Es kann so einfach sein

Es ist kurz nach 8 Uhr am Morgen.
Paul (quenglig): „Maaaama, krieg‘ ich Pudding?“
Ich (bestimmt): „Nö, sicher nicht. Wir frühstücken jetzt. Pudding ist höchstens ein Nachtisch nach dem Mittagessen.“
Paul: „Dann ruf‘ ich die Polizei.“
Ich (belustigt): „Warum das denn?“
Paul (ernsthaft): „Damit sie DICH abholt. So!“
Ich: „Wer kocht dann das Mittagessen?!“
Paul (heftigst überlegend): „Sollen wir dann den Papa abholen lassen?“

Es kann so einfach sein.

Ohne Brille

Kurze Anekdote. Zeitungstermin auswärts, also dort, wo mich nicht jeder kennt. Wie lange ich den Job schon mache, will ein freundlicher, älterer Herr wissen. Ich gebe mich geheimnisvoll, muss ja nicht jeder wissen, dass ich eine alte Schachtel bin und sagte vage: „Och, schon ein paar Monde…“ Der ältere Herr nickt verständnisvoll und fragt: „Haben Sie denn schon ausgelernt?“

Tja, was soll ich sagen. Die Heimfahrt habe ich quasi fliegend erledigt und nachts im Sitzen geschlafen. Der große Sohn, dem ich voller Stolz mit Glitzer in den Augen mein Erlebnis geschildert habe, konterte trocken, ohne einen Blick von seinem Buch zu heben: „Der Gute wird keine Brille aufgehabt haben.“

Zurück aus dem Labyrinth

Wer Kinder hat, muss pausenlos loslassen. Klingt pathetisch, was ich da von mir gebe, was? Denn Frau Kasi muss grad ordentlich lernen, dass der große Sohn wirklich ein Großer ist. Immerhin ist er schon über zehn.

Am Samstag hat er alleine im Bus an einer Fahrt in ein beliebtes Spieleland teilgenommen. Allen, die entsetzt aufschreiben: Ja, es waren reizende Betreuerinnen dabei. Nein, ihm ist nichts passiert. Ja, er ist wieder gekommen. Ich habe mir ehrlich gesagt zunächst ja auch keine Sorgen gemacht. Ab zehn Jahre, so stand’s in der Einladung, dürften Kinder alleine mitfahren, also ohne Mama und Papa. Ich gebe es ja zu: Ich reiße mich nicht um Vergnügungsparks, Indoor-Spielplätze, Spieleparks. An diese Einrichtungen hätte ich mich nach dem zwölften Kind noch nicht gewöhnt. Entsetzlich: Riesenrutschen, die ich nicht mag. Menschenmengen, die mir Angst machen. Entnervte Eltern, quengelige Kinder, zu fettiges Essen…. Wie gesagt, ich war froh, um diese Fahrt herumzukommen.

Zunächst. Doch je näher der Ausflug rückte, desto größer die Horrorszenarien, die ich mir so ausmalte. Wo hatte ich nur von diesem fürchterlichen Achterbahn-Unglück gelesen? Was war mit dem schweren Reisebus-Unfall auf der Autobahn? Was passiert eigentlich, wenn Peter den Bus nach Hause verpasst? Für das Sohnkind, das habe ich gemerkt, war es sehr wichtig, alleine an der Fahrt teilzunehmen. Und er hatte keinerlei Bedenken, das nicht hinzubekommen. Warum auch? Ich nahm mich also zusammen und litt leise, schwor mir, meine Nervosität niemandem mitzuteilen. Einmal bin ich kurz rückfällig geworden: über Mittag. Da habe ich Peter eine SMS geschrieben: Ob auch wirklich alles klar sei? Kurze Antwort: Ja. Warum nicht? Bin im Labyrinth.“ Ein Labyrinth? Oh Gott. Das hatte ich ja gar nicht auf dem Zettel gehabt. Richtig entspannt war ich erst wieder, als er artig daheim auf dem Sofa schlief. Komplett ermattet vom Achterbahn fahren und Wildwasser-Rutschen. Rausgeld hat das artige Kind auch noch mitgebracht! Und einen Tombola-Gewinn gleich an seinen kleinen Bruder verschenkt. Herzglitzermoment.

