Ungeklärte Fragen II

* Warum tauchen verschwundene Dinge immer genau drei Tage später auf, als man sie gebraucht hätte? Dann hat man sich selbstverständlich schon längst irgendwie anderweitig geholfen.

* Wo ist meine Scheckkarte? Nach Lidl-Einkauf wie vom Erdboden verschluckt (JA, bei Lidl habe ich schon gefragt!)

* Warum kann ich sämtliche Bon-Jovi-Songs auswendig, kann aber mit meinem Kind kein anständiges Kinderlied singen?

* Warum wird das Spritzwasser von meinem Auto immer dann leer, wenn ich gerade gar nichts sehe?

* Warum ist das Benzin immer dann besonders knapp, wenn ich es besonders eilig habe und definitiv keine Zeit zum Tanken da ist?

* Warum ist mein Kind am Sonntag immer so früh wach? Und könnte unter der Woche locker bis um zehn Uhr schlafen?

* Warum muss man sich heutzutage schämen, wenn man ein Buch nur zur Unterhaltung liest? In der Badewanne? Im Garten? Im Bett? Warum muss es immer nur so genannte gute Literatur sein? Ist Spaß haben verboten?

* Warum denken immer alle, ich hätte furchtbar viel Zeit? Warum kommen zu uns immer alle, die irgendein Problem haben? Werkzeuge brauchen, eine kaputte Lampe haben, einen Brief schreiben müssen? Nebenbei: Ich fände es schön, mich würde mal jemand fragen, ob ich IRGEND ETWAS brauchen könnte… dann diejenigen, die das tun, sind von der Anzahl wesentlich weniger…

* Warum nerven mich in vielen Familien eher die Eltern als ihre Kinder?

* Warum hat der VfB meinen Mario Gomez verkauft?

Die falschen Zielgruppen

Fußballturnier im Nachbarort. Wir gehen nach Baustress kurz hin, um zu Abend zu essen. Peter ist schwer begeistert: Die Band, die nach dem Handwerkerhock auftreten will, macht Soundcheck. „He Mama, komm mal, die spielen voll coole Mucke.“ Erstaunte Blicke von ein paar jungen Männern. Peter brüllt ungeachtet dessen weiter: „Ja, schnell, komm, wir tanzen.“ Peter übt sich im Headbangen. „Maaama, komm… die spielen ‚Zu spät‘ von den ‚Ärzten‘ und die Bonnie von den ‚Tooooten Hooosen…’…“ Die jungen Herren schütteln den Kopf. So was haben sie wohl selten erlebt. Ein headbangender Vierjähriger mit Punkrock-Kenntnissen. Letzten Endes gehen wir natürlich dann doch nach Hause – eine Rockparty gehört für einen Vierjährigen nicht unbedingt zum pädagogischen Grundprogramm. Peter findet das doof. Deshalb vor dem Zelt eine neuerliche Diskussion: „Warum muss ich jetzt heim?“ -„Weil es spät ist. Du ins Bett musst. Und weil Du für so was noch zu klein bist.“ Peter grummelt. „Aber Mama, weiß Du was? Du gehörst da auch nicht unbedingt zur Zielgruppe…“ ????? Ich sollte berufliche Telefonate wohl künftig nicht mehr vor dem Kind führen. Dennoch kontere ich: „Ja, das stimmt. Ich gehöre wohl eher nicht mehr zur direkten Zielgruppe. Soll ich Dir aber was sagen? Du gehörst auf gar keinen Fall dazu…“

Leerrohre und nochmals Leerrohre

Unser Haus wächst und wächst. Heute haben wir wieder einmal Leerrohre verlegt, der Opa und ich. Gefühlte Kilometer. Ich habe keine Ahnung, wie mein Mann darüber den Überblick behält – aber ich hoffe für ihn, das wird er schon. Jetzt bin ich nach etlichen Stunden Baueinsatz total platt und danke meinem Mann für seinen Wunsch nach Verteilerlosigkeit (deshalb die vielen Rohre) und dem tollen System EIB, das vermutlich sogar die Zwiebeln fürs Gulasch hacken kann. Derart „EIB-vorbelastet“ kam es heute Mittag zu einem netten Zwischenfall. Ich führte ein Interview mit einem netten Geschäftsmann. Urplötzlich gingen – wie von Geisterhand – pünktlich um 14.30 Uhr zur Ladenöffnung die Rollläden hoch, so wie es bei  uns mittels EIB geschehen soll. Ich frage erfreut: „Ach, Sie haben auch EIB?“ – „Nein“, sagt er trocken, „aber eine Frau“. So kann es gehen.

