Eine ganz neue Perspektive

Alles wird anders – die Umgestaltung des Nusplinger Friedhofs ist in dieser Woche angelaufen.

Nusplingen. Seit Montag sind Fachfirma und Gemeindemitarbeiter vor Ort. Die Mauer ist bereits abgerissen, der neue Weg angelegt, so dass sich dem Besucher ganz ungewohnte Einsichten auf das komplette Areal bieten. Bekanntlich finden zudem direkt im Eingangsbereich Urnenstelen ihren Platz (wir berichteten).

Nähere Modalitäten wird der Nusplinger Gemeinderat gemeinsam mit der Verwaltung am kommenden Samstag, 4. April, besprechen: Da nämlich begeben sich die Bürgervertreter zu einer kleinen Rundreise, und eine Station ist der Friedhof. Mit von der Partie ist Architekt Wolfgang Preuss, mit dem gemeinsam die Gestaltung der Stelen diskutiert wird. Eine weitere Station der Besichtigungstour steht vormittags in Sachen Turnhallenboden auf dem Programm. Der Gemeinderat fährt mit Architekt Wilhelm Kleiner zu einer Fachfirma, um eine Auswahl zu treffen.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

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Pater Marek nimmt Abschied

Pater Marek hatte jüngst etwas Pech: Die Achillessehne am linken Fuß ist gerissen. Und das, wo er doch ohnehin nicht mehr lange auf der Alb ist.

Meßstetten. Marek Perzynski betreut seit neun Jahren die Katholiken in Unterdigisheim und Meßstetten, seit einem Dreivierteljahr die in Obernheim. Ende Juli nimmt er Abschied (wir berichteten). Der beliebte Geistliche wechselt in die Nähe von Dortmund – auf Alb folgt also Ruhrgebiet. Wenngleich er seiner neuen Aufgabe mit spannender Erwartung entgegen blickt, schwingt Wehmut in seiner Stimme: „Ich habe mich hier stets zu Hause gefühlt.“ Doch die Ordensgemeinschaft der Ressurektionisten, zieht sich aus Meßstetten zurück. Deshalb muss Pater Marek umziehen.

Marek Perzynski stammt aus einem kleinen Dörfchen zwischen Danzig und Bromberg. Aufgewachsen auf einem Bauernhof, verspürte er schon früh den Wunsch, Pfarrer zu werden. Bevor er nach Meßstetten kam und die Nachfolge von Helmut Hau in den Pfarrgemeinden Meßstetten und Unterdigisheim übernahm, hatte er in Biberach gewirkt. Noch gut erinnert er sich an das Vorstellungsgespräch in der Riß-Stadt: „Es war an einem Mittwoch. Es war Markt. Ich habe kein Wort verstanden.“ Gut nachvollziehbar, Pater Marek kam frisch von einem Sprachkurs am Goetheinstitut. Dem Oberschwaben-Schwäbisch eines Wochenmarkts mit all seinen Dialekten war der Geistliche nicht gewachsen.

Sprachprobleme hat Pater Marek keine mehr – zurzeit plagt ihn ein anderes Malheur. Beim sonntäglichen Gottesdienst knickte er in der Sakristei um. Die Achillessehne riss. „Und dabei ist es nicht mal beim Kicken passiert“, sagt der 54-Jährige schmunzelnd, „alle fragen mich, ob ich wieder Fußball gespielt habe“. Jetzt haben Inliner, Schlittschuhe, Ball und Badehose erst einmal Zwangspause. Doch selbst diese Auszeit trägt der Pfarrer mit Humor: „Ach“, winkt er gelassen ab, „jetzt benutze ich halt dieses Auto da.“ „Dieses Auto“ ist sein Rollstuhl. Bis Pater Marek wieder richtig mobil ist, werden einige Wochen ins Land ziehen. Deshalb kommt ein südindischer Pfarrer, Antony Tharekadavil, zur Vertretung.