Tja. Peter kommt jetzt in die fünfte Klasse, er wird also jeden Tag Bus fahren müssen in die Stadt. Es ist nicht anzunehmen, dass ich da jeden Tag dabei bin. Von daher war der Spieleland-Ausflug eine gute Generalprobe für die neue Schule. Außerdem, davon bin ich überzeugt, hat SEIN Selbstvertrauen viel mit MEINEM Zutrauen in ihn zu tun. Ich verrate es Ihnen nicht, wenn ich heimlich dem Bus hinterherfahre. Nur um zu gucken, ob er richtig aussteigt.

Einfach zu Hause

Ich an der Waschmaschine im Keller. Irgendwo über mir rumort es laut und vernehmlich. Paul. Alleine zugange. Klingt schauerlich.
Ich also (alarmierter Ton): „Paaaaauuul…. Wo bist Du?“
Paul: „Zu Hause!“
Dann ist ja gut.

Geldregen

Loses Geld, Kleingeld, liegt auf meinem Schreibtisch. Nicht viel, aber doch zwei, drei, vier Euro. Paulchen kommt ins Büro gehuscht. Ich sehe im Augenwinkel, wie er nach dem Geld greift und schnell die Biege macht.
Ich: „Paul, was machst Du da?“ (Anmerkung: Blöde, rein rhetorische Frage, ich sehe ja, das er mein Kleingeld gemopst hat. Oder zumindest im Begriff ist, dies zu tun.)
Peter: „Paul, sowas darf man doch nicht!“ (Vollkommen korrekt, Peter meint ja das Stehlen ganz grundsätzlich).
Paul (sehr entrüstet, nach Luft schnappend): „DAS STIMMT NICHT, Meeeeno! Ich weiß genau, was man mit Geld macht. Das kommt in mein Sparschwein. Das gehört sich so, PETER!“ Aha. Weißte Bescheid, nicht.

Update: Paul hat sein Sparschwein versteckt. Zur Sicherheit. Damit niemand sein Diebesgut klauen kann. Clever. Das ist der Beginn einer wunderbaren Karriere. Hmpf.

Guido Cantz, wo bist Du?

Wir waren in Urlaub. Frau Kasi, Herr Kasi, zwei Jungs. Was soll ich sagen? Es war schön, sehr schön. Wer in Italien jemals Auto gefahren ist, weiß, dass allein schon das sehr spannend sein kann – ganz ohne Rahmenprogramm.

Wir also in Florenz, an einem brütend heißen Tag. Während Paulchen ermattet in seinem Kindersitz eingepennt ist, Peter sich die Augen aus dem Kopf guckt und Frau Kasi sich angesichts der Schönheit der Stadt schier den Hals verrenkt, schwitzt Herr Kasi am Steuer unseres fast neuen Kombis. Der Arme. Links knattern zwei Vespas im Abstand von exakt zweieinhalb Zentimetern an uns vorbei. Rechts hupt ein Zweiradfahrer erst wild. Dann fuchtelt mit dem linken Arm, während er sich mit dem rechten eine Zigarette anzündet. Weiß der Herr, was er will. Herr Kasi, dem 29 Grad Celsius Außentemperatur ohnehin nicht wirklich sympathisch sind, mag nicht mehr. Er schwitzt. Er hat Durst. Er findet Sightseeing doof. Er blinkt. Das erste Parkhaus, das in Blickweite kommt. Raus aus dem Brutofen Auto. Trotz Klimaanlage ist es echt heiß hier drinnen.

Schon beim Einfahren bereuen wir unsere Wahl. Die zweite Spur der Einfahrt ist komplett zugeparkt. Innen wird es noch schlimmer. Kennen Sie das Spiel „Rush-Hour“? Das Spiel, wo man eingeparkte Fahrzeuge durch clevere Ausparkmanöver und viel Pfiffigkeit befreien muss? Genauso sieht es unten aus. Gefühlt hat das „Parkhaus“ die Größe eines sehr großen Wohnzimmers. Eines Wohnzimmers, in dem schätzungsweise 20 Wagen parken. Wiederum im Zentimeter-Abstand. Und irgendwie auch kreuz und quer. Schlimm für unseren deutschen Ordnungssinn. Vor allem Herr Kasi ist fassungslos.

