Alles kalter Kaffee

Seit einiger Zeit diskutiert man bei uns im Haus über unsere Kaffeemaschine. Das heißt konkret, der Kasi-Mann und ich diskutieren über die Kaffeemaschine. Mein gutes Senseogerät, knapp drei Jahre alt, ist launisch. Sehr launisch. Mal kommt der Kaffee kochend heiß (wie er sein sollte), ordentlich stark, dufend, mit feiner Crema und herrlich sattem dunkelbraunen Farbton aus der Maschine, mal als hauchzart dunkel getönte, geschmacklose und obendrein eiskalte Plörre. Ich plädiere also seit Monaten für ein neues Gerät, der Kasi-Mann hängt als guter Schwabe sehr am Sach‘ und beschwichtigt mich. Ich blöde Kuh lasse mich beschwichtigen und trinke alltäglich tapfer die dünne Brühe. Nebenbei: Der Kasi-Mann trinkt nicht einmal Kaffee, sondern morgens lieber Fencheltee (was ich ehrlich gesagt noch nie verstanden habe). So. Wie oft die gute Senseo schon entkalkt wurde („Du trinkst zu viel Kaffee. Kein Wunder, dass die Maschine auch ständig verkalkt ist…“), geht auf keine Kuhhaut mehr. Der Kasi-Mann macht das trotzdem tapfer und hat bestimmt schon ein halbes Monatsgehalt für Entkalkungsmittel aller Art liegen gelassen. Nun ja. Allein diese Kosten hätten längst ein neues Gerät gegeben. Es bleibt dabei: Es schmeckt halt nur jede dritte Tasse richtig gut. Peinlicherweise stellte das zu Ostern sogar die Familie vom Kasi-Mann fest. Blöd, aber dennoch Wasser auf meinen Mühlen.  Wir diskutierten also neuerlich wegen einer Neuanschaffung. Mein Mann plädierte dafür, sich ausführlich beraten zu lassen, Testberichte zu lesen und ein tolles Kompaktgerät aus der Schweiz zu kaufen. Klingt prima. Allerdings weiß ich nicht mal, wo es bei uns in der schwäbischen Provinz den feinen Kaffee der Eidgenossen gibt (selbstverständlich ist das ein komplett anderes System).  Also alles beim Alten. Ich ärgere mich über eiskaltes Wasser, mein Mann entkalkt. Die Kaffeemaschine.

Gestern entdecke ich nun beim sorgenfreien Twittern zufällig die vermeintliche Lösung unseres Kaffeerätsels: einen Link, in dem ich lese, dass Philips Senseo-Maschinen zurückruft wegen großer Kalkprobleme. Wenn diese Geräte überhitzen, können sie sogar explodieren, las ich da mit immer größer werdenden Augen. Tolle Vorstellung, dass einem morgens zu früher unausgeschlafener Stunde und akutem Koffeinmangel zuerst einmal die Kaffeemaschine um die Ohren fliegt… Nach ausgiebiger Internetrecherche stieß ich auf die Seite mit der Rückrufaktion. Zuerst musste ich, um die genaue Typreihe festzustellen, die komplette Maschine ausräumen und auf den Kopf stellen. Die Internetseite war auf meinem Rechner im Arbeitszimmer geladen, die Kaffeemaschine stand unten Kopf. Also Treppe hoch und runter. Dann merkte ich, dass ich das Produktionsdatum brauchte. Wo in aller Welt findet man sowas? Klar, in Gebrauchsanweisung oder Garantiepapieren. Dachte ich. Wie war ich froh, als ich beides unten in der Küche (nach nochmaligem Treppenlaufen) im Küchenschrank entdeckte. Wieder oben am Rechner merkte ich, dass ich die besagte Zahlenkombination in den dünnen Büchlein nirgends finden konnte. Ich suchte die „Am häufigsten gestellten Fragen“ durch. Prompt fand ich des Rätsels Lösung: Die Nummer stand ebenfalls auf dem Maschinenboden. Also wieder die Treppe. Wieder die Maschine ausgeräumt (auf all die Arbeit hin musste ich natürlich erst einmal eine Tasse dünnen Kaffee trinken). Wieder die Treppe hoch. Nummern-Code eingegeben. Und was ist ganz frech und dreist die Antwort? Meine Maschine gehöre nicht zu der von der vom Rückruf betroffenen Produktionsreihe und funktioniere einwandfrei. Also alles kalter Kaffee. Da hat es mein Kind schön. Der sagte mit unwiderstehlichem Augenaufschlag: „Weißt Du, Mamalein, wenn das Gerät wirklich kaputt ist, schenkst Du es mir. Ich sammle nämlich kaputte Sachen. Wie der Papa und der Opa.“

