Punkt für Kasi

Dass ich geblitzt worden bin, erheitert meine Männer. Ich hoffe, vor allem dem Großen vergeht demnächst nicht das Scherzen, wenn das offizielle Amtsschreiben à la „Ihnen wird zur Last gelegt“ ins Haus kommt und er vier Wochen lang Chaffeur spielen darf – nicht für Miss Daisy, sondern für Mrs Kasi. Dass ich gern rasant fahre, ist hinlänglich bekannt. Auch, dass ich mitunter sehr unorthodox parke. Als ich damals heiratete, war der Brüller des Abends ein Foto all meiner Strafzettel – ungelogen ein knietiefer Haufen Papier. Aber dieses Mal ist es anders. Ich wurde im Stadtgebiet (wenn auch SEHR außerhalb) geblitzt. Und ordentlich flott. Hoffentlich reicht’s.

Nichts desto trotz. Gesetzt den Fall, ich kriege zwei Punkte. Dann wären das pro autofahrendem Jahr 0,12 (gerundet) Punkte. Ich finde, das ist nicht viel. Auch ein wohlwollend geschätztes Bußgeld von 80 Euro liest sich mit 4,71 pro Jahr relativ lässig, finde ich. Das ist nicht einmal der Gegenwert von einmal Falschparken im Ebinger Spitalhof oder Dummerweise-Parkuhr-Nicht-Verstellt. Nicht berücksichtigen darf man in der Aufstellung allerdings, dass ich nicht immer vorschriftsmäßig Auto fahre. Und von daher viel öfter…. Aber lassen wir das. Sicher  ist dieses Mal aber eins: Punkt für Kasi.

Warten auf Freitag

Kennen Sie auch solche Wochen, in denen Herr Murphy, Sie wissen schon, der mit den üblen Gesetzen, ständig zu Besuch ist? So eine Woche, in der tausend Gläser kaputt gehen? Das Email-Programm streikt? Die Parfüm-Flasche am Badboden zerschellt? So eine Woche habe ich gerade. Leider ist erst Dienstag.

Gestern Abend wurde ich (wieder einmal) geblitzt. Leider innerorts. Leider viel zu schnell. Ich hoffe auf eine Mega-Toleranz-Zone, ein verdrecktes Nummernschild und etwas Glück. Ich will schließlich nicht zu Fuß gehen. Außerdem muss ich meine Wohnung putzen. Anstatt eines netten Lobs von einem meiner Familienmitglieder fließt mein sündhaft teures Gesichtswasser den Abfluss hinunter, weil ich das Glasregal sauber wischte und die Flaschen liegenderweise im Waschbecken aufbewahrte. Der Kippverschluss meines Gesichtswassers mit Baumwollblüten war leider offen. Shit happens. Derzeit gibt mein Sohn alias Campino mit seiner Kinder-E-Gitarre ein Konzert auf meinem Schreibtisch und hört dazu zum gefühlten 1000. Mal „Benjamin Blümchen und die Spaghetti-Eis-Maschine“ an. Natürlich ist ihm trotzdem langweilig. Im Briefkasten waren nur Rechnungen (hohe!) und die Wasser-Nachzahlung. Mein Mann muss länger arbeiten und ich habe noch einen Abend-Zeitungstermin vor mir, in dem es um nichts als Zahlen geht (bekanntermaßen nicht gerade mein Spezialgebiet). Außerdem ist das Nutella aus, ich habe nur noch glutenfreies Brot im Haus und und und. Sie wissen sicher, was ich meine. Hoffen wir also gemeinsam auf den Mittwoch. Und warten auf Freitag.

Sogar noch richtig neu

Es gab ein schweres Gewitter. Bei uns zu Hause funktionieren weder Telefon, noch Internet oder Fernsehen. Ich erkläre Peter, dass da wahrscheinlich weit weg irgend etwas durch einen Blitz kaputt gegangen ist, das aber nicht ganz so tragisch ist, weil wir ja noch die Handys haben, um im Notfall telefonieren zu können. In einem Anschwung von Nostalgie erkläre ich dem aufmerksam lauschenden Knirps, dass ich in einer Zeit ohne Handys groß geworden bin: „Das gab es noch nicht, als ich klein war.“ Das Kind nickt fachmännisch: „Klar, das ist ja auch schon lang her. Gab es da überhaupt schon Telefons?“ Ich erinnere mich an schauderhaft grüne oder orangene Exemplare, gern auch im Brokatröckchen, die meistens auf einem formschönen Telefontisch in der Diele standen. Trotzdem nicke ich eifrig: „Ja, klar Peter, Telefone gab es schon, als ich klein war.“ Peter lässt nicht locker: „Obwohl das schon sooo lang her ist?“ Was denkt das Kind? Dass ich höchstselbst bei der Erfindung des Telefons zugegen war? Der Thronfolger kann das gar nicht fassen. Aber er ist gnädig: „Aber so ganz alt bist Du ja auch noch nicht. Sogar noch richtig neu.“

Unsere Telefon-Diskussion nimmt eine andere Wendung. Peter ärgert sich, dass nichts mehr funktioniert. „Wie ruft man jetzt Emäls ab?“ -„Jetzt zuerst mal gar nicht. Aber das ist nicht so tragisch, ich muss heute nicht mehr arbeiten.“ Peter überlegt weiter und streckt seinen rechten Zeigefinger wissend in die Höhe: „Ich weiß was“, ruft er beglückt aus. „Wir beschweren uns bei Herrn Donner und schreiben dem einfach einen bösen Brief, und dann läuft die Kiste wieder.“ Ich mache mir ernsthaft Gedanken um meine Rolle als pädagogisch-wertvolles Vorbild: So läuft es also bei uns. Wenn irgendwas nicht klappt, schreibt Mama Kasi einen bösen Brief, und alles ist wieder im Lot. Wieder einmal nehme ich mir vor, dass das Kind nicht ALLES mitkriegen sollte.“