Pudding, Wasserbomben und die Schlechtigkeit der Welt

Peter ist an und für sich ein friedlicher Kerl – so lange etwas läuft. Wenn es zu lange zu ruhig ist, wird er unruhig – genau wie seine Mama, Frau Kasi. Letztens ereignete sich mitten im Umzugsstress folgende Begebenheit. Peter brauchte Wasserbomben, solche fiesen, kleinen Luftballone, die – gefüllt mit Wasser – zu wahren Nassschleudern werden. Der örtliche Bäcker unseres Vertrauens habe solche Gummiteile im Angebot, das wusste er natürlich genau. Gutmütig willigte ich ein, dort fußläufig vorbeizuschauen – Brot brauchte ich ohnehin. Schließlich hatte sich das Kind diesen Wahnsinnskauf gut eine Woche durch den Kopf gehen lassen. Immerhin ging es um eine Anschaffung von über einem Euro.

Gesagt getan. Frau Kasi und Peter machten sich, bewaffnet mit einem großen Korb, auf die Wasserbomben-Suche. Peter hopste aufgeregt an meiner Hand auf und ab und überlegte sich sogleich, wer sein erstes Opfer sein sollte. Die Wahl fiel auf mich. Eigentlich ungerecht, gab ich zu bedenken, schließlich unterstützte ich ihn ja tatkrätig beim Kauf. „Okay“, sagte Peter, „dann nehmen wir halt den Papa.“ Auch eine Lösung. In der Bäckerei angekommen, fragte Peter sogleich an der Kasse nach den Mini-Luftballons. Dummerweise waren sie aus. Peter ereilte ein Schicksal, das viele von uns wohl kennen. Erst überlegt man ewig hin und her, ob man sich etwas leisten soll. Hat man sich nach tagelangem Hirnkampf endlich dafür entschieden, ist die Ware vergriffen, nur noch in der falschen Farbe da oder fehlerhaft. Das Männchen weinte bitterlich, schluchzte herzzerreißend. Tränen flossen wie kleine Bergbäche aus den zusammengekniffenen Äuglein: „Das ist echt ne schöne Scheiße… und sach jetzt nicht, dass man nicht Scheiße sagen darf. Manche Sachen sind halt einfach Scheiße.“ Da gab es nichts mehr einzuwenden. Peter beklagt lautstark und öffentlichkeitswirksam („Was hot der Kloine denn? War die Mama böse?“) die Schlechtigkeit der Welt und der Konsumwirtschaft. Trotz der immensen Trauer kauften wir Brot, zwei Brezeln und Eier. An der Kasse hatte die mitleidige Bäckerei-Mitarbeiterin ein schlechtes Gewissen – natürlich total grundlos. Sie schenkte Peter eine riesengroße, gelbe Puddigform: „Guck mal Peter, da macht Dir die Mama sicherlich einen tollen Schokopudding rein.“ Tatsächlich ging in Peters Gesichtchen die Sonne wieder auf: „Au ja, vielen Dank. Pudding mag ich total gern. Nur die Haut drauf ist doof.“

Wieder Friede im Frau-Kasi-Peter-Gespann. Neuerlicher Dialog auf dem Heimweg.

Peter freudestrahlend: „Mama, gell, jetzt kochen wir gleich Pudding.“

Ich (total entgeistert): „Neee, das geht jetzt echt nicht. Ich muss noch Schachteln packen. Morgen kommt der Hänger. Das machen wir dann in Ruhe im neuen Haus.“

Peter (schluchzt herzzerreißend): „So ne schöne Scheiße, und sach jetzt nicht, dass man nicht Scheiße sagen darf…“

Ein Gedanke zu „Pudding, Wasserbomben und die Schlechtigkeit der Welt

  1. ich musste beim lesen gerade so lachen. Mir fiel dabei meine Mum ein. Als ich vor ein paar Jahren nachhause gekommen bin, stand in der Küche ein Backblech mit einer dünnen braunen Masse befüllt. Als ich fragte was das ist, meinte sie nur „ach, der Matthias (ihr Enkel) kommt heute zu Besuch und der mag die Haut vom Pudding so“
    Da würden die zwei gut zueinander passen 😉
    Viele Grüße
    Michael

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