Was ich hasse…

… wenn es nach dem ersten Frühlingstag wieder schneit und friert und eklig kalt ist.

…. wenn das Nutella aus ist.

… wenn mein Mann fragt: „Kasilein, könntest Du noch KURZ…?“ Haha. KURZ. Heißt meistens: Dauert Stunden. Und „Kasilein“ stinkt zum Himmel.

… wenn mein Kind mich nachts um drei in meinem Bett heimsucht und sich dann auf quer dreht. Das bedeutet, dass ich auf dem Nachtschränkchen direkt neben dem Wecker schlafe.

… wenn das Telefon nach 21 Uhr klingelt und das Kind weckt. Eigentlich reicht da auch schon nach 20 Uhr.

… wenn mein Handy-Akku immer gerade dann leer ist, wenn ich DRINGENDST telefonieren müsste.

Wird fortgesetzt. Mit Sicherheit.

Wir und das iPhone

Ich habe ein neues iPhone. Eigentlich haben es eher wir – Peter und ich. Peter hat das kleine Kistchen schon super im Griff und würde am liebsten jeden Tag tolle Handyspiele herunterladen (also die so genannten Apps), seine Stimme aufnehmen oder mal kurz navigieren, wo wir im Urlaub hinfahren. Dank eines sehr freundlichen Kumpels, der Peter stundenlang sein iPhone zur Verfügung stellte, damit der Thronfolger Monopoly spielen konnte, glaubt das Kind allerdings, ein iPhone sei eine Monopoly-Maschine, mit deren Hilfe man uneingeschränkt im Knast landet, Bahnhöfe kauft oder Einkommenssteuer abdrücken muss. Warum das Monopoly-Programm allerdings verlangt: „Rütteln Sie an Ihrem Gerät“, wenn man würfeln muss, ist mir bislang noch unerschlossen.

Lange Rede kurzer Sinn. Peter glaubt also, ich hätte jetzt eine Monopoly-Maschine. Als ich die Handykarte einbaue, fragt er, was das werde. Ich erkläre ihm, dass das zum Telefonieren ist. „WAAAAS?“ fragt der Zwerg: „Telefonieren kann es auch noch?“ Ich erkläre ihm, dass es einst Zeiten gab, in denen Telefone nur zum Telefonieren da waren, keine Kameras hatten und kein Navigationsgerät. Peter fragt: „Mama, DAS ist sicherlich schon GAAAAANZ lang her. Da nämlich, als Du noch jung warst.“

Sogar noch richtig neu

Es gab ein schweres Gewitter. Bei uns zu Hause funktionieren weder Telefon, noch Internet oder Fernsehen. Ich erkläre Peter, dass da wahrscheinlich weit weg irgend etwas durch einen Blitz kaputt gegangen ist, das aber nicht ganz so tragisch ist, weil wir ja noch die Handys haben, um im Notfall telefonieren zu können. In einem Anschwung von Nostalgie erkläre ich dem aufmerksam lauschenden Knirps, dass ich in einer Zeit ohne Handys groß geworden bin: „Das gab es noch nicht, als ich klein war.“ Das Kind nickt fachmännisch: „Klar, das ist ja auch schon lang her. Gab es da überhaupt schon Telefons?“ Ich erinnere mich an schauderhaft grüne oder orangene Exemplare, gern auch im Brokatröckchen, die meistens auf einem formschönen Telefontisch in der Diele standen. Trotzdem nicke ich eifrig: „Ja, klar Peter, Telefone gab es schon, als ich klein war.“ Peter lässt nicht locker: „Obwohl das schon sooo lang her ist?“ Was denkt das Kind? Dass ich höchstselbst bei der Erfindung des Telefons zugegen war? Der Thronfolger kann das gar nicht fassen. Aber er ist gnädig: „Aber so ganz alt bist Du ja auch noch nicht. Sogar noch richtig neu.“

Unsere Telefon-Diskussion nimmt eine andere Wendung. Peter ärgert sich, dass nichts mehr funktioniert. „Wie ruft man jetzt Emäls ab?“ -„Jetzt zuerst mal gar nicht. Aber das ist nicht so tragisch, ich muss heute nicht mehr arbeiten.“ Peter überlegt weiter und streckt seinen rechten Zeigefinger wissend in die Höhe: „Ich weiß was“, ruft er beglückt aus. „Wir beschweren uns bei Herrn Donner und schreiben dem einfach einen bösen Brief, und dann läuft die Kiste wieder.“ Ich mache mir ernsthaft Gedanken um meine Rolle als pädagogisch-wertvolles Vorbild: So läuft es also bei uns. Wenn irgendwas nicht klappt, schreibt Mama Kasi einen bösen Brief, und alles ist wieder im Lot. Wieder einmal nehme ich mir vor, dass das Kind nicht ALLES mitkriegen sollte.“

Wenn der auch nicht hört

Ein hektischer Tag. Spät vom Termin zurück. Im Sturmschritt eingekauft. Kind vom Kindi abgeholt. Wenigstens war der Thronfolger dankbar: „Super Mama, heut‘ war ich wenigstens mal nicht der Letzte.“ Danach mit fliegendem Schurz und unendlicher Hektik ein nahrhaftes und leckeres Mittagsmenü gezaubert. Während ich bis zu den Ellbogen in der Fleischmarinade stecke, klingelt das Telefon. Weil ich den Hörer ungern mit Chili-Sauce vollschlunzen will, weise ich das Sohnkind an, sich ordentlich zu melden und freundlich mitzuteilen, dass seine Mama gerade kocht und später zurückruft, er aber auf jeden Fall nach dem Namen fragen soll. Das Klingeln hört auf, Peter ist also am Telefon. Ich hingegen lausche angestrengt: „Meine Mama kocht. Du sollst später anrufen. Aber erst, wenn wir Mittagessen gehabt haben und Nachtisch gegessen haben.“ Okay. Sinngemäß kommt das ja einigermaßen hin. Ich frage, wer dran war: „Ein unhöflicher Mann. Er hat seinen Namen nicht gesagt. Ich meinen aber auch nicht.“

Exakt drei Minuten später dudelt das Telefon wieder. Peter brüllt in den Hörer: „Hab ich Dir nicht gesagt, dass Du später anrufen sollst? Dass wir erst Mittag essen? Und Nachtisch? Und dass die Mama kocht? Mensch.“ Wütend drückt er das Gespräch ab und meckert vor sich hin: „Wenn der auch nicht hört.“