Noch Fragen?

Wir sind bei zu einem schönen, großen Fest eingeladen. Demensprechend wird auch das Kind, sehr zu seinem Leidwesen, aufgehübscht. Für den Notfall nehmen wir aber Spielklamotten mit. Man weiß ja nie.

Nach kurzer Zeit beobachte ich meinen Sohn, wie er sich hingebungsvoll rosa Kreide auf die Wangen schmiert. Peter zieht sich freiwillig sein altes Zeug an: „Ist ja viel gemütlicher. Hab ich doch gleich gesagt, dass es sich nich lohnt, mich schön zu machen.'“

Wieder zehn Minuten später sind nicht nur des Sohnkinds Wangen rosa bekreidet, sondern das ganze Kind (natürlich inklusive Klamotten) ist voll mit kunterbuntem Kreidestaub. Alle anderen Kids sehen ähnlich aus. Folgender Dialog.

Ich (entgeistert): „Sag um Gottes Willen, was Du gerade machst.“

Peter (ungeduldig): „Maaamaaa…. komische Frage. Na malen natürlich.“

Ich (genervt): „Im Ganzkörpereinsatz?“

Peter (ungerührt): „Ich weiß gar nich was Du hast. Wir sehen zwar alle nicht mehr schön aus, aber wir sind friedlich, spielen ruhig und machen nicht den geringsten Krach. Noch Fragen?“

Nein Danke. Das war genau genug. Und Recht hat er ja obendrein.

Sie sind der Meinung, das war Spitze?!

Kennen Sie noch Hänschen Rosenthal? Der fröhliche kleine Mann, der donnerstags bei „Dalli Dalli“ immer hurtig in die Luft hopste und rief: „Sie sind der Meinung, das war Spitze?!“ Peter liebt Hans Rosenthal. Seit er vor kurzem einmal die Neuauflage des Schnelldenker-Quiz auf NDR gesehen hatte (die seine Mami für sich aufgenommen hatte), ist unser Sohn im Dalli-Dalli-Fieber. Als wir dann noch entdeckten, dass die alte Show auf ZDF-Kultur regelmäßig läuft, war es um Peter geschehen. Seither freut er sich riesig, wenn Prominente aus längst vergangenen Fernsehzeiten Fragen wie „Was packen Sie in einen Nikolausstiefel?“ Oder „Was wärmt Sie im Winter?“ beantworten müssen. Weil die Wiederholungen mit Hans Rosenthal dienstags um 13 Uhr im Programm sind, müssen wir sie zwar aufzeichen, aber das ist ja egal.

Peter lacht sich scheckig, wenn Altstars der 70-er wie Michael Schanze oder Winnie Markus mit Föhnwelle und Toupierfrisur Plätzchen ausstechen müssen, Teppiche wickeln oder Geldmünzen sortieren. Er freut sich über lustige Antworten in den Schnellraterunden, erheitert sich über die Gewänder von „Assistentin Monika“ oder hat Spaß daran, dass Roberto Blanco heute noch so aussieht wie früher. Auch Uwe Seeler war mal jung, das haben wir bei einer unserer letzten Dalli-Dalli-Sessions ebenfalls festgestellt. Was uns aber auch angenehm auffiel: der feine Umgangston, den Hänschen Rosenthal mit seinen Teams pflegte. Er ließ alle Gäste gut aussehen, egal wie dusselig sie sich auch anstellten und egal, wie schwer von Begriff sie gerade waren. Rosenthal führte seine Interviews ausgesucht fein, freundlich und aufmerksam, er ließ alle ausreden und amüsierte sich nie auf Kosten seiner Gäste. Dazu klampfte Heiner Riethmüller ausgesuchte Melodien wie „Wer soll das bezahlen…“ auf dem Piano, und die Götz-Wendland-Combo  begleitete ihn nach Kräften. Früher hatte überhaupt das, was man heute lapidar als „Band“ bezeichnen würde, schöne Namen wie „Max-Mayer-Bigband“ oder „James-Last-Orchester“.

