Neulich beim Frühstück

Wir haben Halbzeit – Peters Schulferien sind schon fast zur Hälfte vorbei. Nachdem die vergangene Woche mit einem ADAC-Einsatz (einzigen Opel-Schlüssel eingeschlossen), einem Fast-Haftpflichtfall (geschälte Birke in einem frisch angelegten Garten) und einem kurzen Krankenhaus-Besuch vergleichsweise harmlos war, haben Peter und ich den Beginn der Ferienspiele mit unbändiger Freude  herbeigesehnt. Allerdings aus verschiedenen Beweggründen. Herr Kasi ist raus: Er arbeitet wieder. Das Ferienspektakel läuft gut; Peter hat Spaß und ist abends müde. Gleich drei Dinge auf einmal – perfekt. Heute ist Ausflug zur Inline-Bahn. Peter muss zu einer für die Ferien untypischen Zeit los: kurz nach acht, genauer gesagt 8.15 Uhr fährt der Bus. Herr Kasi will ihn mitnehmen. Frau Kasi ist erleichtert. Morgenmüde wie sie ist, bedeutet das schönheitstechnisch einen kurzen Aufschub. Zunächst sitzt Familie Kasi jedoch gepflegt am Frühstückstisch. Paul babbelt vor sich hin. Peter ist aufgeregt. Herr Kasi gibt ihm Antwort. Frau Kasi schläft im Stehen. Wie immer morgens.

7.30 Uhr: Paulchen hat Hunger. Jetzt. Sofort. Weil das sehr laut ist, wenn dem kleinsten Kasi-Sprössling der Magen knurrt, bekommt er im Einvernehmen mit allen anderen Familienmitgliedern zuerst zu essen. Herr Kasi deckt dankenswerterweise den Tisch und kocht Frau Kasi einen Kaffee. Aus eigenem Interesse – sonst ist von der kommunikativen Frau Kasi, in den Morgenstunden für ihre grimmige Verschwiegenheit bekannt, kein Wort zu entlocken. Paulchen trinkt glucksend und stößt geräuschintensiv auf. Welch ein Idyll.

7.37 Uhr: Paul isst und spuckt gleichzeitig. Ob man das wiederverwenden kann? Herr Kasi ist so sparsam.

7.40 Uhr: Frau Kasi nimmt einen Schluck Kaffee. Peter ist immer noch nicht angezogen und immun auf dezente Hinweise aufgrund dieses Umstands. Er findet seinen Germany-Schlafanzug toll.

7.45 Uhr: Frau Kasi wirft tranfunselig das Nutella-Glas auf den Boden. Das große. Scherben fliegen durch den gesamten Wohnstock. Peter entsetzt: „Hättest Du nicht ein kleines Glas nehmen können?“ Herr Kasi bemüht sich um Schadensbegrenzung und holt Handfeger und Schaufel. Schweigend. Frau Kasi schläft weiter. Stehend.

7.50 Uhr: Paul ist satt und müde. Wird in die Wippe abgelegt. Als er meckert, hören wir Waldgeräusche mit Klingklong-Musik. Frau Kasi weiß spontan nicht, was schlimmer ist: Paulchens Gebrüll oder die Klingklong-Musik. Zum Glück sind wir psychisch stabil. Psychodelische Harfenklänge, mühsam tockernde Spechte und glucksende Meisen können einem den Tagesbeginn schön gestalten. SO muss sich ein Drogenrausch anhören.

7.55 Uhr: Peter entdeckt, wie spät es ist. Isst aber trotzdem  in Seelenruhe weiter: „Wär‘ ja schade um das tolle Brot.“ Warum auch Hektik? Der Bus fährt ja erst in 20 Minuten.

8.02 Uhr: Herr Kasi geht ins Bad, Peter packt seinen Ausflugsrucksack. Dummerweise ist nur noch der linke Inliner da. Er hat aber zwei Füße.

8.05 Uhr: Herr Kasi widmet sich dem persönlichen Großreinemachen, inklusive Rasur. Die Geräusche aus dem Bad erinnern eher an Flipper oder Free Willy als an die Körperpflege eines erwachsenen Mannes: „Wir haben ja noch Zeit.“ Ja. Genau noch 10 Minuten. Frau Kasi ist super unentspannt. Sie ist noch nicht richtig frisiert und trägt ein bolleriges T-Shirt, auf dem Bon Jovi noch lange Haare haben. So will sie nicht mal im Notfall aus dem Haus. Zur Ablenkung beschriftet sie Rucksack und Mütze.

8.08 Uhr: Paul findet Ausflüge doof – wenn andere sie machen. Brüllt trotz oder wegen Klingklong-Wald-Gedöns weiter. Herr Kasi flutet weiter das Bad. Frau Kasi schläft immer noch.  Stehend. Trotz Kaffee und Nutellabrot. Aus einem neuen Glas übrigens.

