind einen Wunsch erfüllen wollen.

Zuerst lässt sich alles ganz prima an. Peter freut sich riesig über den Ausflug und weil er endlich mitreden kann beim gemeinsamen Frühstück im Kindergarten. Von der Technik in dem winzigen Kinosälchen ist er fasziniert, mein Mann eher von den niedrigen Preisen der Nachmittagsvorstellung. Der Film beginnt. Für meinen Mann zuerst mit einer hektischen Einkaufaktion, weil Peter die mitgebrachten Schokolinsen nicht mag und unter dem vorwurfsvollen Blick der anderen Eltern lautstark verkündet, dass doch jedermann – „Herrgott“ – auf dieser Welt weiß, dass er am liebsten „nooormaaale Gummibärchen“ ist. Mein Mann tapst schuldbewusst wie eines davon. Ja. Das weiß doch eigentlich jeder.

Dann sitzen wir endlich alle. Sogar auf den richtigen Plätzen. Plötzlich weist uns die Nebensitzerin darauf hin, dass es draußen Sitzerhöher für kleine Besucher gibt. Vorwurfsvoll: „Ihr Kind sieht ja gar nix.“ Ich verkneife mir die Bemerkung, dass man hier umso besser hört – Leute, war Kino schon immer so laut? Oder wird das Publikum immer älter? Der Kasi-Mann will beim ersten Mal alles richtig machen und holt sofort so eine Gummischale, die eher nach Sanitätshandel aussieht als nach Cineastentum. Egal. Das Sohnkind ist glücklich und sitzt hoch. Und wir sind endlich auch zufrieden.

Dieser ungetrübte Zustand des Glücks währt allerdings nicht lange. Peter ist zu leicht für den roten Plüsch-Klappsessel. Und beginnt zu schaukeln. Was höllisch quietscht. Erst die Androhung, man verlasse das Haus sofort und ohne Widerrede, verhilft uns zu Ruhe. Peter sitzt still und verfolgt Lauras Reise nach China. Bis der Neujahrsdrache ins Spiel kommt. Ich habe ansonsten kein sehr sensibles Sohnkind, wie Sie wissen. Aber den Film empfinde ich für kleine Leute (ist immerhin ab 0 Jahren freigegeben) als sehr gruslig. Peter auch. Er verkrümelt sich auf meinem Schoß, hat den Kopf unter meinem linken Arm und wimmert: „So ein schreckliches Vieh.“ Natürlich wiederum lautstark. Ich gebe ihm recht. Mein Mann reagiert pädagogisch sehr sinnvoll, wer von uns wollte mal Lehrer werden? Er sagt: „Ach Peter, komm‘ jetzt.“ Was natürlich zur Folge hat, dass ich, das weinende Sohnkind in der Winterjacke, mit meinem Mann darüber streite, ob ein kleiner Junge im Kino Angst haben muss oder nicht. Ich bin für nein und den sofortigen Amarsch nach Hause. Mein Mann, der Schwabe, man hat ja bezahlt, unweigerlich fürs Bleiben. Und Peter selbst? Heult mittlerweile wie eine Sirene, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er Angst hat oder nicht. Bis ich ihm – pädagogisch auch nicht korrekt – einen Besuch in einem Fast-Food-Tempel verspreche. Sofort spritzt er auf. Mein Mann und ich diskutieren kurz, wer was abräumt (Flaschen, Trinkhalm, Schokolinsen, Gummibärchen). Ich und Peter gehen nach draußen. Das Männlein schluchzt: „Da guck ich lieber wieder Ludolfs oder Bauer sucht Frau.“ Hört zum Glück niemand.

Wer nicht kommt, ist unser Familienoberhaupt. Ich stehe frierenderweise mit dem Sprössling auf dem Kino-Parkplatz und zähle VWs, Audis und Fiats. Erkläre, warum der Panda alt ist und der Golf nicht. Und mein Mann? Kommt nicht. Erst nach gut 20 Minuten lässt er sich blicken: „Ich musste ja noch sehen, wie der Film ausgehen.“ Männer.

Gummibärchen für die Knochen

Ich treibe bekanntlich gern Sport. Ja, eigentlich bin ich sogar richtig ehrgeizig – egal ob beim Mountainbiken draußen oder im Studio drinnen. Heute hatte ich wieder einmal Fett-Mess-Termin im Fitness-Studio. Sie fragen sich vermutlich, was das ist? Nun ja, beim Fett-Mess-Termin bekommt man nicht nur einen neuen Trainingsplan, sondern erfährt auch, ob sich das Training überhaupt rentiert. Also: Wie hoch der Fettgehalt des eigenen Luxusbodys ist. Wie gut der Muskelaufbau. Wieviel zu hoch das Gewicht. Obwohl ich ja nicht wirklich ein Schwergewicht bin, finde ich es immer etwas schwierig, mich so bloß zu stellen – rein zahlenmäßig gesehen. Wer stellt sich, wohlwissend um fiese, hüftig platzierte Speckrollen und silberne Schwangerschaftsstreifen überhalb des Popos gern vor einen jugendlichen Trainer zur Vermessung? Riskiert ein wohl wollendes: „Na ja, das geht noch besser? Oder ganz fies: „So fett siehst Du doch gar nicht aus!“…  Nein, auch mir graute vor der Vorstellung. Deshalb liegt mein letzter Fett-Mess-Termin auch schon so lange zurück. Da war Peter gerade auf der Welt, ich noch um ein paar übrige Schwangerschaftspfunde reicher und dementsprechend unzufrieden mit mir.  Wie gut erinnere ich mich daran, dass ich so große Angst davor hatte, als unförmiges Monster kirchlich heiraten zu müssen…

Dieses Erlebnis hat mich geprägt. Mittlerweile ist mein Sohn vier Jahre alt. Weil mein Trainingsplan nach eigenen Ermessen nun wirklich überholt war, machte ich also wieder einmal einen Termin aus – nach ausgiebigem Sport, tollen Baueinsätzen und langen Bike-Touren allerdings deutlich fitter als beim letzten Mal. Und, das muss ich ohne Einbildung sagen, eigentlich ganz zufrieden mit mir und meinem Körper. Weder bin ich dauernd zittrig, weil das Gewicht zu niedrig ist, noch ärgern mit schwerwiegende Rollen am Hosenbund. ICH war also mit mir im Reinen, und ich hoffte darauf, der junge, sportliche Herr, der in Diensten meines Studios steht, würde es genauso sehen.

Und trotzdem. Ein bisschen Unbehangen schlich mit mir in das Trainerzimmer. Wie erfreut war ich über einen sehr verständnisvollen jungen Mann, der offen gestand, dass er Schokolade und Gummibärchen genauso liebt wie ich. Er am liebsten alles isst – so wie ich. Er von Messwerten gar nichts hält. Ständige Gewichtskontrollen doof findet und den BMI genauso. Einer, der sagte, dass er alles abgrundtief hasse, was man in schöde Zahlen und Kurven presse. Meine Werte, so versicherte er mir, seinen perfekt für mein Alter und meine Größe. Außerdem fand er gut, dass ich bei gutem Wetter lieber Mountainbike fahre und nicht unbedingt im stickigen Studio Gewichte stemmen will. Er gab mir sogar noch tolle Bike-Tipps. So ein netter Kerl. Seht, Ihr Leute, in Fitness-Studios arbeiten also nicht nur posende Pumper, die nur Putenschnitzel und Magerquark essen. Sondern auch Gummibärchen. Natürlich nur für den Knochenaufbau.