Sonntag. Mittagessen. Wir sind gepflegt essen im Stammlokal unseres Vertrauens. Peter mampft zufrieden Nudeln mit Soße, Schnitzel und Gurkensalat. Danach gibt es traditionell noch eine Kugel Schokoeis mit Waffeln. „Hmmm… lecker“, mümmelt mein kleiner Nebensitzer. Ich sage – mehr aus Spaß – dass er sich für das gute Essen bei seinem Papa bedanken könnte, weil dieser uns ja eingeladen hat. Peter tut das vorbildlich: „Danke Papa für die nette Einladung.“ Wir staunen Bauklötze. Ist das das selbe Kind, das wenige Stunden zuvor das Nutella in den Haaren kleben hatte und sich weigerte, eine Serviette zu benutzen? Ein älterer Herr am Nebentisch schaut belustigt zu uns herüber und belauscht offensichtlich den förmlichen Dialog. Peter fackelt nicht lang: „Weißt Du, Du könntest Dich wohl auch bedanken für das tolle Essen, das Du gehabt hast.“ Damit hätten wir das auch besprochen.
Kategorie: Peter & Paul
Unser Sohn ist berühmt-berüchtigt für seine Bonmots, seine netten Sprüche und so manche Anekdote…
Heilender Baumstamm
Peter ist zur Zeit sehr anhänglich. Hat er Sehnsucht nach Mama und Papa oder Heimweh, bekommt er Bauchweh. Diese Woche war er mittags im Kindergarten, und da war dies mal wieder der Fall. „Musste a bissle weinen.“ Ich frage teilnahmsvoll nach dem Grund. Den will mir der Knilch nicht verraten. „Ich hab a bissle Bauchweh gehabt. Aber da hab ich mich einfach auf einen abgesägten Baumstamm gesetzt und ein bissle gereibt. Da ging es von ganz alleine wieder weg.“ Sind wir mal ehrlich, von Zeit zu Zeit bräuchte jeder von uns mal so einen abgesägten Baumstamm.
Guter Benimm
Wir bekommen Besuch. Ich bitte Peter, sich gut zu benehmen, wenn der Gast da ist. Peter ganz entspannt: „Werd mal schauen, was ich tun kann.“
Nicht ins eigene Wasser
Peter sitzt in der Wanne und spielt ergeben mit leeren Duschmilch-Flaschen und leeren Plastikdosen Schiff und Hafen. Markus holt ein Handtuch und dreht den Kopf kurz weg. Als er ihn wieder wendet, streckt ihm der Knirps eine Plastikdose mit einer leuchtend gelben Flüssigkeit entgegen. „Peter, was ist denn das?“ Peter ganz entgeistert: „Ja glaubst Du, ich pinkle in mein eigenes Wasser?“
Haste Töne?
Markus fragt Peter, was er sich vom Osterhasen wünscht. Die Verwandten haben angefragt, womit sie dem Knirps eine Freude machen könnten. Natürlich überlegt man als Eltern dann immer, was ein besonders schönes Geschenk für Onkels, Tanten, Omas, Opa wäre, ohne kostentechnisch unverschämt zu sein. Peter muss nicht lange überlegen: „Ich weiß was ganz Tolles.“ Erwartungsfroh sitzen wir Eltern da, erwarten ein technisches Gerät, ein pädagogisch-schönes Buch oder zur Not auch ein sinnfreies Spielzeug. Aber nein. Peter sagt mit schwärmerischem Blick: „Ich wünsch mir eine Bettwäsche von den Toten Hosen. Aber die gelbe, die mit den Kopfhörern drauf.“ Haste Töne?
