Habe ich Ihnen schon verraten, dass ich noch nie das Frühjahr so stark herbei gesehnt habe? Wir haben Unmengen von dicken Leitz-Ordnern mit Plänen (ohne jetzt Schleichwerbung betreiben zu wollen) und haben auf unserer Baustelle noch nie schmutzige Hände gekriegt! Ach ja, um ehrlich zu sein, haben wir noch nicht einmal eine Baugrube, weil der Boden immer noch gefroren ist. Ich halte Sie auf dem Laufenden. Aber so langsam wird es eng mit unserem anvisierten Einzugstermin Weihnachten. Halt, einen Briefkasten haben wir schon. Immerhin ein Anfang. Ein Bekannter hat schon seit Monaten eine Pappschachtel am neuen Eigenheim stehen. Ehrlich gesagt erfüllt die olle Schachtel ihren Zweck auch, und ich hätte lieber schon ein Haus als einen neuen Briefkasten.
Pumper und Poser
Ich liebe mein Fitnessstudio, obwohl es mit drei „s“ geschrieben ziemlich komisch aussieht. Ich liebe die schwitzende Geschäftigkeit, die dort herrscht. Ich habe mit zwei festen Trainingstagen stets die selben Mitstreiter, da die nette ältere Dame, die mich immer nach den Straßenverhältnissen fragt (gerade so, als müsste ich noch kurz auf den Mont Blanc), da der freundliche Herr, der so eisern seine Runden auf dem Rad zieht: „Mal gucken, ob Sie mich heute überholen…“ Ja, es ist echt wahr. Ich gehe sehr gerne hin, und das nicht nur, weil Sport gesund ist, sondern auch die Trainer dort sehr aufmerksam sind, mich nach meinem kaputten Rücken fragen oder meinem knorpelgeschädigten linken Knie. In mein Studio gehen zum Großteil ganz normale Menschen, bei denen es irgendwo zwickt oder zwackt. Oder Frauen wie ich, die der Fliehkraft entgegen wirken wollen. Aber selbstverständlich gibt es auch zwischen so viel Alltagsnormalität auch ein paar Poser. Klischee-Body-Builder. Männer, die sich selbst sehr sexy finden. Man erkennt sie an den dicken Leistengürteln (weil sie sooo schwere Gewichte heben). Sie tragen knappe Hemdchen, gern aus Netzstoff, sie haben Oberarme wie ich Oberschenkel, dafür aber mehr Schwangerschaftsstreifen als ich, weil ihr Bindegewebe vor so viel Muskelmasse kapituliert hat. Sie essen nur Putenfleisch mit wenig ungesalzenem Reis und haben einen Trainingsplan, für dessen Verständnis man mindestens Abitur braucht. Und sie stöhnen. Ständig. Da gab es mal eine Tennisspielerin in den 80-ern, die hörte sich auf dem Platz so ähnlich an… es klang schon fast unanständig. Nun ja. Diese Herren sind nicht meine Liga. Da setze ich mich lieber zwischen die nette Dame und den älteren Herrn an die Theke, trinke einen Kaffee und plaudere darüber, dass ich jetzt noch in die Sauna gehe. Das ist die Sache vom gesunden Geist im gesunden Körper. Nur Putenfleisch mit salzlosem Klebereis? Nein, dafür esse ich viel zu gerne Schokolade, Schokoeis und Schokokekse.
Auf Teufels Hirnschale
Sie heißt sehr despektierlich Schwäbisch-Sibirien oder „Teufels Hirnschale“. Man sagt, dass es auf der Alb einen Kittel kälter ist. Und dennoch: Der Abend mit den „Albgeschichten“ war eine besondere Liebeserklärung an Landstrich und Menschenschlag.
Onstmettingen. Hermann und Brigitte Bausinger sowie Wolfgang Alber lasen am Sonntag im brechend vollen Onstmettinger Philipp-Matthäus-Hahn-Museum aus ihren gesammelten Schätzen. Bausinger, Volkskundler und Germanist, ist in Albstadt kein Unbekannter. Er hat gemeinsam mit seiner Frau, einer Dramaturgin, und dem Journalisten Alber die Literatur nach Alb-Tauglichem durchforstet.