Wie es nach seinem Weggang weitergeht, weiß Marek Perzynski nicht. Denkbar sei es wohl, dass die Seelsorgeeinheit Heuberg nur noch einen Pfarrer bekomme, der dann neben Meßstetten, Unterdigisheim und Obernheim auch Nusplingen betreue – zumal dessen Geistlicher Gebhard Streicher in absehbarer Zeit in den Ruhestand geht. Nach Meßstetten kommt jetzt erst einmal Pfarrer Antony.

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DRK baut mal wieder

Dem Nusplinger DRK stehen wieder Baumaßnahmen ins Haus. Jetzt ist nach den neuen Bereitschaftsräumen der Fuhrpark an der Reihe: Eine neue Garage muss her.

Nusplingen. Weil der einstige Stellplatz für das DRK-Fahrzeug mit dem Bauhof-Abriss und dem Bau des Spielplatzes Mörikestraße der Spitzhacke zum Opfer gefallen ist, fristet der Krankenwagen ein Dasein der Heimatlosigkeit. Bislang ist er übergangsweise in einer privaten Garage untergebracht, genauso der Anhänger. An einer weiteren Station bewahrt der rührige Ortsverein Materialien und Kleingeräte auf. Macht summa summarum also drei Lagerstätten. „Zu viele“, stellte Bereitschaftsleiter Gerhard Dett in der jüngsten Nusplinger Gemeinderatssitzung dar. Denn: „Einsatztechnisch ist das nicht haltbar.“

Rettungsfahrzeug, Anhänger und Lagermaterial sollen in Zukunft wieder unter ein Dach kommen – und zwar in der Mühlstraße. Dort entsteht ein acht auf zehn Meter großes Gebäude, das neben zwei Autoboxen genug Lagerplatz bietet für Kleingeräte, Materialien und das Altkleider-Magazin. Die Kosten für das neue Gebäude liegen bei rund 75.000 Euro. Die Gemeinde Nusplingen übernimmt 25.000 Euro. Der Ortsverein kalkuliert neben seinen Eigenmitteln mit Zuschüssen, Spenden und den Einahmen aus der „Tour de Ländle“ und plant jede Menge an Eigenleistungen ein. Genauso hatte man die Arbeiten im Hasenheim auch gestemmt.

Die Gemeinde unterstützt das DRK-Projekt jedoch nicht nur mit einer Spende, sondern auch mit Bauholz aus ihren Wäldern. Erstellt wird die Garage in Holzständerbauweise, was laut Gerhard Dett günstiger ist als die massive Steinvariante. Haushalten muss die Bereitschaft alle Mal: In nächster Zeit kommen weitere hohe Kosten auf den Ortsverein zu. Neben der Ausstattung neuer DRK-Mitstreiter für 11.000 Euro werden Geräte, der Unterhalt für die Räume im Hasenheim und das Auto fällig. Außerdem ist der Krankentransportwagen laut Gerhard Dett schon etwas in die Jahre gekommen, so dass hier mittelfristig ebenfalls mit Kosten zu rechnen sei.

Francesco Sisto fragte nach, ob alle in Frage kommenden Nusplinger Firmen bei der Ausschreibung berücksichtigt worden seien – „weil es hier auch um öffentliche Gelder geht“. Ansonsten unterstütze er die Sache und freue sich darüber, dass ein Platz für die Garage gefunden worden sei.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

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Heiraten in Nusplingen ist in

Heiraten in der Alten Friedhofskirche Sankt Peter und Paul boomt nach wie vor. So sehr, dass sich die Gemeinde Nusplingen jetzt Modus-Änderungen überlegen will.

