Unbeklärte Bau-Fragen II

* Warum muss man stets wegen eines kurzen Stückchens Holz, Klebeband oder Glaswolle eine neue Packung oder eine frische Rolle anfangen?

* Warum sind ständig alle Messer stumpf?

* Warum ist auf dem Bau immer so schnell Abend? Warum empfindet man aber die Zeit, die man auf Handwerker warten muss als so unendlich lang?

* Warum kommt man immer mit vollem Einkaufswagen aus dem Baumarkt, auch wenn man eigentlich nur Glühbirnen für die Garage kaufen wollte?

Du alte Fledermaus

Stadtbummel mit Peter. Kindesbespaßung – sein Papa ist auf dem Bau, der Kindi hat verständlicherweise noch Urlaub, dem Zwerg ist stinklangweilig. Das heißt für mich: ein nettes Programm mit etwas Bewegung, etwas für den Geist und vor allem Abwechslung. Ich schlage einen Besuch in der Bücherei vor (für Peter und mich), einen Stadtbummel (für mich) und Eis (für Peter). Soweit sind wir uns einig. Der kleine Gnom ist friedlich.

Die Bücherei haben wir hinter uns gelassen (vermutlich müssen die jetzt eh schließen, weil wir alles mitgenommen haben). Wacker machen wir uns zu Fuß auf in meine absolut allerliebste Second-Hand-Boutique, deren Besitzerin ich riesig gerne mag und die echt ein Unikum ist. Außerdem hat sie ständig neue Sachen im Angebot, ein feines Gespür für das Besondere und immer Maoam im Ladentisch. Wir entern das Geschäft. Peter stellt sich ins Schaufenster und erschreckt heran kommende Damen mit einem lauten „Huh“. Als das zu langweilig wird, setzt er sich auf die Ladentreppe und grüßt jeden Passanten mit einem freundlichen Hallo: „Hallo. Ich bin der Peter. Und meine Mama ist schon ewig da drin.“ Irgendwann bin selbst ich fertig, wir zahlen. Peter dankt der netten Ladenbesitzerin ganz formell für die Bonbons und den Klobesuch (der ist standardmäßig ebenfalls drin). Dann sagt er einen Satz, der mir die Schamesröte ins Gesicht steigen lässt: „Tschüß, Du alte Fledermaus.“ In der Tat. Die nette Boutiquendame trägt heute eine schicke Jacke mit ordentlich weiten Fledermaus-Ärmeln. Weigers Tierleben.

Danach geht’s in den Discounter. Wir laden unseren Wagen mit Butter, Wurst und Grillfleisch für den Abend voll. Während ich Bio-Äpfel suche, beginnt Peter eine Diskussion mit der Dame am Brokkoli. Sie heißt Claudia, hat ebenfalls einen leeren Kühlschrank und ist sehr nett. Peter verabschiedet sich und lädt sie zum Vesper ein. Beim Joghurt treffen wir sie wieder und noch einmal beim Olivenöl. Dann sind wir endlich an der Kasse. Wir laden unsere Siebensachen, eigentlich sind es eher acht oder zehn, aufs Band. Ich bezahle. Peter plaudert derweil mit der netten Kassiererin, ich höre nur sehr, sehr oberflächlich zu, weil ich meine PIN-Nummer wieder einmal vergessen habe und mich sehr konzentrieren muss. Als alles geklappt hat, sagen wir Tschüß, wünschen ein schönes Wochenende und gehen. Als sich die Türen schließen, sagt mein Sohn: „Das war übrigens die Susi.“