8.09 Uhr: Der rechte Inliner ist wieder da. Er war in den Altkleidersack geraten. Peter ist erleichtert: „Er hätte ja auch wo vollkommen Unmöglichem sein können.“ ???

8.10 Uhr: Peter sucht verzweifelt seine Mütze. Wo war die noch gleich? Speisekammer? Klo? Werkzeugkiste? Nö. Sie liegt auf der Garderobe. DA hat natürlich niemand geguckt.

8.11 Uhr: Herr Kasi lässt das Auto an. Peter nimmt immer noch von Paul Abschied: „Das nächste Mal kommste mit.“ ??? Zum Abschluss schaukelt er noch einmal kräftig an der Wippe und macht laut „Heiheiei“. Paul findet „Heiheiei“ doof und spuckt. Dem Schwall geronnener Milch folgt ein krachender Pups. So. Alles draußen.

8.12 Uhr: Das Haus ist leer. Paul meckert: Er hat nach so viel Streuverlusten wieder Hunger. Die Klingklong-CD ist vorbei. Wir wechseln einvernehmlich zu „Whitesnake“. Paul stößt geräuschintensiv auf. Was für ein Idyll. Here I go again.

Medienzeit zum Kuchen backen?

Peter würde ohne regulativen Eingriff von oben, also von mir, tagelang am Computer sitzen. Er weiß, was ein Browser ist, er kennt GMX und Photoshop und liebt die Website der Toten Hosen. Niemand braucht mir an dieser Stelle einen Vortrag über Medieneinflüsse auf einen Siebenjährigen halten – vielen Dank. Aber erstens bekommt Peter es bei seinen Eltern mit, was es für eine berufliche Tragödie es ist, wenn im Büro ein Tag lang das Internet ausfällt. Und zweitens hat sich der Sohn schon immer für diverse technische Spielereien interessiert. Deshalb hat jeder PC im Haus ein Kennwort und das Internet eine Kindersicherung wie einst die Tür an der Rückbank des familieneigenen Opel-Blitz‘.

Aufgrund des großen Medieninteresses des Thronfolgers, das der Gatte und ich mit Sorge betrachten, gibt es im Hause Kasi neuerdings etwas, das „Medienzeit“ heißt. Medienzeit für den Junior bedeutet, dass sich der junge Herr ein bestimmtes Zeitkontingent selbst einteilen darf (wobei PC dabei sicherlich nicht jeden Tag stattfinden darf). Medienzeit heißt, Mahjongg auf dem Iphone zu spielen, Fernsehen zu schauen oder zum 144. Mal „Wickie und die starken Männer“ auf DVD. Medienzeit heißt aber auch ab und zu, eins der mitgelieferten Windowsspiele aufzurufen. Ich weiß nicht einmal, wie es heißt. Es geht auf jeden Fall darum, Kuchen und Torten mit Schoko-, Himbeer- und Vanillguss zu überziehen und dann möglichst schnell in Kartons zu packen. Seelisch grausam ist so etwas allenfalls für Menschen über 12. Ich brauche nicht zu betonen, dass ich üblicherweise anwesend bin, wenn sich der Sohn an den Rechner setzt.

Dummerweise klingelte unlängst allerdings das Telefon, während Peter fünf Minuten digitale Schokokuchen verpacken durfte. Ich rannte hoch, nahm ab, fest entschlossen, den Anrufer gleich wieder aus der Leitung zu verbannen. Doch wie so oft, wenn man das will, dauerte es halt länger. Nach dem Telefonat brüllte ich einen Stock tiefer: „Peter! Abendessen…“ und wies den Gatten an, das Rechnerwesen im Büro auszuschalten. Alles soweit okay. Bis dann das Essen kam. Folgender Dialog.

Peter (mümmelt an einem Stück Dosenlyoner): „Papa, ich hab‘ mir jetzt endlich einen GMX-Account eingerichtet. Mit Chat-Funktion.“

Herr Kasi (wird bleich): „?????“

Peter (hat endlich geschluckt): „Ein Passwort habe ich auch. Ich hab’s aufgeschrieben auf den Ausdruck.“

Herr Kasi (mit entgleisten Gesichtszügen): „!!!!!“

Peter: „Weißt Du, da kann ich vielleicht vom Desktop aus chatten… hab’s noch nicht probiert…. Aber dem Opa hab‘ ich gleich eine Mail geschrieben und ein Foto von nem Quad angehängt. Denk‘ mal, der Michael nimmt mich mit… der hat jetzt eins….“

Herr Kasi (mit feuerrotem Gesicht): „?????!!!!!“

Frau Kasi (leicht hektisch): „Peter, bist Du noch hungrig? Schau, ganz frisches Brot….“

Peter: „Nö. Was denkst Du, darf ich rein rechtlich ein Bild vom Campino als Avatar nehmen? Das ist doch bestimmt verboten, oder?“

Frau Kasi (immer hektischer): „Peter, schau, ganz frisches Brot….“

Herr Kasi (hat sich wieder gefangen): „SAGT MAL, WAS MACHT IHR, WENN ICH WEG BIN?“

Als sich Peter verzogen hat – es gibt ja heute kein Fernsehen, weil die Medienzeit aufgebraucht ist – beschließen Herr und Frau Kasi, NIE MEHR den Raum zu verlassen, wenn Peter mit einem technischen Gerät alleine ist. Und sei es nur der Reisewecker, der ständig vorgeht. Was uns allerdings leider unklar blieb: Woher Peter sein profundes Fachwissen hat. Wir werden mal nachhaken.