Überaus erfolgreich – entstanden ist eine feine Sammlung aus Erzählungen, Essays und Gedichten. „Wir haben bestimmt das Zehnfache gelesen von dem, was wir nachher tatsächlich verwendet haben“, beschrieb Bausinger im Interview mit Roland Heck die Arbeit der drei Herausgeber.
Die Palette des kleinen Alb-Vademecums reicht von Hölderlin bis Hauff, von Uhland bis Mörike, von Margarete Hannsmann bis Peter Härtling – die Albgeschichten sind durchaus als Nachschlagewerk zu betrachten. Eins haben alle Werke jedoch auf eine besondere Art und Weise gemein. Sie zeigen die Alb aus persönlichen Blickwinkeln, sie offenbaren neue Sichtweisen und zeigen nicht selten die große Liebe zu einer urwüchsigen Landschaft, die weit mehr bietet als viele Steine und winterliche Kälterekorde. Und die Menschen? Sie sind zwar „eigen“, aber höchst liebenswert und von einem „kräftigen Schlag“.
Abwechselnd lasen Bausinger, seine Gattin und Wolfang Alber am Sonntagabend aus der reichen und stimmig komponierten Sammlung aus klassischen und modernen Texten. Im Museum hätte man eine Stecknadel fallen hören können – hätte nicht ab und an eines der ausgestellten Uhrenexponate zart geschlagen. Da ging es um Peter Härtlings subjektiven Blick über versteckte Wege und das Schweigen-Üben, um HAP Grieshabers Kampf für die Albflora und Alfred Munz‘ Blick zum Himmel beim Flugtag. Da war aber auch die nachdenklich stimmende Geschichte von Rosa, dem kleinen italienischen Gastarbeiter-Mädchen, das sich hier so sehr über die spitzen Dächer wundern muss, die aussehen wie Bücher, die mit den Seiten nach unten aufgeklappt liegen. Oder die traurige Geschichte von zwei kletterfreudigen Kameraden. Die Rede kam aber auch auf die „zart schmelzenden Farben“ der Alb, auf die vielen Burgen, die deren Landschaft bewachen oder die „Margritle“, die sommers auf den Wiesen wachsen.
kasi für Zollern-Alb-Kurier

Mit dem Fichtl Hannes auf hoher See
Ja, wenn einer eine Reise tut: Matthias Politycki nahm am Donnerstag seine Besucher vom Maschenmuseum aus mit auf eine rund zweistündige Abenteuertour in Sachen Literatur.
Tailfingen. In 180 Tagen um die Welt ist der 54-Jährige Autor selbst gereist: an Bord eines feudalen Kreuzfahrtdampfers à la Traumschiff. Dort war er „Schiffsschreiber“, unterhielt die gut betuchten Reisegäste mit einem erlesenen Kulturprogramm. Und schrieb einen Roman über seine Zeit mit leuchtenden Sektkübeln, Galaempfängen und Landgängen.
Skurrile Menschen muss der gebürtige Karlsruher in diesem halben Jahr zwischen Besatzungsdeck, Sansibar und Maschinenraum getroffen haben. Im winterlichen Tailfingen wurde man bei der ersten offiziellen Lesung im Rahmen der Literaturtage deshalb richtiggehend neidisch. Manches, plauderte der Autor aus dem Nähkästchen, sei wahr wie beispielsweise die Reisestrecke, anderes frei erfunden. „Aber damit eins klar ist. Die Wirklichkeit toppt die Phantasie bei weitem“, flachste der 54-Jährige. Um unkend nachzuschieben, sein Lektor habe beim Gegenlesen manches ungläubig angestrichen – weil er es nicht glauben konnte.
