Die Sicht auf die Dinge

Peter bekommt ein neues Bett, ein schickes Hochbett mit Planwagen-Zelt, Leiter und Rutsche. Sein Papa baut auf, Peter „hilft“ ihm. Doch ständig haut er sich aufgrund der ungewohnten Höhe irgendwo den Kopf an, so dass es Tränen gibt. Oder Peter öffnet Schrauben-Tüten, die mein Mann noch gar nicht braucht, und die beiden geraten in Streit. Nach vier Stunden steht das Abenteuer-Bett. Leider ist unser winziges Kinderzimmer etwas zu klein für die massive Spiellandschaft aus Birke. Doch Peter ist stolz wie Oskar. Und freut sich zum ersten Mal aufs Ins-Bett-Gehen: „Habe ich das nicht schön aufgebaut? Der Papa hat mir toll geholft.“ Es kommt immer auf die Sichtweise an. Und auf die richtige Sicht auf die Dinge.

Einfach mal abkürzen

Fasnetsdienstag Abend. Alle sind müde vom Umzug, vom durch den Ort ziehen, vom ständigen Warm-Kalt-Wechsel. Alle außer Peter. Er hört daheim „Eine Insel mit zwei Bergen“, die „Schwarze Natascha“ und das „Fliegerlied“, veranstaltet eine Polonaise durchs Zimmer und sagt: „Jetzt hören wir noch das an. Dann schauen wir die Maus. Und dann lesen wir noch ne Gute-Nacht-Geschichte. Und dann gehe ich ins Bett.“ Wie gnädig. Von mir aus könnten wir abkürzen und gleich beim Bett beginnen.

Mal ganz fest durchatmen

Peter interessiert sich sehr fürs Internet – Hauptsache „Punkt de“. Wir richten das Frühstück. Peter betrachtet sinnierend die Packung mit dem Frühstücksspeck. „Mama, steht da Speck Punkt de drauf, oder heißt es Wurst Punkt de? Komm, wir schauen uns den Speck mal im Computer an.“

Peter hat, nun ja, sehr menschlich, Blähungen. Er rennt aufs Klo, kommt relativ rasch wieder. Ich frage ihn, ob alles geklappt hat. „Ja, keine Sorge, mein Popo musste nur mal ganz fest durchatmen.“

Halt die Zeit an

Peter trödelt mal wieder, muss sich beeilen, weil die Apotheke gleich zumacht. Darauf hat er keine Lust. Vorwurfsvoll deute ich auf die Uhr. Peter: „Jaaaaaaa, ich weiß, wenn der große Zeiger auf der Sechs steht, ist geschlossen.“ Ich nicke ergeben. „Deshalb beeil‘ Dich.“ Peter überlegt: „Mama, ich hab ne gute Idee. Wir machen einfach die Batterien aus der Uhr raus und halten die Zeit an.“ Ach ja, das wäre manchmal schön.

Ich glotz TV

Peter und sein Papa sind immer noch krank. Außerdem gelangweilt, aggressiv und mit nichts zufrieden (verständlich, aber dennoch anstrengend). Einzige Zerstreuung bietet mitunter das TV. Ich war heute Mittag unterwegs, hatte Termine, musste außerdem Behördengänge und Einkäufe machen. Fand bei meiner Rückkehr die Männer sitzend auf dem Sofa vor dem Fernseher. Vorwurfsvolle Frage meinerseits: „Ihr habt doch nicht etwa den ganzen Mittag nur geglotzt?“ Markus (total entsetzt): „Nein…“ Peter (mit dem ehrlichsten Gesicht der Welt): „Doch, Papa…“

