Eine Freundin oder mehr

Peter erzählt beim Mittagessen von Lara, einer neuen Freundin. Ich frage ihn nach seiner „Bisherigen“ und verbessere mich: „Ach ja, in Deinem Alter kann man ja durchaus noch zwei Freundinnen haben…“ Peter nickt wissend und sagt: „Oder vier oder noch mehr…“

Peter hat einen liebenswürdigen Nenn-Onkel, den er über alles liebt. Bei diesem gibt es immer Kaubonbons. Peter, wie ein kleiner Drogenhund, weiß das natürlich; dementsprechend groß ist immer die Freunde, wenn besagter Herr irgendwo auftaucht: Dann gibt es nämlich Süßi. Eben hat Peter ein Zitronenbonbon gekriegt und mampft genüsslich. Plötzlich sagt der Bonbon-Geber: „Pass auf, jetzt kriegst Du nochmal drei Bonbons. Du mussts aber Mama und Papa auch eins geben.“ Peter nickt eifrig, greift sich in den Mund und holt das angekaute heraus. Richtig, man hatte ihm ja nicht gesagt, dass er ein NEUES Bonbon hergeben müsse.

FZ-ler kommen weit herum

Nizza, Morteau, Comines: Im Lauf der vergangenen 30 Jahre sind die Mitglieder des Nusplinger Fanfarenzugs weit herum gekommen. Das Geburtstagswochenende begann am Freitag mit einem Festakt.

Nusplingen. Zur ersten großen Party des Drei-Tage-Marathons kamen viele Gäste – beispielsweise die Fanfarenzüge aus Stetten/Haigerloch, Münchhöf, Königseggwald und Wehingen. Das Handwerkervesper hatte der örtliche Musikverein musikalisch umrahmt, beim Festakt sorgte der Nusplinger Männergesangverein für den guten Ton.

Edi Behnke, Klaus Schlude und Hubert Ritter waren es einst gewesen, die aus einer jungen, musikbegeisterten Truppe mit viel Herzblut einen Fanfarenzug geformt hatten. Ihnen zur Seite standen in der Anfangszeit die Fanfarenfreunde aus Spaichingen; vor allem Waldemar Vogelgsang war für die engagierten Nusplinger FZ-ler ein wichtiger Ansprechpartner. Dieser erhielt am Freitag für seine wichtigen Verdienste in der Anfangszeit ein Präsent.

Die Gründungsmitglieder – Edi Behnke, Dietmar Borowski, Günter Braun, Ottmar Braun, Roland Braun, Bernhard Dett, Franz-Xaver Dett, Alfons Glückler, Hans Hager, Joachim Kleiner, Michael Kleiner, Frank Mauch, Rolf Mauch, Hans-Dieter Mengis, Angelika Kiener, Armin Reiser, Jakob Reiser, Hubert Ritter, Joachim Ritter, Jürgen Ritter, Klaus Schlude, Josefine Schmieder, Reiner Schmieder, Roland Staiger und Birgit Weiger – wurden für 30-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet. „Ohne Euch würde es heute keinen Fanfarenzug geben, und wir hätten viele fröhliche Stunden nicht musizieren und feiern können“, so Vorsitzender Willi Schreiber in seiner kurzen Ansprache.

Roland Staiger bekam von Josef Braun, dem Vorsitzenden des Blasmusik-Kreisverbands Zollernalb, die goldene Ehrennadel des Verbands: Er ist das einzige FZ-Mitglied, das seit Beginn ununterbrochen als aktiver Musiker dabei ist. Hubert Ritter und Edi Behnke wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Ein Festakt ohne Rückblick geht nicht – FZ-Chef Schreiber fasste sich jedoch kurz und erinnerte nur an einige Höhepunkte wie den Fernsehauftritt bei „Kein schöner Land“ oder die Aufnahme der CD „March on“. Denn im Mittelpunkt des Abends standen keine langen Reden, sondern das gemeinsame Geburtstagsfeiern.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

Ehrungen Festakt FZ 26.6.09

Fanfaren schmettern laut

Kleine Turner von anno dazumal und viel Musik – ein historischer Umzug mit über 20 Gruppen bildete am gestrigen Sonntag den Höhepunkt des Nusplinger Fanfarenzug-Jubiläums.

Nusplingen. Oldtimer-Traktoren tuckerten fröhlich vor sich hin, die kleinen Turner des örtlichen TSV schwangen ihre Keulen, all die wunderschön ausstaffierten Fußgruppen zogen ebenso durch die Straßen. Alles in allem hatte der Fanfarenzug noch einmal eine richtig runde Sache auf die Beine gestellt. Meisterlich unterstützt von den Vereinen und Bürgern, die den kunterbunten Lindwurm unter dem Motto „Nusplingen anno dazumal“ mit Fußgruppen bestückt hatten. Dazu kamen die angereisten Fanfarenzüge, die dem Spektakel zum einen musikalische Klasse und ordentlich Lautstärke verliehen und zum anderen mit ihren farbenreichen Uniformen wunderschöne Akzente setzten.