Unfreiwilliger Held des dicken, blauen Reise-Logbuchs ist Johann Gottlieb Fichtl, ein kleiner Finanzbeamter aus der bayrischen Provinz, der obendrein auch noch eine unverständliche Liebe zu Motivkrawatten mit Grinsekatzen oder Ananasfrüchten hegt. Fichtl genießt seine Reise auf dem Luxuskahn trotz Seekrankheit, Eiweißschock und Aldi-Smoking in vollen Zügen, stolpert von einer illustren Gesellschaft in die nächste Hautevolee. Und mitunter bekommt man den Eindruck, dass der Fichtl Hannes zwischen all den neureichen Tofu-Hummer-Liebhabern, den auf Kapitänsempfängen lauernden Neureichen und den laut atmenden Yoga-Anhängern, die sich von einem Hafen zum nächsten atmen, der Normalste an Bord ist. Obwohl er nicht als Anfänger dastehen will.
Matthias Politycki las nicht nur aus „In 180 Tagen um die Welt“, sondern unterhielt sich auch mit Thomas Vogel entspannt über die eine oder andere Anekdote aus seiner Zeit als Seefahrer. Dabei nahm er die belustigten Zuhörer kurzerhand mit an Deck. Zwischen all den textilen Ausstellungsstücken des Maschenmuseums wehte stellenweise fast schon eine salzige Meeresbrise. Glaubte man zumindest.
Doch Politycki ist nicht nur ein Weltreisender in Sachen Literatur, sondern auch ein feinsinniger, espritvoller und messerscharf beobachtender Lyriker. Sein Band „Die Sekunden danach“ verfügt genau über 88 Gedichte – und ein gutes Dutzend davon gab es ebenfalls zu hören. Da ging es treffsicher um den Alltag, das wahre Leben, ohne Beschönigung, aber mit viel Humor, ohne Bösartigkeit, aber dafür mit einem diskreten Augenzwinkern – egal ob wegen Badeschlappenschönheiten, Filzpantoffeln in einer langen Beziehung oder verhinderter Romanzen.
kasi für Zollern-Alb-Kurier

Plan B im Wald
Plan B musste her, als sich die Nusplinger und Obernheimer Gemeinderäte am Samstag zum gemeinsamen Waldbegang aufmachten.
Nusplingen/Obernheim. Warum? Ganz einfach. Die Wegstrecke, die die beiden Gemeindeverwaltungen in Kooperation mit den Forst-Fachleuten ausgearbeitet hatten, erwies sich als unbegehbar: Schnee, Matsch, Eis, Tiefschnee. Deshalb wanderten die Vertreter der beiden Gremien – ganz beschaulich bei frühlingshaftem Vogelgezwitscher – gemeinsam die herkömmliche Straße an der Roßsteige hinunter. Zum letzten Mal übrigens unter fachkundiger Leitung von Forstdirektor Siegfried Ostertag, der hernach verabschiedet wurde (siehe gesonderter Artikel).
Die Zeit bis zur anschließenden Feierstunde im Nusplinger Sportheim nutzte Ostertag noch einmal für einen geballten Fachvortrag. Von der Obernheimer Gemarkung her arbeiteten sich die wandernden Bürgervertreter ins Bäratal hinab. Mit von der Partie waren neben Ostertag auch die Revierleiter Thomas Holl, Franz Maier und Klaus Dreher. Ostertag zeigte den Gemeinderäten die große Bedeutung der Naturverjüngung auf und betonte, wie wichtig eine behutsame Bewirtschaftung durch die Forstleute sei. Zum Einsatz kommen, betonte Ostertag nachdrücklich, müssten künftig weiterhin „die Selbstheilungskräfte des Waldes“. Das Roßberg-Gebiet war in den vergangenen Jahrzehnten schließlich witterungstechnisch stark gebeutelt worden – beispielsweise mit dem massiven Schneebruch des Winters 1981/82 oder Sturm „Lothar“ an Weihnachten 1999. Die Bestände auf dem Roßberg sind Ostertag zufolge durchmischt; zu Fichte und Tanne gesellen sich Ahorn, Buche und Esche.
