Für ganz umsonst

Ich erkläre dem Sohnkind, dass ein Auto nach der Produktion Hochzeit feiert (wenn es den Motor kriegt) und getauft wird.

Peter: „Das ist ja dann wie bei einem Kind.“

Ich: „Naja. So ähnlich.“

Peter (überlegt heftig): „Hmmm. Allerdings ist so’n Auto doch ganz schön teuer.“

Ich: „Ja. Stimmt.“

Peter: „Da ist es mit so nem Kind doch gleich viel besser. Das kommt für ganz umsonst raus.“

AC/DC und ein Fiat

Die richtige Musikwahl für den richtigen Anlass zu finden, ist nicht immer leicht. Peter bekommt sein allabendliches Schlaflied. Ich frage pflichtschuldigst, was ich heute singen soll: „Och, nehmen wir mal was von AC/DC.“ Als er in der Musikschule gebeten wird, fürs nächste Mal ein Lied vorzubereiten, überlegt er: „Glaubst Du, sie freut sich, wenn ich Schwarze Natascha singe?“

Wir waren bei Ikea. Das Auto ist dementsprechend voll. Wir fahren verhältnismäßig moderat über die Autobahn. Plötzlich überholt uns ein Fiat 500 – zugegebenermaßen schon eine Schmach. Peter macht Riesensätze – soweit es sein Kindersitz erlaubt – und brüllt erbost: „Mensch Papaaaa… wehr‘ Dich….“ Genau das bekommt er manchmal zu hören, wenn er sich unterbuttern lässt von anderen Kindern. Wie sagt man so schön: Kinder halten uns den Spiegel vor.

Der Rocco kommt

Der Rocco kommt. Ich habe nach langem Hin und Her einen neuen Scirocco bestellt. Den Dreier. In der tollen Farbe Salsared. Mit Sportausstattung. Etwas prollig, aber was soll’s. Peter war bei der Probefahrt dabei, Peter kennt sich mit Autos sowieso super aus, seit er immer Ludolf und den DMAX-Checker guckt. Natürlich hat er mich bei der Farbauswahl beraten: „Das Weiß is bei Dir eh immer dreckig… und schwarz hatten wir schon…“ Stimmt beides auffallend. Wir haben sogar gemeinsam den Kindersitz getestet. Er passt gut rein und ist auch super einfach zu installieren. Okay, der Kofferraum könnte größer sein. Aber sind wir mal ehrlich. Keine Sau kauft einen Scirocco, um Lasten zu transportieren.

Ich gebe es zu: Ich freue mich auf den neuen Wagen. Seit ich Auto fahre (also seit ich 18 bin, was definitiv ein paar Lenze her ist), habe ich immer nur DIE Autos gefahren, die ich bekommen habe oder die ich aus irgendwelchen Vernunftsgründen gekauft habe. Erster Vernunftsgrund war meistens der Kostenfaktor. Dieses Mal habe ich dank des tollen VW-Journalistentrarifs genau DAS Auto, das ich mir zum Geburtstag wünschen würde. Deshalb ist meine Freude umso größer, denn der neue Rote stellt also so etwas wie einen Lebenstraum dar. Trotzdem würde ich meinen alten Rocco, die alte Lady, für nichts in der Welt hergeben. Einen Onkel gibt man ja auch nicht zur Adoption frei.

Selbstverständlich habe ich mich gut eingelesen. Abendeweise im Internet gesurft. Mir einen Scirocco-Bildband zugelegt. Pannenstatistiken gelesen. Den Checker geguckt. Und die Ludolfs :-). Als Peter und ich dann zum Probefahren erschienen, dachte der Verkäufer wohl, die junge Frau hätte sich 1) verlaufen 2) eine Panne oder 3) ein Kind, das dringend aufs Klo muss. Hätte alles sein können. Es war augenscheinlich, dass der schnittige junge Mann alles andere dachte, als er mich und das Sohnkind sah. Nur nicht an eine Probefahrt im Scirocco. Natürlich musste ich all meine Fragen los werden, die sich während meiner langen Abende am Computer aufgetan hatten. Ich fragte nach den besten Motoren. Der Farbskala. Den Sportausstattungen. Das Gesicht des jungen Herrn wurde immer ungläubiger. „Haben Sie sich eingelesen?“ – „Klar“, sagte ich keck, „glauben Sie, ich investiere viel Geld und hab keine Ahnung, für was?“ Das sah er ein. Staunte, als er hörte, dass ich noch einen alten Scirocco Scala aus dem Jahr 1988 besitze. Der nette Mann half mir toll weiter. Beantwortete all meine vielen Fragen mit engelsgleicher Geduld. Zeigte mir das ganze Auto. Servierte Peterchen zweimal Apfelschorle und mir zweimal Milchkaffee. Baute sogar den Rücksitz um. Zeigte mir das Reserverad und die tollen Sitze. Selbstverständlich. Die Probefahrt (dann ohne ihn) war klasse. Bei der Rückkehr erkundigt er sich: „Gibt’s zu dem jungen Mann auch einen Papa?“ Peter ungerührt: „Ja, meinen.“ Das hätten wir jetzt auch besprochen.

