Deda mam. Hmmm.

Letztens las ich einen schönen Text einer erfahrenen Mutter, die von einer „gesunden Form der Verwahrlosung“ schrieb, die beim zweiten Kind eintrete. Wissen Sie was? Sie hat recht! Wenn ich darüber nachdenke, was für einen Aufstand wir alle um Peters Ernährung machten, als der Kleine ungefähr so alt war wie Paulchen heute… Peter bekam alles, was in irgendeiner Form pädagogisch wertvoll, biologisch auf Herz, Nieren und Leber geprüft und am besten auch noch sehr spaßfrei daher kam. Nun gut, Peter wusste es nicht besser und dachte vermutlich, so sähe das Leben nach der Muttermilch halt einfach aus. Eine traurige Tristess aus ganz viel Naturbelassenheit und schrumpeligen Äpfeln. Tapfer mampfte das Männlein Hirseschleim mit Fenchel (uägh) und tonnenweise Möhrengemüse mit komplett unbehandeltem Fleisch, das schon beim Kochen seltsam vor sich hin roch. Süßigkeiten? Werk des Teufels! Kannte Peter nicht bis zu seinem zweiten Geburtstag (halt, bis auf eine kleine Ausnahme, als er den Süßwaren-Schrank im heimischen Wohnzimmer enterte und Gummibärchen stahl.) Klar. So liest man es (vermutlich irgendwie auch zu Recht) in jedem Babyratgeber. Tonnenweise Nutella und Schokokuss sind halt einfach nichts für kleine Mägen. Dem stimme ich auch voll und ganz zu.

Wohl fast jede Mutter mit mehr als einem Sprössling wird mir bestätigen, dass ab dem zweiten Kind alles anders wird. Viele Gedanken macht man sich gar nicht mehr. Ehrlich gesagt sind viele auch gar nicht nötig, und die Zeit hat man irgendwie zwischen Diktatüben, Schwimmtraining und Schachkurs auch nicht mehr. Paul zum Beispiel isst vom Tisch, seit er vier Monate alt ist. Möhrenmatsch fand er seit jeher doof – er sah doch, dass Peter Pasta mit Lachssauce oder Hühnchen mit Grillkartoffeln aß. Wohlgemerkt am Stück und nicht zur Unkenntlichkeit vermascht und püriert. Weil Paulchen so sein wollte wie Peter, lehnte er außerdem konsequent alles ab, was fertig aus dem Glas kam (bis aufs Obst). Gut, ohne fertigen Gemüsematsch konnte ich leben – ich selbst mag an den Inhalt der meisten Gemüse-Gläschen nicht mal riechen. Was tun also mit einem Baby, das zwar keinen einzigen Zahn, aber dafür jede Menge Appetit hatte? Sie werden’s erraten. Wir haben ihm einfach vom Tisch gegeben. Wir haben einfach weniger gewürzt und gesüßt und später gegebenenfalls für uns selbst nachgesalzen, nachgezuckert oder nachgepfeffert. Rinderbraten, Kartoffelpuffer und Gemüse wurden fein und klein geschnitten und kamen – Achtung! – vor allem aus der gleichen Schüssel wie für den Rest der Familie. Paul aß darauf hin mit Hochgenuss Wiener Schnitzel, Gurkensalat und Sauerkraut. Nein, Bauchweh hatte er nie. Paul mag am liebsten Spaghetti mit Tomatensauce, Ravioli und Pfannkuchen. Und, pssst, Paul kennt natürlich auch schon den Wohlgenuss von Himbeereis, Gummibärchen und Schokolade. Um vorzubeugen, dass jemand hektisch aufschreit und nach dem Jugendamt verlangt: Paul darf davon ganz wenig und natürlich auch nicht jeden Tag. Aber er hat nicht dass Gefühl, dass er irgendetwas weniger bekommt als Peter. Dafür hat er auch noch nie den Süßschrank geplündert. Und die Zähne putzen wir ihm selbstverständlich auch. Und sind wir einmal ehrlich: Ab und an ein bisschen Nutella naschen, das ist doch das Himmelreich. Sagen wir es mit Paul: „Deda mam. Hmmmmm.“

Denken bei der Arbeit

Kind wird von mir am Kindergarten abgeholt, ausnahmesweise mal pünktlich. Peter ist zur Zeit sehr faul und mag überhaupt nicht zu Fuß gehen. Dieses Mal habe ich in der Tat das Auto dabei, weil ich eben erst von einem Termin zurückkomme. Folgender Dialog am Kindergartentor.

Peter: „Hi, Mama. Hast Du ausnahmsweise heute mal das Auto dabei?“

Ich: „Ja, ausnahmsweise.“

Peter: „Da hasse Dir ausnahmsweise mal was gedacht.“ Danke auch.

Bei den Vorbereitungen fürs Mittagessen gehen die Schmeicheleien weiter. Ich koste die Sauce. Peter kommentiert das mit: „Lirum Larum Löffelstiel. Alte Weiber fressen viel.“ Auch nett. Schön, dass wir auch darüber gesprochen haben.

Was weg muss

Wir essen gemeinsam mit den liebsten Handwerkern unseres Vertrauens auf unserer Baustelle. Es gibt ein klassisches Familie-Kasi-Essen: Räubertopf. In den Räubertopf kommt für gewöhnlich alles, was verwertet werden sollte: Hackfleisch, Wurstrestchen, Möhren, Erbsen, Mais, Bohnen, Pilze. Dieses Mal sind ausnahmsweise KEINE Reste drin, sondern frische Möhren und Pilze und bestes Rinderhack. „Na, Peter, ist das Dein Lieblingsessen?“ wird der heftig essende Sohn gefragt. „Hmmmm…“, mümmelt Peter mit vollen Backen, „obwohl. Wir packen da ja eigentlich nur immer Reste rein. Also das, was weg muss oder abgelaufen ist“.