Im Bermuda-Dreieck

Der Kasi-Mann behauptet stets ganz dreist, Dinge, die seine Frau, also ich, besonders gut aufgewahrt, würden nie wieder auftauchen. Leider hat er Recht. Und ganz leider hat sein Sohn diese Gabe von mir geerbt. Aktuell fehlen der Führerschein des Kasi-Manns, den ich nach einem Versicherungstermin extra gut versorgt habe. Zwei DVDs der Stadtbücherei sind mittlerweile wieder an Bord. Diese hatte das Sohnkind „extra wohin gelegt“. Das derzeit bei Familie Kasi herrschende Umzugschaos macht diese Umstände nicht leichter: „Ach, daaas suchst Du. Das is inner Kiste.“ Ach schön. Und bitte in welcher dieser gefühlten 2000 Kisten?

All das wirft wiederum eine neue, ungeklärte Frage meinerseits auf.  Warum kann man sich wochenweise mühelos im Chaos zurechfinden und scheitert dann erbärmlich, wenn man sich dann einmal dazu aufgerafft hat, tabula rasa zu machen? Ich für meinen Teil habe von meinem total chaotischen Rest-Schreibtisch mein total chaotisches Rest-Regal im Blick. Morgen werfe ich die ganzen alten Illustrierten raus. Versprochen. Wünschen Sie mir Glück.

Danke!

Dieser Beitrag ist all jenen gewidmet (vor allem Michael Landmann, er kennt  die Ludolfs PERSÖNLICH!), die sich in den vergangenen Wochen um unseren Baufortgang und unsere Gesundheit gesorgt haben. Danke, Michael! Es ist in der Tat soweit: Wir ziehen derzeit um. Trotzdem ein paar kurze Zeilen – bevor mein Büro in Kisten und Schachteln verschwindet. Unser Haus ist fertig. Es ist schön. Es gefällt uns. Aber wir wollen nicht mehr. Am liebsten würden wir die Koffer packen, das Kind in seinen Autositz schnallen, das Haus abriegeln und in Urlaub fahren. Aber so einfach geht das ja nicht. Es sei denn, es zieht jemand für uns um.

Wir sind also so weit fertig. Bis auf ein paar Feinheiten in der Elektroplanung und einen Streifen Laminat im Keller passt es soweit. Jetzt noch ein bisschen durchputzen, und fertig ist die Lauge. Sogar an der Außenanlage ist schon gearbeitet worden, so dass wir sauberen Fußes ins Haus gelangen können. Gründe genug also für holde Zufriedenheit. Und dennoch: Der Kasi-Mann und Kasi selbst sind so müde, dass sie beide das Gefühl haben, im Stehen schlafen zu können, wenn man sie nur ließe. Dass man alles dafür gäbe, statt regelmäßig vier auch mal wieder sieben oder sogar acht Stunden zu schlafen. Peter nächtigt regelmäßig auf einer Iso-Matte in seinem neuen Kinderzimmer, eingekuschelt in meinen Schlafsack. Zum Glück ist das Kind so unproblematisch. Meine Augenränder haben die gefühlte Breite von Autobahnen, und im letzten halben Jahr habe ich an eben jener Stelle drei Abdeckstifte verschmiert. Sonst reichen mir die Dinger immer anderthalb Jahre. Genug gejammert – Frau Kasi beendet im Büro noch ein paar Projekte und packt dann wieder Schachteln.  Das Foto vom Haus  liefere ich nach, versprochen.

Ungelöste Rätsel zum Thema Bauen

* Wo kommt all der Staub her? Vermutlich hat Frau Holle das Metier gewechselt und produziert statt Schnee jetzt Staub. Und dieser liegt in unserem neuen Haus. Egal wie oft man putzt.

* Wo kommen all die Holzreste her? Es ist egal, wie viele Holzbrettchen, Leisten, Eckkanten, etc. man forträumt: Am nächsten Tag sind genauso viele wieder da.Wer macht die?

* Wohin sind die zehn Messer verschwunden, die ich anfangs gekauft habe? Wir haben noch exakt eineinhalb. Eines ist noch da und schneidet vernünftig. Das andere ist noch da und schneidet nicht mehr. Alle anderen haben Beine bekommen.

* Warum fehlt immer gerade DIE Gebrauchsanleitung eines elektrischen Geräts, das in DEM Augenblick sehr wichtig ist? Aktuell ist es die vom Geschirrspüler.

