Neulich beim Frühstück

Wir haben Halbzeit – Peters Schulferien sind schon fast zur Hälfte vorbei. Nachdem die vergangene Woche mit einem ADAC-Einsatz (einzigen Opel-Schlüssel eingeschlossen), einem Fast-Haftpflichtfall (geschälte Birke in einem frisch angelegten Garten) und einem kurzen Krankenhaus-Besuch vergleichsweise harmlos war, haben Peter und ich den Beginn der Ferienspiele mit unbändiger Freude  herbeigesehnt. Allerdings aus verschiedenen Beweggründen. Herr Kasi ist raus: Er arbeitet wieder. Das Ferienspektakel läuft gut; Peter hat Spaß und ist abends müde. Gleich drei Dinge auf einmal – perfekt. Heute ist Ausflug zur Inline-Bahn. Peter muss zu einer für die Ferien untypischen Zeit los: kurz nach acht, genauer gesagt 8.15 Uhr fährt der Bus. Herr Kasi will ihn mitnehmen. Frau Kasi ist erleichtert. Morgenmüde wie sie ist, bedeutet das schönheitstechnisch einen kurzen Aufschub. Zunächst sitzt Familie Kasi jedoch gepflegt am Frühstückstisch. Paul babbelt vor sich hin. Peter ist aufgeregt. Herr Kasi gibt ihm Antwort. Frau Kasi schläft im Stehen. Wie immer morgens.

7.30 Uhr: Paulchen hat Hunger. Jetzt. Sofort. Weil das sehr laut ist, wenn dem kleinsten Kasi-Sprössling der Magen knurrt, bekommt er im Einvernehmen mit allen anderen Familienmitgliedern zuerst zu essen. Herr Kasi deckt dankenswerterweise den Tisch und kocht Frau Kasi einen Kaffee. Aus eigenem Interesse – sonst ist von der kommunikativen Frau Kasi, in den Morgenstunden für ihre grimmige Verschwiegenheit bekannt, kein Wort zu entlocken. Paulchen trinkt glucksend und stößt geräuschintensiv auf. Welch ein Idyll.

7.37 Uhr: Paul isst und spuckt gleichzeitig. Ob man das wiederverwenden kann? Herr Kasi ist so sparsam.

7.40 Uhr: Frau Kasi nimmt einen Schluck Kaffee. Peter ist immer noch nicht angezogen und immun auf dezente Hinweise aufgrund dieses Umstands. Er findet seinen Germany-Schlafanzug toll.

7.45 Uhr: Frau Kasi wirft tranfunselig das Nutella-Glas auf den Boden. Das große. Scherben fliegen durch den gesamten Wohnstock. Peter entsetzt: „Hättest Du nicht ein kleines Glas nehmen können?“ Herr Kasi bemüht sich um Schadensbegrenzung und holt Handfeger und Schaufel. Schweigend. Frau Kasi schläft weiter. Stehend.

7.50 Uhr: Paul ist satt und müde. Wird in die Wippe abgelegt. Als er meckert, hören wir Waldgeräusche mit Klingklong-Musik. Frau Kasi weiß spontan nicht, was schlimmer ist: Paulchens Gebrüll oder die Klingklong-Musik. Zum Glück sind wir psychisch stabil. Psychodelische Harfenklänge, mühsam tockernde Spechte und glucksende Meisen können einem den Tagesbeginn schön gestalten. SO muss sich ein Drogenrausch anhören.

7.55 Uhr: Peter entdeckt, wie spät es ist. Isst aber trotzdem  in Seelenruhe weiter: „Wär‘ ja schade um das tolle Brot.“ Warum auch Hektik? Der Bus fährt ja erst in 20 Minuten.

8.02 Uhr: Herr Kasi geht ins Bad, Peter packt seinen Ausflugsrucksack. Dummerweise ist nur noch der linke Inliner da. Er hat aber zwei Füße.

8.05 Uhr: Herr Kasi widmet sich dem persönlichen Großreinemachen, inklusive Rasur. Die Geräusche aus dem Bad erinnern eher an Flipper oder Free Willy als an die Körperpflege eines erwachsenen Mannes: „Wir haben ja noch Zeit.“ Ja. Genau noch 10 Minuten. Frau Kasi ist super unentspannt. Sie ist noch nicht richtig frisiert und trägt ein bolleriges T-Shirt, auf dem Bon Jovi noch lange Haare haben. So will sie nicht mal im Notfall aus dem Haus. Zur Ablenkung beschriftet sie Rucksack und Mütze.

