In Peru fliegt die Kuh

Ich schätze, selten hat jemand eine Baugrube so andächtig angeschaut wie wir gestern. Was waren wir gerührt. Nach fast zwei Jahren Planungszeit (das stimmt wirklich, leider) werden jetzt endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Haustier haben wir auch schon – zumindest fast. Eine Katze besucht uns regelmäßig, wenn wir die Grubenfortschritte besichtigen. Warum diese allerdings am liebsten in der Baggerschaufel schläft, weiß ich nicht. Gestern war sie auch da, als wir die Ränder des Riesen Loch-Weiger mit Plastik verhängten. Wer auf der Alb lebt, traut hemdsärmelig nicht einmal dem Frühling. Peter ist auf jeden Fall sehr aufgeregt und hat – seitdem er täglich Radbagger, Kipplaster und ähnlich tolle Maschinen sieht – viel weniger Angst vor dem Umziehen. Nächste Woche geht es dann endlich los mit Bauen. Meinen ersten Bauanschiss habe ich übrigens schon gekriegt, weil ich den Meterstab habe offen rumliegen lassen. Mein Liebster erklärte mir, auf einer „richtigen“ Baustelle (also einer, wo man fürs Arbeiten firmentechnisch bezahlt wird) wäre das ein Verbrechen. Ich habe ihm dann ruhig und gefasst und mit einem kleinen Lächeln erwidert, dass auf einer „richtigen“ Baustelle wohl auch kein wuseliger Fast-Vierjähriger unterwegs ist, der jeden Augenblick in die Grube zu fallen droht. So viel dazu. Aber zum Glück kamen in dem Augenblick dann die beiden netten Nachbarskinder heim, die sich des Thronfolgers freundlich annahmen und obendrein noch Gummibärchen hatten. Damit war der häusliche Frieden sogleich wieder hergestellt.

PS: Peter hat ein neues Arbeits-Lieblingslied: In Peru fliegt die Kuh…

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Samba und Rumba

Der Bagger hat sein Werk fast vollbracht. Die Grube ist fast fertig. Und das Schönste: Das ausgehobene Material war von solider Qualität, so dass man es zum Teil auf einer anderer Baustelle zum Auffüllen verwenden konnte. Dadurch minimieren sich die Abfuhrkosten natürlich! Schön, wenn auch mal was weniger kostet als geplant 🙂 Spannend ist jedoch auch das Angebot der Bäderfirma zu lesen – da gibt es spannende Sachen wie Kombifixe fürs Urinal mit Sensorik und Klo-Wasser-Drücker die „Samba“ und „Rumba“ heißen! Let’s sway! Und einen sehr netten Herrn zur Beratung. Ich habe meinem Mann schon damit gedroht, dass ich mir den zusammen mit den Waschbecken liefern lasse 🙂

Ja wer baggert da…

Mehrfach erwähnt: Unser Hausbau hat BEGONNEN. Statt einer Wiese haben wir nun ein halbfertiges Loch, also eine Beinahe-Baugrube. Seltsame Anwandlungen hatte ich da, während ich vor unserem Ex-Bauplatz stand: Mir tat doch tatsächlich die Wiese Leid. Kann man sich das vorstellen? Irgendwie bringe ich die Erdmassen, die die gierige Baggerschaufel nach oben befördert, und unser Traumhaus gedanklich noch nicht zusammen. Auch der Weg zur Baustelle, einerseits vertraut, andererseit doch fremd, wenn ich mir vorstelle, dass ich da in absehbarer Zeit (hoffentlich!) wohnen  werde. Sind wir gespannt, wie es weiter geht.

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Wiese wird ein Loch

Es geht endlich Lo-hos! Gestern das letzte Gespräch an der Wiese, sozusagen das letzte Wiesengespräch, heute wird aus der Wiese ein Loch, und etwaig nachfolgende Gespräche zur „Baubesprechung“. Zumindest so nach und nach. Millionen Anlieger unseres Wohngebiets werden uns zwar dafür hassen – über unseren Platz führt schon seit Jahrzehnten ein Trampelpfad in die höher gelegenen Straßen, aber nun ja, darauf können wir jetzt keine Rücksicht mehr nehmen :-). Wir sind alle sehr aufgeregt und gespannt – nach so vielen Plänen, Ideen, Diskussionen, Streits (oh ja, auch das gab es) kommt jetzt endlich einmal ein Bagger! Wir haben nach einem halben Jahr Winter nicht mehr daran geglaubt!

