Ich liebe leckeres Essen – egal woher, egal was. Außer Sauren Kutteln. Essen ist dabei nicht nur reine Nahrungsaufnahme, sondern auch Erlebnis, sprich: Das Ambiente muss stimmen, die Atmosphäre, schöne Musik ist klasse, eine nette Tischdeko. Angeregte Gespräche. Wie Sie sehen, habe ich „Das perfekte Dinner“ auf VOX öfters gesehen. Schön und gut. Ich bin an und für sich schon ein Genuss-Mensch, es muss nicht mal super-aufwändig sein, das Menü. Al dente gegarte Spaghetti mit einem guten Olivenöl und einem Hauch von Salbei sind mir genauso lieb wie ein feudales Fleischgericht mit Angus oder Wachtel oder Perlhuhn. Allerdings muss ich eins nachschieben: Ich muss satt werden. Mein Mann und ich waren vor einiger Zeit sehr edel und fein miteinander dinnieren (essen wäre zu schnöde ausgedrückt für diese Kunstwerke, die auf unseren Tellern drappiert waren). Wir aßen von 19 bis 24 Uhr. Es gab geschätzte zehn Gänge, mit dem Allerbesten aus Küche, Keller und Speisekammer. Süß, salzig, sauer, Fisch, Fleisch, Nudeln, Nachtisch, Wein. Nun ja, was soll ich sagen. Es mundete herrlich: egal ob der zarte Salat mit Trüffel, das Tartar, das wunderbare Filet, rosig gegart. Wir aßen und mampften, wir speisten und knabberten, wir schlürften und tranken. Und trotz allem: Bis wir zu Hause waren, brauchte ich nachts um halb zwei ein Lyonerbrot. Sie sagen, ich sei ein Banause? Nein. Kann ich glatt verneinen. Ich war hungrig. Essen und Essen ist eben zweierlei. Und darum ist manchmal ein Schnitzel mit Pommes und Salat das Königreich auf Erden.
Kategorie: Kasis Welt
Mein Alltag bietet viel Lustiges und Skurriles – meist ungewollt und total unbeabsichtigt. Aber das macht es ja gerade aus…
Narri! Narro!
„Wir hatten kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu“, formulierte einmal ein Fußballspieler, warum eine wichtige Partie so gründlich in die Hose gegangen war. So ein Wochenende habe ich hinter mir. Es begann passenderweise am Freitagabend mit einer kaputten Heizung. Bei minus sechs Grad Celsius Außentemperatur war das gesamte Haus natürlich schnell eiskalt. Kind ausquartiert. Der arme Wurm war schon nach zwei Stunden blau vor Kälte. Am Samstag zog ich mir eine fiese Muskelzerrung am Rücken zu, so dass ich mich kaum regen konnte. Am Sonntag mussten wir mit unserer Narrenzunft zu einem Umzug, so halbsteif wie ich war. Zuerst vergaßen wir die Hälfte zu Hause, und mussten noch einmal zurück. Als wir dann endlich (noch) pünktlich und nass geschwitzt vor Ort waren und sämtliche Klamotten angelegt hatten (es war ja eiskalt), verkündete mein kleiner Sohn nach ungefährt 100 Metern Umzugsstrecke: „Maaaami, muss soooo dringend aufs Klo.“ Also raus und eine Hecke gesucht. Gefunden. Kind aus 1000 Kleidungsschichten ausgepellt. Auf empörtes „Hee, das it aber saukalt…“ erwidert: „Ich kann jetzt kein Klo zaubern….“ Kind ganz hilflos im Stehen: „Kommt nix. Ich glaub, mein Pimpi ist eingefroren…“ 1000 Kleidungsschichten wieder hochgezogen. Vier Narrengruppen mit dem Kinderwagen im Spurt durchquert, bis wir unsere Gruppe wieder hatten. Sehr zur Freude der Zuschauer, so kriegen die wenigstens was für Ihr Geld. Und als der Umzug vorbei war, war das Festzelt schon voll. Narri! Aber schön war’s trotzdem.
