Traumfrau aus Knete

Peter sitzt am Küchentisch und knetet hingebungsvoll mit seiner pädagogisch wertvollen Bio-Knetmasse. Ich frage ihn, was das quietschbunte, knollenähnliche Ding werden soll und tippe auf „expressionistische Kartoffelernte auf Holz“. Ich liege falsch. Mein Kind gesteht mit mit schamroten Wangen: „Ich knete mir eine Freundin.“ Aha. So einfach ist das. Ich frage ihn, warum er das tut. Er erklärt mir, dass er es einfach gut findet, jemanden so zu machen, wie er ihn haben möchte: „Die ist dann genauso, wie ich es haben möchte.“ Ah ja. Natürlich erkäre ich ihm, dass ein anderer Mensch für gewöhnlich nie zu 100 Prozent so ist, wie ihn andere haben wollen. Peter nickt verständnisvoll. Und macht weiter. Thema verfehlt.

Ich frage interessiert weiter, welche Eigenschaften das Knet-Fräulein haben wird. Peter überlegt und nennt mir das heiß geliebte Nachbarsmädchen, das er hingebungsvoll anhimmelt, als Vorbild für sein Bunt-Werk. Eine Einschränkung: „Aber schau… mein Mädchen hat einen viel gelberen Bauch und einen ganz pinken Kopf.“ Ach ja, so lange es sich um solche Äußerlichkeiten dreht, ist alles noch nicht so schlimm. Mein Mann mag an mir weder meine heiß geliebte, olle Lederjacke (ordentlich verratzt von einer Fülle von Konzerten), noch mein Tattoo auf dem Bauch. Mein Piercing findet er auch nicht so prickelnd, genauso wenig meinen Hang zu bunten Frisuren. Ich hingegen hasse seine „Kreisliga-Meister 1994“-T-Shirts, die tollen Karohemden aus den 80-ern und seine Baumwollwindeln, genannt Schals. Auch wenn Halstücher derzeit ganz groß in Mode sind.

Während ich die Kartoffeln fürs Mittagessen schnipple, lasse ich mein Kind weiter Traumfrauen kneten. Und überlege mir heimlich, wie mein Knetmännchen aussehen müsste. Eine Mischung aus Campino, Jon Bon Jovi und George Clooney? Oder eher aus Mario Gomez, Til Schweiger und Hugh Grant? Allesamt auf meiner persönlichen Werteskala eher bei „scharfe Schnittchen“ als „lahme Tüten“ angesiedelt. Aber trotzdem. Eigentlich bin ich mit meinem Mann ja ganz zufrieden. Er kann Lampen reparieren, wenn es abends im Coucheck knallt, isst widerspruchslos alle meine neuen Rezptversuche à la Lafer und Mälzer, füttert die heimische Tierfraktion und toleriert sogar das Tote-Hosen-Poster in der Wohnung. Was will man mehr.  Aber trotzdem: So machem eingefleischten Single-Herren, stets suchend und willig, möchte man ab und an schon eine junge Madame kneten. So eine wie die Schwester Hildegard aus der Schwarzwaldklinik.

Fotos Peter und Blog 003

Ssssssssssssofz

Millionen von Frauen aus aller Welt werden mich verstehen. Die Männer werden greinen: „Noch so ne Emanzentussi.“ Lieber Männer, DAS nehme ich heute gern in Kauf. Folgendes Szenario. Mein Mann liegt immer noch mit maladem Knie auf dem Sofa. Es geht gegen Mittag, schnell zum Kindergarten, den Gnom abholen. Ich musste bis eben einen wichtigen Auftrag fertig machen, bin gedanklich noch gar nicht richtig da. Trotzdem haben alle Hunger – schätze ich. Also beeile ich mich.

Nur leider hat so ein Kochvorgang – genauso wie das Kindi-Abholen eines Vierjährigen – ganz eigene Gesetze. Das Wasser braucht so lange, wie es braucht, bis es heiß ist. Auch Zwiebeln kann man nur bedingt schnell hacken, es sei denn, man will zweieinhalb Finger dafür einbüßen. Ich brauche zum Schreiben beide Hände, von daher… Die Tomatensauce köchelt auf dem Herd, das Wasser leider immer noch nicht. Der Salat ist nicht mehr ganz so frisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte und bedarf daher eines größeren Putzaufwands als angenommen. Lange Rede, kurzer Sinn. Das Kind ist da, greint unfreundlich nach Essen und motzt so Sätze wie: „Da ist ja noch nicht einmal gekocht…“ Ich atme dreimal tief durch und gelobe mir Ruhe. Ruhig und gefasst erkläre ich ihm, dass ich gearbeitet habe. Ein erstaunter Blick allenthalben. Ach ja. Ich vergaß. Schreiben ist ja keine Arbeit.