Schoki lindet Seelenqual

Peter ist bei den Nachbarskindern im Garten. Als diese mit ihren Eltern fort müssen, ist er untröstlich und weint herzzerreißend. Er kuschelt sich zu seinem Papa aufs Sofa und sagt mit charmantem Augenaufschlag: „Ich glaub, ein Stückchen Schokolade könnte meinen Schmerz lindern.“

Christo lässt grüßen

So langsam wird es ernst – die Baugrube ist fertig verhüllt mit langen Plastikbahnen. Christo lässt grüßen. Nächste Woche kommt die Bodenplatte. Aber immer noch gibt es 100 Sachen zu regeln, die irgendwie noch nicht richtig sitzen. Dumm ist dabei, dass sowohl mein Mann als auch ich scheußliche Pedanten sind. Unser Kind hat’s da schön – der tobt sich in der Grube aus und freut sich über den riesigen Sandkasten… Eine Sorge habe ich noch: Am Rand des Bauplatzes steht eine wunderschöne, wilde Rosenhecke. Die würde ich gern am Leben erhalten – was man hat, muss man als guter Schwabe nicht kaufen 🙂 . Fragt sich nur wie.

Fossile Pflanze sorgt für Freude

Obwohl der Westerberg stellenweise immer noch verschneit ist, gibt es einen neuen, sensationellen Fund aus dem Nusplinger Plattenkalk.

Nusplingen. Üblicherweise beginnt das Team des Stuttgarter Naturkundemuseums unter der Leitung von Dr. Günter Schweigert bereits Anfang März mit seiner Arbeit. Doch in diesem Jahr dauerte der Winter im auf 900 Metern Höhe gelegenen Nusplinger Steinbruch länger als in anderen Jahren. Den Stuttgarter Fachleuten waren die Hände gebunden – die ehrenamtlichen Mitarbeiter machten sich jedoch regelmäßig hinauf zur Grabungsstelle.

Als diese nun vor einigen Tagen wenigstens zum Teil schneefrei war, gab es für das Team kein Halten mehr. Obwohl eigentlich gar keine offizielle Grabung geplant war, machten sie sich an die Arbeit. Der Eifer wurde stehenden Fußes belohnt. Bereits nach fünf Minuten förderten sie einen spektakulären Fund zutage: einen 60 Zentimeter langen Nadelholzzweig. Schon jetzt, so jubelt Günter Schweigert, sei erkennbar, dass dieser – abgesehen von Treibhölzern – das bislang größte Pflanzenfossil des Nusplinger Plattenkalks sei.

Gleich begeistert von dem Fundstück war Dr. Anita Roth-Nebelsick, Paläobotanikerin am Stuttgarter Naturkundemuseum; von der betreffenden Art waren bisher nur kurze Aststücke bekannt. „Das neue Exemplar zeigt erstmals das Verzweigungsmuster“, freut sich deshalb Günter Schweigert über alle Maßen. Die Landpflanzen aus dem Nusplinger Steinbruch stammen von den Inseln, die vor 150 Millionen Jahren die blaue Lagune umsäumten.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

