Hoch und eng

Liebe Festgemeinde, nein, Zimmermann, das wäre nicht mein Traumberuf. Nicht weil ich etwas gegen die wackeren Handwerksleut‘ hätte – iwo, wie sie die Sparren auf unsere Mauern gebracht haben, verdient meine höchste Hochachtung. 1) habe ich eine Stauballergie, und beim Arbeiten mit Holz fällt einfach Staub an. 2) und das wiegt weitaus schwerer ist da die Höhe, in der die Arbeiten verrichtet werden. Ich habe es nicht wirklich mit Höhe oder Enge. Ich bekomme selbst im dritten Stock wacklige Knie, im Kino kriege ich Platzangst, wenn ich mitten in einer Reihe Platz nehmen muss. Ich mag es nicht, in Urlaub zu fliegen. Ich hasse Rundflüge an Volksfesten. Ich mag keine Kettenkarusselle oder ähnliche Fahrgeschäfte mit Namen wie „Wilde Maus“ oder „Hochdroben“. Ich fahre deshalb nicht in Anstalten wie den Europapark. Was soll ich da? Den ganzen Tag zittern und mit dem Magen kämpfen? Und wie gesagt, Zimmermann wäre eben auch nichts für mich. Es ringt mir allerhöchste Hochachtung ab, wie die flinken Männer in luftiger Höhe auf den Sparren tanzen und mit schlafwandlerischer Sicherheit aus viel Holz ein Dach zaubern. Das Kind und ich saßen staunend am Geländerand und bekamen einen steifen Nacken vom In-die-Luft-Gucken. Und dann flatterten die bunten Bänder meines Richtbaums in luftiger Höhe. Ein schönes Gefühl, wenn aus leeren Mauern ein Haus wird. Wir feierten ein spontanes Fest mit Würstchen, Bier und viel Erleichterung. Fortsetzung folgt.

Hausbau 087

Auf der Überholspur

Zur Zeit jagt ein Fest das andere. Gestern wurde Peter vier. Geburtstagsparty mit der Familie, ruhig und beschaulich, heute feiern wir Richtfest. Nachher schmücken Peter und ich noch unseren Richtbaum – mit buntem Krepp-Papier, müssen noch diverse Besorgungen machen. Kaum zu glauben, dass die Maurerarbeiten schon fertig sind. Das ging alles so fix. Und gefühlt noch schneller, weil es zur Zeit ein Leben ist auf der Überholspur, das wir führen. Ständig muss man etwas besorgen, ständig ist irgendwas zu klären, zu organisieren, abzuholen oder zu bestellen. Und selbstverständlich geht nicht immer alles glatt dabei. Aber da erzähle ich wohl niemandem etwas Neues. Und Peter? Er erzählt schon seit Tagen jedem, der es hören will, dass er bald umzieht…. Schön wär’s.

09 06 06 023

Wann kommt der Zimmermann?

Am Freitag wird aufgerichtet – das heißt, da steigt dann auch unser Richtfest! Mensch, was ist das schnell gegangen. Ich hab mich noch nicht mal richtig daran gewöhnt, dass ich zumindest zum Teil gemeint bin, wenn Briefe „An die Bauherrschaft“ ins Haus flattern. Wieder so ein einschneidender Moment im Verlauf eines Hausbaus. Die Mauern kriegen ein Dach. Als Richtfest-Ausrichterin bin ich gänzlich unerfahren, also hab ich „Richtfest“ kurzerhand einmal gegoogelt. Es ist kaum zu glauben, im Netz gibt es sogar einen Richtfest-Knigge. Wer eingeladen werden muss, wer nicht, wer kommen darf, was gegessen werden kann, wie das Fest abläuft. Traditionen wie den Richtspruch oder das Glas-Werfen finde ich schön; ich finde, so etwas gehört zum Hausbau dazu, genauso ein gemütlicher Hock mit den fleißigen Handwerkern. Was allerdings meiner Meinung nach nicht dazu gehört: Ich war auf Richtfesten schon eingeladen, die von einem Partyservice bespeist wurden. Das finde ich überflüssig. Ich finde, auf einer Baustelle tun’s auch ein paar Würstchen, Kartoffelsalat und ein Bier. Unser Kind fragte schon vor etlichen Wochen (wir hatten noch nicht mal ein Loch!): „Wann kommt endlich der Zimmermann.“ Ganz befreit können wir ihm nun sagen: „JETZT, Peter.“

Leerrohre und nochmals Leerrohre

Unser Haus wächst und wächst. Heute haben wir wieder einmal Leerrohre verlegt, der Opa und ich. Gefühlte Kilometer. Ich habe keine Ahnung, wie mein Mann darüber den Überblick behält – aber ich hoffe für ihn, das wird er schon. Jetzt bin ich nach etlichen Stunden Baueinsatz total platt und danke meinem Mann für seinen Wunsch nach Verteilerlosigkeit (deshalb die vielen Rohre) und dem tollen System EIB, das vermutlich sogar die Zwiebeln fürs Gulasch hacken kann. Derart „EIB-vorbelastet“ kam es heute Mittag zu einem netten Zwischenfall. Ich führte ein Interview mit einem netten Geschäftsmann. Urplötzlich gingen – wie von Geisterhand – pünktlich um 14.30 Uhr zur Ladenöffnung die Rollläden hoch, so wie es bei  uns mittels EIB geschehen soll. Ich frage erfreut: „Ach, Sie haben auch EIB?“ – „Nein“, sagt er trocken, „aber eine Frau“. So kann es gehen.