Der kranke Gatte kommt mit leidendem Gesicht angehumpelt und fragt: „Kann ich was helfen?“ Ich nicke eifrig: „Den Salat putzen.“ Zum Glück klingelt es, die nette Briefträgerin bringt ein Päckchen für ihn. Das ersehnte Baugerät. Selbstverständlich muss man das jetzt sofort und auf der Stelle testen. Zum Greinen des hungrigen Sohns gesellt sich ein Geräusch, dass ich nicht so recht beschreiben kann: „Ssssssssssssssssofz.“ Oder so ähnlich. Ein Kabeleinzugsgerät mit superschönem englischen Namen und noch schönerem Preis. Sssssssssssssssofz. So etwas hat unser Haushalt noch gebraucht.

Also rühre ich wie gehabt meine Sauche um, hacke die Zwiebeln weiter, putze den Salat und schaue nach den Gnocchi. Decke den Tisch, hole Getränk aus der Speisekammer und richte unserer Tier-Fraktion die Gemüseabfälle handlich zusammen. Gläser fehlen noch und Untersetzer. Mist, den Arm verbrannt vor lauter Hektik. Ssssssssssssssssssofz. Das Gerät schein gut zu funktionieren. Mein integrierter Wut-Faktor auch. Meine hungrigen Männer sehen an meinem eisigen Blick, dass etwas nicht okay ist.  Der Holde fragt entgeistert: „Was haben wir denn gemacht?“ Ja eben. Das ist es ja. Nichts.

So blau wie auf Schalke

Wieder einmal war ich mit meinem Kind beim VfB. Auf dem Bau sind die Gipser, der stromende Elektro-Gatte will die Kanäle für die Leitungen in die Wände spitzen. „Ihr stört doch eh nur“, ist die Antwort auf meine verschämte Frage, ob wir wir vielleicht doch zum VfB… Nun gut, wenn das so ist. Wo wir doch nur stören.

Peter, Gram gebeutelt durch Hausbau und Kindergartenferien, freut sich riesig auf den Fußball-Ausflug. Schon in aller Herrgottsfrühe – kurz vor sechs Uhr – sucht er seinen VfB-Dress. Packt seinen VfB-Rucksack.  Überlegt, wer sein Lieblingsspieler ist („Der Gomez ist ja weg. Dann nehm‘ ich den Cacau. Der heißt ja wie Kaba.“). Ja, wir sind gerüstet.

Vorort, nachdem der erste Hunger und der Durst gestillt sind und ich nach einem Retour-Spurt zum Parkplatz auch endlich alle Jacken und Pullis dabei habe, wagen wir uns ins Stadion. Peter hat die Dauerkarte seines Papas geliehen gekriegt und ist mächtig stolz, als er sich in die Männer-Reihe zum Abtasten stellen darf. Freundlich will ihn der Security-Mann durchwinken. Da hat er die Rechnung allerdings ohne meinen Sohn gemacht: „Auch ICH will abgetastet werden.“ Das ist dem Ordner wohl noch nie passiert, kommt der nachdrücklichen Bitte natürlich trotzdem nach. Feixend.

In unserer Stammreihe bei allen Bekannten angekommen, wird Peter begrüßt wie ein neuer Spitzenstürmer. Der Muskel bepackte Ordner weist gleich alle heraufeilenden Fans an, dass der Platz ganz oben in der Mitte für den „Kleinen“ hier ist. Peter hängt ermattet in  meinem Arm. Nach soviel morgendlicher Hektik ist er total alle, da helfen auch Judiths freundliche Fahnen-Wedel-Versuche nicht mehr wirklich. Ich schlage meinem Thronfolger vor, sich einfach kurz auf die Pullis zu setzen. Ehe ich mich versehe, schnarcht mein Sohn. Wieder einmal vor dem Anpfiff. Als der letzte meiner Kumpels kommt, hat Peter seine dritte Tiefschlaf-Phase hinter sich. Spätestens nach „Walk on“. Bekanntlich allabendlich Peters Einschlaf-Lied.