Foto: Günter Schweigert, Naturkundemuseum Stuttgart

nusplingen_bergung_02_04_091

In Peru fliegt die Kuh

Ich schätze, selten hat jemand eine Baugrube so andächtig angeschaut wie wir gestern. Was waren wir gerührt. Nach fast zwei Jahren Planungszeit (das stimmt wirklich, leider) werden jetzt endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Ein Haustier haben wir auch schon – zumindest fast. Eine Katze besucht uns regelmäßig, wenn wir die Grubenfortschritte besichtigen. Warum diese allerdings am liebsten in der Baggerschaufel schläft, weiß ich nicht. Gestern war sie auch da, als wir die Ränder des Riesen Loch-Weiger mit Plastik verhängten. Wer auf der Alb lebt, traut hemdsärmelig nicht einmal dem Frühling. Peter ist auf jeden Fall sehr aufgeregt und hat – seitdem er täglich Radbagger, Kipplaster und ähnlich tolle Maschinen sieht – viel weniger Angst vor dem Umziehen. Nächste Woche geht es dann endlich los mit Bauen. Meinen ersten Bauanschiss habe ich übrigens schon gekriegt, weil ich den Meterstab habe offen rumliegen lassen. Mein Liebster erklärte mir, auf einer „richtigen“ Baustelle (also einer, wo man fürs Arbeiten firmentechnisch bezahlt wird) wäre das ein Verbrechen. Ich habe ihm dann ruhig und gefasst und mit einem kleinen Lächeln erwidert, dass auf einer „richtigen“ Baustelle wohl auch kein wuseliger Fast-Vierjähriger unterwegs ist, der jeden Augenblick in die Grube zu fallen droht. So viel dazu. Aber zum Glück kamen in dem Augenblick dann die beiden netten Nachbarskinder heim, die sich des Thronfolgers freundlich annahmen und obendrein noch Gummibärchen hatten. Damit war der häusliche Frieden sogleich wieder hergestellt.

PS: Peter hat ein neues Arbeits-Lieblingslied: In Peru fliegt die Kuh…

img_0108

Samba und Rumba

Der Bagger hat sein Werk fast vollbracht. Die Grube ist fast fertig. Und das Schönste: Das ausgehobene Material war von solider Qualität, so dass man es zum Teil auf einer anderer Baustelle zum Auffüllen verwenden konnte. Dadurch minimieren sich die Abfuhrkosten natürlich! Schön, wenn auch mal was weniger kostet als geplant 🙂 Spannend ist jedoch auch das Angebot der Bäderfirma zu lesen – da gibt es spannende Sachen wie Kombifixe fürs Urinal mit Sensorik und Klo-Wasser-Drücker die „Samba“ und „Rumba“ heißen! Let’s sway! Und einen sehr netten Herrn zur Beratung. Ich habe meinem Mann schon damit gedroht, dass ich mir den zusammen mit den Waschbecken liefern lasse 🙂

Zartes Blau schmückt die Halle

Bei richtigem Aprilwetter hat der Nusplinger Gemeinderat am Samstag eine kleine Besichtigungstour unternommen. Die Ziele: eine Sporthalle und der örtliche Friedhof.

Nusplingen. Die Schönheitskur der Nusplinger Halle ist noch lange nicht beendet; nach den Fenstern und den Tischen ist jetzt der marode Hallenboden an der Reihe. Doch weil die Bärataler nicht die Katze im Sack kaufen wollten, schauten sie sich in einer Donaueschinger Festhalle ein Bodenmodell an, das nach der Submission in die enge Wahl gekommen war. Der Linoleumboden gefiel; kollektiv entschied man sich für einen zarten Blauton. „Wohlweißlich haben wir nicht ein fabrikneues Exemplar besichtigt, sondern eines, das schon ein paar Jahre Dienst tut“, begründete der Schultes die Fahrt auf die Baar und fügte an: „Neu sieht ja alles schön aus.“

In der Nusplinger Halle wird nicht nur eine neue Oberfläche verlegt; vielmehr werden auch Unterkonstruktion, Isolierung und Dämmung gerichtet. Nebenräume und Küche werden in die Sanierung miteinbezogen. Der Boden, der etwas härter ist als der alte, verfügt zudem über die neueste Technik; er hat keine „punktuelle Auflage“, wie es im Fachjargon heißt. Für den Sportunterricht heißt dies, dass Bälle künftig an jeder Stelle der Halle gleich hoch hüpfen, weil der Untergrund an jeder Stelle genau gleich beschaffen ist. In Betrieb geht die Baustelle in den Sommerferien: Auch Decken, Wände und Elektrik werden saniert, und die Halle erhält eine neue Eingangstür.