Mist mit sieben Dioptrien

Der Schwimmbadbesuch ist zu Ende. Familie Weiger hektiziert zum Ausgang – sonst heißt es nachzahlen. Ich beeile mich also mit Duschen, freue mich, dass meine beiden Männer schon vor der Damendusche stehen, als ich frisch gewascht und getrocknet nach draußen komme. Beim Näherkommen auf leisen Barfuß-Sohlen sehe ich einen kleinen blonden Jungen, der vertrauensvoll die Hand in die seines Papas legt. Mein Herz geht auf. Dann merke ich allerdings, dass Markus‘ neue Badehose ein klein wenig über den Popo gerutscht ist. Beherzt greife ich zu und brülle ihm ins Ohr: „Ich zieh Dir mal die Hose um. Da kann man voll Deinen Popo sehen.“ Markus dreht sich um. Er hat schöne blaue Augen und einen Bart. Einen Vollbart. Mir stockt der Atem. Das Blut gefriert mir in den Adern – so sympathisch der Mann da auch sein mag, dem ich lautstark seine Hose zurecht zupfe – es ist leider nicht meiner. Meiner hat seit knapp 40 Jahren grüne Augen mit hellbraunen Sprenkeln und noch nie einen Vollbart getragen. Und bei genauerer Betrachtung ist mein Göttergatte nicht ganz so fest. Freundlich zwinkert mich der junge Mann an – selbstverständlich ist der kleine, blonde Junge auch nicht meiner – und fragt: „Na, da hob ich jetzad grad denkt, des wär ma‘ Fra‘.“ Auch noch ein Franke. Ich entschuldige mich hochrot, stammle unsinnige Sätze und mache mich schleunigst vom Ort meiner Schmach. Mist auch mit fast sieben Dioptrien.

Ungeklärte Bau-Fragen I

* Warum verschwinden Meterstäbe, Bleistifte und Messer immer wie von Geisterhand? Haben die Füße?

* Warum streiten Menschen auf Baustellen immer?

* Warum wollen mich immer alle fern halten? Ich bilde mir ein, kein so schlechter Helfer zu sein! Ich mache, was man mir aufträgt. Stelle selten intelligente Fragen (ich weiß es ja nicht besser), fange keine Endlos-Diskussionen an, sondern schaffe mein Zeug runter, weil ich ja meistens daheim noch Arbeit habe oder mein Kind auf mich wartet. Andere kommen auf Besuch und geben ungefragt tolle Ratschläge. Dann gehen sie wieder, weil sie ja ins Schwimmbad oder zum Grillen, ins Theater oder ins Kino müssen. Da frag‘ ich mich, was besser ist…

*  Warum ist es immer so staubig? Kriegt man ein Haus je staubfrei? Ich hoffe es…

* Warum sind Dixi-Klos immer so eklig?

* Warum kann ich keine belegten Brötchen mehr sehen? Oder Würste aus dem Kessel?

* Wieso kratzt und juckt Glaswolle so eklig? Die Menschheit fliegt zum Marsch, und das Zeug gibt einem bis heute das Gefühl, den Flohwalzer auf dem Rücken zu haben.

* Warum schlägt man sich immer am gleichen Balken den Kopf an?

* Warum sind manche Dinge im Plan anders als in der Praxis?

Wir klopfen auf Holz

Das Bauherren-Dasein entwickelt sich. Wir sind gelassener – manchmal. Mitunter entspinnen sich allerdings auch im Nachhinein ziemlich dämliche Diskussionen um Waschbecken oder Glaswolle. Aber wenigstens kommen wir gut voran – und das ist doch die Hauptsache. Von daher entwickelt sich dat Janze zu einer runden Sache. Von großen Krisen blieben wir bislang verschont  – wir klopfen auf Holz.

Das einzig Problematische ist: Wir bauen mit einem kleinen Jungen. Dieser ist zwar so unkompliziert, dass er durchaus auch einmal mit einem Bottich Wasser und einem Haufen Sand auf der Baustelle „Kaffee kochen“ spielt. Wenn es sein muss stundenlang. Allerdings gibt es in Sachen Kind durchaus ein paar Rahmenbedingungen – feste Essenszeiten, feste Schlafenszeiten, gelegentlich etwas für die Bespaßung. Diese Dinge würden wir zwei ohne Peter mit Sicherheit nicht so konsequent durchziehen. Aber Peter fordert das Seinige ein – und das ist auch gut so.  Obwohl er die Sache mit der Baustelle sehr spannend findet.

Etikette bei Tisch

Peter hat schrecklichen Husten. Er keucht und krächzt. Er hustet und hat schon fast Brechreiz, so stark schüttelt es ihn. Wir sitzen beim Essen. Es schmeckt nicht richtig, wenn nebenan das Männchen ständig vor sich hin würgt. Ich biete ihm Arznei an, die zugegebenermaßen nicht wirklich lecker schmeckt. Peter schüttelt angeekelt den Kopf. „Ach Mama, ich muss nachher doch noch alles ausspucken. Das wäre doch wirklich sehr ekelhaft bei Tisch.“ Schön, dass jemand bei uns an die Tischsitten denkt. Soviel zur Etikette.