Ein freundlicher Herr mit Sonnenbrille – warum er diese im Parkhaus trägt, bleibt uns unerschlossen – bedeutet uns, die Scheibe herunterzulassen. Herr Kasi tut dies und sagt mit fester Stimme auf Englisch, dass er wieder raus will. Jetzt und sofort. „Why?“ fragt die Sonnenbrille und fordert: „You give me your key and I will park for you.“ Herr Kasi, auf gut Schwäbisch: „Noi. Im Leba id…“ Der Herr erklärt noch einmal, wir könnten in Ruhe shoppen, er würde „the car“ für uns einparken und aufbewahren. Aha. Herr Kasi mag nicht mehr und verweist mit deutscher Arroganz darauf, dass ihm das Parkhaus zu klein sei. Der Brillenträger kontert lässig: „No. Your car is just too big.“ Mittlerweile ist Paulchen aufgewacht. Denn Peter gackert fröhlich: „Noi. Im Leba id. Das hat er sicher gleich verstanden.“

Weil beide im Leben wohl parktechnisch wohl keine Freunde mehr werden – „denk‘ mal, meine tollen Felgen…“ – setzt Herr Kasi todesmutig an zum Wenden. Der Brillenträger fuchtelt aufgeregt. Nein, er werde ihn doch gern dirigieren… wo das Parkhaus doch so klein sei. Herr Kasi hat endgültig genug gesehen von der Florentiner Unterwelt: „No, thank you. I have a…“ Weil ihm in der Hitze des Gefechts Worte wie „Park Assist“ oder „Park Pilot“ aktuell nicht mehr einfallen wollen, greift er aufs Lautmalerische zurück: „A beep… you know…“ Peter ist einem Asthma-Anfall nahe und lacht unpassenderweise Tränen. Paulchen singt: „I have a beep…“ auf die Melodie von „YMCA“. Ich schäme mich, weil ich ebenfalls lachen muss. Die Situation ist so skurril und komisch und erinnert fatal an Mister Bean. Oder wenigstens an die „Versteckte Kamera“. Guido Cantz, wo bist Du?

Im Hinausfahren entdecken wir, dass das „Park-Wohnzimmer“ horrend teuer gewesen wäre. 200 Meter weiter parkt Herr Kasi – ganz klassisch – am Florentiner Hauptbahnhof. Zu einem erträglichen Stundensatz, zumindest für eine Touristenstadt. Und vor allem ganz ohne Beep-Einsatz.

Was für eine coole Type

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich mag das Internet. Ich bin nicht technikscheu. Ich habe ein Facebook-Profil. Ich google, wenn ich etwas nicht weiß, und ich liebe auch mein Smartphone heiß und innig. Dennoch treibt mich diese digitalisierte Welt stellenweise in den Wahnsinn. Weil ich Dinge erfahre, die ich eigentlich gar nicht wissen will. Mir ist natürlich klar, dass ich mich als Bloggerin angreifbar mache, weil ich ja selbst schonungslos aus dem Nähkästchen plaudere. Vermutlich will nicht jeder wissen, dass Paul keine Rosinen mag und Peter beim Schneeschippen nasse Füße bekommen hat. Ich selbst mag die tollen Reisebilder meiner ehemaligen Kollegin, die mir die große, weite Welt ins Büro zaubern. Ich lese gern von meinen Jahrgängerinnen und ihren Kindern. Ich freue mich darüber, mit alten Abi-Kollegen Kontakt zu halten.

Aber: Mein ehemalige Nachbar postet ein Foto seines Mittagessens. Schön, jetzt weiß ich, dass seine Frau formidable Linsen und Spätzle gekocht hat. Zum Nachtisch hat er Pudding gegessen und eine Tasse Kaffee getrunken – super Sache! Für kleine Königstiger war er dann auch noch. Aber: Wäre ich ohne dieses Wissen ärmer? Vermutlich nicht. Das große Sohnkind brachte es kurz und knackig auf den Punkt: „Mama, die meisten kochen heutzutage doch eh nur, weil sie ihr Gekochtes bei Facebook zeigen wollen. Nicht etwa, weil sie Hunger haben.“ So gesehen muss man dem Herrn für seine gut bürgerlichen Linsen und Spätzle wohl noch dankbar sein. Das Montags-Mittagessen hätte ja durchaus Filet vom Bergschaf an Nussschäumchen mit zartem Gemüsereigen sein können. Genauso treibt mich als Schreibmamsell um, wer diese ganzen Lebensweisheiten verfasst, die rund um den Globus geteilt, gepostet oder verschickt werden. Vermutlich sitzen in einer Schreibstube 260 freiberufliche/arbeitslose Journalisten, die sich Allerwertesten ablachen über Sätze wie: „Teile dies, wenn Du stolz auf Deine grünen Vorhänge bist.“