Tags zuvor, am Samstag, war das große Zelt am Nusplinger Ortsausgang zunächst einmal in Kinderhand. Da gab es einen Hasenlauf und viele fröhliche Spiele. Die Kindergartenkinder hopsten als Schlafuzzis über die Bühne, und die kleinen Turner baten, moderiert von Sandra Klaiber und Carolin Sisto, den Gorilla mit der Sonnenbrille zum Tanz.

Getanzt und geschunkelt wurde am Abend auch – allerdings war da das Publikum wieder etwas älter: Die Froschenkapelle aus Radolfzell, in Nusplingen bekannte Gäste, verwandelte das Zelt innerhalb kürzester Zeit in einen Hexenkessel und brachte ordentlich Stimmung in die Bude. Da traf die „Fischerin vom Bodensee“ auf aktuelle Charthits oder das „Trompeterecho“ – faszinierend, wie die Musiker die Generationen verbinden. Die Gäste indes kamen nicht nur aus Nusplingen, sondern aus der ganzen Region; auch der sonntägliche Frühschoppen, den die „Froscha“ nach dem Festgottesdienst in Maria Königin im Zelt gestalteten, war gut besucht. Ringsum sah man nur zufriedene Gesichter. Damit haben sich für die Fanfarenzügler die monatelangen Vorarbeiten wirklich gelohnt.

kasi für Zollern-Alb-Kurier

FZ Umzug TSV

Kind von Bord

Wir sind auf dem Sportplatz bei einem Fußballturnier. Während Papa und Mama zielgerichtet den Platz hinterm Tor ansteuern, macht sich Sohnemann auf zum Spielplatz – nicht ohne jedoch genau erklärt bekommen zu haben, wo er Mama und Papa im Notfall findet (Hunger, Durst, Klo oder andere, seelische Nöte). Auf dem Sportgelände gibt es zwei Plätze, auf beiden wird lautstark gespielt. Wir hören nicht, dass „Peter Mama und Papa“ sucht. Wir hören auch nicht, dass er ausgerufen wird. Blöd ist nur, dass es sonst jeder hört. Irgendwann ist das Spiel aus, wir finden unser Kind wieder, und gehen, als sei nichts gewesen, eine Wurst essen. Bis aus dem Lautsprecher eine fröhliche Stimme ertönt: „Wir begrüßen auch ganz herzlich die wiedervereinigte Familie Weiger, die sich offenbar wieder gefunden hat.“ Schön, wenn jeder weiß, was für Rabeneltern das Kind hat.

Peter liest ein Kinderbuch mit der Häschenbande. Auf der letzten Seite kommt der Fuchs zu Besuch, den bei Hasens natürlich niemand so richtig gern mag. Die Häschenbande hat also Angst. Nachdenklich betrachtet Peter die davon rennenden Langohren und meint ganz trocken: „Die hätten sich mal besser Gedanken über eine Überwachungskamera gemacht.“

Ich und Reich-Ranicki

Eigenlob stinkt ja bekanntlich. Aber durchs Internet kann man das ja nicht riechen. Und ich MUSS jetzt einfach einmal von etwas erzählen, was es schaffte, dass ich von einem Zeitungstermin heimflog und danach vor Stolz im Sitzen schlafen musste.

Ein feiner Termin in der örtlichen Stadthalle. Die Männer in Anzug und mit Krawatte (ich deshalb ohne Mann), die Frauen im Kostümchen mit hohen Schuhen (oh ja!) oder manche sogar im langen Kleid. Ich und ein Praktikant vom Konkurrenzblatt (mindestens zehn Jahre jünger) sitzen ganz vorne miteinander an einem Vierertisch, gegenüber von uns ein reizendes, älteres Ehepaar. Wie das so ist, kommt man bei Lachs-Häppchen, Entenbrust und Mousse ins Gespräch. Die nette Dame interessiert sich stark dafür, wie das so ist bei der Zeitung, was man da so lernen müsse, wie die Ausbildung über die Bühne gehe, ob man Journlismus auch studieren könne. Der junge Mann und ich geben bereitwillig Auskunft. Bis sie dann fragt, wann wir denn mit der Ausbildung fertig seien. Ich schweige höflich; der junge Konkurrenzblatt-Praktikant erklärt wortreich sein Praktikum, seine Zukunftsvorstellungen, seine Ideale und Ziele und überhaupt sein ganzes Leben – frei nach dem Motto „Ich, Reich-Ranicki und mein Verleger“.