PS: Neue Begebenheit. Peter muss für die Schule einen kurzen, netten Text mit Marsraketen lesen. Er hat keine Lust dazu: „Darf ich danach DAS lesen, was MICH interessiert.“ Ich nicke gedankenverloren. Warum auch nicht? Peter liest die Marsraketen in Rekordschnelle. Danach ruft er mir: „Wo hast Du die Beschreibung vom Buchhaltungsprogramm? Ich möchte wissen, wie man das Designer-Modul integriert.“

Von wegen tanzende Teddybären

Meine Schwangerschaft habe ich bislang blogtechnisch relativ unbehelligt gelassen. Aber jetzt sind es noch exakt vier Wochen bis zum „Final Countdown“. Von daher denke ich, kann ich einmal eine Ausnahme machen. Über den Beitrag müsste ich fairerweise schreiben: „Vorsicht, beißende Ironie…“ Wer also einen Text über rosa Hello-Kitty-Schlafsäckchen in Größe 62 erwartet oder himmelblaue Wand-Bordüren mit tanzenden Teddybären, von Vattern im Schweiße seines Angesichts gepinselt, sollte gepflegt wegklicken. Danke.

Ehrlich gesagt nerven mich selbst die ganzen „Ich-bin-ja-so-schwanger-und-so-dick“-Abhandlungen beziehungsweise kann ich vielen Müttergesprächen, und da meine ich die ganz intensiven, herzlich wenig abgewinnen. Ich mag nichts über anderer Frauen Spuckattacken im Fahrstuhl erfahren, genauso wenig den 394. Notkaiserschnitt in allen Details beschrieben bekommen, das Schnarchen der Zimmernachbarin oder fiese Sodbrennensnächte. Manche Frauen entwickeln beim Thema Schwangerschaft einen Mitteilungsdrang, der etwas von Seelenstriptease hat. Da geht es derart ausschweifend um Büstenhalter,  Schlafstörungen, Besenreiser oder Faktu-Akut,  dass es mir Angst macht. Da muss man sich nur mal die zahllosen Internetforen der internetaffinen Mütter angucken. Muss die Welt erfahren, was ich in der Kugelzeit gegen meinen schnöden Schnupfen einnehme? Hoffentlich nicht.

Ich freue mich, wenn es allen gut geht, das Baby gedeiht und ich das Meiste auf mich zukommen lassen kann. Abgesehen geht mein Leben weiter: Peter hat Schule, Keyboardunterricht und Hausaufgaben, der Mann braucht saubere Socken, das Haus etwas Pflege, der Garten wächst mit Unkraut zu.  Und sind wir mal ehrlich: Was hilft es einem, nur zu jammern und sich in des Gatten bollerigen Jogginghosen zu verbarrikadieren? Richtig. Nüscht. Niente. Nada. Außer dass man allen anderen tierisch auf die Nerven fällt, einem aber niemand helfen kann (nicht mal die Pharmaindustrie, die ja sonst gern parat steht). Weil nehmen darf man eh nix. Wegen der Mammutjogginghosen des Angetrauten und seiner labbrigen T-Shirts mit Aufdrucken wie „1995 Meister Kreisliga A“ oder „Albvereinsjugend 1989“  kann man sich dann nicht mal mehr selbst im Spiegel angucken. Wer bist Du denn? Ich kenn‘ Dich nicht, ich wasch‘  Dich trotzdem? Von daher tat ich (ganz im Gegensatz zu meiner ersten Schwangerschaft) gut daran, mich in einer relativ babyinformationsfreien Zone einzumummeln (von meiner weltbesten Hebamme in dringenden Fällen abgesehen). Ich habe meine beim letzten Umzug verschollenen Babybücher gar nicht erst gesucht, kein Elternheft abonniert und beim Frauenarzt konsequent Krimis gelesen. Außerdem habe ich nie verhehlt, dass ich nie eine besonders leidenschaftlich gelebte Schwangere war („Genieß‘ es… Es ist die schönste Zeit im Leben und so schnell vorbei…“) Da frage ich vor allem die Männer: Was bitte ist schön daran, wenn die Holde morgens als erste die Toilettenschüssel von innen begrüßt, danach würgt, wenn man in der Küche frisches Brot toastet und anschließend Nutella & und Opas feine Himbeermarmelade mit einem fiesen Blick bedenkt – dafür aber eine Dose spanischer Oliven vernichtet? Wohlgemerkt zum Frühstück? Außerdem kann ich jeden Mann gut verstehen, der’s wenig sexy findet, wenn die Gattin zu watscheln beginnt wie eine Entenfamilie auf  Sonntagsausflug. Auch wenn sich das ab einem gewissen Punkt nicht mehr ganz verhindern lässt. Das Watscheln, meine ich.