* Warum kommen unglaublich viele Menschen auf Besuch? So nach dem Motto „Wir waren grad in der Nähe und dachten, wir besuchen Euch kurz? Freut Ihr Euch?“ Nun ja. Hier verhält es sich wie so oft mit Besuch. Mehr sei dazu nicht gesagt. Blöd ist allerdings, wenn jeder denkt, man hätte selbst Zeit für einen gemütlichen Kaffeeplausch. Hammwer nich. Sondern Baufrust, Bausteress und Bauüberdruss. Noch Fragen?

* Ja, ich weiß, dass es bei uns im oberen Stockwerk sehr warm ist. Aber ist es das derzeit nicht irgendwie überall?

Glück gehabt

Es gibt Frauen, neben denen man sich unweigerlich fett, falsch angezogen und trampelhaft fühlt. Feengleiche Wesen, die in Kleidergröße 32 durch den Raum huschen. Langbeinig und blond sind. Frauen, die in so genannten Bleistiftröcken nicht aussehen wie eine Wurst auf Reisen. Frauen, die stets dezent nach Chanel duften, deren Hände nie rissig und ruppig sind wie Schleifpapier. Frauen, die stets im richtigen Augenblick das Richtige sagen, nie vorlaut sind, sondern auf den ersten Blick gebildet wirken und 20-Zentimeter-Absätze problemlos im Griff haben. Sie tragen Kaschmir und Seide. Solche Frauen sind meistens zartgliedrig und sehr fein, sie kennen neue Modetrends, wissen welcher Designer gerade „in“ ist. Sie wissen aus dem Stegreif, wie man „Ente à l’orange“ kocht und welcher Wein blumig schmeckt. Schade, dass diesen feengleichen Wesen dieses Wissen so wenig nützt, denn sie essen am liebsten Salat ohne Dressing, nur mit etwas Zitrone, und trinken dazu stilles Wasser. Außerdem hören sie nur Chopin und Mozart. Ihre Kinder bauen Jahreszeitentische und spielen mit pädagogisch-wertvollen Puppen ohne Plastik. Selbstverständlich wirken auch die Kinder solcher Frauen immer wie frisch geduscht und bringen auch eine weiße Leinenhose mühelos durch den Tag. Was ich zu erwähnen vergaß: Selbstverständlich sind auch die Wohnungen und Häuser jeder Damen stets steril sauber, meistens ganz in Weiß eingerichtet. Ihre gut sortierten Geschirrschränke offenbaren nur feinstes Porzellan und kein buntes Sammelsurium wie meine.

Nein. So eine Frau bin ich nicht. Ich trage selten Bleistiftröcke (wegen meiner Hüften). Ich hasse hohe Absätze (wegen meiner Ungeschicklichkeit) und trage meistens eines meiner fünf Pärchen Chucks. Ich trinke, wenn überhaupt am liebsten Bier aus der Flasche. Wein beurteile ich nicht nach Blumigkeit im Abgang oder nach Pfirsichduft, sondern lege als Bewertungskriterium lediglich eins an: ob er mir schmeckt oder nicht. Ich bin weder langbeinig noch blond, meine Haare wirken immer ein bisschen so, als wäre ich gerade aufgestanden, und ich hätte keine Bürste zur Hand gehabt. Wegen meiner Mountainbikerei und meines Kraftrainings (das ich für meinen maroden Rücken mache) bin ich weder zartgliedrig noch fein, sondern habe ein ordentliches Kreuz. Außerdem mag ich keine Ente, sondern esse am liebsten Spaghetti Bolo, fette Stadionwurst oder dicke Nutellabrote. Außerdem rede ich zu viel und zu schnell und hänge stets an einer Kaffeetasse, auf der lustige Katzen abgebildet sind oder tanzende Schafe. Ich bin zu laut, zu hektisch und poltrig. Von Diplomatie habe ich so wenig Ahnung wie eine Kuh vom Tangotanzen. Ich verabscheue Tupperabende und Thermomixmittage. Meine direkte Art beschert mir nicht nur Freunde. Am liebsten gröhle ich laut zu den Toten Hosen mit und bin auf dem letzten Konzert sogar in Ohnmacht gefallen. Wenn ein samstäglicher Fußballmittag gelungen war, bin ich bis Mittwoch heiser.  Mein Kind spielt am liebsten dort, wo es dreckig ist und singt in der Musikschule gern mal was von den „Ärzten“ vor.  Ich frage mich gerade, wie ich es geschafft habe, einen Mann zu finden. Glück gehabt.