Der Tag ist nicht mein Freund
Kennen Sie das Gefühl, Sie träumen ganz fürchterlich und freuen sich jeden Moment aufs Aufwachen? Nur leider geschieht nichts? Mir ging es gestern so beim VfB, der spontan mal 1:5 (!!!) die Hucke voll bekam von meinen Freunden aus der bayrischen Landeshauptstadt. Deshalb war der Tag heute nicht wirklich mein Freund, zur Unausgeschlafenheit (die ab 30 furchtbar ist) kam eine mittelschwere Fußball-Depression. Aufgemuntert wurde der eiskalten Abend in einem eiskalten Stadion mit Krottenkick durch einen höchst drolligen Busfahrer aus dem Ruhrpott. Dank seines Einsatzes – er fuhr trotz zwei Stunden Innenstadt-Talkessel-Stau sehr zügig – konnten wir die vollen 90 Minuten der geschichtsträchtigen Brustring-Niederlage von der ersten bis zur letzten Minute völlig auskosten. Und das obwohl der flotte Fahrer wohl lieber zu Schalke gefahren wäre: „In Gelsenkirschen spielt man auch Fußball… ne. Weiße Bescheid…“ Doch auch er trug sein Schicksal tapfer. So wie wir auch. Gemeinsames Leid schweißt einfach zusammen.
Rostbraten war gestern
Im Leben muss man immer genau aufpassen, genau lesen (vor allem das Kleingedruckte), genau schauen und sich genau ausdrücken. Erwartet man Besuch „so kurz nach fünf“, kommen meine liebsten Gäste ab 17.30 Uhr – wenn ich frisch geduscht, gut gelaunt und perfekt geschminkt mühelos das Essen in der aufgeräumten Küche fertig stelle. Wieder andere Besucher sind schon um 16.30 Uhr da – die mag ich persönlich gar nicht, die fröhliche „Wir-dachten-es-gibt-vielleicht- noch-was-zu-tun-Fraktion“, die dann verständnislos meine nassen Locken mustert und das Chaos in der Küche. Und dann gibt es noch diejenigen, von denen man gar nicht mehr glaubt, dass sie noch kommen, denn wenn sie eintreffen, sind die Töpfe längst leer, die Flaschen auch, und man muss mit einem Gürkchen-Wurstbrot und warmem Bier improvisieren. Besser ist es da, kurz und bündig zu sagen: „Es gibt um 18 Uhr Essen.“ Klare Ansagen machen das Leben leichter. Genauso einfach ist es natürlich, ins Restaurant zu gehen. Doch auch da ist Genauigkeit Trumpf – das erfuhren unlängst gute Bekannte von mir. Frohgemut entdeckte man, dass zum Tagesessen an diesem Tag original-echter schwäbischer Rostbraten in der Speisekarte stand, fein gebraten mit hauchdünnen Zwiebelringchen. Wie staunten die sehr erwartungsfroh-hungrigen Gäste, als ihnen zwei Teller mit einem undefinierbren Nudelgericht vorgesetzt wurden. Nun ja, wie sagt der Schwabe so schön: „D’r Honger treibt’s nei…“ Was die beiden Besucher aßen, war Ihnen nicht ganz klar. Sie mussten es beim Verlassen des Restaurants auf der großen Angebots Tafel nachlesen: Thailändisches Gemüse-Curry auf Pute mit Ingwer und Zitronengras.“ Dort stand übrigens auch, dass Donnerstag war und nicht Mittwoch. Rostbraten war gestern.
Grün ist die Hoffnung
Sie erinnern sich an Pinocchio, den vorlauten, frechen Holzknaben, der beim Lügen stets eine lange Nase bekam? Bibi Blocksberg, eine andere Heldin der Kinderzimmer, verhext Lügewichte indes dergestalt, dass sie unmittelbar nach dem Schwindeln ein grünes Gesicht bekommen – auch sehr schick. Wie wäre das nett in unserem Alltag. Man trifft eine alte Bekannte beim Einkaufen und denkt: „Ach Du Sch… gerade jetzt und gerade die…“ Statt das besagter Person genau ins Gesicht zu sagen, säuseln wir freundlich: „Ahhhh…. schön Dich mal wieder zu sehen… ich wollte Dir schon längst mal wieder anrufen! Ich habe sooo oft an Dich gedacht!“ Ein anderes Beispiel: Eine Kollegin ruft an, eine, die nie überlastet, hektisch, müde ist, immer wie aus dem Ei gepellt aussieht, wie just nach zwölf Stunden Tiefschlaf. Und diese fragt, während ich abgehetzt und ungeschminkt am Computer sitze: „Na, wie geht’s Dir?