Tschüss, Opel Blitz!

Opel blitz

Nun ja, was soll ich sagen? Wir müssen Abschied nehmen. Von Opel Blitz, einem etwas in die Jahre gekommenen Zafira mit rund 100.000 Kilometern. Der Wagen ist verkauft, morgen wird er abgeholt. Eben holt Herr Kasi das letzte Gedöns aus dem Auto: ein Päckchen feuchtes Toilettenpapier für die Buben, ein Knaxheft von Peter und eine Picknickdecke. Obwohl wir froh sind über den Verkauf, befällt uns kollektive Wehmut. Peter kannte mit seinen knapp acht Jahren bewusst nur den Opel Blitz, der übrigens nach einem frühen Tourbus der Toten-Hosen benannt war. Ehrlich gesagt bin ich mir sicher, dass unser Opel Blitz in seinen Jahren bei uns fast genauso viel erlebt hat wie sein berühmtes Punkrock-Pendant. Jetzt steht er äußerlich poliert und innerlich geputzt auf dem Hof und ist mir so fremd wie ein Neuwagen. Ohne Nummerntafeln, ohne Krümel zwischen den Sitzen (vor dem Saugen hätte man spontan zwei Schnitzel panieren können), ohne Paulchens Spuckwindeln und ganz ohne Currysauce aus einer großen Fastfoodkette, die wir selbstverständlich nieeee besuchen.

Der Blitz kam einst ins Haus, als Peter ein paar Monate alt war. Damals hatte uns sein Vorgänger jäh verlassen. Der Neue bestach durch viel Platz, sieben Sitze und ein Sportgetriebe. 140 PS waren für sein etwas hohes Gewicht zwar nicht üppig, aber okay. Das Raumangebot machte das Tempo wett. Wir erkundeten zu dritt den Gardasee im Opel Blitz. Wir pendelten zwischen Klinik und Heimat hin und her, als Paulchen krank war. Einmal übernachteten Herr Kasi und ich sogar drin, als das Tote-Hosen-Konzert länger gedauert hatte als geplant und wir beide schweinemüde waren. Ein Haus bauten wir obendrein mit dem treuen Gefährten. Wir fuhren Holz für den Pollerofen im Wohnzimmer hin und her, beluden das Auto wenig feinfühlig mit großen Müllsäcken für die Entsorgung und stopften seine Kofferraum-Untiefen mit gefühlten 134 Kartons an Frau Kasis Büchern voll. Dazu kamen zig Fußball-Ausfahrten zum VfB oder der deutschen Elf, alleine oder in Gesellschaft von Freunden. Anschließende Rückfahrten inklusive – himmelhochjauchzend oder eben zu Tode betrübt. Keine Frage, dass Frau Kasi nach dem Meistertitel der Stuttgarter ein Ründchen im Siegestaumel schlief, als man am frühen Morgen nach Nusplingen zurückkehrte. Mach es gut, alter Opel. Ich versprech’s Dir, ich versuch‘ nicht zu heulen.

Ein ganz normaler Morgen

Schon häufig habe ich über unseren – sagen wir es freundlich – mitunter sehr unorthodoxen Familienalltag berichtet. Heute Morgen müssen die Kids zur Oma, weil Frau Kasi ins Büro einen Stock tiefer geht. Herr Kasi spielt Chauffeur, die Oma weiß Bescheid. Nur: Ausgerechnet heute schlafen beide Frühaufsteher lange. Herr und Frau Kasi frühstücken in absoluter Stille gemeinsam. Selten und ungewohnt. Keine Müslischüssel fällt unter den Tisch. Kein Wasserglas. Nur Ruhe und Kaffee und Nutellabrot. Wie langweilig.