Frau Dr. Vanish-Beckmann

Sie fragen sich sicher: Wohnt Familie Kasi schon in ihrem Neubau? Oder baut sie noch immer? Ja, sie baut noch (aber es geht zum Glück) dem Ende zu. Manchmal mit dem Haus, manchmal mit Familie Kasi. So ein Hausbau-Projekt müsste man jedem auferlegen, der bei einer Bausparkasse arbeitet und einem wohlmeinend schöne Prospekte von freundlich lachenden Familien im Eigenheim mitgibt. Die Wahrheit sieht anders aus. Ehrlich. Die Wahrheit versteckt sich unter Tonnen von Baustaub. Unter Sicherungen, die plötzlich rausfatzen. Unter vielen Kilogramm Kabel und Fugenmasse. Natürlich kommt manchmal auch der eine oder andere Streit hinzu. Bedenken Sie dies alles, bevor Sie einen Bauplatz kaufen. Und wenn Sie sich doch eine Wiese mit Bauoption zulegen, sagen Sie nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Wir sind mittlerweile schon so weit, dass wir Böden putzen und Fenster schrubben. Dass wir uns mit Möbelkatalogen beschäftigen können und mit Vorhangstoffen. Dass wir nicht mehr frieren auf unserer Baustelle, weil unsere Heizung so toll arbeitet. Außerdem ist unser Haus schon gedämmt und gestrichen und sieht toll aus (finde ich). Mein Kind verwildert, weil es denkt, dass alle Kinder dieser Erde mit Wago-Klemmen und Kabel-Abisolierern spielen. Außerdem ist es immer dreckig. Immer. Mittlerweile kann ich mich als Flecken-Queen bezeichnen – quasi als Frau Dr. Vanish-Beckmann. Mein Mann findet nichts schlimmes daran, seinen Fünfjährigen jeden Abend aus einer Tonne Sand zu bergen.

Chaos gab es in den vergangenen Monaten fürwahr genug. Wasser, das da raus kam, wo es nicht sollte. Verschobene Termine. Arbeit und Tonnen voll Wäsche (wenn ein Kind sich dreckig macht, ist es selten nackig). Ich freu‘ mich auf den Einzug. Aber ehrlich: Das Ausmisten könnte mir ruhig einer abnehmen. Anfragen bitte hier an Ort und Stelle.

Im Schwitzkasten

Peter war bei Oma Schatz zu Besuch. Er berichtet mir aufgeregt: „Maaaaama, denk‘ mal. Der Ingo und der Heiko (Anmerkung: Seine Onkels, heute 31, Zwillinge) waren mal sooooo klein, dass sie in den Schwitzkasten mussten.“ Gemeint war natürlich der „Brutkasten“. Klar. Haha. In den Schwitzkasten hätte man die beiden Herren öfter mal nehmen sollen.

Dicke Indianer

Peter und ich schauen alte Bilder an. Bilder, auf denen sein Papa mit ungefähr drei Jahren zu sehen ist. „Peter, rate mal“, sag‘ ich wenig einfallsreich, „auf dem Foto ist Dein Papa drauf.“ Peter betrachtet das gelbstichige 70er-Jahre-Bild genau. Es ist an der Fasnet aufgenommen und gleicht rund einem Dutzend solcher Bilder, wie man sie wohl in jedem Fotoalbum finden kann und wie sie zu Hochzeiten gern als Bilderpräsentation gezeigt werden. Darauf zu sehen: ein alberner Cowboy. Ein weniger alberner Cowboy mit gewaltigem Schnauzbart. Ein Pilz, den sein Hut juckt und der dementsprechend unleidlich drein sc haut. Ein Cowboy, dem offenbar die Munition ausgegangen ist. Ein Clown, der nichts zu lachen hat. Dazu: ein kleiner Indianer mit, naja, Bauchansatz, dem sein prächtiger Kopfputz so schwer lastet, dass er ganz sorgenvoll drein blickt. Peter ist ratlos: „Du willst doch nicht etwa sagen, dass der kleine, dicke Indianer links mein Papa ist?“ Hmmm. Nun ja. Doch.

Schwarz und Weiß

Huch. Schon soo lange nichts mehr geschrieben. Wo bleiben nur die Tage, die Wochen, die Monate? Schätzungsweise geht dies aber jedem gleich. Irgendwie ist immer zu wenig Zeit da. Vor allem morgens, wenn es beim Zähneputzen im Bad schon den ersten Stau gibt. Oder abends. Wenn man das Gefühl hat, zwischen 21.30 Uhr (wenn man gefühlt das erste Mal zur Ruhe kommt) und Mitternacht alles erledigen will, was zwischen Kindergarten-Vesper-Richten, Kartoffelschälen und Geschäftstelefonate-Führen liegen geblieben ist. Von meinen Wäschebergen im Keller oder dem Altpapier-Chaos in der Garage will ich gar nicht reden. Aber da hatte das Sohnkind heute eine gute Idee. Er wünscht sich ein Wilde-Kerle-T-Shirt. Diese kickende Jungmännerbande ist im Kindergarten offenbar gerade der letzte Renner, während Bob Baumeister kaum noch seine Baggerschaufel heben darf. Jetzt also die Wilden Kerle. Auf jeden Fall gibt es T-Shirts mit dem merkwürdigen Emblem der Bande, was sich Peter neben 456 anderen Dingen zu seinem fünften Geburtstag in gut zwei Wochen wünscht. Folgender Dialog beim Mittagessen.

