Peter war bei Oma Schatz zu Besuch. Er berichtet mir aufgeregt: „Maaaaama, denk‘ mal. Der Ingo und der Heiko (Anmerkung: Seine Onkels, heute 31, Zwillinge) waren mal sooooo klein, dass sie in den Schwitzkasten mussten.“ Gemeint war natürlich der „Brutkasten“. Klar. Haha. In den Schwitzkasten hätte man die beiden Herren öfter mal nehmen sollen.
Kategorie: Peter & Paul
Unser Sohn ist berühmt-berüchtigt für seine Bonmots, seine netten Sprüche und so manche Anekdote…
Dicke Indianer
Peter und ich schauen alte Bilder an. Bilder, auf denen sein Papa mit ungefähr drei Jahren zu sehen ist. „Peter, rate mal“, sag‘ ich wenig einfallsreich, „auf dem Foto ist Dein Papa drauf.“ Peter betrachtet das gelbstichige 70er-Jahre-Bild genau. Es ist an der Fasnet aufgenommen und gleicht rund einem Dutzend solcher Bilder, wie man sie wohl in jedem Fotoalbum finden kann und wie sie zu Hochzeiten gern als Bilderpräsentation gezeigt werden. Darauf zu sehen: ein alberner Cowboy. Ein weniger alberner Cowboy mit gewaltigem Schnauzbart. Ein Pilz, den sein Hut juckt und der dementsprechend unleidlich drein sc haut. Ein Cowboy, dem offenbar die Munition ausgegangen ist. Ein Clown, der nichts zu lachen hat. Dazu: ein kleiner Indianer mit, naja, Bauchansatz, dem sein prächtiger Kopfputz so schwer lastet, dass er ganz sorgenvoll drein blickt. Peter ist ratlos: „Du willst doch nicht etwa sagen, dass der kleine, dicke Indianer links mein Papa ist?“ Hmmm. Nun ja. Doch.
Schwarz und Weiß
Huch. Schon soo lange nichts mehr geschrieben. Wo bleiben nur die Tage, die Wochen, die Monate? Schätzungsweise geht dies aber jedem gleich. Irgendwie ist immer zu wenig Zeit da. Vor allem morgens, wenn es beim Zähneputzen im Bad schon den ersten Stau gibt. Oder abends. Wenn man das Gefühl hat, zwischen 21.30 Uhr (wenn man gefühlt das erste Mal zur Ruhe kommt) und Mitternacht alles erledigen will, was zwischen Kindergarten-Vesper-Richten, Kartoffelschälen und Geschäftstelefonate-Führen liegen geblieben ist. Von meinen Wäschebergen im Keller oder dem Altpapier-Chaos in der Garage will ich gar nicht reden. Aber da hatte das Sohnkind heute eine gute Idee. Er wünscht sich ein Wilde-Kerle-T-Shirt. Diese kickende Jungmännerbande ist im Kindergarten offenbar gerade der letzte Renner, während Bob Baumeister kaum noch seine Baggerschaufel heben darf. Jetzt also die Wilden Kerle. Auf jeden Fall gibt es T-Shirts mit dem merkwürdigen Emblem der Bande, was sich Peter neben 456 anderen Dingen zu seinem fünften Geburtstag in gut zwei Wochen wünscht. Folgender Dialog beim Mittagessen.
Peter: „Mamilein. Schau, das Wilde-Kerle-Hemd sieht in Weiß gaaaaanz super aus.“
Ich (entsetzt): „In WEISS?“
Peter: „Ja, warum nicht?“
Ich (ironisch und trocken): „Ja, nimm‘ es doch in Weiß. Es gibt nichts, was weniger schmutzig wird als Weiß.“
Peter: „Ach ja. Aber guck. Schwarz sieht es noch viel besser aus. Und waschen muss man es gar nie.“
Das nenne ich gesunden Pragmatismus. Verkaufen wir die Waschmaschine und schaffen uns dafür nix als schwarze Klamotten an.
Perlende Langeweile
Es herrscht Chaos im Hause Kasi. Muttern muss einen Text fertig machen. Peter langweilt sich. „Maaaama…“ Ich (leicht genervt wegen Bibi und Benjamin und Hexhex und all dem, was seit Stunden aus dem Kassettenrekorder im Kinderzimmer dudelt): „Was ist denn nun schon wieder?“ Peter: „Mir ist so langweilig, dass mir schon richtig schlecht ist.“ Ich: „Du hast nur Blähungen vom Apfelsaft.“ Peter: „Was sind Blähungen?“ Ich: „Wenn es im Bauch rumpelt.“ Können Sie sich vorstellen, wie schwer es ist, einen hochsensiblen Firmenbrief an einen seriösen Herrn mit Schlips zu schreiben, wenn man nebenher mit einem Fünfjährigen über Darmwinde philosophieren muss? Na bitte. Ich wusste es. Sie verstehen mich.
