Wir hatten es nett

Tage mit den beiden Buben – immer spannend, manchmal anstrengend, aber immer so, dass es irgendwie doch noch etwas zu lachen gibt. Die Sonne scheint nach gefühlten 1934 Tagen endlich einmal wieder. Passenderweise dazu muss Peter einen Text für Deutsch abschreiben. Mit Füller. Über Gewitter und prasselnden Regen. Paul beäugt seinen mit der Zunge mit Mundwinkel emsig schreibenden großen Bruder vom Hochstuhl aus überaus sehr aufmerksam. „Pepe?“ Nein. „Pepe“ schreibt über trommelnden Regen und dunkle Wolken. Paul, der kann jetzt nicht. Außerdem hat Peter jetzt auch noch bei „plötzlich“ ein „t“ vergessen. Mist. Ich betrachte den Frieden gerührt und beginne, die Spülmaschine einzuräumen. „Sowas“, ereifert sich Peter, „jetzt schreib‘ ich da was über Regen… dafür hätten wir doch wochenlang Zeit gehabt. Bin ja froh, wenn mal die Sonne scheint.“ Ich schmunzle. „Nun ja, aufs Wetter kann man die Hausaufgaben nicht auch noch abstimmen.“ Peter hat sehr liebe Lehrerinnen, das sei nebenbei bemerkt. Paul indes wittert Morgenluft. Peter macht eine Schreibpause und legt den Füller unbeabsichtigt sehr nah in Regionen, die vom Hochstuhl aus sehr gut zu erreichen sind. Klirr. Der Füller kracht zu Boden. „Ommm“, sagt Paul, „deda. Ommm.“ „Ihhhhhh“, entfährt es Peter. Blaue Tinte verteilt sich wie moderne Kunst großflächig über Fliesen, Küchentheke und Barhocker. Paulchen hopst in seinem Gestell sitzenderweise auf und ab (ja, das geht… kommen Sie ruhig vorbei, wenn Sie es nicht glauben). Endlich Action im Babyalltag! Peter ist schuldbewusst und senkt den Kopf: „Och nöö, und ich bin auch noch schuld an der ganzen Sauerei. Sorry, Mami.“ Ich wiegle ab: „Was glaubst Du, wie oft MIR sowas passiert…nicht so schlimm. Hilfst Du mir kurz beim Saubermachen?“ Peter nickt. Grinst wissend. Und erinnert mich dezent an das Rührei-Schüttelbecher-Massaker und den Mixer-Kürbissuppen-Zwischenfall. Beide Male war neue, weiße Wandfarbe nötig.

Weil Paul cliffhängerverdächtig in seinem Ikea-Hochstuhl zu klettern anfängt, hebe ich ihn heraus und beschäftige ihn mit pädagogisch wertvollen Entdeckerbausteinen aus naturbelassenem Holz, fünf Schritte weiter im Wohnzimmer. Paul nickt freudig. Freiheit! Spielen! Klasse! Dass die Bausteine lautstark über den vom Mann so heiß geliebten Parkettboden schlittern und seltsame Geräusche verursachen, nehmen Peter und ich billigend in Kauf. Der Große schrubbt hingebungsvoll Theke und Hocker, ich den Boden. Die Tinte ist allerdings hartnäckig. Ich muss die Fliesen ordentlich rubbeln, obwohl Familie Kasi (aufgrund zweier öfter sauigelnden Buben) im Besitz eines superduper Hightech-Bodenschrubbers ist. Hätte ich gar nicht gedacht: Fies, das Zeugs.

Während ich links an der Wand rubble, macht es rechts an der Wand neben mir laut: „Höhöhö“. Ich sehe, wie mein selig grinsendes Baby mit roten Bäcklein und vor allem mit viel Wucht durch die letzte große Tintenpfütze patscht. Nein, hechtet. Paul hat Spaß. Gibt’s ja nicht immer, so einen blauen See in der Küche. Trotz der Schweinerei hat das ganze eine gewisse Situationskomik. Heute Abend lohnt sich die Badewanne. Und Herr Kasi fragt, wenn er heimkommt, sicher wieder: „Naaaa, hattet Ihr es nett?!“ Oh ja. Im Großen und Ganzen schon :-).