Eins hat sich laut Ostertag im Vergleich zu früheren Zeiten grundlegend geändert. Die Baumbestände seien heute längst nicht mehr so dicht wie einst: „Licht, Wärme und Wasser kommen besser durch.“ Von daher hätten die Wälder jetzt auch bessere Chancen, sich selbst zu verjüngen – auch ohne menschliches Zutun. An den Steilhängen auf Nusplinger Gemarkung präsentierte der Forstdirektor den Gemeinderäten üppige Buchenflächen. Hierzu gab es mehrere positive Nachrichten. Im allgemeinen Ansehen, so der Forstdirektor, sei Laubholz mittlerweile angesehener als früher, der Preis deshalb höher. Das herab fallende Laub hingegen verbessere und mineralisiere die Böden: „Das tut unseren Wäldern unheimlich gut.“
kasi für Zollern-Alb-Kurier

Ostertag sagt leise Servus
Es war seine letzte offizielle Mission: Siegfried Ostertag sagte am Samstag nach fast 30 Jahren Nusplingen und Obernheim leise Servus.
Nusplingen/Obernheim. Feierlich nahmen die beiden Ratsgremien Abschied von dem Forstdirektor, der sie so manches Mal durch die heimischen Wälder geführt hatte – und das „kompetent, wortreich, sportlich topfit“, wie der Nusplinger Bürgermeister Alfons Kühlwein schelmisch einflocht. Ostertag habe den Räten nicht nur die Schönheiten von Flora und Fauna vor Augen gehalten, sondern auch Baumarten, Holzvorrat, Verbisssituation, Vorratsstruktur, Naturverjüngung und Holzernte, schmiss der Rathausschef mit Fachvokabular nur so um sich. Die alt gedienten Räte erinnerten sich derweil an einen Waldbegang vor etwa 20 Jahren auf dem Staufenberg. Manch einer, so dachte man launig zurück, hätte sich wohl besser anseilen lassen.
Ein paar letzte Zahlen zum Abschied gab es von Alfons Kühlwein überdies. In den Jahren 1980 bis 2009 hat der Gemeindewald laut Kühlweins Berechnungen einen Überschuss von rund 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem satten Deckungsgrad von 133 Prozent entspricht. Neben Ostertags beruflichem Fachwissen erwähnte der Bürgermeister das kameradschaftliche Verhältnis, das er mit den Ratsherren und -damen gepflegt habe. Georg Maier, Kühlweins Obernheimer Kollege, sowie der erste Nusplinger Bürgermeister-Stellvertreter, Lorenz Ritter, schlossen sich den Worten an und dankten dem Forst-Fachmann ebenfalls herzlich. Beide Kommunen überreichten Siegfried Ostertag Gutscheine – sozusagen in Holzform.
Und Siegfried Ostertag? Dem war der Wirbel um seine Person gar nicht recht. „Ich bin besser als mein Ruf, aber deutlich schlechter als mein Nachruf“, parierte er salopp den langen Lobreigen. Der Forstdirektor, immer noch gerührt, fasste sich ungewohnt kurz und freute sich auf den leckeren Wildschweinbraten, den die Jagdgemeinschaft Nusplingen West zum Abschied gestiftet hatte.
kasi für Zollern-Alb-Kurier

Heilender Baumstamm
Peter ist zur Zeit sehr anhänglich. Hat er Sehnsucht nach Mama und Papa oder Heimweh, bekommt er Bauchweh. Diese Woche war er mittags im Kindergarten, und da war dies mal wieder der Fall. „Musste a bissle weinen.“ Ich frage teilnahmsvoll nach dem Grund. Den will mir der Knilch nicht verraten. „Ich hab a bissle Bauchweh gehabt. Aber da hab ich mich einfach auf einen abgesägten Baumstamm gesetzt und ein bissle gereibt. Da ging es von ganz alleine wieder weg.“ Sind wir mal ehrlich, von Zeit zu Zeit bräuchte jeder von uns mal so einen abgesägten Baumstamm.
Essen und Trinken
Die Nusplinger und Obernheimer Gemeinderäte hatten es am Samstag mit einem geschichtsträchtigen Unterfangen zu tun. Seit dem Jahr 1582 unternahmen sie wieder einmal eine gemeinsame Begehung miteinander.