6.45 Uhr: Endlich. Peter schlurft in die Küche. Verschwurbelt und grußlos: „Bin aber schon ganz lange wach. Hab schon lange gelesen.“ Aha?! Vor etwa zweieinhalb Minuten hat er noch tief geschlafen. Erster Griff zur Musikbox. Nein. Atzen und Discopogo brauchen wir noch nicht. Nein, die drei Fragezeichen sollen auch noch nicht ermitteln.
6.54 Uhr: Paul kräht durchs Babyphon: „Baba? Mama? Lalalalaa…“ Herr Kasi ist erleichtert. So kommt er zu einer menschlichen Zeit ins Büro.
7.01 Uhr: Peter findet keine frische Unterhosen, was ihn irgendwie so gar nicht stört. Im Wäschekorb, wo frisch zusammengelegte liegen, mag er nicht suchen: „Ich lass‘ einfach die hier an. Ist ja noch gut. Mit Spiderman.“ Kurzer Kampf. Frau Kasi gewinnt. Auch wegen frischer Socken und Zähneputzen. Kämmen wird heutzutage vollkommen überbewertet. Und: Wer braucht einen Kamm, wenn man Gel hat? Eben.
7.03 Uhr: Paul findet Wickeln doof und windet sich wie ein Aal. Dabei pieselt er die Unterlage, sich und die frische Wäsche voll. Weil die Riesenpfütze warm und groß ist, patscht er mit der Hand hinein. Paul lacht fröhlich. Herr Kasi wischt sich dezent Pipi vom Hemd und fragt nach einem neuen.
7.05 Uhr: Paul mag die weiße Strumpfhose nicht, was ich ehrlich gesagt verstehen kann. Als Mädchen fand ich sie schon schlimm genug, für einen Jungen, so sagt Herr Kasi, seien sie entwürdigend. Trotzdem ist Winter, auch wenn wir April und kalendarischen Frühling haben, und Paul muss sie anziehen. Den Beinkleid-Nahkampf gewinnt Herr Kasi: „Bababa lalala. Ommma.“ Paul wendet sich demonstrativ ab. So. Das hasse davon, Papa.
7.09 Uhr: Paul hat Hunger und bekommt noch einen kleinen Snack. Peter hat keinen und meckert über unser Müsliangebot. Viel zu gesund. Zu wenig süß. Und überhaupt: Wer sagt, dass man frühstücken muss?
7.12 Uhr: Pauls Schuhe sind weg. Peters auch. Und Herr Kasi sucht bei seinem Ipod die Dauer-Uhr. Was auch immer das sein mag.
7.13 Uhr: Peter kümmert sich um den Ipod: „Was hast Du auch wieder gemacht? Wenn man Dir mal was Technisches gibt.“ Paul zieht sich die soeben gefundenen Schuhe wieder aus. Das Telefon klingelt. Wo bitte liegt es wieder?
7.14 Uhr: Telefon hinter dem Blumentopf gefunden. Die umsichtige Oma. Sie hat keine Windeln mehr. Hektisch also wieder zwei Stockwerke höher. Windeln… Hmmm. Peter hat den Wickeltisch umsortiert. Ah. Da. Allerdings sind nur noch billige da. Kurze Suche nach den besseren, die Paul auswärts immer kriegt. Puh. Herr Kasi: „Sollte man noch einkaufen, so gute Windeln.“ Unausgesprochen: „Sollte man“ heißt: „Mach‘ doch Du mal…“ Ich weise ihn darauf hin, dass er heute mein Auto hat.
7.24 Uhr: Abfahrt. Frau Kasi frühstückt noch einmal. Stress macht hungrig. Kaffee und Nutellabrot, you made my day.

Krieg im Bällebad

Indoor-Spielplatz und Freizeitparks – an Familie Kasi ist dieser Kelch bislang dankbar vorübergegangen. Weil aber irgendwie „alle“ – „nur Ihr seid so spießig…“ – solche Einrichtungen mit ihrer Familie regelmäßig aufsuchen, reisten wir unlängst ebenfalls einmal hin. Gut zweieinhalb Jahre lang hatte man Sohn 1 diesen Besuch in Aussicht gestellt. Wenn wir nicht komplett die Glaubwürdigkeit verlieren wollten, mussten wir jetzt da durch. Nebenbei: Schon allein der Begriff „Indoor-Spielplatz“ verursacht mir schwere Gastritis – von dem unseligen Anglizismus in der Namensgebung einmal ganz abgesehen. Ein Spielplatz besitzt eine Wippe und eine Sandkiste – und vor allem frische Luft und grünen Rasen. War man dort, muss man meistens zwei Buben ausschütteln und ausklopfen, die komplette Kleidergarnitur waschen, Grasflecken mit Pril versorgen und die Kinder in die Wanne stecken. Trotzdem liebe ich „Outdoor“-Spielplätze, weil man draußen ist und die Natur riecht. Und da braucht’s dann auch kein „Outdoor“ im Begriff.

Die nüchterne und sparsam vertäfelte Industriehalle, in die uns unser Sohn führte, hatte nach meinen – spießigen – Kriterien also mit einem Spielplatz nichts, aber auch gar nichts gemein. Der Geräuschpegel erinnerte mich von der Lautstärke an ein Rockfestival. Überall flogen Bälle aus dem Kugelbad, denn drei Kinder spielten dort Krieg, und Weiß gewann. Zwei Buben mit ungefähr 14 kletterten über die Hüpfburg hinweg und am Rand saßen gelangweilte Mütter und Väter mit Smartphones und schlürften in Socken und Jersey-Wellness-Hosen (gern auch Gammeldress genannt) aus hohen Gläsern Milchkaffee. Ein Vater, vermutlich schon seit fünf Stunden anwesend, stritt lautstark mit seinem etwa sechsjährigen Buben und brüllte dabei dem ungefähr fünf Monate alten Baby ins Ohr. Zwei sehr schicke Mamas in hochhackigen Schuhen wechselten direkt am Kaffeetisch neben der Erdbeertorte die Windeln ihrer Sprösslinge. Nebenher wurden ungefähr 14 Kindergeburtstage gefeiert. An der Pommes-Theke bildete sich eine Schlange wie im Freibad bei 32 Grad im Schatten, und Herr Kasi verlor kopfschüttelnd den Glauben in die Welt: „Dürfen wir noch wählen gehen, wenn wir hier waren?“

Denn direkt neben dem – jetzt leeren – Kugelbad (der Bälle-Krieg war unentschieden ausgegangen) saßen Herr und Frau Kasi. Sie schauten betreten durch das große Panoramafenster in die erste Frühlingssonne. Zugegeben: Die Kids hatten offenbar ihren Spaß. Sie flitzten mit Dreirädern umher, turnten über die Hindernisbahn oder sausten aus schwindelerregender Höhe die Rutsche hinunter. Nach einer guten Stunde kam Peter an. Er zeigte uns begeistert den Ruheraum: „Schaut mal, hier isses schön ruhig. Da gibt’s sogar Sofas.“ Nach weiteren zehn Minuten fragte er UNS; wie lange wir noch bleiben wollten. Wir sattelten die Hühner und flohen. Manches muss man einfach nicht gehabt haben.