Um ein Eingangstor ging es auch bei der zweiten Station, dem Friedhof. Am Samstag verständigten sich die Räte darauf, das von der alten Mauer befreite Areal durch ein Tor optisch von seinem Umfeld zu trennen. Bepflanzt wird der Friedhof im Eingangsbereich mit Buchsbäumchen; dort finden auch die neuen Urnenstelen Platz. Auch deren Gestaltung besprachen die Räte: Der Korpus besteht demnach aus einem hellen Betonstein, bezüglich der Abdeckplatten zog das Gremium einen hellen Granit mit unaufdringlicher Struktur in seine Wahl. Die beiden Blöcke mit je vier Stelen – 1,60 beziehungsweise 1,80 Meter groß – bieten Raum für 24 Urnenplätze, können jedoch auch doppelt belegt werden. Einheitlichkeit wünschte der Gemeinderat bezüglich der Schriftplatten und Motivgravuren, genauso beim Blumenschmuck, der auf einer Steinplatte vor der Stele Platz findet.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

rundtour-gr-nusplingen-4409

Vom Einzug in Jerusalem

Auch in Nusplingen haben die Gläubigen – wie im gesamten Zollernalbkreis – den gestrigen Palmsonntag feierlich begangen.

Nusplingen. Die Kinder ließen in der Kirche Maria Königin ihre kunstvoll gefertigten Palmen von Pfarrer Gebhard Streicher weihen. Während die Erwachsenen ihren Gottesdienst in der Kirche feierten, brachte Kindergarten-Leiterin Maya Kordina den jungen Besuchern die Ostergeschichte im Pfarrsaal nahe. Sie erzählte ihnen – passend zum Palmsonntag – vom Einzug Jesu Christi in Jerusalem.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

palmsonntag-nusplingen-2009-kasi-5409

Kann Gott Englisch?

Peter ist zur Zeit ein sehr vorsichtiges, mitunter sehr ängstliches Kind. Seit ein Bekannter gestorben ist und ich auf einer Beerdigung war, macht er sich nahezu täglich Gedanken darüber, ob und wer sterben könnte. Gestern Abend brachte ich ihn zu Bett. Als ich Gute Nacht sagte, fing er urplötzlich zu weinen an. „Mama, Du musst mir versprechen, dass Du heute Nacht nicht stürbst“, schluchzte das Männlein herzergreifend. Das versprach ich ihm. Ich versprach ihm das Selbe für den Papa, die Omas, die Opas. Dann kam ich auf die Idee, dass es den verschreckten, kleinen Kerl vielleicht beruhigen könnte, wenn ich ihm sage, dass der Liebe Gott heute Nacht auf uns alle aufpasst und er einfach ein schönes Gebet sprechen sollte. Peter betete für uns alle, dass wir gesund bleiben, dass es morgen Nudeln zum Essen gibt und die Schokolade nie ausgeht. Beruhigt kuschelte er sich an sein VfB-Fritzle. Als ich gerade das Zimmer verlassen will, brüllt es hinter mir. „Maaaami, wir haben noch was vergessen.“ Ich frage was. „Kann der liebe Gott Deutsch, oder hätte ich auf Englisch beten sollen? Nicht dass er mich nicht verstanden hat…“

Ja wer baggert da…

Mehrfach erwähnt: Unser Hausbau hat BEGONNEN. Statt einer Wiese haben wir nun ein halbfertiges Loch, also eine Beinahe-Baugrube. Seltsame Anwandlungen hatte ich da, während ich vor unserem Ex-Bauplatz stand: Mir tat doch tatsächlich die Wiese Leid. Kann man sich das vorstellen? Irgendwie bringe ich die Erdmassen, die die gierige Baggerschaufel nach oben befördert, und unser Traumhaus gedanklich noch nicht zusammen. Auch der Weg zur Baustelle, einerseits vertraut, andererseit doch fremd, wenn ich mir vorstelle, dass ich da in absehbarer Zeit (hoffentlich!) wohnen  werde. Sind wir gespannt, wie es weiter geht.

img_0104