Rote Karten, blaue Briefe

In Peters Kindergarten ist es ein lobenswerter Brauch, dass ein Kind „Verbot“ kriegt, wenn es nicht aufräumt. Das finde ich gut – ich kann gut nachvollziehen, dass keine Erzieherin der Welt Lust hat, sich wegen diverser Aufräumaktionen den Mund fusslig zu reden. Ehrlich gesagt, reicht mir zu Hause mein beratungsresistentes Einzelkind zuhauf, was das anbelangt. Deshalb verstehe ich nur zu gut, dass die Erzieherinnen wenig Ambitionen haben, ständig hinter 20 bis 30 kleinen Ferkelchen herzuräumen.

Mein Kind ist defintiv ein solches Ferkelchen. Eher sogar ein ausgewachsenes Ferkel. Im Kindergarten gibt es also Kaspertheater-, Puppenecken- oder Baueckenverbot. Daheim kann ich dem Kind schlecht das Wohnzimmer verbieten – wohl aber den Fernseher.

Im Kindergarten hängt nach Verhängung eines Verbots stets ein roter Zettel mit den Namen all jener Kinder drauf am betreffenden Spielobjekt – also Kaspertheater, Puppenecke oder Bauecke. Daheim klebt mittlerweile ein Zettel an der Glotze, weil Peters Papa ja oft nicht wissen kann, was ich und das Kind miteinander erkämpft haben. Außerdem haben wir erziehertechnisch zu Hause mitunter „fliegenden Wechsel“. Da ist die Kommunikation über Zettel mitunter der einzige Weg, sich zu verständigen. So weit ist das ja alles gut und schön mit der Konsequenz. Wenn da nicht das „Arbeitszimmer“ von meinem lieben Mann wäre. Das, liebe Freunde, sieht aus, als hätte eine Bombe reingeschlagen. Und zwar mittenmang.

Passenderweise kommt mein Mann heute gerade heim, als Peter und ich mal wieder wegen diverser Aufräumaktionen kämpfen. Markus weiß das nicht und erkundigt sich teilnahmsvoll: „Na Männchen, was is’n los?“ Peter schluchzt herzzerreißend: „An DEIN Zimmer kleb ich auch mal einen roten Zettel…“ Rote Zettel, das weiß man doch, sind genauso schlimm wie rote Karten auf dem Sportplatz. Sie bedeuten: „Stopp.“ Das erklärt auch einen Satz meines Sohnemanns am heutigen Mittag: „Du Mama. Hab zwar Verbot gekriegt. Aber der Zettel war blau.“ Na, dann geht das ja noch. Wenn er mal in die Schule geht, hätte ich an blauen Briefen mit Sicherheit keine Freude. So viel heute zur Farbenlehre.

PS: Soeben kommt der Knirps in mein Arbeitszimmer und beginnt, diverse Kostbarkeiten wie Fahrrad-Reflektoren, Lego-Autos und Gummi-Männchen auf meinem Schreibtisch zu drapieren. Als ich frage, was das wird, antwortet er: „Wenn ich wieder Sauerei mache, kommt das schon mal nicht rein.“ Sie sehen, beratungsresistent.

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