Die verzweifelte Suche nach Nonni

Hat Ihr Kind auch ein Kuscheltier? Eines, ohne das es ganz gewiss und zu 100-prozentiger Sicherheit nie im Leben einschlafen kann? Eines, das mit in den Urlaub reist, mit zur Oma fährt und selbstverständlich auch beim Zahnarzt mit von der Partie ist? Während Paul sich mit einem Kuscheltuch à la Sesamstraßen-Samson begnügt, hatte Peter immer einen besonderen Freund: Nonni, einen kleinen und zugegebenermaßen sehr niedlichen Löwen auf Flauschstoff. Nonni kam zu uns, als uns Peters Schnuller (genannt Nonni) verließ. Quasi als Abendersatz schenkte ich ihm damals den kleinen Fellracker, einen neuen Nonni, der die Zähne nicht krumm machte. Seinen Schnulli vermisste Peter von da an wirklich nicht mehr. Allerdings suchten wir statt des Schnullis abends regelmäßig den kleinen Löwen. Der ist, seit er bei uns wohnt, ein Weltenbummler. Nie ist er dort, wo wir ihn vermuten. Nonni hält sich gern in der Speisekammer auf oder im Bad bei den Duschgels. Er schläft in der Werkzeugkiste oder auf den leeren Saftflaschen. Irgendwie hat er aber trotz all seiner Ausflüge, Sparkasse, Großmarkt oder Innenstadt, stets zu uns zurückgefunden. Das klappte sehr, sehr lange.

Bis auf einmal. Trotz intensivster abendlicher Suche blieb Nonni verschollen. Peter weinte um seinen kleinen Fellfreund dicke Krokodilstränen. An Schlaf war freilich nicht zu denken. Ohne Nonni wollte Peter nicht ins Bett. Nachts um 23 Uhr stellten wir erschöpft die Suche ein. Das Kind war voll Trauer auf dem Sofa eingenickt, tränennass und selbst im Schlaf tief schluchzend. Und alles wegen Nonni, einem kleinen Stofflöwen.

Tags darauf machten wir uns hektisch auf die Suche nach einem neuen Nonni. Dieser hieß in Echt freilich nicht Nonni, sondern schnöde Rudi (HALLO??? Kann ein Savannenkönig Rudi heißen?!). Nonni-Rudi war in keinem umliegenden Spielzeuggeschäft zu bekommen. Im Internet fand ich einen Webshop, der Nonni, das Löwen-Auslaufmodell, tatsächlich noch im Programm hatte. Erleichtert schlug ich zu, acht Euro Versandkosten und zwei Wochen Lieferzeit wohlwollend ignorierend. Peter erzählte ich eine wunderbare Einschlafgeschichte, Nonni sei gemeinsam mit Felix, dem weit gereisten Hasen, auf Tour gegangen. Peter glaubte mir die hanebüchene Story dankbar und schaute sogar auf dem Globus nach, wo China ist. Nach exakt neun Tagen traf der neue Nonni ein. Aber was mussten wir sehen? Er war schlappe 15 Zentimeter größer als der alte. Nun war guter Rat teuer. Sollte ich Peter etwas von überraschendem Löwenwachstum erzählen? Von Wuchspillen? Oder diesen Größenunterschied einfach ignorieren? Oder erst einmal abwarten? Ich entschied mich für letztgenannte Variante.

Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Eine Stunde später räumte ich im Heizraum Wäsche in die Trommel. Und wer saß da auf dem Hauptwasserhahn und linste keck von oben herunter? Nonni. Leicht verstaubt, aber zweifellos der echte. Jetzt hatte ich plötzlich ein Luxusproblem in Gestalt von zwei Löwen. Ich entschied mit, dem gramgebeugten Peterchen beide Löwen auszuhändigen – mit dem Hinweis, Nonni habe von der Reise seinen Papa Bernhard mitgebracht. Nonni und Bernhard wohnen selbstverständlich immer noch bei uns, allerdings werden sie abends nicht mehr soo zwingend zum Einschlafen gebraucht.