Und noch ein kleiner Zwischenfall. Frisch vom Bau heimgekehrt. In Latzhose (bei der obendrein der oberste Knopf fehlt) , altem Bollerhemd und mit ohne Frisur – dank Schildkappe und Had-Tuch. Es klingelt. Eine liebe Bekannte bringt meinen Mantel, den ich bei ihr vergessen hatte. Im Auto sitzen lauter junge Mädchen. 20 Jahre jünger. Hübsch hergerichtet zum Ausgehen. Und ich stehe in der Tür. Ungeschminkt. Verwuschelt. Müde. Mit Augenringen bis zum Kinn. Und humpelnd. Weil mein malades Knie längere Hockstellung nicht mag. Ich komme mir vor wie eine alte Frau. Bin ich das? JAAA!

Tschüss, Super-Mario

Meine Leser wissen, dass ich treuer Fußballfan bin. Treuer VfB-Stuttgart-Fan. Der VfB ist seit Jahren mein ein und alles. Ich habe eine Dauerkarte. Im A-Block. Ich bin jeden zweiten Samstag bis Dienstag heiser. Wenn der VfB verliert, ist das Wochenende versorgt. Ehrlich. Wahnsinnig, aber es ist halt so. Und dann hat jeder Club einen tollen Tormacher, einen super Torwart, einen besonders Pfiffigen oder eben ein „Everybody’s Darling“. Bei uns war das Mario Gomez (vielleicht auch nur für mich, aber das auf jeden Fall). Wenn Mario ein Tor oder mehrere geschossen hatte, freute sich bei uns das ganze Haus, als wäre es unser Sohn, Mann oder Schulfreund. Wir sprachen nicht „vom Gomez“, sondern vom Mario – gerade so, als ob er zur Familie gehörte. Mario war bei uns öfter präsent als mancher aus der Verwandtschaft. Das muss ich schon gestehen. Selbst unser Sohn verehrte ihn mit seinen knapp vier Jahren. In Peters VfB-Hierarchie kam Mario noch vor dem Fritzle, dem grünen VfB-Maskottchen. Obwohl letzteres bei Peter im Bett schläft – seit er auf der Welt ist. Das will was heißen – Mario war also nicht irgendwer.

Und nun geht unser Mario zu den Bayern. Das ist, als würde Dich Dein eigener Vater bei der Polizei wegen Rasens anzeigen. Oder Dein Sohn sagen: „Du bist nicht meine Mama.“ So etwas ist tragisch. Ja, ich gebe zu: Ich trage Trauer. Ich bin sauer. Ich bin wütend. Ich will unseren Mario schütteln und brüllen: „Warum tust Du uns das an?“ Ja, ich weiß. Mario hat schon zwei Jahre lang auf viel Geld verzichtet – zugunsten des VfB. Ich weiß dass. Ich bin Mario unendlich dankbar für seine vielen schönen Tore. Dafür, dass er Besserwisser-Raubein Maik Franz vom KSC „A…och.“ genannt hat. Dafür, dass er immer eine sichere Bank war. Ich bin kein treuloser Fan. Ich wäre nicht böse gewesen, wenn er nach England, Italien oder sonst wohin gegangen wäre. ABER NICHT ZU BAYERN. Das ist Verrat. Verrat. Verrat. Damit folgt er jetzt Klinsmann, Magath und Elber. Schade, Super-Mario! ich hätte bei einem Abschied in Deine Wahlheimat gern ein Transparent aus dem A-Block geschwenkt: „Alles Gute, Mario!“ Alles Gute wünsche ich Dir auf jeden Fall. Allerdings hätte ich das bei einem Abschied nach woanders lieber getan. Sorry.

