Rostbraten war gestern

Im Leben muss man immer genau aufpassen, genau lesen (vor allem das Kleingedruckte), genau schauen und sich genau ausdrücken. Erwartet man Besuch „so kurz nach fünf“, kommen meine liebsten Gäste ab 17.30 Uhr – wenn ich frisch geduscht, gut gelaunt und perfekt geschminkt mühelos das Essen in der aufgeräumten Küche fertig stelle. Wieder andere Besucher sind schon um 16.30 Uhr da – die mag ich persönlich gar nicht, die fröhliche „Wir-dachten-es-gibt-vielleicht- noch-was-zu-tun-Fraktion“, die dann verständnislos meine nassen Locken mustert und das Chaos in der Küche. Und dann gibt es noch diejenigen, von denen man gar nicht mehr glaubt, dass sie noch kommen, denn wenn sie eintreffen, sind die Töpfe längst leer, die Flaschen auch, und man muss mit einem Gürkchen-Wurstbrot und warmem Bier improvisieren. Besser ist es da, kurz und bündig zu sagen: „Es gibt um 18 Uhr Essen.“ Klare Ansagen machen das Leben leichter. Genauso einfach ist es natürlich,  ins Restaurant zu gehen. Doch auch da ist Genauigkeit Trumpf – das erfuhren unlängst gute Bekannte von mir. Frohgemut entdeckte man, dass zum Tagesessen an diesem Tag original-echter schwäbischer Rostbraten in der Speisekarte stand, fein gebraten mit hauchdünnen Zwiebelringchen. Wie staunten die sehr erwartungsfroh-hungrigen Gäste, als ihnen zwei Teller mit einem undefinierbren Nudelgericht vorgesetzt wurden. Nun ja, wie sagt der Schwabe so schön: „D’r Honger treibt’s nei…“ Was die beiden Besucher aßen, war Ihnen nicht ganz klar. Sie mussten es beim Verlassen des Restaurants auf der großen Angebots Tafel nachlesen: Thailändisches Gemüse-Curry auf Pute mit Ingwer und Zitronengras.“ Dort stand übrigens auch, dass Donnerstag war und nicht Mittwoch. Rostbraten war gestern.

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