Was würde Rosenthal wohl zu einem Fernsehprogramm sagen, in dem man zur besten Sendezeit Känguru-Hoden verspeist, arme Schrotthändler auf TV-Almen verfrachtet oder sprichwörtlich in die Gülle fliegt? Vermutlich nicht viel – Hänschen Rosenthal hat diesen Niedergang abendlicher TV-Unterhaltung nicht mehr erlebt. Frau Kasi indes freut sich über den dienstäglichen Ausflug in die TV-Kindheit, als sie frischgebadet im Schlafanzug und nach Bebe-Creme duftend, ausnahmsweise länger aufbleiben durfte, um Schnellzeichner Oscar und die Dalli-Dalli-Tonleiter zu sehen. Zeiten mit einem uralten Saba-Fernseher waren dies, der knapp 25 Jahre alt wurde und dessen Fernbedienung ganz futuristisch „Telecommander“ hieß. Das Gerät hielt sich all die Jahre wacker, bis es ein Gewitter vollkommen unverdienterweise jäh aus dem Dienst nahm. Sage und schreibe fünf Kanäle hatten wir einst daheim, das Erste, das Zweite, das Dritte, Österreich immer und die Schweiz manchmal. Bei ganz gutem Wetter. „Was“, sagte unlängst Peter angesichts des „Spitze-Sprungs“, „gibt’s Dich schon so lange, dasss Du DAS noch kennst und erlebt hast? Boah, Mama.“

Kind 2.0

Peter ist ein Kind, das mit neuen Medien groß wird. So Leid mir das tut – aber Frau Kasi verbringt berufsbedingt viele Stunden am Computer, sein Papa genauso. Außerdem seine Onkels und sein Opa Schatz, der das Portal von der „Sendung mit der Maus“ mittlerweile ziemlich gut kennt. Peter weiß also, was Firefox ist, er kennt Safari und den Internet Explorer („Lass‘ doch den Mist, der hängt doch eh immer….“). Schon häufiger hat er im Kindergarten leider für Verblüffung gesorgt, wenn er spontan erklären konnte, wo man was ausdruckt, welcher Explorer besser ist oder warum ein Laptop handlicher ist als ein PC. Peter kennt die Marken meiner Kamera und die meines Druckers. Er weiß, was CD-Rohlinge sind und wo man sie in meinem Schreibtisch findet. Mittlerweile kann er Hörspiele schon alleine downloaden, obwohl er noch nicht einmal richtig lesen kann. Sorry! Durch den Job seiner Frau Mama kennt Peter auch die Begriffe Websites und Twitter, er weiß sogar was Facebook ist und „Spiegel online“. Und es ist wirklich nicht so – ich schwöre – dass das Sohnkind stundenlang am Computer spielen dürfte. Manches schnappt er er einfach nebenher auf – selbst wenn er selbstvergessen neben mir sitzt und malt, während ich telefoniere oder vor mich hin schimpfe, weil das Internet wieder so saulangsam ist.

Natürlich hat der Thronfolger auch mitbekommen, dass wir für unseren Hausbau manchen Preis im Internet verglichen oder gar bei Ebay bestellten. Es war nicht wahnsinnig viel. Aber beispielsweise waren unsere geswünschten Ikea-Schlaufenschals in keinem Einrichtungshaus der Nähe vorrätig, so dass wir auf einen Ebay-Sofort-Kauf-Anbieter ausweichen wollten. Diese Schals und GENAU diese waren schließlich die einzigen auf der ganzen Welt, auf die sich Herr UND Frau Kasi einigen konnten.

Jetzt hat das aufmerksame Sohnkind mitbekommen, dass überall Wahlplakatte mit schönen oder weniger schönen Politikergesichtern die Straßen zieren. Pädagogisch wertvoll erkläre ich dem jungen Mann, dass Wahlkampf ist und dass alle diese Herren/Damen in den Landtag oder in die Regierung wollen. „Aha“, sagt Peter. „Mit DIESEN Bildern? Hatten Sie keine anderen?“ Ich verkneife mir wenig erfolgreich ein Schmunzeln: „Hmmmm.“ Nach dem üblichen Fragenkatalog – was ist die Regierung? Warum will man da rein? Wie sieht es da aus? Was haben die für Stühle?- kommen wir irgendwann sogar zum Stichwort Sitzverteilung. Das Kind fragt mir nich nur Löcher, sondern ganze Lochreihen in den Bauch. Komplett erschöpft, google ich schließlich noch das Wahlprogramm der Grünen – Peter gefallen die bunten Bilder und die vielen Farben auf deren Plakate so gut. Bevor sich das Sohnkind über sein Müsli hermacht, hat er noch eine quälende Frage im Repertoire: „Kann man Landtagssitze eigentlich auch bei Ebay ersteigern? Dann würde sich das ganze Häckmäck mit der Wahl ganz schnell  erledigen.“ Die Sache mit dem Demokratieverständnis müssen wir noch einmal wiederholen, Kind 2.0.