Peter: „Mamilein. Schau, das Wilde-Kerle-Hemd sieht in Weiß gaaaaanz super aus.“

Ich (entsetzt): „In WEISS?“

Peter: „Ja, warum nicht?“

Ich (ironisch und trocken): „Ja, nimm‘ es doch in Weiß. Es gibt nichts, was weniger schmutzig wird als Weiß.“

Peter:  „Ach ja. Aber guck. Schwarz sieht es noch viel besser aus. Und waschen muss man es gar nie.“

Das nenne ich gesunden Pragmatismus. Verkaufen wir die Waschmaschine und schaffen uns dafür nix als schwarze Klamotten an.

Perlende Langeweile

Es herrscht Chaos im Hause Kasi. Muttern muss einen Text fertig machen. Peter langweilt sich. „Maaaama…“ Ich (leicht genervt wegen Bibi und Benjamin und Hexhex und all dem, was seit Stunden aus dem Kassettenrekorder im Kinderzimmer dudelt): „Was ist denn nun schon wieder?“ Peter: „Mir ist so langweilig, dass mir schon richtig schlecht ist.“ Ich: „Du hast nur Blähungen vom Apfelsaft.“ Peter: „Was sind Blähungen?“ Ich: „Wenn es im Bauch rumpelt.“ Können Sie sich vorstellen, wie schwer es ist, einen hochsensiblen Firmenbrief an einen seriösen Herrn mit Schlips zu schreiben, wenn man nebenher mit einem Fünfjährigen über Darmwinde philosophieren muss? Na bitte. Ich wusste es. Sie verstehen mich.

Peter schleicht sich, lässt aber keinen Zweifel daran, dass er seine Mama etwas doof findet. In seinem Zimmer spielt er Koch. Peter kocht immer. Alles. Und überall. Heute gibt es Liebesperlen (oha). Das Sohnkind rührt so eifrig. Bis ein lautes „Ohhhh“ die Rührgeräte unterbricht. Gefühlte 100000 Liebesperlen kollern mir schon im Flur entgegen. Wird wohl nichts mehr aus dem Mahl. Peter fängt an, die Perlen liebevoll einzuklauben. Was dauert. Ich soll helfen, bin dem Sohnkind aber zu schnell. Will er sie noch  nach Farben sortieren (würde vielleicht sein Papa tun, es sind exakt fünf) oder nach der Größe (wird schwierig)? Ich werde ungeduldig. Die Dinger landen vollkommen sortierfrei wieder im Plastik-Kochtopf, den ich vorsichtshalber auf dem Schrank bunkere. Peter verzieht sich zum Lesen in MEIN Bett: „Da hab‘ ich mehr Platz.“ Ich widme mich wieder meinem Brief. Beim dritten Absatz ein neuerlicher Schrei: „Mama, ist Dein Bett immer so nass?“ NASS? Nein, üblicherweise nicht. Des Rätsels Lösung ist einfach. Peter hat eine halbe Flasche Mineralwasser (zum Glück nur Wasser!) in mein Kopfkissen gekippt. Ich tröste das mittlerweile Rotz und Wasser weinende Kind: „Peter, das trocknet doch wieder…“ – „Jaaa, aber ich will doch da rein liegen…“ Nun ja. Das geht jetzt nicht mehr.

Weil ich meinen Brief fertig habe, backen wir Muffins, das Zwerglein und ich. Sharky-Muffins. Nicht nur Schokostreusel oder Apfelmuffins. Nein, solche von Captain Sharky. Eine chemisch wertvolle Backmischung von Dr. Sowieso, die sich Peter vier Wochen lang bei jedem Einkauf gewünscht hat. Wozu man für Muffins eine Backmischung braucht, ist mir nicht ganz klar – mit der Mischung dauert es exakt so lange wie ohne. Nebenher erzählt mir das Kind, dass ich wohl bei einem Pressetermin von einem Kollegen fotografiert worden bin und er bei der Oma die Zeitung gesehen hat: „Da warst echt Du in der Zeitung. Neben dem Gomez.“ Ich freue mich. Hat man ja auch nicht alle Tage, mit einem Fußballstar fotografiert zu werden. Ich werde neugierig: „Peter, wo hat die Oma das Bild?“ Peter überlegt. „Och. Ich glaub, das gibt’s nicht mehr.“ Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht: „Ach ja, und warum nicht?“ Mein Kind hat die Antwort schnell parat: „Die Oma hat das Bild weggeworfen und schon der Papiersammung mitgegeben. Nein. Ich Wirklichkeit hat sie es verbrannt.“ Danke für das Gespräch.

