So ein Schleimer

Peter und ich gucken die Ludolfs. Uwe, der alte Charmeur, öffnet zwei Kundinnen die Tür und begrüßt sie mit den Worten: „Da stehen aber zwei hübsche junge Frauen.“ Nebenbei bemerkt: Die beiden sind weder das eine, noch das andere. Ich meckere: „So ’n Schleimer.“ Peter entrüstet sich: „Aber Mama. Bitte. Wenn das zwei hübsche, junge Frauen sind, wird man das ja wohl sagen dürfen.“

Peters Oma Schatz hat Geburtstag. Peter bastelt ihr mit ehrlicher, allumfassender Hingabe einen Gutschein. Natürlich braucht er jemandem, dem er den Inhalt diktieren kann. Dafür nimmt er seine andere Oma, die passenderweise am selben Tag Geburtstag hat. Auf Peters Geheiß schreibt Oma Lotte für Oma Schatz: „Gutschein für 1 X Stadtbummel mit Peter. Aber nur zum großen Spielwarenladen.“ Da hat jemand mal vollkommen uneigennützig geschenkt.

Manni Ludolf lässt grüßen

Wir befinden uns mitten in der Autophase. Das liegt zum einen daran, dass die Liebe zum Gefährt bei kleinen Jungs in den Genen fest verankert ist. Zum zweiten hat Peter (wie seine Mama) eine große Vorliebe für die vier Schrottplatz-Brüder Ludolf.  Zum dritten sind Autos ganz einfach auch was Schönes. Peter ist derzeit also Feuer und Flamme für alles, was fährt – Polizei, Rotkreuz und Feuerwehr großzügig eingeschlossen. Unlängst auf unserer Baustelle. Peter spielt mit ein paar alten Brettern und Eimern offensichtlich „Auto“ unter dem Gerüst. Ein älteres Ehepaar kommt vorbei. Peter verblüfft die beiden mit der Verlautbarung, er spiele nicht nur Auto, sondern „Ford Capri“. Diese Geschichte kennen viele von Ihnen sicher schon.

Nicht jedoch diese. Wir backen Brot. Die Zutaten – Mehl, Öl, Salz, Wasser, Hefe und Zucker – sind schon in der Rührschüssel, ich nehme die Küchenmaschine in Betrieb. „Mach sie mal schneller“, dirigiere ich den Sprössling vom Spültisch aus. „In welchen Gang soll ich hochschalten?“, fragt mein kleiner Autofreak, „die Drehzahl ist so ja viiiiiiiel zu hoch…“ Okay. Ich hoffe, er plant bei meiner braven Maschine keinen Ölwechsel. Manni Ludolf lässt grüßen.

Zu Gast bei Ludolfs

In Zeiten, in denen jeder nur noch Themen-Abende auf Arte guckt und Mc-Donalds meidet, sollte man mit Outings vorsichtig sein. Trotzdem wage ich jetzt eines. Ich mag nicht nur Burger, sondern schaue mir liebend gerne auf dem vermeintlichen Männer-Fernsehsender („Weil Männer keine Frauen sind“) Auto-Sendungen an. Beiträge, in denen total verrostete, schrottreife Saabs zu blitzenden Schönheiten „getunt“ werden. Sendungen, in denen eine hübsche Mechaniker-Braut einem alten Porsche neues Leben einhaucht. Sendungen, in denen meine geliebten Sciroccos gepflegt und gewienert werden, so dass ich mir wünsche, meinen eigenen Scala dort mal abgeben zu können. Mittlerweile habe ich meinen Sohn mit diesem Fieber schon angesteckt: „Maaaama, schauen wir heute wieder den Autokanal?“ Und wenn ich mir’s recht überlege, bin ich mir sicher, dass Scirocco-Tuner nicht schädlicher für die Entwicklung eines Kleinkinds sind als vieles, was einem auf den so genannten Kindersendern über den Weg kommt. Angefangen bei dieser vielen Werbung.

Besonderes Herzblut liegt mir an den Ludolfs, jenen vier Brüdern, die einen Schrottplatz von ihren Eltern vererbt bekommen haben. Peter (so heißt mein Kind, aber nicht wegen Ludolfs), Manni, Günter und Uwe haben es mir angetan. Egal ob sie alte Opel-Ersatzteile verticken, einen Capri umbauen, Vergaser herausmontieren oder einfach nur schweigend am Telefon sitzen. Ich finde es klasse, wie man in einem für den Laien so unübersichtlich wirkenden Ersatzteil-Lager den Überblick behalten kann. Ich liebe es, wenn im Hause Ludolf gekocht wird. Ich finde es schön nostalgisch, dass die Rezepte der Omma dort bis heute ihre Gültigkeit besitzen. Außerdem mag ich die vier kauzigen Brüder wirklich gern – auch wenn sie mich nicht zum Essen einladen müssten. Die Ludolfs gehen ab Mittwoch, 9. September, wieder auf Sendung.