Boshis: Bunter als die Polizei erlaubt

Boshi Peter und Paul 1-2013

Haben Sie’s gelesen? In Nordrhein-Westfalen hoffen die Polizisten auf Wintermützen – und darauf, dass sie noch vor dem nächsten Frühlingseinbruch, all den Primeln, Schneeglöckchen und Buschwindröschen bei ihnen eintreffen. Warum? Man hatte für die Ordnungshüter zwar neue Kopfbedeckungen bestellt, dabei aber offenbar zu wenig auf eine gute Qualität geachtet. Das schwäbische Sprichwort „Do isch d’Kapp ganz schön verschnitta“ wurde in NRW plötzlich wahr: Die Mützen gaben nach kürzester Zeit den Geist auf. Weil wir in Deutschland leben, wurden die minderwertigen Kappen näher inspiziert. Gerade einmal 15 von 190 untersuchten Exemplaren (wer bitte untersucht Polizei-Wollmützen?) waren ohne Mängel. Bei allen anderen lösten sich die Schriftzüge zu unschönen Verbalverunstaltungen wie „olizei“ oder „Plizi“, die Nähte platzten, oder die Staatskappen hatten schnöde Löcher. Unschön, wenn man nachts bei Eiseskälte raus muss zur Streife. Jetzt hat der Hersteller Zeit zum Nachbessern erhalten. Aber es handelt sich um immerhin 25.000 Wollmützen.

Warum ich Sie mit nordrhein-westfälischen Wollkappen behellige? Die ganze Welt ist doch derzeit aufgrund zweier einst in Japan tätiger Skilehrer im „Myboshi“-Fieber. Allen, die nicht wissen, was eine „Boshi“ ist, sei kurz erklärt, dass sich besagte junge Männer in Japan von einer Spanierin beibringen ließen, wie man Kappen häkelt. Niedliche, kleine Wollmützen in allerlei Formen und Farben, mit Bommel und ohne. Zugegebenermaßen, Häkeln war zuvor nicht wirklich „en vogue“, aber die beiden Skilehrer wussten schon in Japan nicht nur mit Pflug und Stockeinsatz zu begeistern, sondern auch mit ihren selbstgemachten Kopfbedeckungen, gefertigt in der nächtlichen Tristesse eines fernöstlichen Turnhallen-Kellers. Zurück in Deutschland lösten die beiden männlichen Häkelprofis einen wahren Hype aus, Horden begeisterter Mädels und Frauen fegten Wollgeschäfte leer, Handarbeitszirkel formierten sich, HTW-Lehrerinnen rieben sich die Hände, man lud gar zu einer Häkel-WM. Die Handarbeit genoss nach Jahrzehnten des Darbens endlich wieder einen gewissen Stellenwert im öffentlichen Leben. Dank Mützen-Modelle mit Namen wie „Hokkaido“, „Ketai“ oder „Tokio“.

Auch Frau Kasi hat in den vergangenen Monaten diverse Mützen und Schals und Stulpen für sich und ihre tollen Jungs gehäkelt. Alle auffindbaren Wollreste kamen unter die Nadel. Die Zahl der gefertigten Stücke stieg und stieg – so rapide, dass Herr Kasi unlängst vorsichtig anfragte (mit einer rotweißen Boshi auf dem Kopf!), wie viele Mützen, Kappen und Stirnbänder noch nachfolgen sollten? Schließlich habe doch jeder nur einen einzigen Kopf und die Mützenkommode in der Diele lediglich drei Schubladen.

Der Familienrat schlug also vor, Frau Kasi und die mittlerweile fleißig mithäkelnde Oma könnten doch die armen Polizisten beliefern? Vermutlich würden die Kopfbedeckungen dann netter und vor allem bunter aussehen als die in NRW bestellten. Sind wir mal ehrlich: Welcher Polizist hat schon eine rot-pinke Mütze mit neongelbem Bommel? Oder eine mit Diagonalstreifen in Himmelblau auf Smaragdgrün? Eine wirklich nette Idee, fand Frau Kasi. Aber sind wir mal ehrlich: Wenn man all die schönen Boshi-Mützen nach vielen Abenden im Schummerlicht, nach Sehnenscheiden-Entzündung, Rückenschmerzen und Tennis-Ellbogen jetzt hergeben würde, wäre man doch dümmer als die Polizei erlaubt, oder?

Kleiner Junge, großes Herz

Das hier ist endlich Pauls Geschichte. Die Geschichte von einem kleinen Baby, einem großen Herzen und unfassbarem Glück.

„Sie haben ein tolles Kind. Genießen Sie die kurze Zeit, die Ihnen bleibt.“ Sind wir ehrlich: Das sind nicht die Sätze, die man als frisch gebackene Eltern hören will. In der Tat: Paul wurde nach einer zügigen Risikogeburt sehr jäh mit der Welt draußen konfrontiert. Und wir mit drei verschiedenen Kliniken. Eine größer als die andere. Wir hörten in den ersten Tagen von einem schweren Herzfehler (Pauls rechte Herzkammer war viel zu groß), jeder Menge sehr schlechter Blutwerte und letztendlich von einer potenziell tödlich verlaufenden Stoffwechselstörung. „Aber von dieser Krankheit wissen selbst wir an der Uni-Klinik kaum etwas. Sie ist viel zu selten, so dass da kaum geforscht wird. Aber meistens liegt die Lebenserwartung bei zwischen einem und fünf Jahren.“ Paul, unser kleines Baby mit den großen Knopfaugen, bekam viel Sauerstoff und wurde in der Uniklinik rund um die Uhr von allen möglichen piepsenden Maschinen überwacht, die gellend laut Alarm schlugen, wenn vermeintlich etwas nicht in Ordnung war. Noch nie in unserem Leben hatten wir alle solche Angst gehabt. Wir schliefen nicht. Wir aßen nicht. Wir verstanden nichts. Wir waren wie eingefroren. Mitten im Mai. Unser Rettungsanker in jener Zeit: unser großer Peter, der sich so rührend um sein Brüderchen kümmerte (sofern es die Klinikkabel zuließen) und immer bei uns war, wenn uns der Mut verließ.