Nusplingen/Obernheim. Ein geradezu historisches Datum also, wie man kollektiv feststellte, während man gemeinsam rund um den Roßberg unterwegs war. Die Vorzeichen waren dieses Mal freilich andere als im 16. Jahrhundert.
Obernheim, einst eine Teilgemeinde von Nusplingen, trug sich damals mit dem Gedanken der Loslösung. Dies setzte freilich voraus, eine klare Grenze zwischen den beiden Gemeindegebieten zu ziehen. Zu diesem Zweck vereinbarte man laut Archivunterlagen einen gemeinsamen Grenzumgang. Gemeinsam wanderte man los; um die Mittagszeit gab es eine zünftige Rast mit einem kräftigen Vesper und reichlich zu trinken. Die Obernheimer, so die Überlieferung, hielten sich tapfer ans Essen, während die Nusplinger eher durstig waren nach der sportlichen Betätigung.
Nach der schmackhaften Pause ging es weiter. Die Nusplinger, laut Überlieferung „vom Trinken etwas beeinflusst“, sollen im weiteren Verlauf des legendären Grenzumgangs nicht bemerkt haben, dass die Obernheimer die Grenzmarken zu ihren Gunsten versetzt haben. Seitdem heißt es in der Heuberggemeinde: „S’Essa ischt d’r Mascht’r, ab’r s’Trinka ischt auch it neits.“
An dieses nette Anekdötchen erinnerte Forstdirektor Siegfried Ostertag am Samstag beim Waldumgang. Viel gelacht wurde anschließend, als der Nusplinger Bürgermeister Alfons Kühlwein zur frühen Morgenstunde unkte, man könnte die Gunst der Stunde nutzen und sich erneut Gedanken zur Grenzziehung machen. Von Obernheimer Seite wurde schlagfertig gekontert, die Nusplinger hätten wohl aus der Geschichte gelernt. Mittlerweile mache man sich vor der Mittagspause Gedanken über Grenzsteine und Besitztümer – und nicht erst danach. Vermutlich, um nicht neuerlich in die Röhre zu schauen. Als Siegfried Ostertag jedoch kund tat, die Tatsache, dass Nusplingen über steile, Buchenhänge verfüge und Obenheim über weitläufige Ebenen, hänge womöglich ebenfalls mit dem überlieferten Grenzumgang zusammen, ging dem Nusplinger Bürgermeister-Stellvertreter Lorenz Ritter diese Theorie etwas zu weit: „Ich schätze“, schmunzelte Ritter eilfertig und schüttelte mit dem Kopf, „das hängt einfach mit unserer Topografie zusammen“.
kasi für Zollern-Alb-Kurier
Rauchende Köpfe
Zahlen, Untersuchungen, Fachvorträge: Das neue Heizungssystem für das Schulzentrum sorgte im Nusplinger Gemeindrat zwar noch nicht für qualmende Kamine, wohl aber für rauchende Köpfe.
Nusplingen. Angeregt und kontrovers diskutierten die Bürgervertreter die beiden vorliegenden Optionen: Zum einen das von der Energieagentur in der November-Sitzung vorgestellte Blockheizkraftwerk, zum anderen eine Hackschnitzelanlage, die auf Anregung der Nusplinger Firma Kleiner in die Diskussion aufgenommen worden war.
Mit vor Ort waren nicht nur diverse Firmenvertreter und Fachleute, sondern auch eine ungewohnt große Anzahl von Bürgern, die die Ratsdebatte gespannt verfolgten. Im Vorfeld hatte eine Nusplinger Delegation das neu installierte BHKW in der Stettener Alemannenhalle besichtigt.