Die erste Halbzeit erlebt das Kind abermals schlafend. Pünktlich mit dem Abpfiff ist er wieder da, schreit nach Schupfnudeln und Apfelschorle. Beides genießt er wiederum sitzend, zwischen all den hüpfenden, schreienden, Fahnen schwingenden und mitunter auch schimpfenden Fußball-Fans. „Mama, der da hat Arschloch gesagt.“ – „Ach, das hat der nicht so gemeint…“ Damit Peter sein VfB-Tuch besser schwingen kann, geht er wie eine Liesel von einem zum anderen auf den Arm. Der Zwerg ist mit seinen rund 17 Kilogramm zum „eben mal so Heben“ einfach zu schwer. Als wir gehen, sagt der Chefordner: „Tschüss, kleiner Mann, bis zum nächsten Mal.“

Am nächsten Tag sehe ich aus, als wäre ich in eine Schlägerei geraten: die Oberschenkel sind in allen Schattierungen bläulich-rot verfärbt und schimmern an ihren intensivsten Stellen so blau wie ein Schalker Dress. Käme ich so zum Arzt und würde sagen: „Ich war beim Fußball“, hätte der garantiert ein ganz falsches Bild von mir.

Gummibärchen für die Knochen

Ich treibe bekanntlich gern Sport. Ja, eigentlich bin ich sogar richtig ehrgeizig – egal ob beim Mountainbiken draußen oder im Studio drinnen. Heute hatte ich wieder einmal Fett-Mess-Termin im Fitness-Studio. Sie fragen sich vermutlich, was das ist? Nun ja, beim Fett-Mess-Termin bekommt man nicht nur einen neuen Trainingsplan, sondern erfährt auch, ob sich das Training überhaupt rentiert. Also: Wie hoch der Fettgehalt des eigenen Luxusbodys ist. Wie gut der Muskelaufbau. Wieviel zu hoch das Gewicht. Obwohl ich ja nicht wirklich ein Schwergewicht bin, finde ich es immer etwas schwierig, mich so bloß zu stellen – rein zahlenmäßig gesehen. Wer stellt sich, wohlwissend um fiese, hüftig platzierte Speckrollen und silberne Schwangerschaftsstreifen überhalb des Popos gern vor einen jugendlichen Trainer zur Vermessung? Riskiert ein wohl wollendes: „Na ja, das geht noch besser? Oder ganz fies: „So fett siehst Du doch gar nicht aus!“…  Nein, auch mir graute vor der Vorstellung. Deshalb liegt mein letzter Fett-Mess-Termin auch schon so lange zurück. Da war Peter gerade auf der Welt, ich noch um ein paar übrige Schwangerschaftspfunde reicher und dementsprechend unzufrieden mit mir.  Wie gut erinnere ich mich daran, dass ich so große Angst davor hatte, als unförmiges Monster kirchlich heiraten zu müssen…

Dieses Erlebnis hat mich geprägt. Mittlerweile ist mein Sohn vier Jahre alt. Weil mein Trainingsplan nach eigenen Ermessen nun wirklich überholt war, machte ich also wieder einmal einen Termin aus – nach ausgiebigem Sport, tollen Baueinsätzen und langen Bike-Touren allerdings deutlich fitter als beim letzten Mal. Und, das muss ich ohne Einbildung sagen, eigentlich ganz zufrieden mit mir und meinem Körper. Weder bin ich dauernd zittrig, weil das Gewicht zu niedrig ist, noch ärgern mit schwerwiegende Rollen am Hosenbund. ICH war also mit mir im Reinen, und ich hoffte darauf, der junge, sportliche Herr, der in Diensten meines Studios steht, würde es genauso sehen.