Peter schleicht sich, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er seine Mama etwas doof findet. In seinem Zimmer spielt er Koch. Peter kocht immer. Alles. Und überall. Heute gibt es Liebesperlen (oha). Das Sohnkind rührt so eifrig. Bis ein lautes „Ohhhh“ die Rührgeräte unterbricht. Gefühlte 100000 Liebesperlen kollern mir schon im Flur entgegen. Wird wohl nichts mehr aus dem Mahl. Peter fängt an, die Perlen liebevoll einzuklauben. Was dauert. Ich soll helfen, bin dem Sohnkind aber zu schnell. Will er sie noch nach Farben sortieren (würde vielleicht sein Papa tun, es sind exakt fünf) oder nach der Größe (wird schwierig)? Ich werde ungeduldig. Die Dinger landen vollkommen sortierfrei wieder im Plastik-Kochtopf, den ich vorsichtshalber auf dem Schrank bunkere. Peter verzieht sich zum Lesen in MEIN Bett: „Da hab‘ ich mehr Platz.“ Ich widme mich wieder meinem Brief. Beim dritten Absatz ein neuerlicher Schrei: „Mama, ist Dein Bett immer so nass?“ NASS? Nein, üblicherweise nicht. Des Rätsels Lösung ist einfach. Peter hat eine halbe Flasche Mineralwasser (zum Glück nur Wasser!) in mein Kopfkissen gekippt. Ich tröste das mittlerweile Rotz und Wasser weinende Kind: „Peter, das trocknet doch wieder…“ – „Jaaa, aber ich will doch da rein liegen…“ Nun ja. Das geht jetzt nicht mehr.
Weil ich meinen Brief fertig habe, backen wir Muffins, das Zwerglein und ich. Sharky-Muffins. Nicht nur Schokostreusel oder Apfelmuffins. Nein, solche von Captain Sharky. Eine chemisch wertvolle Backmischung von Dr. Sowieso, die sich Peter vier Wochen lang bei jedem Einkauf gewünscht hat. Wozu man für Muffins eine Backmischung braucht, ist mir nicht ganz klar – mit der Mischung dauert es exakt so lange wie ohne. Nebenher erzählt mir das Kind, dass ich wohl bei einem Pressetermin von einem Kollegen fotografiert worden bin und er bei der Oma die Zeitung gesehen hat: „Da warst echt Du in der Zeitung. Neben dem Gomez.“ Ich freue mich. Hat man ja auch nicht alle Tage, mit einem Fußballstar fotografiert zu werden. Ich werde neugierig: „Peter, wo hat die Oma das Bild?“ Peter überlegt. „Och. Ich glaub, das gibt’s nicht mehr.“ Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht: „Ach ja, und warum nicht?“ Mein Kind hat die Antwort schnell parat: „Die Oma hat das Bild weggeworfen und schon der Papiersammung mitgegeben. Nein. Ich Wirklichkeit hat sie es verbrannt.“ Danke für das Gespräch.
Salsared in jeder Hinsicht
Wie bereits schon häufiger beschrieben, sind wir alle Scirocco-Fans. Egal ob alt oder neu. Jetzt ist es tatsächlich soweit: Wir holen unseren neuen Dreier-Scirocco in der Autostadt ab. Ein großer Tag für Familie Kasi – nach einer vor Aufregung sehr schlafarmen Nacht. Erst eine erlebnisreiche Fahrt mit der Deutschen Bahn (Baustellen und internistische Notfälle inklusive). Dann ein fulminanter Wolfsburger Italiener. Und dann die riesige Autostadt. Der Aufenthalt dort – ein Erlebnis. Wir gucken uns alles genau an. Bis wir total platt sind von so viel Automobil.
Und erst die Übergabe des neuen Wagens. Unser persönlicher Abholer ist ein netter junger Mann, der uns das Gefühl gibt, nur wegen uns, und wirklich nur wegen uns, sei er für VW tätig. Nur damit, um mir die neuen Zündschlüssel in mein vor Aufregung nasses Patschehändchen drücken kann. Oder mir die Schönheiten des neuen, samtroten Lacks zu preisen. Endlich lässt er Worten Taten folgen: Ich darf einsteigen. Peter sitzt schon und lobt das Armaturenbrett. Ich verscheuche das Kind. Nein. Heute ist mein großer Tag.
Ich verdrückte wenig erfolgreich drei Freudentränchen, während mein jetzt ausgestiegenes Kind lautstark dem Publikum, das auf der Empore oberhalb des Übergabe-Platzes auf seine Autos wartet, lautstark kundtut, dass nur seine Mami so eine heiße Kiste bekomme. Alle anderen Autos seien voll langweilig. Aber das Auto von der Mama sei eine „coole Sache“. Wobei: „Mir gefällt auch der Mini-Clubman.“ Peter… wir sind hier bei VW. Peinlich berührt, steige ich wieder aus und bringe ich meinen Sohn für zwei Minuten zum Schweigen. Das auffällige Auto mit dem Sportfahrwerk und den Riesenfelgen an sich ist schon Show genug. Man macht man ein offizielles Wir-haben-ein-neues-Auto-Foto im Wolfsburger Gegenlicht. Und dann ist der offizielle Termin auch schon zu Ende. Nicht für mein Kind.