Manni Ludolf lässt grüßen

Wir befinden uns mitten in der Autophase. Das liegt zum einen daran, dass die Liebe zum Gefährt bei kleinen Jungs in den Genen fest verankert ist. Zum zweiten hat Peter (wie seine Mama) eine große Vorliebe für die vier Schrottplatz-Brüder Ludolf.  Zum dritten sind Autos ganz einfach auch was Schönes. Peter ist derzeit also Feuer und Flamme für alles, was fährt – Polizei, Rotkreuz und Feuerwehr großzügig eingeschlossen. Unlängst auf unserer Baustelle. Peter spielt mit ein paar alten Brettern und Eimern offensichtlich „Auto“ unter dem Gerüst. Ein älteres Ehepaar kommt vorbei. Peter verblüfft die beiden mit der Verlautbarung, er spiele nicht nur Auto, sondern „Ford Capri“. Diese Geschichte kennen viele von Ihnen sicher schon.

Nicht jedoch diese. Wir backen Brot. Die Zutaten – Mehl, Öl, Salz, Wasser, Hefe und Zucker – sind schon in der Rührschüssel, ich nehme die Küchenmaschine in Betrieb. „Mach sie mal schneller“, dirigiere ich den Sprössling vom Spültisch aus. „In welchen Gang soll ich hochschalten?“, fragt mein kleiner Autofreak, „die Drehzahl ist so ja viiiiiiiel zu hoch…“ Okay. Ich hoffe, er plant bei meiner braven Maschine keinen Ölwechsel. Manni Ludolf lässt grüßen.

Das war Willi

Peter und ich üben Zählen. Mein Filius zählt anstandslos auf zehn. Ich bin fassungslos stolz – so ein begabtes Kind. Vorsichtig frage ich: „Peter, wie geht’s denn weiter?“ – „Weiß ich nich. Hab keine Hände mehr.“

Wir schauen Biene Maja. Die kesse, kleine Biene und ihr dicker Freund mampfen grad Honig. Peter schaut fasziniert zu, ich döse vor mich hin. Plötzlich knattert neben mir laut und deutlich… pst… ein Pups. „Peter, warst Du das“? – „Ne, der Willi.“

Ich bin in meiner weltliebsten Second-Hand-Boutique. Peter unterhält abermals vor dem Laden die vorbei eilende Frauenschar. „Hereinspaziert! Hier gibt es fünf Prozent Rabatt…“ Als das zu langweilig wird, beschließt er spontan, dass er Hunger hat. „Annettchen“, haut er die nette Chefin von der Seite an, „ich hab‘ mal wieder soooo Hunger“. „Tja Peter“, kontert diese, „ich hab‘ nur was für süß“. Mein Sohn ist ist großzügig: „Ist egal, ich nehm‘ auch das.“ Als der Hunger gestillt ist, nimmt er wieder seine Position vor dem Geschäft ein. Gerade verlässt eine Frau mit eiligem Schritt den Laden. „He Du“, höre ich meinen Thronfolger brüllen, „was fährste eigentlich für’n Auto?“ Mir stockt der Atem. Die Dame ist trotz ihrer Hetze nett: „Einen Citroen, warum?“ Schweigen. Offensichtlich überlegt das Kind. Dann kommt die Antwort: „Weißte, MIR würd so einer ja schon gefallen. Aber meine Eltern sagen, dass sei eine üble Franzosenkiste.“ Wir erwähnen nicht, dass wir einen etwas in die Jahre gekommenen Seat und einen ständig verkrümelten Opel unser eigenen nennen, also nicht etwa einen Rolls-Royce oder einen Jaguar.