Alte Schachteln

Krieg im Kinderzimmer. Peter muss (wieder einmal) die tagesinterne Verwüstung beseitigen. Mein Mann „hilft“ ihm dabei. Was lautstark zu hören ist. Markus ungehalten über eine leere Druckerschachtel (riesig, Ton: seeehr genervt): „Dieses Ding kommt da raus. Du hast keinen Platz.“ Peter (lautstark, Ton leicht quengelnd und ein Tick besserwisserisch): „MEINE Mami (also ich) sagt aber, ich darf sie behalten. Sie hat sie mir sogar GESCHENKT.“ Erstes stimmt das (was hätte ich auch damit tun sollen?). Zweitens hebt er bei „MEINE MAMI“ und „GESCHENKT“ den Ton in astronomische Höhen. Peters Papa: „Ne, Peter. So einen Quatsch kann ich mir nun also wirklich nicht vorstellen.“ Peter (jetzt brüllend): DOOOCH.“ Noch etwas lauter: „MAAAMI.“ Ich schlichte den Streit, tröste den Zwerg, erkläre ihm bestimmt, dass sein Zimmer ein Schweinestall ist. Dann erkläre ich (ich Gutmensch) meinem Mann, dass er vielleicht auch akzeptieren muss, dass das Ordnungssystem eines knapp Vierjährigen ein anderes ist als das eines Mannes, der zehnmal so alt ist. (Anmerkung der Redaktion: Dass dies reines Wunschdenken ist, sieht jeder, der das Arbeitszimmer von meinem Mann kennt. Diesen Aspekt vergisst Markus immer. Peter zu seinem Glück auch 🙂 ) Der Schwäbische Friede im Kinderreich hält an. Peter räumt eifrig auf, Markus assistiert. Und irgendwann höre ich Markus mit samtweicher Stimme fragen, als habe er Kreide gevespert wie der Wolf  im Märchen: „Peter, wo hast Du denn Deine alten Kastanien am liebsten?“

Stadion-Nickerchen

Das Kind wünscht sich einen Ausflug mit uns ins Stadion. Vorletzter Spieltag, Fahrt mit dem Bus. Peter freut sich 1) auf den Bus („Ich werd dann jetzt Busfahrer, wenn ich mal groß bin.“) und 2) auf das Fritzle, das giftgrüne Krokodil und Maskottchen des VfB Stuttgart. Wir haben Stehplätze im A-Block, und dort geht es bekanntlich laut zu. Peter stört das nicht, allerdings ist er etwas müde vom Fahren. Vor jedem Spiel erklingt beim VfB „You’ll never walk alone“, was ja bekanntlich Peters ganz persönliches Schlaflied ist. Und raten Sie mal, was passiert? Richtig. Peter schläft inmitten von Fahnen, Sprechchören, Geschrei, Gejubel, Trommeln und Gesängen ein. Tief und fest. Auf dem Arm seines armen Papas, dem sich fast der Rücken biegt. Pünktlich zur Halbzeit ist er wieder da, isst eine Schüssel voll Schupfnudeln und brüllt danach mit. Das Spiel gewann der VfB  2:0. Wenn man so ein Maskottchen hat, dürfte so ein Heimsieg ja auch kein Problem sein.

So ein alter Dackelkopf

Kurzes Samstagsfrühstück. Der Kasi-Mann muss auf seinen Bau, das Kasi-Kind frühstückt mit einer Eselsgeduld und ganz schön viel. Es dudelt eine alte CD der Toten Hosen: Pushed Again. Peter streckt mir sein leeres Brötchen hin und jodelt mit: „Wurscht again…“ Und danach, als er mir von einem anderen Kind berichtet, das ihn geärgert hat: „So ein alter Dackelkopf.“ Nie gehört. So viel Kreativität am Samstag ist mir persönlich dann doch zuviel am frühen Morgen.