Eine Schwangerschaft ist eine Zeit, die die Familie sehr fordert. Und da hat nicht nur der wachsende Bauch dran Schuld. Für mich war es stets eine wehmutsvolle Erfahrung, mich von meiner mühsam antrainierten Taille zu verabschieden. Darf man das überhaupt sagen, oder ist es politisch unkorrekt, so selbstverliebt zu sein? Aber mal so unter uns, praktisch ist so ein eckiger Bauch wie meiner à là Ritter-Sport („quadratisch-praktisch-gut) im Alltag nicht unbedingt. Und wir sprechen hierbei nicht nur vom mühelosen Anziehen halterloser Strümpfe mit Spitze, sondern vom Schnüren meiner geliebten Converse-Chucks. Und manchmal, sind wir mal ehrlich, macht man heutzutage aus vielen natürlichen Dingen – und da gehört auch eine Schwangerschaft dazu – eine Riesensache. Nein, selbstverständlich gehe ich zu jeder Vorsorgeuntersuchung – niemand braucht entsetzt aufzuschreien! So verantwortungsbewusst bin ich selbst.  Aber mir ist ein kurzer SMS-Rat der weltbesten und babyerfahrenen Hebamme genauso wertvoll wie das 103. Ultraschallbild, auf dem ich eh nichts erkenne außer schwarz mit grauen Schlieren à la London im Smog zur Rush-Hour.

Damit mich niemand falsch versteht: Meine liebste Lebensaufgabe ist es, Peters (und bald auch Babys) Mama zu sein. Mein Sohnkind geht mir über alles – nicht dass man mich für gefühlskalt und herzlos hält. Ich mag es, abends den „kleinen Ritter Trenk“ vorzulesen oder zum 45. Mal die Woche Tassenkuchen zu backen. Ich liebe es, wenn sich eine kleine, von Hubba-Bubba-Himbeer verklebte Bubenhand mit dreckigen Nägeln vertrauensvoll in die meine schiebt oder wenn den Garagenhof viele bunte Kreide-Blümchen zieren.  Mich stört es nicht, wenn mein Büro nach einer Wasserfarbenschlacht bunt und lustig aussieht oder wenn Peter mal wieder Konfetti produziert hat. Ich habe einen Wischmopp, eine Waschmaschine und einen sehr guten Staubsauger. Von daher freue ich mich, wieder einem kleinen Menschenkind beim Laufenlernen, Sprechen oder Spaghettiwickeln zusehen zu können. Auch wenn dann wieder so „Komplimente“ kommen wie: „Sag‘ mal, Mama, gab’s schon Strom, als Du klein warst!?“ All das ist wunderschön.

Wobei sich „wunderschön“ bei einem knapp sieben Jahre alten Sohn optisch schnell relativieren kann, wenn der Thronfolger aus dem Garten kommt, im Regenfass gebadet hat (mit brackiger Jauche drin) und danach getestet hat, ob er noch Sand im Sandkasten hat. Selbstverständlich verzieht sich Peter, ohne mit der Wimper zu zucken, in diesem Zustand gern in sein  frischüberzogenes Bett oder ins eben erst geputzte Wohnzimmer. Aber wie gesagt: Ich habe Wischmopp, Waschmaschine und Staubsauger.

Solche Pannen gibt’s

Peter ist, wie bereits mehrfach erwähnt, ein multimedial sehr interessiertes Kind. Wenn er auf die Frage: „Peter, was machst Du?“ (die im übrigen meistens gestellt wird, wenn es im oberen Stock länger als 7,5 Minuten verdächtig ruhig ist), ganz unschuldig: „Nüx, Mama…“ antwortet, bastelt er meistens an der kleinen Digitalkamera herum, programmiert den DVD-Rekorder im Schlafzimmer oder surft widerrechtlich und ungefragt mit meinem iPhone im Internet. Gestern war wieder einmal die Digitalkamera dran. Liebevoll stellte er die Uhr neu (die noch nie gestellt worden war), er probierte sämtliche Programme aus und drehte im Überschwang der Gefühle zu DJ Ötzi gleich ein Musikvideo. Beiläufig erzählte ich meinem Mann, dass mein kleiner Bruder als Kind genauso war. Doch dieser, so erinnerte ich mich mit fiesem Grinsen, habe schon im zarten Alter von sieben Jahren bestimmt achtmal die Festplatte vom heimischen Rechner komplett formatiert. Sehr zu Freuden des Hausherrn, also meines Papas, versteht sich. „Von daher haben wir es ja ganz gut“, frohlockte der Gatte angesichts seines zu „I sing a Liad für di“ headbangenden Sprösslings, „Peter hat’s ja eher mit den Kameras und der Musik.“ Wir seufzten beide auf und frühstückten weiter.