“ Bitte? Soll ich Ihr sagen, dass mir der Rücken zum Umfallen weh tut? Mein Kind gerade in der Trotzphase steckt? Mein Mann seit Tagen auf der Messe ist? Ich Arbeit habe bis über die Haarspitzen und schon die dritte Nacht am Rechner zugebracht habe? Nein, natürlich nicht. Ich erlaube mir eine kleine Notlüge und sage fröhlich: „Ach gut, Du.“ Peng. Dicke Ladung Grasgrün. Oder eine Nase, die mindestens vier Straßenzüge weiterreicht. Nächstes Beispiel. Das Kind findet es lustig, mit dem Mehl-Voratsbehälter zu spielen. Die (frisch geputzte!) Küche gleicht einer Koksbude der übelsten Sorte: „Ich hab doch nur schneien gespielt….“ Und dann sagt der Knirps auch noch: „Mama, nicht schimpfen… Du hast als Kind doch sowas bestimmt auch gemacht…“ Nun ja, soll ich meinem Sprössling sagen, dass ich einmal 30 Eier in die Wäscheschleuder gedonnert habe? Oder 50 Filzstifte auseinander montiert habe und tagelang aussah wie geprügelt, so bunt wie ich war? Wäre pädagogisch wenig sinnvoll, erfährt er wohl noch früh genug von der Oma. Deshalb sage ich streng: „Nein, Peter, natürlich nicht. So was Blödes machen nur ganz dumme Kinder.“ An diesem Grünton will ich gar nicht erst denken. Genauso wenig an das Terpentin-Malheur oder die am Toaster verbrannte Nase oder die verspeisten Teerosen oder…oder…oder…
Holt mich hier raus
Sie haben das Dschungel-Camp angeschaut? Oder möchten Sie das verschämt für sich behalten? Ich gebe es offen zu: Ich habe es genossen, wie Giftspritze Giulia Siegel (die im wirklichen Leben ganz normal Julia heißt) von Spinnen angehopst wurde. Dabei habe ich mich gefragt, wer da mehr gelitten hat… Ich habe zwar nicht jede Folge gesehen – für mein Schlafverhalten kam diese intellektuell hochstehende Sendung einfach zu spät -, aber ich habe mich oft gefragt, wieso sich jemand so etwas antun kann. Kohle hin oder her. Der „Dschungel“ in unserem Haus ist unser so genanntes „drittes Zimmer“. Warum „drittes Zimmer“? Wissen wir auch nicht so genau, stammt vermutlich aus meiner Zeit in einer Wohnung, die tatsächlich nur drei Zimmer hatte. Ein Korb Wäsche, und spontan kommt Besuch? Hinein damit. Der Staubsauer wird später noch gebraucht? Tür auf, Tür zu, gut ist. Steuerunterlagen, die man noch sortieren muss? Kein Problem, das Zimmer hat einen großen Tisch. Und wenn zwischen Wäschekorb, Sauger und Ordnern noch Platz ist, finden auch ausrangierte Telefone, Computer-Mäuse, alte Drucker und Werkzeug-Utensilien ein Plätzchen. Ein Abenteuer-Spielplatz für unser Kind, bisweilen habe ich aber ernsthaft Sorge, dass er da drinnen spontan in einem Berg Weihnachtsschmuck von vor drei Jahren versinkt, sich in einem Kabelberg verheddert oder sich ganz schnöde etwas bricht. Und lauthals ruft: „…holt mich hier raus…“
Einladung zum Lachs
Ich bin nicht nur in Sachen Dialekt („Wir können alles außer Hochdeutsch!“) eine richtige Schwäbin, sondern ich liebe auch alles, was umsonst ist, es gratis gibt, man mir unentgeldlich zum Probieren in die Tasche schiebt. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um wohlriechende Kosmetikpröbchen aus dem Reformhaus, Kräutermischungen von der Heilpraktikerin oder ein Weinpröbchen beim Wasserkaufen ist. Ich liebe die kleinen Duschgel-Päckchen, die Mini-Lebkuchen zur Weihnachtszeit oder die beiden Bonbons, die mir der Tankwart über den Tresen wirft. Mein personliches El Dorado sind demnach Messen. Komme ich von dort wieder heim, bin ich mit Schlüsselbändern beladen (für mich eine an und für sich komlett schwachsinnige Einrichtung, da ich meine Schlüssel ohnehin nicht finde, es