Der Papa kann halt kochen

Ich bemühe mich täglich um ein abwechslungsreiches Mitagessen für mein Kind. Frisch gekocht, viel knackiges Gemüse, Salat. Fleisch und Fisch. Ballaststoffe. Vielfältig – er soll ja weltoffen sein. Zugegebenermaßen ist der Erfolg nicht immer gleich groß. Nicht jede Gemüsepfanne (mit Austerpilzen!) kommt gleich gut an, nicht jeder Fisch schmeichelt Peters Gaumen, wobei man zur Ehrenrettung des Thronfolgers sagen muss, dass er schon ein guter Esser ist. Unlängst hatte ich gleich zwei „Aha-Erlebnisse“. Mittags gab es knackfrische Möhren: „Oma kocht sie viel weicher. Das mag ich lieber.“ Das glaube ich gern, Du beißfaules Kind. Abends kochte mein Mann fürs Kind. Knatschige Päckle-Nudeln und eine pappige, braune Päcklesoße. Peter isst wie ein Scheunendrescher: „Mensch, Mama. Der Papa kann halt kochen.“

Ungeklärte Fragen

* Warum bin ich immer zu spät – selbst dann, wenn ich eigentlich den ganzen Tag weiß, dass ich abends um 19 Uhr gehen muss? Weil alles so lange dauert, wie es darf? Und ich immer so viel zu erledigen habe?

* Warum schaffe ich es nicht, im Drogeriemarkt an einem Duschgel zu riechen? Immer spritze ich mir die Nase voll.

* Warum rufen Leute immer gerade dann an, wenn a) das Kind gerade eingeschlafen ist. b) ich in der Badewanne liege. c) Ich mich gerade zum Essen hingesetzt habe. d) Ich auf dem Sprung bin. e) Mein Kind nach dem Klodienst ruft.

* Warum kleckert man sich immer mit schwer entfernbaren Dingen voll? Und nicht mit Mineralwasser?

* Warum macht es der VfB Stuttgart immer so spannend? Ich liebe es, gemütlich ein Spiel anzuschauen, bei dem man von Anbeginn solide 3:0 führt.

* Warum müssen gerade Schokolade und Nutella dick machen? Und nicht Wirsing oder Saure Kutteln?

* Warum verbietet niemand Telefongewinnspiele? Verkaufsberatungen am Telefon? An die Welt: Ich brauche keine Katzenfelle (bin Tierfreundin), ich habe Kochtöpfe, kaufe meinen Wein in der örtlichen Weinhandlung und vor allem: Ich bin mit der Lektüre aller Printmedien, die ich bereits beziehe, voll ausgelastet.

Schon längst geexcelt

Ich muss noch ein bisschen arbeiten und sitze am Rechner. Peter kommt vorbei und sagt mit dem normalsten Gesicht der Welt: „Ach, Du arbeitest mit Excel?“ Ich habe etliche Mühe, meine Fassungslosigkeit zu bändigen und erwidere: „Ach schau her, woher kennst Du das?“ Peter hat vor kurzem von einem Kumpel ein altes Laptop geerbt und antwortet ganz fachmännisch: „Ach, mit meinem Laptop hab ich schon längst mal geexcelt.“ Alles klar, oder?

Peter hat drei Haustiere: ein sehr zutraulicher Zwerghase, der Oskar heißt (und vermutlich weltweit der einzige Hase, der Möhren und Kohl nicht mag) sowie zwei Meerschweinchen, Fips und Lilli. Unser Mini-Zoo ist sehr ganzer Stolz; jeden Tag sitzt er bei seinen Tieren und fachsimpelt mit ihnen über den Kindergartenalltag. Heute erklärt er mir die Verwandschaftsverhältnisse im Gehege (nebenbei: natürlich gar keine!): „Also Mama, der Oskar, der ist der Hasenpapa, weil der der Größte ist.“ Aha, da ist die Welt noch in Ordnung. „Und die Lilli, die ist ein Schweinle-Hase. Oder sagt man da Ferkel-Hase? Die hat ja auch Fell. Die ist die Mama. Das Baby ist der Fips, der ist so schnell.“ Auch was Wahres. Und dann sagt er was, was meiner anarchischen Seele gut tut (ich wollte früher immer die Metzger-Schweine aus dem Anhänger befreien): „Außerdem lade ich alle Tiere aus ihren Gefängnissen (Käfigen) ins Wohnzimmer ein.“