Keine zehn Minuten später. Ein entsetzter, spitzer Schrei, abgelöst von hektischem Getrappel. Lautes Heulen. Noch lauteres Wehklagen. Peter kommt angeschlichen, tief gebeugt, wie ein geprügeltes Hundchen. „Huhuhu, Mama, ist das schlimm? Ürgendwie sind auf der Kamera plötzlich keine Bilder mehr…. Ich glaub‘, ich hab ALLES gelöscht.“ Ich tröste den armen Thronfolger (ist mir auch schon passiert, psst), trockne Tränen und tröste nach Kräften, so dass selbst Gandhi an meinem Tun seine helle Freude gehabt hätte : „Ach komm‘, das passiert den Besten, nicht mehr weinen, solche Pannen gibt’s halt.“ Peter schluchzt weiter: „Alle Bilder weg. Genau 155.“ Nun ja, sooo genau wollte ich es eigentlich nicht wissen. Das meiste, meine ich mich zu erinnern, war rein fotografisch gesehen ohnehin nicht das Gelbe vom Ei, es sei denn man mag leicht verwackelte Aufnahmen vom eigenen Rücken oder vom Gatten auf dem Sofa schlafend. Das Allermeiste ist auch schon zwischengespeichert. Kein Grund zur Panik also. Peter beruhigt sich.

Der Nusplinger Friede währt jedoch nur 3,5 Minuten – exakt bis Peters Papa, angelockt vom Riesengeschrei, seine tariflich gesicherte Klositzung unterbricht. „Was habt Ihr schon wieder miteinander?“ Seine Missbilligung tropft aus jeder Silbe. Klostörungen sind nicht schön. Peter beichtet. Peters Papa, ein hunderprozentiger und exakter Vorsorger, fragt ganz entsetzt: „Wurden die Bilder gespeichert?“ Ich erinnere mich an Dutzende Polonaise-Bildervon der Kinderfasnet (unscharf, weil bewegt) und bestimmt 30 Aufnahmen von der Wiese hinter unterem Haus und antworte wahrheitsgemäß: „Nee, nicht alle.“ Herr Kasi startet eine – irgendwie schon berechtigte – Moralpredigt über vorschnelles Drücken von Knöpfen, über hektisches Tun und so weiter: „So was passiert, wenn man einfach ohne Ruhe an die Sache herangeht…“ Ich zwinkere Herrn Kasi zu. Man darf kein Hobby übertreiben finde ich, das Kind grämt sich schon selbst genug – auch wenn Peter sicherlich meistens ein ganz Eiliger ist. Herr Kasi redet sich warm: „Das ist, weil Du immer so vorschnell bist…“ Peter, der Spitz, merkt intuitiv, dass seine Mama mal wieder auf seiner Seite ist, wenn sie es auch aus lauter innerehelicher Solidarität nie zugeben würde. „Haa, und wie war das mit dem Abflussrohr? Das, das Du angebohrt hast? Kurz nach dem Einzug? Warst du da auch vorschnell? Aber nein, ICH hab ja nix gesagt…“ Herr Kasi stutzt: „Wie meinste denn das jetzt…?“ Peter ist ganz im Element: „Weißt Du, die Mama sagt, solche Pannen gibt’s. Ich hab’nach meiner Panne nicht mal den Flaschner gebraucht. Und Wasser ist auch keins geflossen.“ Herr Kasi kämpft mit seinen Gesichtsmusikeln. Nein, humorlos ist mein Mann sicher nicht. Er wendet sich ab und verschwindet in der Speisekammer. Von weitem höre ich ihn leise lachen. Solche Pannen gibt’s.

Die Sache mit der Schwester

Peter freut sich sehr auf sein Geschwisterchen, das irgendwann im Mai unsere Familie vergrößern wird. Wenn Ultraschallbilder nicht lügen, bekommt Familie Kasi noch einen Sohn. Dass Peter lieber eine Schwester gehabt hätte, hatte anfangs mehrere Gründe. Ganz zu Anfang der Schwangerschaft (als ich morgens als erstes das Klo von innen begrüßte) hatte er den Gedanken, eine Schwester wäre rein zukunftstechnisch gesehen für ihn die bessere Alternative: „Vielleicht räumt sie mir ja mein Zimmer auf…“ Diesen Gedanken konnte ich allerdings rasch zerstreuen. Ich habe das bei meinem Brüdern ja auch nicht getan. Dann überlegte er, vielleicht könne die weibliche Verstärkung ihm mittelfristig in der Früh die Schuhe anziehen: „Das wär‘ echt praktisch. Ich bück‘ mich doch so ungern..“ Auch diesen Ansatz zerstörte ich im Keim und hinterfragte meine Erziehung. Wo bitte kämen wir da hin?! Eine kleine Schwester als Stiefelknecht? Trotzdem wünschte sich Peter ein Schwesterchen. Ganz eisern und ganz wie Herr Kasi.