sei denn, ich suche gerade meinen Geldbeutel), ich habe Unmengen von Papiertüten dabei mit Tonnen von Prospektmaterial (falls ich mir mal den neuen VW-Scirocco leisten kann, weiß ich schon übers Zubehör Bescheid), Firmen-Gummibärchen in Minitütchen, Spielzeugautos, Luftballons, Kugelschreiber, Notizblöcke und gesponserte Jute-Taschen. Zuhause sortiere ich dann mit glänzenden Augen auf dem Esszimmertisch meine Schätze. Mittlerweile könnte ich es mit meiner Sammlung an Schlüsselbändern mit Sicherheit in Geißens Guiness-Show schaffen. Oder, wenn ich alle zusammen knüpfe, eine Trasse bis in den Nachbarort legen. Und trotzdem: Es kann ja sein, dass spontan einmal mein Schlüsselband kaputt geht, dann kann ich das neue individuell mit meiner Garderobe abstimmen. Meine Kugelschreiber-Sammlung ist ähnlich groß, was mit Sicherheit zum Teil – aber wirklich nur zum Teil! – daran liegt, dass ich bezüglich von Kugelschreibern kleptomanisch veranlagt bin. Leiht mir jemand einen Stift, wandert der wie von Geisterhand in meine Tasche. Nicht dass Sie das falsch verstehen: Nicht aus Absicht, sondern eher durch Schusseligkeit, wenn ich in Gedanken bin. Also, wenn Sie mal einen Kuli brauchen… Ganz spannend ist allerdings das, was mir ein ehemaliger Kollege letztens erzählt hat. Er geht zum Mittagessen am Freitag stets in den Supermarkt seines Vertrauens, da es an diesem Tag dort immer Probierständchen gibt. Wahlweise speist er dann dort Rigatoni an Lachs, schwäbische Maultaschen oder Schweizer Käse mit Bergbauernbrot. Dann gibt er solange vor, sich nicht entscheiden zu können, was er kaufen will, bis er satt ist. Und dann, raten Sie mal, was dann passiert? Dann tut er so, als hätte er seine Frau aus den Augen verloren und rennt weg. Unwesentlich zu erwähnen, dass er GAR KEINE Frau hat. Ist das denn die Möglichkeit? Das ist selbst mir als echter sparenden Schwäbin zu viel, denn Anstand besitze ich noch. Außerdem: Wer will schon jeden Freitag Lachsnudeln essen?
Murphy und die Winke-Fähnchen
Murphy’s Gesetze – ich glaube, niemand kennt sie so gut wie ich. Muss ich auf einen einzigen Termin weiter fort in einer Woche, kann ich mit Sicherheit sagen, dass es an diesem Tag Blitzeis, Schneetreiben oder sintflutartigen Regen gibt. Zu meiner Rückengymnastik, für die ich auch auswärts muss, bin ich noch NIE bei offenen Straßen gefahren, sondern immer rutschenderweise. Fällt eine meiner tausend Tupperschüsseln aus dem Schrank, kann ich mit 1000-prozentiger Sicherheit davon ausgehen, dass sie eine offene Saftflasche trifft und in der Küche eine Schweinerei anrichtet. Gibt es im Stadion nette Winke-Fähnchen, ist genau bei mir die Schachtel leer. Freue ich mich auf die letzten drei After-Eights, kann ich darauf gehen, dass irgendjemand im Haus die soeben verputzt hat. Soviel zum Privaten – auch im Büro geht es mir nicht anders. Muss ich endlos viele Papiere ausdrucken, geht vor den letzten fünf Blättern die Patrone leer. Nicht zu vergessen, dass mein Internetanbieter immer dann „regelmäßig anfallende Wartungsarbeiten“ vornehmen muss, wenn ich schätzungsweise 212 immens wichtige Emails verschicken muss. Sie sehen, ich könnte die Liste tagelang fortführen… Diese Alltagswidrigkeiten nerven mich immer so sehr, dass meine Familie und Freunde mir regelmäßig zu Entspannungsübungen oder autogenem Training raten. Doch was wäre die Konsequenz? An manchen Tagen, glaube ich, würde ich dann mehr auf dem Büroboden liegen und auf meine innere Stimme horchen, als am Schreibtisch zu sitzen und Geld zu verdienen. Vermutlich würde also ein Boxsack-Training zu meinem Temperament mehr passen. Geht schneller und beruhigt auch.