Nutella-Spuren
Peter ist eben erst aufgestanden und noch etwas dösig. Dementsprechend schwierig gestaltet sich das Anziehen. Markus macht Frühstück, kommt aber kurz rein, weil er dem Zwerg Guten Morgen sagen will. Peter sagt: „Nein, jetzt nicht. Geh bitte wieder runter.“ Markus verzieht sich wieder. Ich frage Peter streng, was das eben sollte. Peter mit dem selbstverständlichsten Gesicht der Welt: „Sonst lässt er doch wieder die Weckle verbrennen.“
Dafür kriege ich beim Frühstück mein Fett weg. Ich esse für mein Leben gern Nutella-Brot, was man meinem Gesicht dann auch immer ganz gut ansieht. Peter verteilt die Frühstücksservietten. Leider sind nur zwei da, wir sind ja aber zu dritt. Peter: „Papa, Du brauchst ja keine. Aber die Mama. Die verschmiert sich ja ständig.“
Halbe-halbe
Es gibt Abendessen. Peter verlangt nach einem Speckbrot, welches er für sein Leben gern isst. Zweimal beißt er ab, dann klaubt er den Speck vom Brot. Isst ihn genüsslich auf. Das Brot überreicht er feierlich seinem Papa. Ich frage entgeistert: „Peter, was wird das?“ Peter antwortet ganz locker: „Ich mach‘ mit dem Papa halbe-halbe.“
Ganz ohne Schlafanzug
Wir sind im Kinder-Musical. Gespielt wird der weltreisende Hase Felix, der auf der Suche nach Geschenken für seine liebe Menschenfreundin Sophie mal kurz um den Erdball tigert. In der Anfangsszene trägt Sophie einen Schlafanzug und liest ihrem Kuschel-Langohr eine Geschichte vor. Danach verabschiedet sich der tierische Freund auf seine lange Reise durch die Welt. In der letzten Szene ist das drollige Gespann wieder vereint, mit emotionaler Musik unterlegt, und Sophie trägt jetzt eine flotte Jeans und Turnschuhe. Peter verdrückt zwei, drei Tränchen der Rührung und sagt: „Naaa, wenigstens hat sie jetzt endlich ihren ollen Schlafanzug ausgezogen.“
Die moderne Emanzipation
Peter wird im Kindergarten schon morgens um 8 Uhr sehnsüchtig von fünf Mädchen erwartet, die aufgeregt an die Scheiben klopfen und freudig-erregt winken. Ich frage ihn, wie das so ist, wenn einen schon am frühen Morgen fünf Frauen erwarten.
Peter ganz cool: „Das sind doch keine Frauen, das sind doch nur Mädels.“ Ich sage: „Na komm schon. Mich erwartet morgens niemand mit solcher Sehnsucht.“ Peter überlegt: „Naja, immerhin schreien und schlagen sie nicht.“ Das ist das Bild von der modernen Emanzipation der jungen Herren von heute.
Gestatten, mein Name ist Chaos
Bei uns daheim ist das Chaos neuerdings vierter Mitbewohner: ständig präsent, ständig aktuell, ständig nervend. Kleines Beispiel gefällig? Um kurz nach sieben Uhr. Samstag. Friedlich döse liege ich in den warmen Federn. Lautes Schreien aus dem Bad. „Paaaapa, bin auf dem Klo…“ Gut, dass Peter „Papa“ gerufen hat. Nach beendeter Sitzung spielt der Thronfolger noch ein bisschen „Rutschen auf dem neuen Bett“. Laut, aber friedlich. Dann kurz nach 8 Uhr. „Maaama…“ Aha. Vermutlich Hunger. „Muss dringend was essen.“ Ach ja. Ergeben stehe ich auf, dass mein Magen auch knurrt, muss das Kind ja nicht wissen. Während ich den Wischmopp auf meinem Kopf bändige, knallt es in der Küche. Lautes Weinen. Oh Gott. Ich bin schon fast beruhigt, als ich lediglich die Maultaschensuppe auf dem Boden erblicke. Und nicht lose Arme oder ausgeschlagene Zähne. „Schimpfst Du mich?“ (Hab ich so einen schlechten Ruf?) Ich bin zu erleichtert, um zu schimpfen. Sammle übrig gebliebene Maultaschen ein, das Geschirr, und tröste das immer noch verzweifelte Männlein, das Rotz und Wasser weint: „Kann man die noch essen? Aber gell, heil geblieben sind sie ja?“ Die Brühe macht Mühe, sie ist überall reingelaufen, hinter jede formschöne Dekorabdeckung. Toll, wir müssen das komplette Küchenmobiliar auseinander nehmen, brauchen literweise Essigreiniger für das fettige Zeug, stellen das Leergut in den Flur, wischen in jedem kleinen Winkel feucht aus, meckern vor uns hin. Peter deckt währenddessen schuldbewusst den Tisch: „Warum steht die Suppe auch im Kühlschrank? So was gehört doch in die Speisekammer.“ Bis es wieder knallt. Lautstark stolpert der arme Knirps – mit dem randvollen Brotkorb! – über die in der Diele abgestellten Flaschen und verliert Toastbrot, Brötchen, Vollkornbrot, welches sich in einem bunten Regen auf den Teppich ergießt. „So ein verflixter Mist… warum müssen auch die blöden Flaschen hier stehen?“ Ach ja. Kinder bereichern das Leben, machen viel Freude. Und das schon früh am Morgen. Sind sie dann man auswärts bei der Oma, sitzt man dennoch früh um sieben in der Küche und überlegt, wie man jetzt am besten Krach machen kann, damit es nicht so einsam ist. Und kann es nicht erwarten, bis wieder jemand schreit: „Bin auf dem Klo… wer hilft mir?“