Als mir der freundliche, junge Mann, mein persönlicher Mitarbeiter, endlich die Schlüssel mit dem obligaten „Gute Fahrt allzeit und nicht zuviel Gas bei dem schnellen Wagen“ in die Hand gibt, schaltet sich Peter ein. „Jaja“, unkt es da aus 1,11 Meter Höhe, „das musste meiner Kasi-Mami schon sagen. Die is nämlich voll DER Raser. Und hat voll oft Strafzettels.“ Der junge Mann kann sich eines belustigten Grinsens nicht erwehren. „Aha. Dann pass‘ mal schön auf sie auf.“ Peter hat noch nicht alles gesagt: „Jaaaa. Weißte. Erst letztens hat man sie mal wieder geblitzt.“ Und in verschwörerischem Ton: „Sie dachte schon, die nehmen ihr diesmal echt den Lappen.“ Ich werde so rot wie mein neues Auto. Salsared sozusagen. Mein Mann grinst. Er hört allerdings auf, als er meinen Blick sieht, der ihn in hauchdünne Scheiben schneidet. Wie Parmaschinken. Peter macht weiter: „Und manchmal, da geht er auch noch der Sprit aus.“ Jetzt ist wirklich alles raus. Ich steige schnell ein, setze meine neue Turboschleuder in Gang und hupe noch einmal freundlich. Bloß weg hier. Ich habe Sprit im Tank für 200 Kilometer. Na bitte. Das Benzin geht heute also nicht aus. Wie sang schon Markus während meiner NDW-Jugend so schön: „Ich will Spaß… ich geb Gas…“ Mein persönlicher Markus indes sitzt auf dem Beifahrersitz und lacht sich den Allerwertesten weg.
Für ganz umsonst
Ich erkläre dem Sohnkind, dass ein Auto nach der Produktion Hochzeit feiert (wenn es den Motor kriegt) und getauft wird.
Peter: „Das ist ja dann wie bei einem Kind.“
Ich: „Naja. So ähnlich.“
Peter (überlegt heftig): „Hmmm. Allerdings ist so’n Auto doch ganz schön teuer.“
Ich: „Ja. Stimmt.“
Peter: „Da ist es mit so nem Kind doch gleich viel besser. Das kommt für ganz umsonst raus.“
AC/DC und ein Fiat
Die richtige Musikwahl für den richtigen Anlass zu finden, ist nicht immer leicht. Peter bekommt sein allabendliches Schlaflied. Ich frage pflichtschuldigst, was ich heute singen soll: „Och, nehmen wir mal was von AC/DC.“ Als er in der Musikschule gebeten wird, fürs nächste Mal ein Lied vorzubereiten, überlegt er: „Glaubst Du, sie freut sich, wenn ich Schwarze Natascha singe?“
Wir waren bei Ikea. Das Auto ist dementsprechend voll. Wir fahren verhältnismäßig moderat über die Autobahn. Plötzlich überholt uns ein Fiat 500 – zugegebenermaßen schon eine Schmach. Peter macht Riesensätze – soweit es sein Kindersitz erlaubt – und brüllt erbost: „Mensch Papaaaa… wehr‘ Dich….“ Genau das bekommt er manchmal zu hören, wenn er sich unterbuttern lässt von anderen Kindern. Wie sagt man so schön: Kinder halten uns den Spiegel vor.
In Mexiko scheint die Sonne…
Kabas Missverständnis
Mein Mann und ich fachsimpeln beim Abendessen über den VfB-Stuttgart und die derzeitige Torgranate Cacau.
Kasi zu Gatten: „Hast Du schon gehört? Sevilla will den Cacau…“
Gatte: „Ach komm… den geben wir nicht her…“
Peter (bestürzt): „Ne Mama, komm. Das geht jetzt echt nicht. In dem Kakao ist eh schon so wenig drin. Das bisschen Kaba-Pulver können wir UNMÖGLICH Sewilla geben. Du hast immer noch keinen neuen gekauft. Und wer ist Sewilla überhaupt?“ Kaba, Cacau oder Kakao: Wir geben nix her. So.
Ein Hauch von Logik
Peter: „Maaaama… mir ist soooo langweilig.“
Ich: „Dann räum doch auch ein bisschen auf.“ (Schließlich putze ich gerade das Haus.)
Peter: „Dann ist mir doch noch langweiliger…“
Wir essen. Der Knirps strahlt seinen vollen Teller an. Und hat natürlich noch etwas zu sagen.
Peter: „Mama. Was ist das für Fleisch?“
Ich: „Huhn. Warum?“
Peter: „Ist das geraucht oder gehäkelt?“
Ich: „Hä?“
Peter (leicht ungeduldig): „Na gehäkelt. Weißt Du, das, was nicht so gesund ist?“
Nach längere Diskussion wird klar: Er meint „gepökelt“. So kommt Handarbeit auf den Tisch.
Peter setzt sich auf meinen Tisch und gibt mir zwei herzhafte Küsschen. Aha. Ich frage alarmiert: „Peter, mein Sohn, was willst Du?“ Peter: „Was essen. Und glotzen.“ Männer, egal wie alt, sind einfach gestrickt.