Die bescheidenen Bayern
Sind Sie Fußball-Fan? Finden Sie, Fußball schauen nur hirnlose Idioten, die ohne Esprit und ohne intellektuellen Tiefgang durchs Leben gehen (was natürlich NICHT IM ANSATZ korrekt ist)? Oder lieben Sie es, im Stadion zu stehen und lautstark sein Team anzufeuern (in meinem Fall ist es der VfB Stuttgart, die überhaupt beste Mannschaft der Welt). Ich liebe Fußball, habe eine Dauerkarte und reise also, sofern es irgend geht, alle zwei Wochen nach Stuttgart auf meinen Stehplatz. Dass das eher eine Männerdomäne ist, stört mich nicht. Ich liebe es, wenn ich das erste Mal die Treppen hochklettere und über den grünen Rasen blicke. Wenn in der Fankurve die Fahnen ausgerollt werden, kriege ich Gänsehaut, und wenn ein Tor für den Gegner fällt oder dieser auch noch frecherweise ein Foul an „meinen“ Spielern verübt, brülle ich manchmal so, dass ich froh bin, dass mein Söhnchen nicht dabei ist. Weil es nicht immer freundlich ist, was ich von mir gebe. Und manches Mal, das muss ich ehrlicherweise zugeben, sind auch Ausdrücke dabei, für die würde mein Kind nicht zwingend gelobt werden, auch wenn ich mich stets um sportliche Fairness bemühe. Es gibt für mich so gewisse Teams, denen bringe ich als VfB-Fan nicht unbedingt Liebe und Zuneigung entgegen. Dummerweise ist die Erzieherin meines Sohns, die ich im Übrigen sehr mag und schätze, eine Anhängerin genau einer dieser Teams. Nun ja, wir foppen uns also gern. Macht Peter im Kindergarten seinen Pulli beim Händewaschen nass, kriegt er einen Bayern-Pulli angezogen. Mittags kommt der schnell wieder retour, Peter trägt dafür sein VfB-Sweatshirt, eine VfB-Mütze, VfB-Handschuhe und einen weißroten Schal mit dem VfB-Fritzle drauf. Es kann auch sein, dass Peter heimkommt und sagt: „Mama, warum sind die Bayern immer die Besten?“ Für diese Weisheit der Erzieherin revanchiere ich mich mit einem kleinen antrainierten Schmähruf, den der Junior stets gern vermittelt, natürlich stets in einer politisch korrekten Jugendversion: „Alle Leute wissen… Bayern ist bescheiden…“ Überhaupt hat Peter von klein auf Fußballbegeisterung miterlebt. Weil seine Mama keine vernünftigen Kinderlieder (mehr) kannte, bekommt er bis heute als Gute-Nacht-Lied „You’ll never walk alone“. Abend für Abend gleich falsch gesungen. Außerdem kennt er die Wappen aller Bundesliga-Clubs, liebt sein Panini-Album über alles und hat eine Fan-Ausstattung, mit der man eine kleine Kindertagesstätte ausrüsten könnte. Jetzt hoffen wir inbrünstig, dass sich diese zugegebenermaßen sehr große Leidenschaft fürs runde Leder und den Stuttgarter Brustring-Club nie ins Gegenteil verkehrt. Und wir in die Allianzarena nach München reisen müssen, weil es sich der Junior zum Geburtstag sooo sehr wünscht. Das, glaube ich, wäre für mich besonders fatal.

Der Goldene Teufel am Bande
Ehrenamt ist eine tolle Sache. Ganz im Ernst, ich bin überzeugter Vereinsmensch, weil ich denke, dass es die Aufgabe von jedem einzelnen ist, etwas für die Gemeinschaft zu tun. Ich wünsche mir, dass mein kleiner Sohn in ein paar Jahren im Verein kicken kann, dass ich (falls ich irgendwann noch einmal singen lerne) einmal in einem örtlichen Chor singen kann, dass mein Mann irgendwann einmal zum Ehrenmitglied seines Fanfarenzugs ernannt wird oder ich für 100 Jahre Westerbergteufel zur Fasnet den Goldenen Teufel am Bande erhalte. Nur: landauf landab gibt es leider immer weniger Menschen, die so denken. Weil ich und mein Mann so überzeugte Vereinsmenschen sind, fragen arme Vorsitzende auf der Suche nach potentiellen Amtsanwärtern natürlich auch gern bei uns nach, wenn in ihrem Gremium ein Posten frei wird. Zur Zeit hätten wir die Wahl aus etlichen Vereinsposten, davon einer in einer kreisweiten Vereinigung, zwei Gemeinderats- und einer Kreistagskandidatur. Das ehrt uns wirklich, es ist schön, dass man uns für kompetent und fähig hält. Unsere Meinung schätzt. Unsere Anwesenheit wünscht. Allerdings hätten wir, wollten wir das alles ausfüllen, mit Sicherheit ein zeitliches Problem. Zumal wir beide arbeiten, einen kleinen Sohn haben und ein Haus bauen wollen.