Irgendwann vor ein paar Wochen waren wir beim großen Ultraschall. Peter, Herr Kasi und natürlich Frau Kasi. Aufgeregt saßen wir alle um den Monitor herum, während der freundliche Herr Doktor unser neues Familienmitglied von seinen Schokoladenseiten aufnahm. Lautes Gelächter meinerseits, als er sagte: „Ach, man sieht es nicht so gut. Es hat seinen rechten Arm vor dem Gesicht.“ Es ist bekannt, dass sowohl Herr Kasi als auch der Thronfolger just diese Haltung für ihren tariflich gesicherten Tiefschlaf bevorzugen. Lange Rede, kurzer Sinn. Bei dieser Ultraschall-Vorführung sah man auch etwas überdeutlich, was Mädchen üblicherweise nicht besitzen.

Im Fahrstuhl nach unten fiel das Sohnkind durch nachdenkliche Stille auf. Ich hakte nach. „Nö, is‘ nix.“ Natürlich stimmte das nicht: „Ach komm‘, Peter, Du kannst mir doch alles sagen. Du bist traurig, weil Du keine Schwester kriegst, ja? Aber weißt Du, die Hauptsache ist doch, dass das Baby gesund und munter ist. Ganz egal ob Mädchen oder Junge.“ Peter nickte, während ihm die Tränen in die Augen schossen. „Hmmmm.“ Ich  machte mir ernsthaft Sorgen. Plötzlich brach unser Sohn in herzzerreißendes Schluchzen aus: „Ehrlich gesagt, nehm‘ ich auch gern ’nen Buben. Aber ich dachte doch, ein kleines Mädchen kriegt doch sicherlich mal ein Playmobil-Prinzessinnenschloss, und das hätt‘ ich doch so gern. Aber ich als Mann kann mir das doch schlecht wünschen…“

Feuerkohl oder Weihnachten ist, wenn…

Peter und Fritzle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

* Peter morgens um 4.15 Uhr, 4.23 Uhr und 5.01 Uhr fragt, wie lange es noch bis zur Bescherung dauert. Lustig, lustig, tralalala, bald ist Heiligabend da.

* Frau Kasi schon morgens um 7 Uhr in Hektik gerät, weil man abends um 18 Uhr essen will. Dabei wird seit Jahren vorgekocht, damit’s keine Hektik gibt. Apfel, Nuss und Mandelkern, essen alle Kinder gern.

* Morgens irgendwann gegen 11 Uhr das vorgekochte, vor zwei Tagen eingefrorene Blaukraut anbrennt und Peter den Feuerkohl-Gestank mit Raumduft der Note „Lemon Breeze“ mildern will. Danach riecht es nach Feuerkohl und künstlicher Limone, was den Gestank nicht eben besser macht. Wie war das mit dem Tannenduft?

* Peter angesichts der Kohl-Neuauflage (Frau Kasi friert aus Erfahrung immer zwei Päckchen ein) fragt – und das mit leicht angeekelter Miene: „Waasss? Und der soll jetzt besser sein?!“

* Man sich jedes Jahr schwört: „Nicht wieder so eine Hektik wie im letzten Jahr….“ Und dann? Same procedure as last year, Miss Kasi.

* Herr Kasi mittags Regale montiert, Serviettenringe klebt oder über den bereits nadelnden Baum flucht. Alle Jahre wieder.

* Der Kasi-Mann, müde von einer arbeitsreichen Woche, nach einem Mittagsnickerchen lechzt. Geht ja aber nicht, weil er Regale montieren und Serviettenringe kleben muss.

* Der Familienfriede schließlich an der Frage „Kleiner Lord“ oder „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ oder „Michel aus Lönneberga jäh zerbricht. Herr Kasi ist ein Fan alter Klassiker wie den beiden Erstgenannten. Frau Kasi mochte schon immer den Michel. Ein früher Revoluzzer, der alles anders machte als andere. Du und ich, Alfred.

* Das Sohnkind morgens um 11 Uhr den letzten Wunschzettel schreibt: „Glaubst Du, das klappt noch? Welche Lieferzeiten haben Himmelsboten?“

* Benjamin Blümchens „Weihnachtstraum“ die gefühlt 1094. Runde im CD-Player nimmt. Töröööö. Die ganze Neustadt-Bande… manchmal könnte ich sie… auf Bibis Hexenbesen an den Blocksberg ausfliegen.

* Peter bei jedem vorbeifahrenden Auto ans Fenster rennt. Hallo, hatte das Christkind schon jemals einen VW? Oder einen Motorroller?