Und noch ein kleiner Zwischenfall. Frisch vom Bau heimgekehrt. In Latzhose (bei der obendrein der oberste Knopf fehlt) , altem Bollerhemd und mit ohne Frisur – dank Schildkappe und Had-Tuch. Es klingelt. Eine liebe Bekannte bringt meinen Mantel, den ich bei ihr vergessen hatte. Im Auto sitzen lauter junge Mädchen. 20 Jahre jünger. Hübsch hergerichtet zum Ausgehen. Und ich stehe in der Tür. Ungeschminkt. Verwuschelt. Müde. Mit Augenringen bis zum Kinn. Und humpelnd. Weil mein malades Knie längere Hockstellung nicht mag. Ich komme mir vor wie eine alte Frau. Bin ich das? JAAA!

Gesucht: ein roter Schlauch

Das, was einmal unser Haus werden soll, wächst und gedeiht mittlerweile richtig zügig. Wenn man davon absieht, dass mein Göttergatte Kilometer von Leerrohren verlegt (was wir später am Beton sparen…), ist das Ganze schon so, wie ich es mir vorgestellt habe. Halt, eins habe ich vergessen. Das Wetter. Bestes Aprilwetter mitten im Mai. Es regnet in Strömen. Es hagelt. Hat man dann gerade wieder den ganzen Baukram beieinander, den man 15 Minuten vorher vor sinflutartigen Wassermassen in Schutz gebracht hat, schütttet es schon wieder. Und so geht es den ganzen Tag. Bis wieder die Sonne scheint. Für fünf Minuten. Unsere Helfer werden echt auf eine Geduldsprobe gestellt. Überlege mir schon ernsthaft, statt eines Hauses ein Boot zu bauen. Oder zumindest einen Anker zu integrieren. Dazu kommen – für mich als ersten Handlanger – immer wieder tolle Aufgaben, die jede Menge Zeit brauchen, aber keiner sieht. Colaholen beispielsweise, Vesper organisieren, Schlüssel nachtragen, Leerrohre bestellen (hehe). Gestern gab es mal was ganz Neues. Meine wirklich lieben Maurer brauchten ein Stück roten Schlauch für ein 70-er Rohr. Schnell und dringend. Wie gern habe ich das organisiert – endlich mal was anders als Wurststullen. „Kasi auf der Suche nach dem roten Schlauch“ oder so ähnlich.

Krümelei im Bauwagen

Eine spannende Sache, so ein Hausbau. Wir haben jetzt schon fast einen eigenen Keller, und ich finde, er ist perfekt. Doch so langsam geht es auch mit der Arbeit auf dem Bau los – und ich freue mich darauf. Letzten Endes fühle ich mich in dem Keller schon relativ daheim, auch wenn das jetzt etwas seltsam klingen mag. Zu viele Wochen, Monate, Nächte haben wir über den Plänen gebrütet. Nach Lösungen gesucht. Gestritten (oh ja, auch das). Ich erinnere mich da nur noch um die sinnfreie Diskussion um Badknäufe (also die Dinger, an denen später einmal Handtücher hängen sollen). Aber jetzt wird das ganze so langsam. Und wir haben ganz tolle Helfer auf unserer Baustelle!

Am Samstag haben wir dort mit diesen tollen Helfern zu Mittag gegessen. Peter aß so viel wie schon seit Tagen nicht mehr. Er fühlte sich sichtlich wohl in dem kleinen Bauwagen. Hielt die gekochten Würstchen für die größte Delikatesse. Teilte brüderlich mit einem der Männer seine Wurst. Und wissen Sie was – mir hat es auch super geschmeckt. Ohne Servietten, Beistell-Tellerchen, Glasschüsseln und das ganze Gedöns, das man sonst üblicherweise auf dem Esstisch hat. Vielleicht hat es meinem Sohn auch drum so gefallen. Niemand hat zu ihm gesagt: „Mensch Peter, ich habe frisch gesaugt. Und die krümelst wieder alles total voll.“

img_1510

Das klappt ja nicht mal beim Kuchen…

Das, was einmal unser Haus werden soll, wächst emsig – das tolle Frühlingswetter tut ein Übriges. Gestern wurde die Bodenplatte gegossen. Von oben begutachteten der Sprössling und ich aufmerksam, wie die Arbeiten vor sich gingen. Peter war hin und weg: Der Kran bewegte stetig den Betonkübel hin und her, und es dauerte nicht lange, bis die Platte fertig war. Vor allem waren wir ganz angetan davon, wie schön glatt das alles wurde – bei uns klappt das ehrlich gesagt nicht einmal mit dem Kuchenteig so recht.

