Fundsachen und Fundstücke

Wer so schusselig ist wie ich, kennt das Problem. Wer ein schusseliges Kind hat wie meines ebenfalls. In allen Fundämtern landauf landab bin ich wohl bekannt. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe und Peter währenddessen in der Kinderbetreuung weilt, lassen wir bei durchschnittlich zwei Besuchen pro Woche drei Mal etwas liegen. Ich kenne die kleine Studio-Besenkammer, in der Fundarchivalien aufbewahrt werden, besser als meine eigene Küche. Ständig wird bei uns im Haus etwas vermisst. Derzeit sind es eine rote Mütze, unzählige Socken, eine Kindergarten-Tasche mit Benjamin Blümchen drauf und ein Toten-Hosen-T-Shirt. Außerhäusig sind ein Rucksack (steht bei der Tante meines Mannes in der Schweiz) und ein paar Adiletten. Nicht zu vergessen als jene Gegenstände, die wir im Auto spazieren fahren.

Gestern morgen habe ich ob solcher Schusseligkeit mit dem Fundamt unserer Gemeindeverwaltung telefoniert. Schließlich hatten die letztes Mal meine Sommerjacke. Dieses Mal hatte ich allerdings Pech mit meiner Anfrage – die Blümchen-Tasche war nicht vorort. Freundlich verwies man mich jedoch an die örtliche Sporthalle. Bei meiner Suche durch drei große, blaue Plastiksäcke fand ich die Blümchen-Tasche nicht. Wohl aber eine Mütze und eine Hose vom Sprössling und einen Schal. Immerhin. Auch wenn das Zeug peinlicherweise niemand vermisst hatte.

Weißrot beschirmt und etwas schusselig

Zur Zeit bin ich etwas schusselig. Beispiel: Letztes Wochenende. Viele Termine. Viel Arbeit. Stress pur. Nun gut, da passieren Pannen. Samstagmittag. Ich bin auf einem Termin und vergesse dort meinen Block. Sonntag: Ich vergesse konsequenterweise gleich den ganzen Termin. Dienstag: Ich finde nach dem Termin in der nächtlichen Innenstadt mein Auto nicht mehr. Am Mittwoch muss ich beim Unterzeichnen einer Überweisung doch glatt auch noch überlegen, wie ich eigentlich heiße – schlappe fünf (!) Jahre nach meiner Heirat. Am Donnerstag: blieb ein Regenschirm auswärts. Muss ich mir Sorgen machen? Vermutlich schon. Ich schätze, es gibt Ärzte, die so etwas therapieren. Allerdings würden die mir besser mal einen meiner vielen Termine abnehmen. Ach ja, ich hab übrigens alle Pannen wieder glatt gebogen. Den fehlenden Block brachte mir mein Kind über Umwege aus dem Kindergarten mit („Kannst Du mir mal sagen, warum ich ein Päckchen mit nem Block bringen muss?“). Den vergessenen Termin machte ich durch eine freundliche Telefonrecherche und eine riesig nette Gesprächspartnerin wieder wett. Und das Auto habe ich auch wieder gefunden (zum Glück). Einzig und allein mein Regenschirm blieb verlustig. Leider der einzig schwarze, den ich besitze – für traurige oder feine Anlässe. Wenn Sie also demnächst bei einer Beerdigung oder ähnlichem ein sorgsam gekleidetes Fräulein mit einem weiß-rot-gestreiften Schirm leuchten sehen, bin das ich.