Nusplingen. Bisher konnten heiratswillige Paare zu nahezu jedem Termin im Wahrzeichen der Bäratalgemeinde heiraten – egal ob von Montag bis Donnerstag, ob am Freitagvormittag, am Samstagvormittag oder am Samstagnachmittag. Ein bisschen Statistik: Seit 2007 gaben sich in Nusplingen 27 Paare das Ja-Wort, 20 davon in der Alten Kirche. Freitags und samstags wurde dabei in der Spanne von 10 bis 17.30 Uhr geheiratet. Weil viele Trauzeremonien standesgemäß hernach mit einem Gläschen Sekt begossen werden, kommt laut Bürgermeister Alfons Kühlwein zur eigentlichen Heirat stets noch ein gewisser Zeitfaktor hinzu. „Wir sind bisher jedem Wunsch entgegen gekommen“, sagte der Rathauschef in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Freitag, „jetzt müssen wir uns allerdings überlegen, die Zeiten auf irgendeine Art und Weise zu strukturieren, sprich beispielsweise feste Tage anzubieten.“

„Ja“ sagte danach auch der Gemeinderat – und zwar zu der neuen Feuerwehrsspitze. Armin Ruß wurde für die nächsten fünf Jahre als Kommandant bestätigt, sein neuer Stellvertreter ist Ludwig Kleiner. Beide waren bereits in der Hauptversammlung der Wehr Anfang März von den Feuerwehrleuten gewählt worden. Für den Unterhalt von Waldwegen im Bereich Obere und Mittlere Langehalde vergab der Gemeinderat die Arbeiten mit dem Volumen von rund 9000 Euro an eine Unterdigisheimer Firma. Im Haushaltsplan 2009 sind dafür 10.000 Euro eingestellt worden. Zudem segneten die Räte eine Bürgschaftsübernahme in Höhe von 57.600 Euro für die Kreditabsicherung der Klärschlammverwertung Albstadt ab.

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BHKW ist beschlossene Sache

Die Entscheidung ist gefallen: Der Nusplinger Gemeinderat hat sich am Freitag mit großer Mehrheit für ein Flüssiggas-Blockheizkraftwerk entschieden.

Nusplingen. „Wer nichts vorlegt, kriegt kein Cash.“ Bürgermeister Alfons Kühlwein wählte deutliche Worte, als es neuerlich um das Energiekonzept für Schulzentrum und Hallenbad ging. Fakt ist: Bis 20. April müssen die Anträge auf Gelder aus dem Zukunftsinvestionsprogramm des Bundes eingereicht sein – ansonsten gehen der Kommune rund 50.000 Euro flöten. Deshalb ist jetzt Eile geboten.

Vor der Entscheidung hatte Anton Bernath, der Abteilungsleiter für Wärmeversorgung bei den Albstadtwerken, dem Gremium eine Studie über die bereits mehrfach diskutierten Heizvarianten vorgestellt. Näher ein ging der Fachmann auf Hackschnitzel und das BHWK, hatte jedoch auch eine Pelletvariante aufgenommen. Sein Fazit: Die Hackschnitzel-Variante sah er als „vorgezogene Investion“ an; für am einfachsten realisierbar hielt er das Blockheizkraftwerk: „So müssen Sie jetzt am wenigsten Geld in die Hand nehmen.“ Ganz klar wurde in Bernaths Vortrag allerdings eines. Es gibt bezüglich Hackschnitzeln und BHKW nur eine „Entweder-Oder-Lösung“ und kein „Sowohl-Als-Auch“. Denn: „Eine spätere Kombination aus beiden ist nicht zu empfehlen.“

Bürgermeister Alfons Kühlwein, bekennender Verfechter des Blockheizkraftwerks, erkannte in der Hackschnitzel-Anlage zwei Problemfelder. Zum einen sah er in dieser Heizungsvariante einen „Konkurrenzabnehmer im Brennholz-Segment“. Zum anderen brächte der Einbau einer Holzheizung große Umbaumaßnahmen im Schulbereich mit sich, die Toilettenanlagen müssten beispielsweise weichen. Solange es Kühlwein als nicht geklärt ansah, welche Kinder künftig die Nusplinger Schule nutzen, wollte er hier nicht unbedingt mächtig viel Geld verbauen. Francesco Sisto sah dies gleich: „Abwarten, wie es hier weiter geht.“