Überhaupt ist so ein Hausbau etwas sehr Faszinierendes, das habe ich, glaube ich, das eine oder andere Mal bereits erwähnt. Dass aus dem Gewimmel von Gräben später einmal ein funktionierendes Abwassersystem wird, wage ich kaum zu glauben. Genauso wenig, wie wir nachher noch wissen sollen, wo alle Leerrohre untergebracht sind, damit unser EIB so funktioniert, wie es soll. Irgendwie ist das für mich als ahnungslosen Schreiberling ein Buch mit sieben Siegeln. Pläne verstehe ich nur bedingt – mit Nachhilfestunden. Allerdings muss ich immer alles genau wissen – wohl eine ätzende Berufskrankheit. Vermutlich habe ich schon so manchen Handwerker über seinem Angebot zur Verzweiflung gebracht mit Fragen wie: „Warum ist das jetzt teurer als vorher? Und wo liegen bitte schön die Vorzüge?“ Wobei zu erwähnen wäre, dass mir nicht jeder seine Vorzüge nennen konnte und angesichts meines beharrlichen Nachhakens ganz schön ins Straucheln geriet. Allerdings wage ich jetzt die Behauptung, dass wir nach langer Suche, langem Überlegen und sehr langem Hin und Her so langsam dahin kommen, wo wir immer hinwollten. Auch mit unserer Handwerkerwahl bin ich sehr zufrieden. Und natürlich auch damit, dass mein Mann als Elektromeister vom Handwerk viel Ahung hat. Fehlende Deckendosen? Hätte ich nie entdeckt. Von daher auch einmal ein Dankeschön Dir, lieber Markus 🙂

Bis wieder Schnee liegt

So eine Baustelle ist fürwahr eine spannende Sache. Lange saßen der Thronfolger und ich am Straßenrand, als der Kran eingerichtet wurde. Blicke nach oben. „Mama, schau, das Seil kommt wieder.“ Ehrfurchtsvolle Blicke auf die riesigen Haken. „Wozu ist ein Kran gut?“ – „Damit werden schwere Sachen gehoben.“ Peter nickt andächtig: „Wie schwer? Und wann kann ich einziehen?“ Für so ein Kind ist ein laxes „in ein paar Monaten vielleicht…“ eine denkbar schlechte Zeitangabe. Man kann es nicht mit „noch dreimal schlafen“ erklären, sondern allerhöchstens damit, dass dann wieder Winter ist. Was auf der Alb gefühlt irgendwie immer ist… so hab ich manchmal den Eindruck. Peter wohl auch: „Ne, Du. Dann gibt es wieder Schnee, und ich will jetzt erst mal im Garten baden.“ Bis es soweit ist – wir haben wieder einmal 8 Grad Celsius – sitzen wir eben am Straßenrand und schauen dem Kran zu. Oder dem Bagger. Oder dem Laster. Bis die Nachbarskinder vorbei kommen, kleiner Baumeister.

img_0134

Ein Kran, ein Kran!

Ein Kran, ein Kran! Heute kommt der Kran! So eine Baustelle ist doch erst mit Kran eine richtige Baustelle! Die Fundamente sind schon ausgegraben, und jetzt geht es so richtig los! Auch wenn es mit unserem Wunsch-Einzugstermin Weihnachten wohl nie mehr was wird, freuen wir uns natürlich über jeden Fortschritt. Auch wenn die Elektropläne immer noch im Werden sind. Peter hatte gestern Morgen – wir waren seeeehr spät dran, weil der Frosch so lange geschlafen hat  – die Wahl zwischen Frühstück und einem Kurzbesuch auf der Baustelle. Natürlich nahm er die Baustelle – und das, obwohl er für sein Leben gern isst. Peter untersuchte alles sehr genau und hatte dann den Vorschlag des Tages: „Ach Mama, weißt Du was, ich bleibe hier. Ich kann den Männern bei der Bodenplatte bestimmt gut helfen.“ Sicher, Peter. Wenn es darum ginge, Werkzeuge fort zu tragen und nicht mehr wiederzufinden, wärst du bestimmt ein toller Helfer.

img_01361

Christo lässt grüßen

So langsam wird es ernst – die Baugrube ist fertig verhüllt mit langen Plastikbahnen. Christo lässt grüßen. Nächste Woche kommt die Bodenplatte. Aber immer noch gibt es 100 Sachen zu regeln, die irgendwie noch nicht richtig sitzen. Dumm ist dabei, dass sowohl mein Mann als auch ich scheußliche Pedanten sind. Unser Kind hat’s da schön – der tobt sich in der Grube aus und freut sich über den riesigen Sandkasten… Eine Sorge habe ich noch: Am Rand des Bauplatzes steht eine wunderschöne, wilde Rosenhecke. Die würde ich gern am Leben erhalten – was man hat, muss man als guter Schwabe nicht kaufen 🙂 . Fragt sich nur wie.