Und trotzdem. Ein bisschen Unbehangen schlich mit mir in das Trainerzimmer. Wie erfreut war ich über einen sehr verständnisvollen jungen Mann, der offen gestand, dass er Schokolade und Gummibärchen genauso liebt wie ich. Er am liebsten alles isst – so wie ich. Er von Messwerten gar nichts hält. Ständige Gewichtskontrollen doof findet und den BMI genauso. Einer, der sagte, dass er alles abgrundtief hasse, was man in schöde Zahlen und Kurven presse. Meine Werte, so versicherte er mir, seinen perfekt für mein Alter und meine Größe. Außerdem fand er gut, dass ich bei gutem Wetter lieber Mountainbike fahre und nicht unbedingt im stickigen Studio Gewichte stemmen will. Er gab mir sogar noch tolle Bike-Tipps. So ein netter Kerl. Seht, Ihr Leute, in Fitness-Studios arbeiten also nicht nur posende Pumper, die nur Putenschnitzel und Magerquark essen. Sondern auch Gummibärchen. Natürlich nur für den Knochenaufbau.

Schöne Momente I

* Wenn im Fitness-Studio der Trainer sagt: „Du siehst aber gut aus…“ Hat sich die Plackerei beim Steppen und Stemmen also doch gelohnt.

* Wenn mich mein Mann auf unserer Baustelle lobt: „Das hast Du jetzt mal richtig gut gemacht“, und nicht nur moniert, dass ich Mini-Fitzelchen von Restholz, Dämmwolle oder ähnlichem in die Mülltonne gekippt habe. Was er alles natürlich noch DRINGENDST gebraucht hätte.

* Wenn mein Kind Hähnchenfilet Saltimbocca mit Hochgenuss mampft, mit vollen Backen: „Mama, heut hast Du richtig lecker gekocht“, mümmelt und nicht meckert, dass es keine Pommes gibt.

* Wenn ich irgendetwas wiederfinde, von dem ich schon geglaubt habe, ich hätte es auf ein für alle Mal verloren.

* Wenn sich mein Kind im Halbschlaf an mich kuschelt und murmelt: „Mama, es ist so schön, dass wir uns haben…“

* Wenn mein Klamottengeschäft die Mexx-Kollektion auf ein Drittel runtersetzt und ich zufällig gerade da in der Stadt bin.

Fundsachen und Fundstücke

Wer so schusselig ist wie ich, kennt das Problem. Wer ein schusseliges Kind hat wie meines ebenfalls. In allen Fundämtern landauf landab bin ich wohl bekannt. Wenn ich ins Fitnessstudio gehe und Peter währenddessen in der Kinderbetreuung weilt, lassen wir bei durchschnittlich zwei Besuchen pro Woche drei Mal etwas liegen. Ich kenne die kleine Studio-Besenkammer, in der Fundarchivalien aufbewahrt werden, besser als meine eigene Küche. Ständig wird bei uns im Haus etwas vermisst. Derzeit sind es eine rote Mütze, unzählige Socken, eine Kindergarten-Tasche mit Benjamin Blümchen drauf und ein Toten-Hosen-T-Shirt. Außerhäusig sind ein Rucksack (steht bei der Tante meines Mannes in der Schweiz) und ein paar Adiletten. Nicht zu vergessen als jene Gegenstände, die wir im Auto spazieren fahren.

Gestern morgen habe ich ob solcher Schusseligkeit mit dem Fundamt unserer Gemeindeverwaltung telefoniert. Schließlich hatten die letztes Mal meine Sommerjacke. Dieses Mal hatte ich allerdings Pech mit meiner Anfrage – die Blümchen-Tasche war nicht vorort. Freundlich verwies man mich jedoch an die örtliche Sporthalle. Bei meiner Suche durch drei große, blaue Plastiksäcke fand ich die Blümchen-Tasche nicht. Wohl aber eine Mütze und eine Hose vom Sprössling und einen Schal. Immerhin. Auch wenn das Zeug peinlicherweise niemand vermisst hatte.

Brautschau

Peter macht sich zur Zeit sehr viele Gedanken, wie er mal lebt, wenn er groß ist. Welche Autos er fährt. Ob er auch mal ein Papa ist. Ob er dann immer noch in seinen Kindi kann zum Hallo-Sagen. Unlängst kam das Gespräch aufs Thema Verliebtsein.

Peter: „Bist Du in den Papa verliebt?“

Ich: „Ja klar! Sonst hätte ich ihn ja nicht geheiratet!“

Peter überlegt. Ich frage, ob er auch in ein Mädchen verliebt ist. Diese Frage empfindet mein Zwerg als Anmaßung und kichert peinlich berührt: „In ein Mädchen… naja…“ Trotzdem überlegt er, wen er mal heiraten könnte. Ich zähle hilfsbereit eine Reihe von jungen Fräuleins auf, die er mag.