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Kind auf EIB

Irgendein wohl meinender Kumpel sagte uns längst, erst beim dritten Haus (!!!!!!!!) mache man keine Fehler mehr.  Ich will keine zwei weiteren mehr bauen, das steht schon jetzt fest. Zunächst möchte ich mich bei allen Fans entschuldigen, weil ich so lange nicht präsent war. Allerdings haben wir unsere spärliche Zeit damit vertan dazu genutzt, Duschwanne, Badewanne, Wasserhahn, Duschtüren und Becken auszusuchen, letzte Vorbereitungen zu treffen und uns im Vorfeld gegenseitig zu nerven. Ich kann nachvollziehen, warum jeder mir sagt, dass so ein Bau eine Belastungsprobe ist für jede Ehe. Nun ja, nachdem ich baß erstaunt war, wie viele Möglichkeiten es gibt, schnödes Wasser in ein Becken plätschern zu lassen (mit Farbe, ohne Farbe, mit Glasmuschel, etc.), entschieden wir uns dann doch für ein vergleichsweise schnörkelloses Modell. Sind wir mal ehrlich… Man wäscht sich eigentlich doch nur, oder? Toll war auch das, was Peter im Laden despektierlich „Popodusche“ nannte: Ein Wasserstrahl, dessen Stärke man regulieren kann, der einem den Popo nach dem Klo abwäscht. So was Dekadentes. Peter wollte das natürlich haben und sagte zum Verkäufer: „Das kaufen wir am besten gleich.“ Für 3300 Euro. Ständiger Diskussionsbedarf gibt es allerdings in Sachen Elektroinstallation, bei der der Kasi-Mann und Kasi selbst nicht zwingend die gleichen Prioritäten setzen. Ich bin ein genügsames Wesen, ich bin schon zufrieden, dasss NICHT die Sicherung rausfliegt, wenn ich das Licht in meinem Büro einschalte und gleichzeitig ein Fax kommt. Mein Mann sieht das anders und würde am liebsten selbst das Kind auf irgendwelche EIB-Schalter schalten. Manchmal, ja wäre das ja gar nicht so ungeschickt, wenn man das kleine Plappermaul auf Knopfdruck ausschalten könnte. Oder wenigstens die Stummschaltung aktivieren könnte. Wenn er mal wieder brüllt: „Maaaaama, ich will aber noch die Popodusche haben…“

PS: Am Dienstag kommt jetzt endgültig der Bagger! 

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Lieber Haus als Briefkasten

Habe ich Ihnen schon verraten, dass ich noch nie das Frühjahr so stark herbei gesehnt habe? Wir haben Unmengen von dicken Leitz-Ordnern mit Plänen (ohne jetzt Schleichwerbung betreiben zu wollen) und haben auf unserer Baustelle noch nie schmutzige Hände gekriegt! Ach ja, um ehrlich zu sein, haben wir noch nicht einmal eine Baugrube, weil der Boden immer noch gefroren ist. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Aber so langsam wird es eng mit unserem anvisierten Einzugstermin Weihnachten. Halt, einen Briefkasten haben wir schon. Immerhin ein Anfang. Ein Bekannter hat schon seit Monaten eine Pappschachtel am neuen Eigenheim stehen. Ehrlich gesagt erfüllt die olle Schachtel ihren Zweck auch, und ich hätte lieber schon ein Haus als einen neuen Briefkasten.

Gut und gut gemeint

„Gut gemeint war noch nie gut“, pflegte mein Vater früher zu sagen. Je älter ich werde, umso mehr denke ich an diesen weisen Spruch. „Wir meinen’s doch bloß gut“, bedeutet meistens, dass irgendjemand gute Tipps hat, reinredet und anschließend doch beleidigt ist, wenn man’s selbst lieber anders möchte. Bei unseren Hausplänen ist das Thema „Gut gemeint“ grad ganz aktuell. Jeder Bekannte, der irgendwann schon einmal eine Raufasertapete mit Erfolg gestrichen hat, kommt an und hält sich für Tim Taylor, den Heimwerkerkönig. Nicht dass man mich falsch versteht: Wir haben beide absolut NICHTS gegen Ratschläge, es ist ja nicht zwingend notwendig, dass zwei Baufamilien den gleichen Fehler machen und auf der Nase landen. Auch habe ich nichts gegen wirkliche Fachleute und Handwerksleute, die sich unsere Pläne anschauen. Sie haben uns schon sehr geholfen – auch jetzt im Vorfeld. Denn: Woher soll ich als Schreiberling bitte wissen, was im Bad zweckmäßig ist und was nicht? Was nur unnötig Geld kostet? Ich bin selbst natürlich auch kein wirklicher Bautiger, behaupte aber, dass ich mit etwas Anleitung ein gutes Helferlein sein kann. Ich habe deshalb etwas gegen diese Möchtegerne, die kaum einen Nagel gerade in die Wand bringen, das Haus den eigenen Vater bauen lassen und dann ankommen und auf dicken Max machen. Tolle Materialquellen wissen (wo es dann nachher das Dreifache kostet). Hilfe anbieten (man weiß jetzt schon, dass sie NIE einen Fuß in die Baustelle setzen). Nein, da verzichte ich gern auf gut gemeint. Wir haben jetzt übrigens alles ausgesucht. Theoretisch könnte der Bagger kommen. Wenn dann im Juni mal der letzte Nusplinger Schnee weg ist.

