Die Sache mit Götz

Peter hat einen dicken Kumpel auswärts. Das heißt, „hatte“. Vor kurzem hatte dieser nämlich seinen 7. Geburtstag, und er hat Peter dazu nicht eingeladen. Das Sohnkind wertet eine solche Missetat als einen geschichtsträchtigen Vorfall – gerade so, als ob Angela Merkel Guido Westerwelle im Bundestag geohrfeigt hätte. Der Kumpel von drei Ortschaften weiter, den Peter über mich bzw. über dessen Mama kennengelernt hat, hat mein Sohnkind nicht zum Geburtstag eingeladen – und das, obwohl er erst kurz zuvor bei uns war. Welch Affront.

Peter durchläuft die haargenau selben Phasen, die jeder von uns kennt. Zuerst ist er bitter enttäuscht und meckert. Ich übe mich im Krisenmanagement und gebe zu verstehen, dass es im Leben oft so ist, dass man nie genau das zurückbekommt, was man gegeben hat. Oja (mein „Parfüm“ von Süskind ist heute noch bei Oli). Dann ist Peter traurig und schluchzt ergriffen vor sich hin. Er tröstet sich, weil alle anderen, die eingeladen sind, eh nicht seine Freunde sind. Am nächsten Tag ist seine Eitelkeit verletzt: „Muss ich mich jetzt genieren? Und was mach‘ ich wenn ich Geburtstag hab?“ Das ist gottlob erst im Juni. Vier Wochen später kommt eine Gegeneinladung – von der Mama des einstigen Kumpels. Peter, ganz Mann, zitiert Götz von Berlichingen. Und lässt mich ausrichten, er gehe viel lieber zu seiner Oma.

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