Das wiederum geht dem Kind zu weit: „Ich such mir schon selber eine Braut.“

Zu Gast bei Ludolfs

In Zeiten, in denen jeder nur noch Themen-Abende auf Arte guckt und Mc-Donalds meidet, sollte man mit Outings vorsichtig sein. Trotzdem wage ich jetzt eines. Ich mag nicht nur Burger, sondern schaue mir liebend gerne auf dem vermeintlichen Männer-Fernsehsender („Weil Männer keine Frauen sind“) Auto-Sendungen an. Beiträge, in denen total verrostete, schrottreife Saabs zu blitzenden Schönheiten „getunt“ werden. Sendungen, in denen eine hübsche Mechaniker-Braut einem alten Porsche neues Leben einhaucht. Sendungen, in denen meine geliebten Sciroccos gepflegt und gewienert werden, so dass ich mir wünsche, meinen eigenen Scala dort mal abgeben zu können. Mittlerweile habe ich meinen Sohn mit diesem Fieber schon angesteckt: „Maaaama, schauen wir heute wieder den Autokanal?“ Und wenn ich mir’s recht überlege, bin ich mir sicher, dass Scirocco-Tuner nicht schädlicher für die Entwicklung eines Kleinkinds sind als vieles, was einem auf den so genannten Kindersendern über den Weg kommt. Angefangen bei dieser vielen Werbung.

Besonderes Herzblut liegt mir an den Ludolfs, jenen vier Brüdern, die einen Schrottplatz von ihren Eltern vererbt bekommen haben. Peter (so heißt mein Kind, aber nicht wegen Ludolfs), Manni, Günter und Uwe haben es mir angetan. Egal ob sie alte Opel-Ersatzteile verticken, einen Capri umbauen, Vergaser herausmontieren oder einfach nur schweigend am Telefon sitzen. Ich finde es klasse, wie man in einem für den Laien so unübersichtlich wirkenden Ersatzteil-Lager den Überblick behalten kann. Ich liebe es, wenn im Hause Ludolf gekocht wird. Ich finde es schön nostalgisch, dass die Rezepte der Omma dort bis heute ihre Gültigkeit besitzen. Außerdem mag ich die vier kauzigen Brüder wirklich gern – auch wenn sie mich nicht zum Essen einladen müssten. Die Ludolfs gehen ab Mittwoch, 9. September, wieder auf Sendung.

Baulust und Baufrust

Warum sagt einem niemand, dass man neben Gips, USB-Platten und Akku-Schraubern beim Bauen vor allem Geduld braucht? Gottvertrauen? Und ein Stückweit auch Gelassenheit? Dumm ist nur, dass ich all das noch nie wirklich hatte. Ich bin eine, die glaubt, Dinge liefen nur dann richtig, wenn man sich selbst drum kümmert. Deshalb birgt dieser Umstand Probleme – vor allem, wenn es darum geht, Wände zu vergipsen oder Heizungsrohre zu verlegen. Denn das sind alles Dinge, die ich wirklich nicht kann.

Jetzt sind wir beim nächsten Problem. Beim Handwerker-Suchen, das haben mein Mann und ich gleich gemerkt, kommt es nicht nur auf den Preis an (als junges, zum Sparen angehaltenes Paar natürlich auch). Mindestens genauso wichtig ist es, dass man einem Handwerker sein Vertrauen schenkt und sich gut aufgehoben fühlt. Das haben wir gleich gemerkt. Letztens waren zwei Herren für ein paar Stunden bei uns – hätten sie bei uns einen Großauftrag zu erledigen gehabt, hätte ich sie vermutlich eigenhändig an die frische Luft gesetzt. Mein Göttergatte und ich wollten die Wohnung vor bösen Geistern ausräuchern – so haltlose Gesellen waren das. Allerdings haben wir über die ganze Bauzeit auch viele sehr gute Erfahrungen gemacht.

Doof ist einfach nur, dass alles so Hand in Hand gehen muss. Der eine fängt erst dann an, wenn der andere fertig ist. Der dritte kommt nur, wenn Du Deine Eigenleistung über die Bühne gebracht hast. Das ist ein nimmermüdes Hamsterrädchen. Manchmal schlimm, manchmal nicht ganz so. Und ab und zu kommt dazu einfach ein „Bauhänger“. Man sitzt inmitten von gefühlten Tonnen Staub. Überlegt sich, welcher Teufel einen geritten hat. Warum das bisherige Mietshäuschen auf einmal nicht mehr gut genug war. Ärgert sich über verpasste Sonnentage. Bundesliga-Spieltage ohne persönliche Anwesenheit. Verpasste Partys, weil man noch eben kurz….