Soviel zur Vorarbeit, und um es gleich vorwegzunehmen: Die Entscheidung darüber, welcher Heizungstyp eingebaut werden soll, vertagten die Räte bis zur nächsten Sitzung. Generell lautete der Tenor, man wolle die Fülle von Zahlen, Fakten und Daten noch einmal sacken lassen. Fest steht jedoch erstens, dass die Nusplinger auf ein Ingenieurbüro verzichten wollen. Einerseits ginge dadurch wieder viel Zeit ins Land. Andererseits wisse ohnehin niemand, wie sich die Rohstoffpreise entwickeln. Alfons Kühlwein brachte seinen Standpunkt kurz und bündig auf den Punkt: „Diese Diskussion ist so etwas wie eine Glaubensfrage.“ Er sprach sich ohne Wenn und Aber für das BHKW aus: „Wir brauchen Wärme und Strom. Hier haben wir die Chance, beides zu erzeugen.“
Eine zweite Entscheidung fiel dennoch im Gremium. Nusplingen möchte nicht nur Schul- und Freizeitzentrum sowie das Lehrer-Mehrfamilienhaus an die neue Heizung anbinden, sondern auch Feuerwehrgerätehaus und Rathaus – allerdings nur, wenn das Land die beantragten Ausgleichsstockmittel bewilligt.
Im ersten Fachvortrag ging es am Freitag gleich um den alten bekannten, das BHKW, und zwar um eine mit Flüssiggas betriebene Anlage. Diese präsentierte Rolf Messerschmid von der Firma IES den Räten: „Blockheizkraftwerken gehören die nächsten Jahrzehnte.“ Kostenpunkt ohne Nahwärme: 70.000 Euro. Vorteil dabei: Man könnte die bestehende Ölheizung ins Konzept mit einbauen. Diese wäre dann erst in Schritt zwei gegen ein anderes System auszutauschen.
Die Hackschnitzelanlage wäre rund 100.000 Euro teurer. Vorteil hierbei für die Befürworter: Nusplingen könnte auf Brennmaterial aus den eigenen Wäldern zurückgreifen, gegebenenfalls sogar selbst Hackschnitzel produzieren. Die intakte Ölheizung müsste jedoch zumindest verkleinert werden.
Dieter Klingler von der Firma KWB, der gemeinsam mit einem Pool aus örtlichen Firmen ein Konzept entwickelt hatte, beharrte in deutlichen Worten auf dem heimischen Rohstoff Holz: „Wenn man in einem waldreichen Bundesland wie Baden-Württemberg nicht auf den Rohstoff Holz vertraut, wo soll man es dann sonst tun?“
kasi für Zollern-Alb-Kurier

Plan erhält OK
Eine lange öffentliche Sitzung für Nusplinger Verhältnisse: Unter anderem befasste sich das Ratsgremium mit dem Regionalplan Neckar-Alb.
Nusplingen. Dem Gemeinderat lag eine Information über die Fortschreibung des überarbeiteten Planentwurfs vor. Vor allem begrüßten die Nusplinger die Tatsache, dass ein so genannter „regionsübergreifender Kooperationsraum Nuslingen-Egesheim-Bärenthal“ aufgenommen worden ist, genauso eine „Entwicklungsachse“ von Albstadt über Meßstetten und Nusplingen nach Tuttlingen. Zudem lobte Bürgermeister Alfons Kühlwein, die Gemeinde Nusplingen habe Verbesserungen für Land- und Forstwirtschaft erwirkt. Deshalb sah man von einer weiteren Stellungnahme ab, deren Frist bis zum 31. März dauern würde.
Außerdem nahmen die Gemeinderäte die Arbeitsstunden der Waldarbeiter für 2007 und 2008 zur Kenntnis. Knapp 30 Prozent hatten diese im Jahr 2008 laut Kreisdiagramm mit Arbeiten im eigenen Forst verbracht. Dazu kamen 33 Prozent im Einsatz für den gemeindeeigenen Bauhof und zwölf Prozent im fremden Forst. Im Jahr zuvor waren es laut Gemeindeangaben knapp 50 Prozent im eigenen und 17 Prozent im fremden Forst, dazu zwölf Prozent für den Gemeindebauhof. Insgesamt waren es 2007 exakt 4068 Arbeitsstunden, im Jahr darauf 3909.
kasi für Zollern-Alb-Kurier