Trotz der Fülle an Informationsmaterialien taten sich die Gemeinderäte schwer bei der Entscheidung. „Es kann alles falsch sein, was wir machen“, klagte zum Beispiel Lorenz Ritter. Allerdings gab er offen zu, „das BHKW ist für mich die nächste Zukunft, zumal wir die bestehende Anlage mitbenutzen können“. Zudem fürchtete auch Kühlweins Stellvertreter etwaige Engpässe bei der Brennholzversorgung, genauso wie Francesco Sisto: „Der Wald würde bei einer Hackschnitzelheizung geschröpft.“ Mit einer Enthaltung von Klaus Schlude stimmte das Gremium letztlich für das BHKW.

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TV und Buch unter einem Hut

„Grüß Gott. Hier drin isch es a bissle hell.“ Das erwartungsfrohe Publikum stutzt. Amelie Fried schwäbelt?

Ebingen. Wer hätte hinter der fachkundigen „3 nach 9″-Moderatorin, die einmal monatlich eloquent und schlagfertig mit Giovanni di Lorenzo durch die dienstälteste deutsche Talkshow führt, einen solch heimeligen Zungenschlag vermutet? Ja, die gebürtige Ulmerin Amelie Fried hat ihr Schwäbisch nicht verlernt. Auch wenn sie es in ihrem beruflichen Alltag als Schriftstellerin und Fernsehfrau wohl nicht oft brauchen mag.

Bei ihrem Besuch der Albstädter Literaturtage erlebten die Zuhörer eine wortgewandte Fernsehfrau, die spontan und klug über ihre Arbeit berichtete, komplexe Zusammenhänge verständlich darstellte und überaus professionell wirkte. Und trotzdem: Amelie Fried war, so abgedroschen es jetzt auch klingen möge, einfach „nett“. Für jeden, der gern eine Signatur haben wollte, hatte sie zwei, drei freundliche Sätze und ein strahlendes Lächeln parat. Im Gespräch mit Wolfgang Niess vom SWR berichtete sie offen und zugänglich über ihre abwechslungsreiche Arbeit. Beispielsweise darüber, dass sie demnächst eine neue ZDF-Literatursendung moderieren wird – gemeinsam mit Ijoma Mangold und als Nachfolgerin von Elke Heidenreich. „Ideal für mich“, schwärmte die Autorin, „auf diese Weise bringe ich beides unter einen Hut – TV und Buch. Halten Sie sich einen Freitag Anfang Juli frei.“

Im Mittelpunkt des Interviews mit Wolfgang Niess standen zwei besondere Projekte. Zum einen las die Bestseller-Autorin aus ihrem neuesten Buch „Immer ist gerade jetzt“, das Anfang Mai zu kaufen sein wird. „Eine absolute Premiere“, verriet sie dem Ebinger Publikum, „ich lese sonst nie aus einem Buch, das noch nicht erschienen ist“. Allerdings starte die Rundreise anlässlich des neuen Werks erst in etlichen Wochen: „Und die Albstädter Literaturtage wurden mir so sympathisch beschrieben, dass ich gar nicht ablehnen konnte.“ Wolfgang Niess erwies sich als versierter Gesprächspartner, der geschickt und aufmerksam nachhakte.

Breiten Raum nahm das Gespräch über Amelie Frieds Arbeit an „Schuhhaus Pallas“ ein. Für dieses bewegende Sachbuch hatte sie einem Mosaik gleich die leidvolle Geschichte ihres jüdischen Ulmer Großvaters recherchiert. In Ebingen berichtete sie eindringlich von ihrer eigenen, mitunter schmerzvollen Konfrontation mit gut gehüteten Familiengeheimnissen und viel Unausgesprochenem: „Ich bin froh, dass meine beiden Kinder heute alles wissen.“

kasi für Zollern-Alb-Kurier

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Hello, Erwin Staudt

„Nach einem 2:0-Sieg schwätzt sich’s leichter, gell.“ Fußball-Fan Uwe Zellmer vom Theater Lindenhof begrüßte VfB-Präsident Erwin Staudt am Dienstag überaus herzlich zu den Literaturtagen.