Der Wackelzahn

Kann das sein? Eben erst – zumindest kommt es mir mit meinem müttersentimentalen Gehirn so vor – hat Peter mit viel Geschrei seine letzten Zähne gekriegt. Und jetzt sollen die ersten schon wieder raus. Der halbe Kiefer des Sohnkinds gleicht von seiner Stabilität her der venezianischen Innenstadt oder den wackligen Bücherstapeln in dem Regal hinter mir. Der Thronfolger verweigert deshalb standfest jegliche feste Nahrung und pocht streng auf die Einnahme von Apfelmus, Griesbrei und Nudelsuppe. Die Baustellen im Unterkiefer machen genussvolles Abbeißen vom grünen Apfel wie einst in der Zahncreme-Werbung („Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können“) in der Tat nicht leichter. Aber grüne Granny-Smith-Äpfel sind ja wegen der schlechten Ökobilanz – da meistens nicht heimisch – ohnehin etwas aus der Mode gekommen, wo es doch so tolle, rotbackige und vor allem heimische Bodenseeäpfel gibt, die theoretisch nur eine gute Stunde Fahrt von der Insel Reichenau bis Nusplingen bräuchten.

Aber ich schweife ab. Weil Peter ein kleiner Mann ist, leidet er dabei gebührend. Während er, dick eingemummelt in meiner Kuscheldecke in meiner Sofa-Lieblingsecke sitzt (ihm geht es ja schlecht), nuckelt er müde an seinem Kaba: „Mama, weißt Du noch, wie der Michel der Lina den Zahn gezogen hat?“ Klar erinnere ich mich an die Zahn-Episode in Astrid-Lindgrens Lönneberga-Klassiker. Ich erzähle ihm also vom Pferd, dem Faden und Michels Idee, das Pferd könnte den Zahn aus dem Kiefer herauskatapultieren. „Ach ja“, macht Peter einen traurigen Mund, „so würde das bei uns auch enden. Die Lina ist dem Pferd ja nachgerannt wie blöd.“ Stimmt. Ich beruhige meinen gebeutelten Sprössling damit, dass wir kein Pferd haben. Und per se auch kein Dienstmädchen, an dem wir solche Dinge auszutesten gedenken.

Peter sitzt immer noch zahnleidend in meiner Sofalieblingsecke. „Mama“, erkundigt er sich mit geübten „Mir-geht’s-so-schlecht-und-keine-Sau-interessiert-sich-dafür“-Tonfall, „wie hast Du denn Deinen ersten Milchzahn verloren?“ Zugegebenermaßen wenig sensibel berichte ich von einem kleinen Mädchen, dessen linker Schneidezahn unten ebenfalls höllisch wackelte. Weil das kleine Mädchen eine sehr robuste Fünfjährige mit Hang zum Prügeln, zum Auf-hohe-Bäume-Klettern und durch Tiefe-Bäche-Waten war, entschied sie sie sich für eine sprichwörtliche Hauruck-Methode: die große, blaue Rohrzange von Peters Opa Schatz. Damit wurde das winzig kleine Zähnlein höchst erfolgreich aus Frau Kasis blütenweißer Milchzahnreihe gelupft. Die Wacklerei hatte ein schnödes und zugegebermaßen wenig kindgerechtes Ende genommen. Dank der blauen Rohrzahnge.

Peter und Herr Kasi schauen mich beide entsetzt an. „Neee“, sagt mein Gatte, „wie gemein. Und das an einem kleinen Kind.“ Auch mein Sohn ist einigermaßen ratlos – hat er doch einen gutmütigen, mit ihm jeden Spaß veranstaltenden Großvater im Hinterkopf und keinen mit einer Zange bewaffneten, fiesen Zähnezieher: „Mama“, sagt er demzufolge streng, „damit macht man keinen Spaß.“ Ich beteuere kleinlaut, dass dies aber die Wahrheit sei. Außerdem verstehe ich das Getue nicht. Warum auch nicht? Ich hatte danach zwar einen Zahn weniger, war aber des leidvollen „Ich-muss-jetzt-an-dem-Zahn-wackeln-bis-er-wehtut“ erlöst. Das wog den kurzen Schmerzmoment mit der riesigen Rohrzange eindeutig auf.