Heute ist Paul sieben Monate alt und gesund. Er krabbelt wie ein Weltmeister, liebt Bananen, Oma Schatz‘ Stoffmäuse und vor allem seinen großen Bruder Peter. Er hasst es, gewickelt zu werden, schaut oft zum Fenster hinaus und fährt für sein Leben gern Auto. Morgens um vier lacht er gern „Gnihiii“ wie Ernie aus der Sesamstraße. Und wenn Peter aus der Schule kommt, geht in seinem kleinen Gesichtchen die Sonne auf.

Was ist unsere Weihnachtsbotschaft an Euch? Wir haben gemerkt, wie schnell das eigene Leben komplett aus den Fugen geraten kann. Plötzlich ist nichts mehr so, wie, wie es einmal war. Was einmal wichtig war, zählt nicht mehr. Alles hätten wir genau dem Arzt geschenkt, der uns gesagt hätte: „Ich mache Ihr Kind gesund. Kein Thema. Passt morgen?“ Was ist ein Haus? Was ein Auto? Ein Urlaub? Gegen Gesundheit? Zwei so tolle Kinder? Uns hat die Hoffnung über schwere Monate gerettet. Der feste Glaube daran, dass alles wieder gut werden MUSS. So leicht, wie es jetzt hier zu lesen ist, war es dann aber doch nicht. Doch wir hatten Menschen, die uns dabei halfen und zur Seite standen. Familie, Freunde, liebe Nachbarn, einen tollen Kinderarzt. Und erfahrenen Kardiologen, der sich von Blutwerten, Tabellen und Wahrscheinlichkeiten nicht in die Irre führen ließen. Sondern auf ihr Gefühl vertrauten.

Nach vielen bangen Wochen der Ungewissheit stand endlich fest, dass Pauls Herz normal arbeitet. Der Stoffwechsel-Gentest? War ebenfalls negativ ausgefallen: „Ihr Kind ist ein Kämpfer. Andere Babys hätten es mit DEM Herzen und diesen Startbedingungen nicht geschafft.“

Und wir? Wir leben heute ein anderes Leben. Wir setzen andere Prioritäten und sind dankbar für das, was wir JETZT haben. Danke, kleiner Paul! Weil a bissel Glück für di no lang net reicht….

Wir wünschen Euch zu Weihnachten alles, was wichtig ist im Leben… macht was draus. Und glaubt daran.

PETERPAUL mit Fridolin

Morgenstund‘ hat Gold im Mund

Ein Baby zu haben, bedeutet häufig auch, nachts aufstehen zu müssen. Frau Kasi ist als Schlafmütze bekannt und hat mit Folgen des Schlafentzugs besonders zu kämpfen, zumal sie nach nächtlichem Wickeln oder Schnulligeben nicht unbedingt wieder schnell einschlafen kann. Eine ganz normale Nacht im Hause Kasi.

19.45 Uhr: Frau Kasi bringt die beiden Sohnkinder ins Bett. Lesen, Singen, geht meistens schnell. Die Buben schlafen schnell ein. Blöderweise im Ehebett, weil da am meisten Platz zum Kollektivlesen ist.

20 Uhr: Fast genauso schnell geht es, bis Frau Kasi selbst schläft. Tief und fest. Herr Kasi behauptet, er verbringe mit seiner Frau einen gelungenen Abend, wenn sie die Wetterkarte der Tagesschau wach sehe.

22 Uhr: Herr Kasi kommt ins Bett. Frau Kasi sagt kurz Hallo und schläft weiter. Herr Kasi hat keinen Platz, weil die drei anderen ja in seinem Bett liegen, wo sie spontan beim Lesen von „Michel bringt die Welt in Ordnung“ eingeschlafen sind. Er verteilt jeden in seine richtige Bettstatt. Nicht immer geht das glatt. Peter meckert dabei gern, was das in aller Welt solle? Unerhört. Mitten in der Nacht umziehen müssen. So was.