Ebingen. Der Lindenhof-Präsident spielte augenzwinkernd auf den jüngsten Auftritt der Stuttgarter gegen Hertha BSC an. VfB-Präsident Staudt schmunzelte leise – er hatte sich selbst am meisten über den Heimsieg „seiner Buben“ gefreut.

Bei der Stippvisite Staudts in Ebingen stand die große Liebe zu Ball und Buch auf dem Programm – und die Frage, wo sich beides trifft. An ganz schön vielen Stellen, das wurde auf unterhaltsame Weise deutlich; Kicken und Lesen verbindet einiges. Schade war allenfalls, dass so mancher Platz leer geblieben war. Offenbar hatte das eisige Wetter die Fußballfans abgeschreckt. Fachkundig führten Stefanie Anhalt und Roland Heck durch den Abend; sie entlockten ihren Gästen so manches Geheimnis und lustige Anekdoten. Die „präsidiale“ Runde mit VfB-Präsident Staudt und Lindenhof-Präsident Zellmer vervollständigte Herbert Moser, der Präsident der Landesstiftung Baden-Württemberg. Dieser warb für sein Projekt „Kicken und Lesen“, das vom VfB unterstützt wird. Jungs lesen ander(e)s – aufgezeigt werden höchst erfolgreich Methoden, die aus eher lesefaulen Buben Bücherfans machen.

Mit einem Klischee wurde gleich zu Beginn aufgeräumt. Kicker, so betonte Erwin Staudt nachdrücklich, lesen nicht nur den „Kicker“: „Wir legen in unserer Jugendakademie großen Wert auf Bildung und einen ordentlichen Schulabschluss.“ Seine Spieler griffen in ihrer Freizeit oft zum Buch. Der einstige IBM-Deutschland-Chef Staudt liest ebenfalls gern – egal ob Martin Suter, Martin Walser, Schiller -„die beste Managerlektüre, die es gibt“ – und natürlich die Tageszeitungen. Uwe Zellmer wiederum kennt Fußball nicht nur aus seinem Programm „Schiller, Klinsmann und mir“, sondern war in seiner Jugend ein aufstrebendes Jungtalent, das gar beim FC Bayern München ein Probetraining absolvieren durfte. Verletzungspech beendete jäh die hoffnungsfrohe Karriere. Zellmer schoss dafür am Dienstag beim Torwandschießen alle anderen in Grund und Boden – man muss nur warten können.

Erwin Staudt indes feierte Wiedersehen – und zwar mit Bandleader Michael Petersen von „Just like Jazz“, die die Veranstaltung mit flotten Klängen umrahmten. Staudt, einst SPD-Kommunalpolitiker, und Journalist Petersen haben schon so manchen beruflichen Termin gemeinsam absolviert. Am Dienstag schmetterte der VfB-Präsident, begleitet von „Just like Jazz“, „Hello Dolly“ à la Louis Armstrong. Er ist halt ein Universaltalent, der VfB-Präsident.

kasi für  Zollern-Alb-Kurier

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Halle kriegt Boden

In diesem Jahr gehen die gemeinsamen Ferienspiele der Gemeinden Nusplingen und Obernheim wohl noch einmal auf dem Heuberg über die Bühne – wenn auch turnusgemäß das Bäratal an der Reihe gewesen wäre.

Nusplingen/Obernheim. Warum? Nusplingen setzt seine vor einiger Zeit begonnene Sanierung der örtlichen Turn- und Festhalle fort. Nach den kaputten Fenstern ist der marode Hallenboden an der Reihe, der den Verantwortlichen schon lange ein Dorn im Auge ist.

