Ein Zweiglein zum Feiertag

Es ist Palmsonntag. Wir wollten alle zusammen frühmorgens in die Kirche (bei uns ist 9.30 Uhr frühmorgens, wir sind alles Schlafkatzen). Um es gleich vorwegzunehmen: Hetze am Morgen ist bei uns normal. Egal wie früh oder spät wir aufstehen, egal, wer sich alles waschen muss, egal, wie üppig das Frühstück ist. Wir kriegen es nie geregelt. Schon ohne Kind nicht, mit ist es noch viel schlimmer. Weil ich ohne Frühstück NICHT aus dem Haus kann, ist mein erster morgendlicher Gang stets in die Küche zur Kaffeemaschine, erst dann geht es ins Bad. Ohne Koffein bin ich nicht lebensfähig, zumindest am Morgen, und ich kann auch noch nicht allzu viel Familie aushalten. Ich bin kein Muffel, will aber einfach meine Ruhe. Aus diesen Gründen scheitert der sonntägliche Kirchenbesuch bei uns auch an der frühen Morgenzeit und am Einfach-Nicht-Geregelt-Kriegen. Heute war das anders, ich musste vom Gottesdienst anlässlich des Palmsonntags von Berufs wegen Fotos machen. Hetze pur. Was ich als evangelisch getauftes Menschenkind und noch dazu zugezogenes Dorfkind nicht wusste: Bei uns im Ort basteln die Eltern die Palmen für die Kinder, also die wunderbaren Zweiggebinde mit Eiern, Kreuz und Perlen, die im Gottesdienst geweiht werden (mein Kind ist katholisch getauft). Nun standen wir also drei Mann hoch an der Kirche, alle Kinder, wirklich ALLE hatten nette Zweiglein dabei, mein eigenes nicht und fand das doof. Disput unter den Erzeugern: Wer hätte das mit den Palmen wissen müssen? Wer gar eine basteln? Zermürbt „besorgte“ mein Mann noch auf die Schnelle ein Tuja-Ästchen (woher, will ich nicht wissen. Vermutlich von Nachbars Hecke oder so). Wir gehen in die Kirche. Peter ließ danach Zweiglein Zweiglein sein und wollte lieber das Foto machen, was ja eigentlich mein Job gewesen wäre. Er konnte nur mit Mühe davon überzeugt werden, dass es besser für Veröffentlichung und Ausrüstung ist, wenn ich diese Aufgabe selbst übernehme. Das alles geschah natürlich lautstark und unter heftigem Protest (die Gemeinde sang schon). Nun ja, zehn Fotos später. Kind hatte sich beruhigt. Wir verlassen die Kirche in Richtung Kindergottesdienst, Foto und Ast im Gepäck, schwitzend. Peter brüllt: „Jetzt muss ich aber noch mal dringend. Ich weiß auch, wo der Pfarrer das Klo hat…“ Sonntagmorgen 9.45 Uhr. Verstehen Sie nun, warum ich um diese Zeit gern im Bett bin?

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