2.30 Uhr: Paulchen redet fröhlich vor sich hin. Wenn aufgrund der Tageszeit niemand antwortet, Frechheit, beginnt er deutlich zu meckern und ratscht mit seiner Patschehand fröhlich die Stäbe seiner Wiege auf und ab. Dabei verheddert er sich im Stoffbezug. Das gefällt ihm gar nicht. Außerdem hat er aus unerfindlichen Gründen die Windel eben voll. Frau Kasi wird langsam wach. Herr Kasi hat da schon gewickelt. Danke! Jetzt hat Paul Hunger. Hier kann Herr Kasi verständlicherweise nicht helfen…

3 Uhr: Baby Paul ist satt. Aufgrund dieses positiven Gefühls  macht er eine tolle Entdeckung: Er kann lachen wie Ernie aus der Sesamstraße: „Grrrr.“ Und nochmal: „Grrrrr.“ Lustig zwinkert er mit seinen dunklen Knopfaugen und freut sich wie Bolle. Frau Kasi und Herr Kasi müssen trotz der frühen Stunde selbst schmunzeln. So ein kleiner Zwerg.

3.10 Uhr: Paulchen ist wieder müde und schläft friedlich. Herr Kasi und Frau Kasi debattieren, was im Garten noch gemacht werden muss. Oder welches VfB-Spiel sie mal wieder besuchen wollen. Oder was der Opa zu Weihnachten kriegt. Was man halt so bespricht morgens um 3.10 Uhr.

3.15 Uhr: Das Licht ist wieder aus. Herr Kasi schläft tief und fest, Frau Kasi strickt heimlich bei heimeliger Beleuchtung der Nachttischlampe einen Schal für Peter.

3.30 Uhr: Frau Kasi wird müde und löscht schnell das Licht. Schnell noch ne Runde schlafen. Jetzt, wo sie endlich schläfrig wird.

3.32 Uhr: Frau Kasi schläft fast. Da schlüpft ein großer, kalter Frosch herein. Es ist Peter. Er hat schlecht geträumt und will kuscheln: „Ich hab‘ geträumt, der Computer ist kaputt. Und das iPhone auch. Und der Strom war auch weg.“ Oha, was für fiese Alpträume.  Frau Kasi ist wieder hellwach. Und hat Hunger. Und schaut heimlich, ob der Computer noch läuft. Dabei entdeckt sie, dass das Licht in Peters Zimmer noch an ist. Schnell aus damit. Unnötige Energieverschwendung. Weil der Hunger immer größer wird, geht sie in die Küche.

3.45 Uhr: Ein Nutellabrot später strickt Frau Kasi wieder. Sie kann nicht wieder einschlafen und überlegt, ob sie die Steuerunterlagen sichten soll. Weil das Büro vielleicht kalt ist, strickt sie im Bett weiter. Wenigstens wird der Schal länger.

4.30 Uhr: Paul meckert. Er hat die Windel voll. Und Hunger: „Auauauauau. Hmpf. Ahhhh. Grrrrr.“

5.30 Uhr: Peter ist ebenfalls wach. Er hat Hunger: „Gibt’s schon was? In der Küche steht das Nutella!? Habt Ihr schon gefrühstückt?“

6 Uhr: Familie Kasi muss aufstehen: Morgenstund‘ hat Gold im Mund. Paulchen und Peter spielen Fernsehen und lachen sich kaputt, weil Paulchens Nase der Einschaltknopf ist. Ach, Ihr Augenringe, Tränensäcke und und Krähenfüße, Ihr lohnt Euch doch. Grrrrrr.

Aus die Maus

Alles begann damit, dass sich eine Maus in Pauls Kinderwagen verkrochen hatte. Paulchens Gefährt steht üblicherweise in unserer Garage zwischen den beiden Autos neben Peters Rad. Eines Nachmittags entdeckte ich zu meiner unbändigen Freude verräterische Biss-Spuren in der Tragetasche. Mäuse im Kinderwagen eines Säuglings sind nicht unbedingt das, was Frau Kasi besonders schätzt. Nachdem der Kinderwagen umfangreich auseinandergebaut (haben Sie eine Ahnung, wie viel Pappe in so einer Trageschale steckt?!) und wieder zusammengesteckt und in der Maschine sehr heiß und mit viel Chemie gewaschen worden war, musste der bedauernswerte Herr Kasi auf Mäusejagd gehen. Frau Kasi weigerte sich beharrlich. Sie fängt nicht mal Spinnen oder Wespen ein. Die Jagd unternahm Herr Kasi selbstverständlich mit mäusehochverträglichen Lebendfallen – weil Sohnkind eins große Krokodilstränen weinte, als Herr Kasi salopp ankündigte, jetzt gehe es den Nagern an Leib und Leben. Die Lebendfallen, die Frau Kasi über ein großes Internetauktionshaus erstand, waren Herrn Kasi zwar zu klapprig und zu wenig stabil, aber mit der klassischen Befüllung – Wurst und Käse – würde die Jagd schon klappen, hoffte er. Denkste.

