So blau wie auf Schalke

Wieder einmal war ich mit meinem Kind beim VfB. Auf dem Bau sind die Gipser, der stromende Elektro-Gatte will die Kanäle für die Leitungen in die Wände spitzen. „Ihr stört doch eh nur“, ist die Antwort auf meine verschämte Frage, ob wir wir vielleicht doch zum VfB… Nun gut, wenn das so ist. Wo wir doch nur stören.

Peter, Gram gebeutelt durch Hausbau und Kindergartenferien, freut sich riesig auf den Fußball-Ausflug. Schon in aller Herrgottsfrühe – kurz vor sechs Uhr – sucht er seinen VfB-Dress. Packt seinen VfB-Rucksack.  Überlegt, wer sein Lieblingsspieler ist („Der Gomez ist ja weg. Dann nehm‘ ich den Cacau. Der heißt ja wie Kaba.“). Ja, wir sind gerüstet.

Vorort, nachdem der erste Hunger und der Durst gestillt sind und ich nach einem Retour-Spurt zum Parkplatz auch endlich alle Jacken und Pullis dabei habe, wagen wir uns ins Stadion. Peter hat die Dauerkarte seines Papas geliehen gekriegt und ist mächtig stolz, als er sich in die Männer-Reihe zum Abtasten stellen darf. Freundlich will ihn der Security-Mann durchwinken. Da hat er die Rechnung allerdings ohne meinen Sohn gemacht: „Auch ICH will abgetastet werden.“ Das ist dem Ordner wohl noch nie passiert, kommt der nachdrücklichen Bitte natürlich trotzdem nach. Feixend.

In unserer Stammreihe bei allen Bekannten angekommen, wird Peter begrüßt wie ein neuer Spitzenstürmer. Der Muskel bepackte Ordner weist gleich alle heraufeilenden Fans an, dass der Platz ganz oben in der Mitte für den „Kleinen“ hier ist. Peter hängt ermattet in  meinem Arm. Nach soviel morgendlicher Hektik ist er total alle, da helfen auch Judiths freundliche Fahnen-Wedel-Versuche nicht mehr wirklich. Ich schlage meinem Thronfolger vor, sich einfach kurz auf die Pullis zu setzen. Ehe ich mich versehe, schnarcht mein Sohn. Wieder einmal vor dem Anpfiff. Als der letzte meiner Kumpels kommt, hat Peter seine dritte Tiefschlaf-Phase hinter sich. Spätestens nach „Walk on“. Bekanntlich allabendlich Peters Einschlaf-Lied.

Die erste Halbzeit erlebt das Kind abermals schlafend. Pünktlich mit dem Abpfiff ist er wieder da, schreit nach Schupfnudeln und Apfelschorle. Beides genießt er wiederum sitzend, zwischen all den hüpfenden, schreienden, Fahnen schwingenden und mitunter auch schimpfenden Fußball-Fans. „Mama, der da hat Arschloch gesagt.“ – „Ach, das hat der nicht so gemeint…“ Damit Peter sein VfB-Tuch besser schwingen kann, geht er wie eine Liesel von einem zum anderen auf den Arm. Der Zwerg ist mit seinen rund 17 Kilogramm zum „eben mal so Heben“ einfach zu schwer. Als wir gehen, sagt der Chefordner: „Tschüss, kleiner Mann, bis zum nächsten Mal.“

Am nächsten Tag sehe ich aus, als wäre ich in eine Schlägerei geraten: die Oberschenkel sind in allen Schattierungen bläulich-rot verfärbt und schimmern an ihren intensivsten Stellen so blau wie ein Schalker Dress. Käme ich so zum Arzt und würde sagen: „Ich war beim Fußball“, hätte der garantiert ein ganz falsches Bild von mir.

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