Tag der Entscheidung

Kennen Sie das Gefühl auch, dass man an der Kasse steht, minutenlang Spinat, Äpfel, Schokolade und Klopapier auf das Förderband geladen hat, und plötzlich merkt, dass es an der Kasse nebenan viel schneller geht? Falsche Entscheidung, Mist. Man Essen im Restaurant bestellt und urplötzlich lieber das vom Tischnachbarn hätte, weil es viel leckerer aussieht? Pech gehabt. Sich im Laden stundenlang ein paar braune Schuhe heraussucht und daheim plötzlich doch lieber die schwarzen hätte? Mich kosten Entscheidungen jeglicher Art immer doppelt Nerven: Erst dauert es ewig, bis ich mich zu irgendwas durchgerungen habe, und dann sinniere ich tagelang, ob ich mich richtig entschieden habe. Selbst dann, wenn es um vergleichweise banale Dinge geht wie  um ein paar neue Skisocken oder die Menüwahl des Mitttagessens. Leider hat mein Sohn diese Eigenschaft von mir und meinem Mann geerbt. Wir haben schon Stunden im Supermarkt zugebracht, weil Peter sich nicht entscheiden konnte, ob er sich als Wunsch-Süßi lieber Haribos heraussucht oder einen Riegel. Zuhause stundenlang am Schrank gestanden, weil Junior vollkommen hilflos war ob der Frage, ob er in den Kindergarten lieber den blauen Bob-Pulli anziehen will oder die beige Benjamin-Blümchen-Jacke. Mehr als zwei Auswahlgegenstände verkraftet das Kind gar nicht. Hat er dann endlich etwas entdeckt, können wir es nicht kaufen, weil Peter Nüsse nicht vertragen kann. Oder das Elefanten-Outfit einen Fleck hat an der Rüsselsspitze. Auch mein Mann hat es, wie gesagt,  nicht unbedingt mit der Entschlussfreude. Mit ihm einen Baumarkt zu besuchen dauert mitunter so lange wie eine komplette Erdumseglung. Wir wir drei müssen jetzt die Ausstattung für ein komplette Haus auswählen. Hat jemand Ahnung, wie viele verschiedene Fenster-Rahmen-Farben es gibt, mit RAL oder ohne? Treppen können aus Stein oder Holz sein, nicht zu vergessen, die verschiedenen Formen, gewungen oder gerade, mit Durchsicht oder ohne. Allein die Küche hat uns Monate gekostet – so viele Entscheidungen auf einmal. Ehrlich gesagt, bin ich froh, wenn das erste Steak in meiner neuen Küche in der Pfanne liegt. Aber vermutlich ärgere ich mich dann schon wieder, warum ich die Fronten nicht in korallenrot oder pflaumenblau genommen habe. Den giftgrünen Linoleum fürs Kinderzimmer – „cool, das sieht dann aus wie ein Fußballrasen!“ – habe ich Peter jedoch ganz beruhigt und mit gutem Gewissen sofort ausgeredet. Genauso wie die herzige Tapete mit tanzenden Bärchen, die er bei einem dortigen Besuch mit seinem Papa entdeckt hatte.

Bob der Baumeister

Fast jeder Bürger unter fünf kennt den kleinen, knitzen Bob Baumeister oder etwas weltläufiger „Bob the Builder“. Bob ist ein findiger Bautiger, der im Null-Komma-Nichts Häuser, Igelbrücken, Hasenhügel oder Hundehütten entstehen lässt, umweltfreundlich, recyclebar, biologisch abbaubar und vor allem innerhalb von 20 Minuten Sendezeit beziehbar. Wenn es doch im wirklichen Leben auch so unproblematisch vor sich gehen würde. Wir planen zur Zeit ein Eigenheim, weil wir gute Schwaben sind. Mittlerweile haben wir über 4000 Euro in wundervolle Dokumentenrollen, tolle Baubefreiungen, Genehmigungen aller Art und Notareinträge investiert, uns wegen der Finanzierung die Haare gerauft und mit der Bausparkasse diskutiert. Wir debattieren statt über akutelle Kinofilme  oder tolle Bücher über Einwurf-Briefkästen (herrliches DDR-Wort, fast so schön wie Winkelement), lesen telefonbuchdicke Kataloge mit funktionstüchtigen Gegensprechanlagen und suchen Türklinken aus. Ich hätte nie gedacht, wie viele Möglichkeiten es gibt, eine Tür aufzumachen. Und erst die Heizungsfrage – die hat uns nicht nur schlaflose Nächte gekostet, sondern auch etliche Stunden mit fiesen Energiekosten-Berechnungen. Und nicht zu vergessen unsere zahllosen Besuche in den Baumärkten dieser Welt, die mir die Unterschiede zwischen Exzenter-, Winkel- und Schwingschleifer nahe gebracht haben. Auf diese Art und Weise beschäftigen wir uns schon gute anderthalb Jahre (und das ist kein Scherz) mit unserer Baustelle, die bislang nur eine Wiese ist. Halt, war! Seit heute steht nämlich ein Schild drauf: „Hier entsteht in Kürze ein Haus.“ Wie sagt Bob der Baumeister so schön? Können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das. Und wenn der englische Bob the Builder sogar Vorbild war für  Barack Obama („Yes we can!“) werden wir das hoffentlich auch irgendwie hinkriegen. Mit Geduld und Spucke, in Live und in Echt und mit RAL-Farbe auf den Fensterrahmen.

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