Zuviel Ruhe

Peter weiß, dass wir immer hellhörig werden, wenn es in seinem Zimmer zu ruhig ist. Und richtig: Meistens gibt es dann dort einen GAPG, einen „Größten anzunehmenden Peter-Gau“. Meistens ist der Kleiderschrank in so einem Fall komplett ausgeräumt, oder er hat die Schere aus meinem Büro geklaut und damit an seiner Frisur gearbeitet. In harmlosen Fällen sind halt alle Regale und Legoschachteln ausgeleert, und die Teddys unternehmen einen Freiflug. Aber das ist ja nicht so schlimm. Vorhin war Peter bei mir im Büro, mein Mann fehlte. Ich frage also den Thronfolger, wo denn sein Papa sei. Peter macht ein sehr erschrockenes Gesicht, hebt den Zeigefinger und sagt knochentrocken: „Ich hab’s mir doch gleich gedacht, es ist viel zu ruhig…“

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Die Festsau

Mein Mann und mein Sohn gingen gemeinsam zum Frühschoppen zum Wirt unserers Vertrauens. Peter ist dort zu Hause, geht nach seinem Eintreffen immer sofort in die Küche, um zu schauen, was es heute gibt. Selbstverständlich bekommt er dort auch immer gleich etwas. Das Kind ist sehr selbständig, mit drei Jahren zieht er sich selbst an und legt Wert darauf, alles selbst geregelt zu kriegen. Ich war an besagtem Sonntag nicht Frühschoppen, sondern brav arbeiten, wurde dann aber als Entschädigung zum Schnitzelessen eingeladen. Peter war im Nebenzimmer und spielte. Zum Mittagessen brachten die Wirtsleute dem Knirps sein Getränk an den Platz. Nun ja, im Lokal unseres Vertrauens ist es gang und gäbe, pro bestelltem Getränk einen neuen Bierdeckel zu bekommen. Auf einen Blick sieht man gleich, was jeder konsumiert hat. Peters Apfelschorle kam mit einem stattlichen Deckelstapel an den Familientisch. Ich fragte entgeistert: „Was ist denn das?“ Peter mit dem normalsten Gesicht der Welt: „Na, ich hatte Durst. Und da hab ich mir was bestellt.“ Man soll die Feste bekanntlich feiern, wie sie fallen. Prost!

Kuschel mich an

Peter ist sehr erkältet und dementsprechend sehr anhänglich. Er will ständig auf den Arm, auf den Schoß oder gehalten werden: „Mama komm, kuschel mich an.“

Mein Mann weist Peter sehr wortreich zurecht, weil er beim Abendessen eine Schweinerei mit dem Dotter seines hart gekochten Eis anrichtet. Peter ganz cool: „Ach Papa, Du warst schon immer eine alte Schwatzbase.“

Volle Backen eines ganz Großen

Peter hadert zur Zeit fürchterlich damit, dass seine Kindergarten-Freunde alle älter, also größer, sind als er. Ich erkläre ihm, dass das Alter von allein kommt (oh ja). Er verbietet mir förmlich, ihn jemals wieder „Kleiner“ zu nennen oder ihn zu fragen, ob er ein Baby sei. Ich verspreche beides feierlich. Dann rufe ich ihm zum Mittagessen. Eine empörte Stimme: „Maaama, Du wolltest mich doch ein bissle-großer-Peter nennen…“

Es klingelt an der Tür. Peter rast wie immer sofort zur Sprechanlage. Dummerweise hat er den Mund voller Maoam, den klebrigen Kaubonbons. Atemlos keucht er mit vollen Backen in den Hörer: „Wer büscht Du? Ich ess grad.“

Arme Schweine und singende Männer

Peters Papa muss daheim was reparieren und lamentiert. Zum Kind sagt er im Spaß und auf gut Schwäbisch: „Ach Peter, weißt Du, ich bin halt eine arme Sau…“ Peter grinst und lacht: „Ja, Papa, ich bin dafür eine coole Sau…“ Auch was.

Peter muss dringend auf die Toilette und hüpft unruhig von einem Bein aufs andere. Ich fordere ihn auf, einfach kurz auszutreten: „Sonst passiert noch ein Unglück…“ Peter hält beide Hände vor und argumentiert: „Ich halte ihn zu. Da geht kein Tropfen raus.“

Peter geht ausnahmsweise mal mit in die Kirche. Daheim fragt er schon: „Singt der Mann da vorne im Kleid (der Pfarrer) dann wieder?“