Salsared in jeder Hinsicht

Wie bereits schon häufiger beschrieben, sind wir alle Scirocco-Fans. Egal ob alt oder neu. Jetzt ist es tatsächlich soweit: Wir holen unseren neuen Dreier-Scirocco in der Autostadt ab. Ein großer Tag für Familie Kasi – nach einer vor Aufregung sehr schlafarmen Nacht. Erst eine erlebnisreiche Fahrt mit der Deutschen Bahn (Baustellen und internistische Notfälle inklusive). Dann ein fulminanter Wolfsburger Italiener. Und dann die riesige Autostadt. Der Aufenthalt dort – ein Erlebnis. Wir gucken uns alles genau an. Bis wir total platt sind von so viel Automobil.

Und erst die Übergabe des neuen Wagens. Unser persönlicher Abholer ist ein netter junger Mann, der uns das Gefühl gibt, nur wegen uns, und wirklich nur wegen uns, sei er für VW tätig. Nur damit, um mir die neuen Zündschlüssel in mein vor Aufregung nasses Patschehändchen drücken kann. Oder mir die Schönheiten des neuen, samtroten Lacks zu preisen. Endlich lässt er Worten Taten folgen: Ich darf einsteigen. Peter sitzt schon und lobt das Armaturenbrett. Ich verscheuche das Kind. Nein. Heute ist mein großer Tag.

Ich verdrückte wenig erfolgreich drei Freudentränchen, während mein jetzt ausgestiegenes Kind lautstark dem Publikum, das auf der Empore oberhalb des Übergabe-Platzes auf seine Autos wartet, lautstark kundtut, dass nur seine Mami so eine heiße Kiste bekomme. Alle anderen Autos seien voll langweilig. Aber das Auto von der Mama sei eine „coole Sache“. Wobei: „Mir gefällt auch der Mini-Clubman.“ Peter… wir sind hier bei VW. Peinlich berührt, steige ich wieder aus und bringe ich  meinen Sohn für zwei Minuten zum Schweigen. Das auffällige Auto mit dem Sportfahrwerk und den Riesenfelgen an sich ist schon Show genug. Man macht man ein offizielles Wir-haben-ein-neues-Auto-Foto im Wolfsburger Gegenlicht. Und dann ist der offizielle Termin auch schon zu Ende. Nicht für mein Kind.

Als mir der freundliche, junge Mann, mein persönlicher Mitarbeiter, endlich die Schlüssel mit dem obligaten „Gute Fahrt allzeit und nicht zuviel Gas bei dem schnellen Wagen“ in die Hand gibt, schaltet sich Peter ein. „Jaja“, unkt es da aus 1,11 Meter Höhe, „das musste meiner Kasi-Mami schon sagen. Die is nämlich voll DER Raser. Und hat voll oft Strafzettels.“ Der junge Mann kann sich eines belustigten Grinsens nicht erwehren. „Aha. Dann pass‘ mal schön auf sie auf.“ Peter hat noch nicht alles gesagt: „Jaaaa. Weißte. Erst letztens hat man sie mal wieder geblitzt.“ Und in verschwörerischem Ton: „Sie dachte schon, die nehmen ihr diesmal echt den Lappen.“ Ich werde so rot wie mein neues Auto. Salsared sozusagen. Mein Mann grinst. Er hört allerdings auf, als er meinen Blick sieht, der ihn in hauchdünne Scheiben schneidet. Wie Parmaschinken. Peter macht weiter: „Und manchmal, da geht er auch noch der Sprit aus.“ Jetzt ist wirklich alles raus. Ich steige schnell ein, setze meine neue Turboschleuder in Gang und hupe noch einmal freundlich. Bloß weg hier. Ich habe Sprit im Tank für 200 Kilometer. Na bitte. Das Benzin geht heute also nicht aus. Wie sang schon Markus während meiner NDW-Jugend so schön: „Ich will Spaß… ich geb Gas…“ Mein persönlicher Markus indes sitzt auf dem Beifahrersitz und lacht sich den Allerwertesten weg.