Der rote Fußball

Ein Gespräch unter Fachleuten. Peter betrachtet sich die aktuelle Sonderausgabe Bundesliga 2009/2010 der SportBild. Drauf ist Mario Gomez. Im Bayern-Dress. Folgender Dialog entwickelt sich.

Peter: „Der ist jetzt also tatsächlich bei Bayern.“

Ich: „Ja. Leider.“

Peter: „Darf ich ihn trotzdem noch lieb haben?“

Ich: „Klar. Er hat viel, sehr viel für den VfB getan.“

Peter: „Aber trotzdem ist er jetzt weg. Und wir haben wohl nur noch den Cacau.“

Ich (leicht erstaunt, wo hat das Kind das her?): „Hmmm…. ja…. aber sie suchen ja noch.“

Peter (leicht genervt von so viel Unverständnis seiner Mama): „Jaaa… schon…. aber wir finden ja auch nie, was wir suchen.“

Da hat der Junge recht. Der Dialog geht weiter.

Peter: „Spielt mein Mario jetzt echt nie mehr für den VfB in der Benz-Arena?“

Ich: „Sieht leider nicht so aus.“

Peter (macht einen traurigen Mund): „Das macht mich nicht glücklich. Der ist jetzt in dem Stadion, das aussieht wie ein roter Fußball. Und das ist leider in Bayern.“

Ganz reduziert hat diese Weisheit viel Wahres.

Froschkönig

Peter ist heiser und krächzt vor sich hin. Ich sage ihm – obwohl das für die Stimme schädlich ist -, dass er sich einfach kurz räuspern soll, weil ihn das Knarzen im Hals so nervt. „Du hast einfach einen Frosch im Hals.“ Das Kind schaut mit entgeistert an, springt in sein Zimmer, holt Mini-Naturforscher-Lupe und ein Fernglas. Ich wiederum entgeistert: „Was wird das.“ – „Muss doch nach dem Frosch gucken. So einem wie beim Froschkönig?“

Ungeklärte Fragen III

* Warum schläft das Kind immer gerade dann ein, wenn wir wegmüssen? Und nicht dann, wenn wir einen ganzen Mittag daheim sind?

* Warum klingelt immer das Telefon, wenn ich in der Badewanne liege? Immer. Umkehrschluss: Wenn ich also will, dass ein Kunde dringend zurück ruft, sollte ich mir ein Bad einlassen.

* Warum geht immer bei mir das Nutella oder das Mineralwasser aus? Nie bei den anderen beiden.

* Warum klingeln mich Menschen abends um zehn wegen einer Kleinigkeit aus meiner wohl verdienten Ruhephase? Mit Dingen, für die am nächsten Morgen um 9 Uhr auch noch Platz gewesen wäre? Ich erschrecke bei spätem Telefonklingeln immer so…

* Warum muss mein Mann abends um zehn noch lautstark einen Drucker reparieren, der drei Wochen lang kaputt ist? Oder ein Regal montieren? Oder Reifen wechseln? Ich werde es nie verstehen.

* Warum regnet es ständig?

Zu kurz für die Pedale

Peter betrachtet in unserem örtlichen Mitteilungsblatt die Seite mit den Vereins-Nachrichten. Plötzlich entdeckt er das Logo der Feuerwehr. „Mama, was ist da los?“ Ich lese ihm vor, dass die Abteilung am Sonntag zu einem Feuerwehrfest ein paar Ortschaften weiter fährt.  Peter ist sprichwörtlich Feuer und Flamme: „Was, da muss ich auch hin.“ Klar, unser Kind verehrt alle Blaulicht-Organisationen heiß und innig. Peters Papa nickt: „Ja, das könnten wir eigentlich.“ Ich erwähne, dass Kinder bei so einem Fest früher immer Feuerwehrauto fahren dürfen, ich aber nicht wisse, ob das heute noch so ist. „Peter, würdest Du gern mal mit einem Feuerwehrauto fahren?“ Peter winkt lässig ab: „Mama… klar würd‘ ich das. Aber ich komm doch noch nicht an die Pedale…“ Aha. Von daher: Noch einmal Schwein gehabt.