In den Sommerferien geht es frisch ans Werk. „Um Schul- und Vereinssport nicht zu beeinträchtigen“, erklärt Bürgermeister Alfons Kühlwein. Eine kleine Schönheitskur erhalten zudem die Wände in Gestalt von frischer Farbe und die Holzvertäfelung. Auch elektrische Arbeiten stehen auf dem Programm. Der Boden selbst, für den die Ausschreibung derzeit noch läuft, kostet wohl zwischen 50.000 und 55.000 Euro; die gesamten Kosten des nächsten Sanierungsabschnitts legt der Rathauschef mit 80.000 bis 90.000 Euro fest. Am Samstag, 4. April, wird der Nusplinger Gemeinderat unter anderem Bodenmuster begutachten, wenn er etliche Besichtigungstermine wahrnimmt.

Weil für die Ferienspiele die Halle unabdingbar wichtig ist, müssen die Ferienspiele-Kinder also noch einmal in Obernheim toben. Im vergangen Jahr hatten die Ferienspiele bereits in der Heuberggemeinde stattgefunden, davor war Nusplingen allerdings zweimal der Ausrichter gewesen. weil Maya Kordina ihre Tätigkeit als Ferienspiele-Leiterin in ihrer Heimatgemeinde Nusplingen hatte beenden wollen.
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Auf Teufels Hirnschale

Sie heißt sehr despektierlich Schwäbisch-Sibirien oder „Teufels Hirnschale“. Man sagt, dass es auf der Alb einen Kittel kälter ist. Und dennoch: Der Abend mit den „Albgeschichten“ war eine besondere Liebeserklärung an Landstrich und Menschenschlag.

Onstmettingen. Hermann und Brigitte Bausinger sowie Wolfgang Alber lasen am Sonntag im brechend vollen Onstmettinger Philipp-Matthäus-Hahn-Museum aus ihren gesammelten Schätzen. Bausinger, Volkskundler und Germanist, ist in Albstadt kein Unbekannter. Er hat gemeinsam mit seiner Frau, einer Dramaturgin, und dem Journalisten Alber die Literatur nach Alb-Tauglichem durchforstet.

Überaus erfolgreich – entstanden ist eine feine Sammlung aus Erzählungen, Essays und Gedichten. „Wir haben bestimmt das Zehnfache gelesen von dem, was wir nachher tatsächlich verwendet haben“, beschrieb Bausinger im Interview mit Roland Heck die Arbeit der drei Herausgeber.

Die Palette des kleinen Alb-Vademecums reicht von Hölderlin bis Hauff, von Uhland bis Mörike, von Margarete Hannsmann bis Peter Härtling – die Albgeschichten sind durchaus als Nachschlagewerk zu betrachten. Eins haben alle Werke jedoch auf eine besondere Art und Weise gemein. Sie zeigen die Alb aus persönlichen Blickwinkeln, sie offenbaren neue Sichtweisen und zeigen nicht selten die große Liebe zu einer urwüchsigen Landschaft, die weit mehr bietet als viele Steine und winterliche Kälterekorde. Und die Menschen? Sie sind zwar „eigen“, aber höchst liebenswert und von einem „kräftigen Schlag“.

Abwechselnd lasen Bausinger, seine Gattin und Wolfang Alber am Sonntagabend aus der reichen und stimmig komponierten Sammlung aus klassischen und modernen Texten. Im Museum hätte man eine Stecknadel fallen hören können – hätte nicht ab und an eines der ausgestellten Uhrenexponate zart geschlagen. Da ging es um Peter Härtlings subjektiven Blick über versteckte Wege und das Schweigen-Üben, um HAP Grieshabers Kampf für die Albflora und Alfred Munz‘ Blick zum Himmel beim Flugtag. Da war aber auch die nachdenklich stimmende Geschichte von Rosa, dem kleinen italienischen Gastarbeiter-Mädchen, das sich hier so sehr über die spitzen Dächer wundern muss, die aussehen wie Bücher, die mit den Seiten nach unten aufgeklappt liegen. Oder die traurige Geschichte von zwei kletterfreudigen Kameraden. Die Rede kam aber auch auf die „zart schmelzenden Farben“ der Alb, auf die vielen Burgen, die deren Landschaft bewachen oder die „Margritle“, die sommers auf den Wiesen wachsen.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