Die Mäuse waren so etwas von raffiniert. Wurst und Käse waren Tag für Tag weg, die Fallen leer. Im Hause Kasi wartete man schon fast auf handgeschriebene Zettel: „Das nächste Mal hätten wir gern Lyoner und Nugatpralinen.“ Auch weitere Versuche mit Nutella (sehr zum Missfallen von der schleckigen Frau Kasi) scheiterten. Die Schokopaste schleckte Familie Maus gern, fangen ließ sie sich nicht. Doch die rechte Wut packte Herrn Kasi, als er feststellte, dass 1) seine Umzugsplane angenagt und 2) Hase Oskars Kraftfutter leer geräubert waren. Zweimal war Herr Kasi dann tatsächlich mit einer eigens gekauften Superduper-Riesenfalle aus dem Baumarkt seines Vertrauens erfolgreich. Des Rätsels Lösung, warum die kleinen Nager Frau Kasis lausige  Internetfallen gemieden hatten, war einfach: Die Viecher waren im Lauf der Zeit schlicht zu fett dafür geworden. Raten sie mal, von was? Klar. Von Wurst, Käse, Milchpulver, Schokopaste, Kraftfutter.

Familie Kasi war jetzt misstrauisch geworden. Es raschelte nach wie vor in der Ecke links beim Gelben Sack und dem Sack mit dem Pferdebrot. Herr Kasi fühlte sich bestätigt, als er am hellen Morgen beim Zeitungholen einem munteren Mäusepärchen begegnete. „Na, auch schon auf?!“, schienen die beiden zu fragen und: „Hast DU schon Kaffee gekocht? Die Zeitung ist schon da. Die Austrägerin hat uns geweckt.“ Wohlwissend beließ es Familie Maus bei einem freundlichen Nicken und einem schnellen Blick aus braunen Knopfaugen und zog von dannen. Das Spiel begann von neuem – mit Herrn Kasi und den Superduper-Fallen. Frau Kasi, die allerlei überraschend auftauchendes Getier gern mit spitzen Schreien begrüßt, mied die Garage daraufhin konsequenterweise wie der Teufel das Weihwasser (darum steht mein Auto so oft draußen, ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten – für aufmerksame Beobachter).  Der Kinderwagen parkt seither im Büro. Was also blieb Herrn Kasi übrig, als wieder zum Kleinwildjäger wider willen zu mutieren? Tag für Tag zog er falleschwingend in die Garage – doch die Mäuse blieben den überdimensionalen Gitterkästen fern und ließen sich allerhöchstens morgens einmal persönlich blicken. Nach wie vor zeigten sie sich wenig heikel und nahmen gern alles – Nutella, italienische Paprika-Cabanossi, Schweizer Emmentaler, Pauls Milchpulver, Mehl. Herr Kasi wurde sehr zornig, als er Tage später eine dieser  Mäuse erwischte: Ein Hamster hätte neben diesem Riesenvieh geradezu magersüchtig und schwindsüchtig gewirkt. Der gefräßigen Monstermaus schenkte Herr Kasi dennoch, gutmütig und friedliebend wie er ist, gern die Freiheit. Vermutlich hat er dem dackelgroßen Tier vor dem Abschied noch einmal kurz den Nacken gekrault. Frau Kasi war ein fieses Kameradenschwein und zeterte besserwisserisch: „Vor Dir und Deiner Gutmütigkeit haben nicht einmal die Mäuse Respekt.“ Es kam noch schlimmer: Am nächsten Tag behauptete Frau Kasi steif und fest, GENAU diese Maus und KEINE andere beim Zeitungsholen in der Garage getroffen zu haben: „Das passiert, wenn man die Mäuse direkt neben dem eigenen Haus freilässt“, wetterte sie zänkisch. „Dann fang‘ doch das nächste Mal DU die Viecher“, schimpfte Herr Kasi vollkommen berechtigterweise zurück. Peter weinte, weil ihm die Mäuse leid taten und schlug vor, man könne sie doch in einen Käfig sperren und wie Hamster oder Meerschweine halten: „Im Laden kosten die 6,90 Euro. Vielleicht können wir sie wenigstens verkaufen? Das gibt dann bald ein Handy für mich.“ Paul brüllte, weil nach wie vor sein Milchpulver als Köder herhalten musste. Die nächste Maus, die unbedachterweise in Herrn Kasis Falle ging, fuhr selbiger zur Wahrung des häuslichen Familienfriedens im Auto fünf Kilometer mit ins Nachbardorf. Zur Vorsicht.  Sie hatte die Größe eines Cockerspaniels, ehrlich.

Neulich beim Frühstück

Wir haben Halbzeit – Peters Schulferien sind schon fast zur Hälfte vorbei. Nachdem die vergangene Woche mit einem ADAC-Einsatz (einzigen Opel-Schlüssel eingeschlossen), einem Fast-Haftpflichtfall (geschälte Birke in einem frisch angelegten Garten) und einem kurzen Krankenhaus-Besuch vergleichsweise harmlos war, haben Peter und ich den Beginn der Ferienspiele mit unbändiger Freude  herbeigesehnt. Allerdings aus verschiedenen Beweggründen. Herr Kasi ist raus: Er arbeitet wieder. Das Ferienspektakel läuft gut; Peter hat Spaß und ist abends müde. Gleich drei Dinge auf einmal – perfekt. Heute ist Ausflug zur Inline-Bahn. Peter muss zu einer für die Ferien untypischen Zeit los: kurz nach acht, genauer gesagt 8.15 Uhr fährt der Bus. Herr Kasi will ihn mitnehmen. Frau Kasi ist erleichtert. Morgenmüde wie sie ist, bedeutet das schönheitstechnisch einen kurzen Aufschub. Zunächst sitzt Familie Kasi jedoch gepflegt am Frühstückstisch. Paul babbelt vor sich hin. Peter ist aufgeregt. Herr Kasi gibt ihm Antwort. Frau Kasi schläft im Stehen. Wie immer morgens.

