Gestatten, mein Name ist Chaos

Bei uns daheim ist das Chaos neuerdings vierter Mitbewohner: ständig präsent, ständig aktuell, ständig nervend. Kleines Beispiel gefällig? Um kurz nach sieben Uhr. Samstag.  Friedlich döse liege ich in den warmen Federn. Lautes Schreien aus dem Bad. „Paaaapa, bin auf dem Klo…“ Gut, dass Peter „Papa“ gerufen hat. Nach beendeter Sitzung spielt der Thronfolger noch ein bisschen „Rutschen auf dem neuen Bett“. Laut, aber friedlich. Dann kurz nach 8 Uhr. „Maaama…“ Aha. Vermutlich Hunger. „Muss dringend was essen.“ Ach ja. Ergeben stehe ich auf, dass mein Magen auch knurrt, muss das Kind ja nicht wissen. Während ich  den Wischmopp auf meinem Kopf bändige, knallt es in der Küche. Lautes Weinen. Oh Gott. Ich bin schon fast beruhigt, als ich lediglich die Maultaschensuppe auf dem Boden erblicke. Und nicht lose Arme oder ausgeschlagene Zähne. „Schimpfst Du mich?“ (Hab ich so einen schlechten Ruf?) Ich bin zu erleichtert, um zu schimpfen. Sammle übrig gebliebene Maultaschen ein, das Geschirr, und tröste das immer noch verzweifelte Männlein, das Rotz und Wasser weint: „Kann man die noch essen? Aber gell, heil geblieben sind sie ja?“ Die Brühe macht Mühe, sie ist überall reingelaufen, hinter jede formschöne Dekorabdeckung. Toll, wir müssen das komplette Küchenmobiliar auseinander nehmen, brauchen literweise Essigreiniger für das fettige Zeug, stellen das Leergut in den Flur, wischen in jedem kleinen Winkel feucht aus, meckern vor uns hin. Peter deckt währenddessen schuldbewusst den Tisch: „Warum steht die Suppe auch im Kühlschrank? So was gehört doch in die Speisekammer.“ Bis es wieder knallt. Lautstark stolpert der arme Knirps  – mit dem randvollen Brotkorb! – über die in der Diele abgestellten Flaschen und verliert Toastbrot, Brötchen, Vollkornbrot, welches sich in einem bunten Regen auf den Teppich ergießt. „So ein verflixter Mist… warum müssen auch die blöden Flaschen hier stehen?“ Ach ja. Kinder bereichern das Leben, machen viel Freude. Und das schon früh am Morgen. Sind sie dann man auswärts bei der Oma, sitzt man dennoch früh um sieben in der Küche und überlegt, wie man jetzt am besten Krach machen kann, damit es nicht so einsam ist. Und kann es nicht erwarten, bis wieder jemand schreit: „Bin auf dem Klo… wer hilft mir?“

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