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Mit dem Fichtl Hannes auf hoher See

Ja, wenn einer eine Reise tut: Matthias Politycki nahm am Donnerstag seine Besucher vom Maschenmuseum aus mit auf eine rund zweistündige Abenteuertour in Sachen Literatur.

Tailfingen. In 180 Tagen um die Welt ist der 54-Jährige Autor selbst gereist: an Bord eines feudalen Kreuzfahrtdampfers à la Traumschiff. Dort war er „Schiffsschreiber“, unterhielt die gut betuchten Reisegäste mit einem erlesenen Kulturprogramm. Und schrieb einen Roman über seine Zeit mit leuchtenden Sektkübeln, Galaempfängen und Landgängen.

Skurrile Menschen muss der gebürtige Karlsruher in diesem halben Jahr zwischen Besatzungsdeck, Sansibar und Maschinenraum getroffen haben. Im winterlichen Tailfingen wurde man bei der ersten offiziellen Lesung im Rahmen der Literaturtage deshalb richtiggehend neidisch. Manches, plauderte der Autor aus dem Nähkästchen, sei wahr wie beispielsweise die Reisestrecke, anderes frei erfunden. „Aber damit eins klar ist. Die Wirklichkeit toppt die Phantasie bei weitem“, flachste der 54-Jährige. Um unkend nachzuschieben, sein Lektor habe beim Gegenlesen manches ungläubig angestrichen – weil er es nicht glauben konnte.

Unfreiwilliger Held des dicken, blauen Reise-Logbuchs ist Johann Gottlieb Fichtl, ein kleiner Finanzbeamter aus der bayrischen Provinz, der obendrein auch noch eine unverständliche Liebe zu Motivkrawatten mit Grinsekatzen oder Ananasfrüchten hegt. Fichtl genießt seine Reise auf dem Luxuskahn trotz Seekrankheit, Eiweißschock und Aldi-Smoking in vollen Zügen, stolpert von einer illustren Gesellschaft in die nächste Hautevolee. Und mitunter bekommt man den Eindruck, dass der Fichtl Hannes zwischen all den neureichen Tofu-Hummer-Liebhabern, den auf Kapitänsempfängen lauernden Neureichen und den laut atmenden Yoga-Anhängern, die sich von einem Hafen zum nächsten atmen, der Normalste an Bord ist. Obwohl er nicht als Anfänger dastehen will.

Matthias Politycki las nicht nur aus „In 180 Tagen um die Welt“, sondern unterhielt sich auch mit Thomas Vogel entspannt über die eine oder andere Anekdote aus seiner Zeit als Seefahrer. Dabei nahm er die belustigten Zuhörer kurzerhand mit an Deck. Zwischen all den textilen Ausstellungsstücken des Maschenmuseums wehte stellenweise fast schon eine salzige Meeresbrise. Glaubte man zumindest.

Doch Politycki ist nicht nur ein Weltreisender in Sachen Literatur, sondern auch ein feinsinniger, espritvoller und messerscharf beobachtender Lyriker. Sein Band „Die Sekunden danach“ verfügt genau über 88 Gedichte – und ein gutes Dutzend davon gab es ebenfalls zu hören. Da ging es treffsicher um den Alltag, das wahre Leben, ohne Beschönigung, aber mit viel Humor, ohne Bösartigkeit, aber dafür mit einem diskreten Augenzwinkern – egal ob wegen Badeschlappenschönheiten, Filzpantoffeln in einer langen Beziehung oder verhinderter Romanzen.

 kasi für Zollern-Alb-Kurier

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