* Abends um 20.15 Uhr alle auf dem Sofa schlafen. Klar, wenn man schon so früh wach ist.

In diesem Sinne wünsche ich allen stressfreie Weihnachten mit Tannenduft, ohne Feuerkohl und Limonenduft.

Besinnliche Grüße,

Eure Kasi

Nicht ohne mein Kind

Der pure Horror? Das Kind ist weg, und man kann es nicht finden. Exakt 33 Minuten lang. Unlängst passiert, als ich Peter aus dem Jugendbüro abholen wollte. Und er nicht da war.

Mein Sohn ist mittlerweile sechs Jahre alt. Deshalb sind mein Gatte und ich der Ansicht, dass das Kind den kurzen Weg von seiner Schule bis zum Rathaus (wo Parkplätze sind) gut zu Fuß gehen kann. Nach eineinhalb Wochen Schule trauen wir uns noch nicht so recht, ihn den gesamten Schulweg zu uns ins abseits gelegene Wohngebiet zurücklegen zu lassen – wir wohnen am einen Ende des Fleckens, die Schule befindet sich exakt am anderen. Peter indes ist stolz darauf, dass ich ihn nicht direkt am Schultor ins Mama-Taxi einlade. Diese kleine Selbstständigkeit habe ich auch immer all jenen gegenüber verteidigt, die erstaunt gefragt haben: „Was? Du holst ihn nicht direkt an der Schule ab? Findet er denn den Weg?“ Ehrlich gesagt, sind meine Brüder und ich stets alleine heimgewackelt nach Schulschluss – von Klasse eins an. Und wir hatten auch ein gutes Stück. Klar, Anfang der 80er waren das andere Zeiten, aber dennoch finde ich, haben Kinder auch heutzutage keine Käseglocke verdient, sondern ein Stück Selbständigkeit. Das Gefühl, „das krieg‘ ich alleine hin…“ ist doch super. Ich freue mich ja auch, wenn ich ein Programm auf meinem Rechner ganz allein installiert habe, und es danach läuft. Peter wird mittelfristig auch allein zu Fuß heimgehen müssen. Dabei, so schätze ich, wird er ordentlich maulen.

Lange Einführung. Letzten Donnerstag stand ich nun also am Rathaus. Peter war nachmittags zum ersten Mal alleine im Jugendbüro gewesen, das für Erst- bis Viertklässler bei uns im Ort ein tolles Programm anbietet. Wer danach nicht kam, war mein Sohn. Peter ist eine kleine Trödelliese, von daher machte ich mir erst nach guten zehn Minuten Sorgen. Vorsichtshalber ging ich ihm entgegen. Der Schulhof war leer. Ich bekam ein mulmiges Gefühl im Magen – so wie damals, als wir uns im Gartencenter verloren hatten. Damals hatte mich eine Lautsprecher-Durchsage erlöst: „Der kleine Peter wartet an der Kasse auf seine Mama.“ Auf dem Schulhof gibt es leider keine solche Durchsage. Dafür aber meinen Lieblingshausmeister. „Dein Sohn? Der is soeben mit den anderen losjewackelt“, berlinerte er fröhlich drauflos, „den findste sicherlich. Der haut Dir doch nich ab. Aber ich glaub, er ist mit allen anderen die Straße lang. Und nich wie ausgemacht unten rum.“ „Unten rum“ führt der Weg, den die Schulkinder eigentlich nehmen sollten: über Fußgängerwege bus- und autofrei ans Rathaus. Aha. Eine Abmachung nicht eingehalten. Werde ich sauer? Nein – ich merke, wie mir der Angstschweiß klebrig den Rücken hinunterläuft. Man liest so viel… habe ich das von der viel gepriesenen Selbständigkeit? Vor meinem geistigen Auge ziehen Horrorszenarien vorbei: Kinderschänder, Busunfälle, mein weinendes Kind. Schnell verscheuche ich diese Gedanken. Ich zwinge mich ruhig zu bleiben und klaren Kopf zu waren. Mein Lieblings-Hausmeister bietet mir gutmütig an, auf seinem Motorroller eine Runde ums Karré zu drehen und Ausschau nach dem verlustig gegangenen Sohnkind zu halten. Ein Schüler, der das Jugendbüro unterstützt, fährt die Strecke freundlicherweise mit seinem Rad ab. Peter bleibt verschwunden. Ich bin klatschnass geschwitzt und renne eine Runde nach der anderen zwischen Schule und Rathaus hin und her. Böse Menschen, denke ich, gibt’s vielleicht ja auch auf dem Dorf?

Eins vorneweg: Ich habe Peter wiedergefunden. So wie wir die Sache rekonstruiert haben, muss er tatsächlich den anderen, nicht erlaubten Weg gewählt haben – vermutlich in Gedanken und  in der Traube mit allen anderen. Anschließend hat er mich gesucht – und deshalb haben wir uns nachhaltig verfehlt. Als ich mein schluchzendes Kind wieder in die Arme schließe, ist es auch um meine Fassung geschehen? Schimpfen? Iwo. Dazu bin ich viel zu erleichtert. Trotzdem klären wir in einem ruhigen Gespräch genau, welcher Weg erlaubt ist und welcher nicht. Und Peter? Ich schätze, er hat seinen Teil gelernt.