Eine Bekannte aus Kindertagen hat das Schwimmen für sich als Sport entdeckt. Jeden einzelnen Tag darf ich – dank einer wundervollen App und sozialer Netzwerke – lesen, wie viele Kilometer sie in welchem Tümpel/Bad geschwommen ist, wie sie sich dabei fühlt und wen sie in den Schwimmhallen dieser Welt trifft. Ganz ehrlich? An einem schlechten Tag regt mich das tierisch auf. Nicht, weil ich gern mehr Zeit hätte, um selbst mehr Sport zu treiben, sondern weil ich diese Poserei nicht mag. Würde sich ein Mensch auf die Straße stellen und der vollen Fußgängerzone zurufen: „He Ihr da, schaut an, wie heiß ich bin? Ich bin heute schon 289 Kilometer geschwommen und atme immer noch flüssig?“ Vermutlich eher nicht. Offen gestanden überlege ich, die Pragmatikerin, angesichts der Marathon-Schwimmstrecken, woher diese Menschen ihre Zeit nehmen. Haben die keine Socken zu waschen? Oder Wäsche zu falten? Man weiß es nicht.

Deshalb teile ich der Welt jetzt hochoffiziell mit: Soeben fünf Belege abgeheftet. Meinen Steuerberater angemailt. Ein Deutsch-Heft geklebt. Zwei Ladungen Kochwäsche durch die Trommel gejagt und kleinen Sohn in den Schlaf gesungen mit Udo Jürgens. Mensch, was bin ich für eine coole Type. Aber echt.

Die Dominanz der Michaels

Ich habe eine geheime Leidenschaft für Zollstöcke, also für das, was auf gut Schwäbisch „Meterstab“ oder kurz „Meter“ heißt. In meinen diversen Schreibtisch-Schubladen finde ich aktuell drei. Einen weiteren trage ich immer in meiner Handtasche, noch einen in meinem Kamerakoffer, und auf meinem Fototisch liegt nochmal ein „Meter“. Klingt absurd? Nein, nicht wirklich. Meine Meterstäbe brauche ich recht oft: Wenn ich mir ein Fotoformat „verbildlichen“ muss, hilft er mir. Oder wenn eine Kundschaft Fotos „aus einer Höhe von etwa 1,60 Meter“ wünscht. Und wenn ich schauen will, wie groß eine Anzeige von 9,2 mm auf 13,5 mm gedruckt ausfallen wird. Oder ganz einfach, wenn ich bei Ikea stehe, und nicht so recht weiß, wie breit das neue Büroregal sein soll. Außerdem kriegt man mit einem ordentlichen Meter, ruckzuck, ein Bier auf. Nicht dass ich das jemals getestet hätte.

Gestern habe ich beim Einkaufen ein Regel mit besonders schicken Meterstäben entdeckt. Mit einer zarten Holzbrennerei – dem eigenen Vornamen! Toll, dachte ich, das ist endlich einmal was für mich! Für mich und meine geheime Meter-Schwäche! Genervt war ich obendrein, von dem ganzen Weihnachtsgedöns in den Läden und dem unsäglichen „Last-Christmas“, das im ganzen Land aus den Boxen dudelt. Ich suchte an dem Meter-Stand also eifrigst unter „K“. „K“ wie „Katja“ oder „Kasi“. Nach längerem Ständer-Kreiseln dann der Schock: Natürlich gab es die Meterstäbe mit personalisiertem Namenszug nicht für Mädels, klar, sondern nur für Männer. Hallo, Frau Kasi, jemand zu Hause?! Für „Michael“ gab es beispielsweise gleich zwei Schuber voll Zollstöcken, dazu kamen noch „Mike“ und „Micha“ als Kurzformen. Ich finde, aber mal ganz ehrlich, angesichts dieser Dominanz der „Michaels“ wäre durchaus noch Raum für ein „Kasi“-Fach gewesen.

blog

Was willste machen…

Schon häufiger habe ich über meine große Liebe zum VfB Stuttgart gebloggt. Und darüber, welchen Kummer sie manchmal mit sich bringt und welche potenzielle Leidensfähigkeit sie voraussetzt. Heute nähere ich mich dem Thema einmal von einer ganz anderen Seite: und das ist die Sache mit dem Aberglauben, und das hat gar nichts mit schwarzen Katzen, zerbrochenen Spiegeln oder Schornsteinfegern zu tun.