7.30 Uhr: Paulchen hat Hunger. Jetzt. Sofort. Weil das sehr laut ist, wenn dem kleinsten Kasi-Sprössling der Magen knurrt, bekommt er im Einvernehmen mit allen anderen Familienmitgliedern zuerst zu essen. Herr Kasi deckt dankenswerterweise den Tisch und kocht Frau Kasi einen Kaffee. Aus eigenem Interesse – sonst ist von der kommunikativen Frau Kasi, in den Morgenstunden für ihre grimmige Verschwiegenheit bekannt, kein Wort zu entlocken. Paulchen trinkt glucksend und stößt geräuschintensiv auf. Welch ein Idyll.

7.37 Uhr: Paul isst und spuckt gleichzeitig. Ob man das wiederverwenden kann? Herr Kasi ist so sparsam.

7.40 Uhr: Frau Kasi nimmt einen Schluck Kaffee. Peter ist immer noch nicht angezogen und immun auf dezente Hinweise aufgrund dieses Umstands. Er findet seinen Germany-Schlafanzug toll.

7.45 Uhr: Frau Kasi wirft tranfunselig das Nutella-Glas auf den Boden. Das große. Scherben fliegen durch den gesamten Wohnstock. Peter entsetzt: „Hättest Du nicht ein kleines Glas nehmen können?“ Herr Kasi bemüht sich um Schadensbegrenzung und holt Handfeger und Schaufel. Schweigend. Frau Kasi schläft weiter. Stehend.

7.50 Uhr: Paul ist satt und müde. Wird in die Wippe abgelegt. Als er meckert, hören wir Waldgeräusche mit Klingklong-Musik. Frau Kasi weiß spontan nicht, was schlimmer ist: Paulchens Gebrüll oder die Klingklong-Musik. Zum Glück sind wir psychisch stabil. Psychodelische Harfenklänge, mühsam tockernde Spechte und glucksende Meisen können einem den Tagesbeginn schön gestalten. SO muss sich ein Drogenrausch anhören.

7.55 Uhr: Peter entdeckt, wie spät es ist. Isst aber trotzdem  in Seelenruhe weiter: „Wär‘ ja schade um das tolle Brot.“ Warum auch Hektik? Der Bus fährt ja erst in 20 Minuten.

8.02 Uhr: Herr Kasi geht ins Bad, Peter packt seinen Ausflugsrucksack. Dummerweise ist nur noch der linke Inliner da. Er hat aber zwei Füße.

8.05 Uhr: Herr Kasi widmet sich dem persönlichen Großreinemachen, inklusive Rasur. Die Geräusche aus dem Bad erinnern eher an Flipper oder Free Willy als an die Körperpflege eines erwachsenen Mannes: „Wir haben ja noch Zeit.“ Ja. Genau noch 10 Minuten. Frau Kasi ist super unentspannt. Sie ist noch nicht richtig frisiert und trägt ein bolleriges T-Shirt, auf dem Bon Jovi noch lange Haare haben. So will sie nicht mal im Notfall aus dem Haus. Zur Ablenkung beschriftet sie Rucksack und Mütze.

8.08 Uhr: Paul findet Ausflüge doof – wenn andere sie machen. Brüllt trotz oder wegen Klingklong-Wald-Gedöns weiter. Herr Kasi flutet weiter das Bad. Frau Kasi schläft immer noch.  Stehend. Trotz Kaffee und Nutellabrot. Aus einem neuen Glas übrigens.

8.09 Uhr: Der rechte Inliner ist wieder da. Er war in den Altkleidersack geraten. Peter ist erleichtert: „Er hätte ja auch wo vollkommen Unmöglichem sein können.“ ???

8.10 Uhr: Peter sucht verzweifelt seine Mütze. Wo war die noch gleich? Speisekammer? Klo? Werkzeugkiste? Nö. Sie liegt auf der Garderobe. DA hat natürlich niemand geguckt.

8.11 Uhr: Herr Kasi lässt das Auto an. Peter nimmt immer noch von Paul Abschied: „Das nächste Mal kommste mit.“ ??? Zum Abschluss schaukelt er noch einmal kräftig an der Wippe und macht laut „Heiheiei“. Paul findet „Heiheiei“ doof und spuckt. Dem Schwall geronnener Milch folgt ein krachender Pups. So. Alles draußen.

8.12 Uhr: Das Haus ist leer. Paul meckert: Er hat nach so viel Streuverlusten wieder Hunger. Die Klingklong-CD ist vorbei. Wir wechseln einvernehmlich zu „Whitesnake“. Paul stößt geräuschintensiv auf. Was für ein Idyll. Here I go again.