8.08 Uhr: Paul findet Ausflüge doof – wenn andere sie machen. Brüllt trotz oder wegen Klingklong-Wald-Gedöns weiter. Herr Kasi flutet weiter das Bad. Frau Kasi schläft immer noch.  Stehend. Trotz Kaffee und Nutellabrot. Aus einem neuen Glas übrigens.

8.09 Uhr: Der rechte Inliner ist wieder da. Er war in den Altkleidersack geraten. Peter ist erleichtert: „Er hätte ja auch wo vollkommen Unmöglichem sein können.“ ???

8.10 Uhr: Peter sucht verzweifelt seine Mütze. Wo war die noch gleich? Speisekammer? Klo? Werkzeugkiste? Nö. Sie liegt auf der Garderobe. DA hat natürlich niemand geguckt.

8.11 Uhr: Herr Kasi lässt das Auto an. Peter nimmt immer noch von Paul Abschied: „Das nächste Mal kommste mit.“ ??? Zum Abschluss schaukelt er noch einmal kräftig an der Wippe und macht laut „Heiheiei“. Paul findet „Heiheiei“ doof und spuckt. Dem Schwall geronnener Milch folgt ein krachender Pups. So. Alles draußen.

8.12 Uhr: Das Haus ist leer. Paul meckert: Er hat nach so viel Streuverlusten wieder Hunger. Die Klingklong-CD ist vorbei. Wir wechseln einvernehmlich zu „Whitesnake“. Paul stößt geräuschintensiv auf. Was für ein Idyll. Here I go again.

Was ich hasse…

… wenn es nach dem ersten Frühlingstag wieder schneit und friert und eklig kalt ist.

…. wenn das Nutella aus ist.

… wenn mein Mann fragt: „Kasilein, könntest Du noch KURZ…?“ Haha. KURZ. Heißt meistens: Dauert Stunden. Und „Kasilein“ stinkt zum Himmel.

… wenn mein Kind mich nachts um drei in meinem Bett heimsucht und sich dann auf quer dreht. Das bedeutet, dass ich auf dem Nachtschränkchen direkt neben dem Wecker schlafe.

… wenn das Telefon nach 21 Uhr klingelt und das Kind weckt. Eigentlich reicht da auch schon nach 20 Uhr.

… wenn mein Handy-Akku immer gerade dann leer ist, wenn ich DRINGENDST telefonieren müsste.

Wird fortgesetzt. Mit Sicherheit.

Böse Gerüchte über mich

* Ich habe keine verknoteten Ohren vom Zuviel-Brezel-Essen. Mein Mann behauptet, meine Ohren würden sich von erhöhten Brezelkonsum bald winden wie eine Brezel.

* Vom Salat-Essen sind mir auch noch keine Hasenohren gewachsen.

* Ich gebe immer noch Blut beim Arzt, nicht etwa Nutella oder Kakao. Ich brauche auch keine drei Gläser Nutella pro Woche, sondern nur zwei.

* Ich habe NICHT mehr Turnschuhe als Unterhosen. Nur fast.

* Ich schlafe nicht in meinen Chucks (Mama, das sind die ollen Turnschuhe, die Du schon früher nicht mochtest.) Mittlerweile bin ich Snob und habe sogar welche aus LEDER.

* Ich übe keinen schlechten Einfluss aus auf mein Kind. Peter mag laute Rockmusik, seine Toten-Hosen-Hemden und Ballermannfeten auch ohne mein Zutun. ALLE Schimpfworte kommen von anderen Kindern.

* Ich fahre nie zu schnell Auto und parke grundsätzlich immer nur dort, wo man darf. Das Gerücht, die Stadt Albstadt habe zwei Mitarbeiter entlassen, als ich den Arbeitsplatz wechselte, entbehrt selbstverständlich JEGLICHER Grundlage.

* Ich bin morgens nicht mufflig. Dass ich da noch nichts rede, liegt nicht an mir, sondern an meiner Umwelt, die so laut ist, dass ich gar nichts mehr sagen muss.

* Ich war als Kind friedlich und still. Wo mein Kind sein Wesen her hat, weiß ich nicht.

* Ich bin kein fanatischer Fußballfan. Mir wäre nie ein Wochenende verdorben, wenn’s in Stuttgart mal nicht so läuft. Na ja….

* Ich habe NIE das letzte Wort. NIE. NIE. NIE. GAR NIE.