Eins ist klar. Peter will jetzt nicht wie eine Memme dastehen. Zögerlich fragt er seinen Vater nach einer Rohrzange. Diese findet sich in unserem vom Umzug gebeutelten Haushalt freilich nicht sofort. Wohl aber ein kleines, rotes Zänglein, von dem mein Mann, der gelernte Pädagoge im Haus, wohl annimmt, es sei viel kindgerechter und sozialverträglicher aus die Variante aus den späten 70-ern in Frau Kasis Elternhaus. Gemeinschaftlich machen sich also der mit der Kinderzange bewaffnete Herr Kasi und Frau Kasi als alter Hase an Sohnkinds Kiefer zu schaffen. Der kleine Mann hat den Mund noch nicht recht – zugegebenermaßen eher halbherzig – geöffnet, da brüllt er – wohlgemerkt mit offenem Mund: „Ich glaub‘, ich behalt‘ den Zahn noch ein bisschen.“ Soviel zu Dres. med. dent. Weiger. Schuster, bleib‘ bei Deinen Leisten. Mit und ohne Rohrzange. Wir haben einen tollen Zahnarzt im Ort.

Wir haben es nett

Was ist schlimmer als ein kranker Mann daheim? Ein kranker Peter daheim. Ein Peter, der nicht mehr soo richtig kränkelt, aber noch nicht so weit wieder hergestellt ist, als dass er wieder den Kindergarten besuchen könnte. Solch ein Peter hat viele gute Ideen, was die eigene Freizeitgestaltung anbelangt. Dumm nur, dass Frau Kasi arbeiten muss und Herr Kasi ebenfalls. Doch Frau Kasi arbeitet von zu Hause aus. Herr Kasi ist mit frohgemutem Grinsen  und dem fragwürdigen Satz „Mach es Dir schön…“ (!?) soeben abgezogen. Mit quietschenden Reifen versteht sich. Nicht dass ihn noch jemand aufhält. Ich setze auf die Vernunft meines fast Sechsjährigen: „Peter, ich muss noch zwei Sachen fertig machen und bin im Büro.“ Peter nickt. Klar.

Das Sohnkind zu bespaßen, ist eine schöne Aufgabe. Wenn man Zeit hat. Heute habe ich aber keine. Ich arbeite an einem Serienbrief für einen sehr netten Herrn mit viel Geduld und alter Schule. Peter ist schon nach zehn Minuten langweilig. „Mama, wir könnten Kuchen backen.“ Ich entgeistert: „Wann? Morgen?“ Peter hat für dererlei Zeitverzögerung kein Verständnis: „Ne. Jetzt. Du schreibst doch nur. Marmorkuchen? Der schmeckt lecker.“ – Ich: „Mein Kind. Außer Schreiben habe ich nichts gelernt, und damit verdiene ich mein Geld.“ Peter kann das nicht verstehen: „Ist Schreiben Arbeit? Das kann doch jeder, der groß ist.“ Hmmm. Ganz schön scharfsinnig. Stimmt ja eigentlich. Als ich ablehne, Bibi-Blocksberg-Hexenmasken zu drucken und meinen Rechner für eine Runde Benjamin-Blümchen-löscht-das-Feuer herzugeben, drollt sich der Thronfolger beleidigt. Puh. Jetzt wieder mit Hochdruck kreativ sein. Dummerweise habe ich Hunger. Peter übt derweil Melodica. Vierviertel e.

Zehn Minuten und 20 Zeilen später. Das Telefon klingelt. Ein netter Neukunde, der Texte für seinen Webauftritt braucht. Peter indes braucht dringend was zu essen. Und Knete. Und hat keine Lust mehr auf Kranksein. Vor allem aber platzt er mitten in mein Neukunden-Telefonat: „Ein Stern, der Deinen Namen träääääägt…. hooooch am Horizont….“ Höflich aber bestimmt setze ich Ötzi-Junior mit einem energischen Griff und wild gestikulierend vor die Tür, was Peter mit lautem Klopfen und dem freundlichen Nachhaken „Was soll der Mist jetzt?“ quittiert. Ich erkläre dem freundlichen Herrn am anderen Ende der Strippe, dass ich kurz meinen kranken Sohn zur Raison bringen muss. Das mache ich nach Gesprächsende ausgiebig. Anschließend lasse ich Peter seinen Papa anrufen. Dass er sich über mich beklagt, nehme ich gerne in Kauf – so sieht Herr Kasi wenigstens, was ich mitmache. Jetzt gibt es aber erst einmal Mittagessen. Das Kind isst viel, ausgiebig und mit Spaß. Danach macht er Pause und beschallt das komplette Haus mit Elea Eluanda. Ezechiel, die Tröstereule, würde bei mir persönlich heute Abend im Suppentopf landen. Drei Ermahnungen (in steigendem Tonfall und mit anschwellender Lautstärke) später ist Ruhe im Haus. Peter hat sich hingelegt, weil ihm wieder eingefallen ist, dass er ja eigentlich krank ist. Ach stimmt ja. Überflüssig zu erwähnen, dass ich meine Arbeit erst spät abends auf die Reihe bekomme – als Herr Kasi nach etlichen Überstunden endlich heimkommt: „Na, hattet Ihr’s nett?“

