Zurück aus dem Labyrinth

Wer Kinder hat, muss pausenlos loslassen. Klingt pathetisch, was ich da von mir gebe, was? Denn Frau Kasi muss grad ordentlich lernen, dass der große Sohn wirklich ein Großer ist. Immerhin ist er schon über zehn.

Am Samstag hat er alleine im Bus an einer Fahrt in ein beliebtes Spieleland teilgenommen. Allen, die entsetzt aufschreiben: Ja, es waren reizende Betreuerinnen dabei. Nein, ihm ist nichts passiert. Ja, er ist wieder gekommen. Ich habe mir ehrlich gesagt zunächst ja auch keine Sorgen gemacht. Ab zehn Jahre, so stand’s in der Einladung, dürften Kinder alleine mitfahren, also ohne Mama und Papa. Ich gebe es ja zu: Ich reiße mich nicht um Vergnügungsparks, Indoor-Spielplätze, Spieleparks. An diese Einrichtungen hätte ich mich nach dem zwölften Kind noch nicht gewöhnt. Entsetzlich: Riesenrutschen, die ich nicht mag. Menschenmengen, die mir Angst machen. Entnervte Eltern, quengelige Kinder, zu fettiges Essen…. Wie gesagt, ich war froh, um diese Fahrt herumzukommen.

Zunächst. Doch je näher der Ausflug rückte, desto größer die Horrorszenarien, die ich mir so ausmalte. Wo hatte ich nur von diesem fürchterlichen Achterbahn-Unglück gelesen? Was war mit dem schweren Reisebus-Unfall auf der Autobahn? Was passiert eigentlich, wenn Peter den Bus nach Hause verpasst? Für das Sohnkind, das habe ich gemerkt, war es sehr wichtig, alleine an der Fahrt teilzunehmen. Und er hatte keinerlei Bedenken, das nicht hinzubekommen. Warum auch? Ich nahm mich also zusammen und litt leise, schwor mir, meine Nervosität niemandem mitzuteilen. Einmal bin ich kurz rückfällig geworden: über Mittag. Da habe ich Peter eine SMS geschrieben: Ob auch wirklich alles klar sei? Kurze Antwort: Ja. Warum nicht? Bin im Labyrinth.“ Ein Labyrinth? Oh Gott. Das hatte ich ja gar nicht auf dem Zettel gehabt. Richtig entspannt war ich erst wieder, als er artig daheim auf dem Sofa schlief. Komplett ermattet vom Achterbahn fahren und Wildwasser-Rutschen. Rausgeld hat das artige Kind auch noch mitgebracht! Und einen Tombola-Gewinn gleich an seinen kleinen Bruder verschenkt. Herzglitzermoment.

Tja. Peter kommt jetzt in die fünfte Klasse, er wird also jeden Tag Bus fahren müssen in die Stadt. Es ist nicht anzunehmen, dass ich da jeden Tag dabei bin. Von daher war der Spieleland-Ausflug eine gute Generalprobe für die neue Schule. Außerdem, davon bin ich überzeugt, hat SEIN Selbstvertrauen viel mit MEINEM Zutrauen in ihn zu tun. Ich verrate es Ihnen nicht, wenn ich heimlich dem Bus hinterherfahre. Nur um zu gucken, ob er richtig aussteigt.

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