Denn Fußballfans – und Kicker – sind häufig sehr abergläubische Menschen. Als mein Gatte noch aktiver Kicker war (also öfter als einmal im Monat den Rasen betrat), zog er vor den Spielen die Stutzen inmmer in der gleichen Reihenfolge an. Erst rechts. Dann links. Gleiches Prozedere bei den Schuhen. Erst wurde rechts gebunden, und dann links. Als er selbst A-Jugend-Trainer war, aßen seine Jungs vor den Spielen immer Schoko-Erdnüsse, die er stets in einer hohen Dose in seiner Sporttasche aufwahrte und deren Füllmenge er samstags sorgfältig kontrollierte. Einmal hatten die Jungs nach dem Genuss solcher Schoko-Nüsse überragend gewonnen… Deshalb blieben die Nüsse auf Monate Teil eines diskutierfähigen Spielvorbereitungs-Konzepts, und vermutlich halten wir bis heute Anteile an der verantwortlichen Schoko-Nuss-Firma. Ganz nach dem Motto: „Never change a running system.“ Verstehen Sie doch, oder?

Wenn wir also ins Stadion fahren, überlegen wir immer, wie die letzte Partie war und was wir angehabt hatten. Roter, weißer oder schwarzer Dress? Welche Mütze? Was drunter? Daraufhin wird dann die aktuelle Garderobe abgestimmt. Mit leichtem Ekel erinnere ich mich an ein rotes VfB-Polo, dass ich 2007 – bis zum Meistertitel – wochenlang aus Aberglauben nicht mehr waschen konnte… Was willste machen? Aus der Nummer wäre ich ja nie mehr rausgekommen. Kennen Sie die lange und traurige Geschichte von Onkel Herbert? Onkel Herbert ist der Onkel von Kabarettist Frank Goosen. Er und eine fiese Darmgrippe tragen dem Vernehmen nach Schuld, dass Schalke einst nur Meister der Herzen wurde und nicht echter Meister… Aber das ist eine andere Geschichte, die Onkel Herbert mit sich ausmachen muss.

Am Samstag erlebten wir vor dem 4:5-Auswärtssieg in Frankfurt, den wir bibbernd vor dem Fernseher verfolgten, gefühlsmäßig eine echte Achterbahnfahrt. Dabei begann alles ganz ideal. Sohn 1 und ich schauten Fußball. Der VfB führte überraschend 1:3. Komfortabel und vergleichsweise deutlich. Weil wir als VfB-Fans allerhand gewöhnt sind, waren Sohn 1 und ich nicht wirklich gelassen. Exakt in dem Augenblick, als Frankfurt den 2:3-Anschlusstreffer landete, fuhr Herr Kasi bedauerlicherweise sein Auto in den Garagenhof. Sohn 1, angespannt wie eine Gitarrensaite, rannte zum Fenster und schrie seinem verdatterten Erziehungsberechtigten entgegen: „Hast Du nicht noch was zu erledigen? Du bringst Unglück!“ Herr Kasi maulte zurück und räumte noch in der Garage herum. Frankfurt glich aus: 3:3. Gab es sowas? Peter, kreideweiß. Wieder schreiend am Fenster: „FAHR‘ VOM HOF! FAHR‘ VOM HOF! BESUCH‘ OMA! Mit Dir wird das heute nix!“ Herr Kasi verzog sich schimpfend unter die Dusche, immer noch leicht verdattert. Vermutlich dachte er aber an seinen eigenen Aberglauben. Das Unfassbare geschah. Frankfurt ging in Führung. 4:3. Peter raste vom Bezahl-TV nach oben ins Bad, Wuttränen in den Augenwinkeln: „DU BIST SCHULD!!! Diesen Dreier hast DU geopfert!“ Der Rest seines Satzes, der sich irgendwie nach: „Wir haben doch geführt…“ und „So ein Sch….“ anhörte, ging in einer nicht ganz jugendfreien Schimpftirade unter.

Herr Kasi bewahrte, ich war so stolz auf ihn, die Haltung: Sohn 1 hat diesen Ausbruch überlebt. Das lag vermutlich daran, dass der Verein unserer uneingeschränkten Zuneigung die Partie abermals drehte und noch 5:4 gewann. Jetzt muss der Gatte halt samstagmittags zur besten Fußballzeit immer duschen, der Ärmste. Was willste machen.
PS: Sohn 1 hat sich bei seinem Vater selbstverständlich entschuldigt.

Peter Maus