Frau Kasi fletscht die Zähne

Frau Kasi ist allseits bekannt als Temperamentsbündel. Als eine, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube macht, ordentlich schimpfen kann und dabei wohl auch recht grausig aussieht, die aber auch einen Tisch voll Leute spielend unterhalten kann – da muss kein anderer mehr reden.

Nun hat mich mein Kind gemalt – während ich jüngst ausgiebig und leidenschaftlich vor mich hinwetterte. Ich gebe zu, dass das rote Kleid und die lange Kette recht gut getroffen sind. Lila Stiefel besitze ich ebenfalls. ABER: Ich fletsche nie die Zähne, zumindest nicht wissentlich. Außerdem habe ich keine Teufelshörner. Überflüssig zu erwähnen.

Die Sache mit Götz

Peter hat einen dicken Kumpel auswärts. Das heißt, „hatte“. Vor kurzem hatte dieser nämlich seinen 7. Geburtstag, und er hat Peter dazu nicht eingeladen. Das Sohnkind wertet eine solche Missetat als einen geschichtsträchtigen Vorfall – gerade so, als ob Angela Merkel Guido Westerwelle im Bundestag geohrfeigt hätte. Der Kumpel von drei Ortschaften weiter, den Peter über mich bzw. über dessen Mama kennengelernt hat, hat mein Sohnkind nicht zum Geburtstag eingeladen – und das, obwohl er erst kurz zuvor bei uns war. Welch Affront.

Peter durchläuft die haargenau selben Phasen, die jeder von uns kennt. Zuerst ist er bitter enttäuscht und meckert. Ich übe mich im Krisenmanagement und gebe zu verstehen, dass es im Leben oft so ist, dass man nie genau das zurückbekommt, was man gegeben hat. Oja (mein „Parfüm“ von Süskind ist heute noch bei Oli). Dann ist Peter traurig und schluchzt ergriffen vor sich hin. Er tröstet sich, weil alle anderen, die eingeladen sind, eh nicht seine Freunde sind. Am nächsten Tag ist seine Eitelkeit verletzt: „Muss ich mich jetzt genieren? Und was mach‘ ich wenn ich Geburtstag hab?“ Das ist gottlob erst im Juni. Vier Wochen später kommt eine Gegeneinladung – von der Mama des einstigen Kumpels. Peter, ganz Mann, zitiert Götz von Berlichingen. Und lässt mich ausrichten, er gehe viel lieber zu seiner Oma.

Wasserklare Angelegenheit

Ich trinke bekanntermaßen am allerliebsten das, was auf gut Schwäbisch „Hahnenwasser“ heißt. Also Wasser direkt aus der Leitung, ohne Blubber, Kohlensäure oder Gas. Mein Mann trinkt am liebsten Spezi oder Cola, hat jetzt aber festgestellt, dass das nicht gesund ist (!). Deshalb trinkt Herr Kasi seit geraumer Zeit mit Leidensbittermiene stilles Mineralwasser. Sohnkind Peter ist also der einzige, der sich noch mit der täglichen Ration Kohlensäure versorgt, weil er das „lahme Zeuch“ nicht mag.

Folgender Dialog.

Peter (deutet vielsagend auf mein Edelstein-Krüglein und Markus‘ Vittel-Flasche): „Maaaaama. Eigentlich bin ich ja der einzige, der noch Blubber-Wasser trinkt.“

Ich: „Jaaa. Schaut fast so aus.“

Peter (macht einen auf kompromissbereit): „Da könnt‘ ich doch eigentlich das Glas weglassen. Aus meiner Flasche trink‘ ja eh nur ich – Gläser, sagst Du, braucht man, weil aus Flaschen sonst ja auch andere trinken wollen. Aber wenn ich der Einzige bin, der Blubberwasser trinkt, ist das ja Quatsch. Dann musst Du weniger spülen.“ Eigentlich eine glasklare Sache. Trotzdem appelliere ich an die guten Tischmaniere. Im Hause Kasi werden weiterhin Gläser benutzt. Wo kämen wir denn da hin?