Künstlerpech

Es ist Fasnet. Der Mann will abends noch aus und kämpft tagsüber wacker auf seiner Baustelle mit schicken, integrierten Deckenleuchten, die auf Neudeutsch Downlights heißen. So wie ich mich mit einem porösen Hirn zu erinnern glaube, war Abfahrt zu seiner Fete irgendwann so kurz nach sieben. Jetzt ist kurz nach sieben. Und vom Holden selbstverständlich noch keine Spur. Ich bin eine gute Ehefrau. Rufe ihn an und erinnere ihn an seine Fasnetssause. „Ach komm, was hektiziert Du schon wieder?“ bekomme ich gelangweilt zur Antwort. Abfahrt, so erfahre ich, sei erst gegen acht Uhr. Ich verkneife mir die Frage, ob er wisse, wie lange er im Bad brauche? Dass er Haare waschen UND rasieren müsse? Frau Kasi beschließt: Herr Kasi ist alt genug. Was er de facto mit knapp 40 ja auch ist.

Deshalb wundere ich mich auch nicht, als auch um acht Uhr kein Männe zu Hause ist. Was weiß ich, wie er verabredet ist? Ich versorge das müde Kind mit Speis und Trank. Badewanne. Danach bin auch ich müde und platziere meinen Luxuskörper auf der Couch, deren Faszination ich sofort erliege. Der Gatte kommt irgendwann kurz vor halb neun ins Haus gepoltert und will sich gemütlich ins Bad aufmachen. Plötzlich fällt sein Blick auf die Funkuhr an unserer Wohnzimmerwand. Ein spitzer Schrei. Ich hebe verwundert den müden Kopf und blicke entgeistert auf seine Armband-Uhr. Dort ist es exakt 18.26 Uhr. Künstlerpech.

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