Die technische Komponente

Wir essen alle gemeinsam zu Abend – Herr und Frau Kasi sowie der Thronfolger. Über Speck und Lyoner hat Peter plötzlich eine Frage. An seinen Papa. Folgender Dialog.

Peter: „Papa, sach mal genau, wie ein Kind entsteht.“

Herr Kasi: „?!?“  Frau Kasi isst genüsslich Käse.

Peter: „Paaapa? Haste gehört?“

Herr Kasi: „Ja.“

Peter: „Und?“

Herr Kasi (sehr gedehnt): „Naaa…. das weißt Du doch. Das mit dem Liebhaben und so.“

Peter: „Jaja, alles klar. Das hat mir die Mama schon lang mal gesagt. Ich meine eher, wie richtig. Aus Samen und Ei muss ja man ein Baby werden.“

Herr Kasi (will Zeit gewinnen): „Wie meinst Du das?“

Peter (leicht ungeduldig): „Na so eher die technische Komponente. Wie das Baby eigentlich in den Bauch kommt.“

Herr Kasi: „Wenn man sich ganz fest in den Arm nimmt…“

Frau Kasi (erschrocken): „Huch…“

Peter: „Maama, stimmt das nicht?“

Frau Kasi (gedehnt): „Im Prinzip schon. Wir haben ein schlaues Buch, da gucken wir nachher ein paar Bilder an.“

Peter isst weiter. Herr  Kasi atmet auf.

 

Was vom Kindi übrig blieb

Da stehen wir nun also, das Sohnkind und ich. Beide schnüffeln und verdrücken wir peinlich berührt ein paar Tränchen am Gartontor von Peters Kindergarten. Vielmehr „Ex-Kindergarten“. Neben uns steht ein VfB-Rucksack, voll mit all dem, was von so einem „Kindi-Leben“ übrig bleibt. Ein hellblauer Ikea-Becher mit verblasstem Namen. Ein paar abgewetzte Hausschuhe. Ein letztes Bild, auf dem ich als Prinzessin (!) zu sehen bin. Eine Blume aus Tonpapier und ein selbstgebastelter Rabe. Entlassen ins Leben – in die Schule. Peters Mütze hängt schief. „Huhuhuuuu“, schluchzt er, „muss ich da jetzt echt hin?“ Ich nicke. Klar. Doch auch mein Herz hängt in der Kniekehle. Mein kleines Baby – soll in die Schule? Ein ähnliches Gefühl hatte ich zuletzt, als man meinen kleinen Brüdern den Führerschein gab. Frech sowas. Doch natürlich weiß ich es: Peter muss in die Schule. Es muss was Neues her. Neue Herausforderungen braucht der Mensch, wie man so schön sagt. Er soll „Oh wie schön ist Panama“ lesen oder ausrechnen können, wie viele Eier in den Tassenkuchen müssen. Doch davor nehmen wir zum Abschluss noch einmal das volle Kindergarten-Programm. Der persönliche Abschied von den Erzieherinnen, die uns in den vergangenen vier Jahren sehr ans Herz gewachsen sind – Peter geht in den „Kindi“, seit er zweieinhalb ist. Das Abschiedsfoto von Peters Platz auf dem Bänkchen mit seiner Garderobe und vom Fach mit seiner Tasche. Als die Erzieherin schließlich das mit Dymoband geklebte Namensschild „Peter“ abknibbelt und es ihm schenkt, ist es auch um meine Fassung geschehen.

Trotzdem bemühe mich – draußen am Tor – um Schadensbegrenzung. „Peter“, sage ich mit sanfter Stimme, „Du darfst Deine Erzieherinnen doch noch besuchen.“ Peter nickt, tränenüberströmt: „Jaaa, schon. Aber das is doch nicht dasselbe.“ Nein. Vermutlich nicht. Noch gut erinnere ich mich an meinen ersten Schultag, die riesige, grell orangene Schultüte mit bunten Schiffen, die ich mühevoll aus den eklig schmeckenden, gummierten Papierschnipseln hatte aufkleben müssen. An die Latzhose, die ich an hatte. Und sogar an den Geruch im Klassenzimmer – ein muffiges, vermutlich Jahrhunderte altes Gemisch aus Kreide, den alten grünen Vorhängen und dem morschen Holz von  Stühlen, die von Generationen an Schülerpopos längst durchgesessen waren. Bammel hatte ich auch. Und Peter? Den trösten meine Gedankenspiele kaum. Abschiede sind und bleiben einfach furchtbar. Auch wenn man sich eigentlich auf das Neue freut.