Trotzdem ist es eine Zeit der wertvollen Erfahrungen. Wieder einmal – ich schätze, man wird NIE so alt, dass man nicht dazu lernt – stelle ich fest, auf wen ich mich in Krisenzeiten verlassen kann. So ein Bau ist schließlich so etwas Ähnliches. Wieder einmal merke ich, wer immer da ist. Wer seine Hilfe ANBIETET. Und das, ich erwähnte es bereits, sind nicht viele. Unseren Bau musste man noch nie wegen Helferüberfüllung schließen. Auch die Zahl derer, die nur mal nachfragt, wie’s so geht inmitten von Dreck und Werkstoffen aller Art, hält sich in Grenzen. Von vielen Bekannten bin ich auch enttäuscht. Würden all jene mal nachfragen, wie es uns mit Bau, neuem Büro und kleinem Kind mal so geht, denen wir schon mal geholfen haben… Dann würde mein Telefon öfter klingeln. Meistens kommen eher noch Leute vorbei und bringen UNS etwas, was kaputt ist oder dringendst erledigt werden muss. Schon dreist, denke ich manches Mal. Biete aber trotzdem freundlich eine Hausführung und einen Plastikbecher Kaffee an. Und muss mir im schlimmsten Fall dann noch anhören, dass es schön staubig ist bei uns.

Und als das, dies habe ich beschlossen, werde ich künftig nicht mehr tun. Für jeden, der nur zum Neugierig-sein kommt, gibt es künftig weder Kaffee noch Führung mehr, sondern allenfalls ein fröhliches Hallo, gepaart mit Besen und Schaufel. Besonders beliebt sind bei mir die, die vorbei schauen, gute Ratschläge abladen und dann wieder gehen. Für das gehe ich künftig nicht mehr von der Leiter.

Leer gequatscht

Peters Papa ist wieder im Büro. Peter und ich urlauben noch etwas, weil der Kindergarten auch noch zu hat. Deshalb ist dem Knirps – verständlicherweise – ziemlich fad. Baustellentechnisch läuft grad im Moment unter Tags auch nicht sooo viel. Eben weil Peters Papa wieder im Büro ist. Deshalb gehen wir baden oder backen Waffeln. Wir bummeln in der Stadt. Essen Eis. Lesen Bücher. Planschen im Garten. Sie denken, ach Kasi hat es derzeit nett? Stimmt einerseits auf jeden Fall. Der Knirps ist echt lustig, und es macht Spaß, wenn es nicht immer irgendwie hektisch ist. Allerdings ist das gute Kind anderseits schon, Sie verzeihen, etwas anstrengend. Er fragt Löcher in den Bauch: „Mama, warum ist das Geländer grundiert?“, „Mama, wie macht man Eis? Und warum ist es kalt?“, „Mama, wo lernt man Flaschner?“, „Mama, woher kommen die Buchstaben?“, „Mama, wieso hat eine Acht zwei Nullen?“ oder „Mama, wie kommt der Strom in die Steckdose?“… Da bin ich mit meinem Latein des Öfteren am Ende.

Wie die Meisten wissen, bin ich nicht zwingend wortkarg. Nein, ganz und gar nicht. Um ehrlich zu sein, rede ich ganz schön viel. Aber eigentlich redet mein Kind noch mehr. So passiert es mitunter, dass Peters Papa abends heim kommt und ich außer „Hallo“ kaum noch einen vernünftigen Satz über die Lippen bringe. Eben weil ich leer gequatscht bin.

Deshalb schreiben wir uns jetzt im Hause Zettel. Gerade eben hat mir Peter einen für seinen Papa diktiert, damit er weiß, wo seine Lieben sind: „Das ist eine Nachricht von Peter und Kasi. Wir sind im Freibad, wir weißen aber noch nicht in welchem. Halt, doch, in Fridingen. Viele Grüße von Peter und Kasi. Ach ja, von den Freibad-Plänen habe ich so ebenfalls erfahren. Allerdings finde ich die Idee gar nicht so schlecht.