Und ich? Ich schweige noch immer. Ist ja auch alles schon ne Weile her – das mit Ausbildung und so. Nebenbei: Den Journalismus-Zweig, der mich damals beherbergte, gibt es in der finanzschwachen Weltmetropole Berlin gar nicht mehr, und das auch schon seit einigen Jahren. Bis meine wissbegierige Tischnachbarin mich fragt: „Und Sie? Wann sind Sie fertig?“ Ich dachte, sie meint meine Essenstätigkeit und antwortete wenig einfallsreich: „Ach, in drei Minuten. Noch kurz die Erdbeerchen und die Schokosoße…“ Dann sagt sie und wedelt belustigt mit ihrer Serviette: „Nein, Fräuleinchen… nicht mit dem Essen, sondern mit Ihrer Ausbildung…“ Wäre ich woanders gewesen und hätte jetzt am Eingang einer Disko um Einlass gebeten oder im Fußballstadion auf die Leibesvisitation gewartet, hätte ich mit Sicherheit gedacht, dass mich da jemand ganz gewaltig aufs Ärmchen nimmt. Und gebrüllt: „He, Du glaubst wohl, Du kannst mich verarschen? Nein, kannst Du nicht. DA musst Du schon früher aufstehen…“ Aber die ältere Dame schaut mir ganz freimütig ins Gesicht und lächelt milde ob meiner Begriffsstutzigkeit. Ich fühle mich befleißigt, sie aufzuklären. Dass ich schon längst ausgelernt habe. Dass ich sogar schon studiert habe. Und dass daheim ein vierjähriger Peter auf mich wartet. Ihr Erstaunen ist echt: „Und ich dachte, da haben die Redaktionen heute echt Mut bewiesen und zwei ganz junge Küken geschickt.“ Wie gesagt, ich bin heimgeflogen. Und war glücklich darüber, dass sich meine teure Gesichtscreme rentiert hat und ich in der Nacht zuvor mal ausnahmsweise genug geschlafen hatte. Dass das Licht in der Stadthalle gedimmt war. Dass mein Make-up gelungen war. Stolz war ich trotzdem. Hach.

Der Fairness Willen aber auch ein Ereignis, an das ich mich weniger gern erinnere. Wir unternahmen vor ein paar Jahren eine Fahrt in polnische Partnerstadt unserer Gemeinde. Damals hatte ich mich kurz zuvor mit meinen Inlinern so was von auf die Fr… gelegt… ich sah aus wie gesteinigt. Überall Schürfwunden, das ganze Gesicht verquollen, blutunterlaufen. Kein wahrer Augenschmaus. Und zu allem Überfluss hinkte ich, weil ich mir bei meinem fiesen Sturz auch noch einen Zeh gebrochen hatte. So kam ich also nach Polen. Ich genoss Sonderbehandlung. Durfte immer sitzen, wo andere stehen mussten. Bekam immer gleich zu trinken oder zu essen. So gesehen, profitierte ich durchaus von meiner Sportverletzung und kam mit meiner Behinderung ganz gut zurecht.

Zwei Jahre später kam die polnische Delegation zu uns in den Ort. Es ergab sich ganz zufällig, dass ich kurz zuvor wieder sport-verunfallte: Ich riss mir den Knorpel im Knie im Fitness-Studio, was eine aufwändige OP und Krückenlaufen mit sich brachte. Plötzlich kam eine fröhliche, junge Frau auf mich zugelaufen: „Du musst sein Kaatja.“ Ich bejahte. „Soll Dir sagen viele Grieße von Deiner polnischen Gastgeberin.“ Ich freute mich ehrlich – die Gastgeberin war eine reizende Dame gewesen. Ich fragte, woher sie denn gewusst habe, dass ich Katja bin. Sie antwortete: „War ganz einfach. Deine Gastmutta hat gesagt, Katja is ganz arm Frau, wo kann nicht richtig gehen.“

Weißrot beschirmt und etwas schusselig

Zur Zeit bin ich etwas schusselig. Beispiel: Letztes Wochenende. Viele Termine. Viel Arbeit. Stress pur. Nun gut, da passieren Pannen. Samstagmittag. Ich bin auf einem Termin und vergesse dort meinen Block. Sonntag: Ich vergesse konsequenterweise gleich den ganzen Termin. Dienstag: Ich finde nach dem Termin in der nächtlichen Innenstadt mein Auto nicht mehr. Am Mittwoch muss ich beim Unterzeichnen einer Überweisung doch glatt auch noch überlegen, wie ich eigentlich heiße – schlappe fünf (!) Jahre nach meiner Heirat. Am Donnerstag: blieb ein Regenschirm auswärts. Muss ich mir Sorgen machen? Vermutlich schon. Ich schätze, es gibt Ärzte, die so etwas therapieren. Allerdings würden die mir besser mal einen meiner vielen Termine abnehmen. Ach ja, ich hab übrigens alle Pannen wieder glatt gebogen. Den fehlenden Block brachte mir mein Kind über Umwege aus dem Kindergarten mit („Kannst Du mir mal sagen, warum ich ein Päckchen mit nem Block bringen muss?“). Den vergessenen Termin machte ich durch eine freundliche Telefonrecherche und eine riesig nette Gesprächspartnerin wieder wett. Und das Auto habe ich auch wieder gefunden (zum Glück). Einzig und allein mein Regenschirm blieb verlustig. Leider der einzig schwarze, den ich besitze – für traurige oder feine Anlässe. Wenn Sie also demnächst bei einer Beerdigung oder ähnlichem ein sorgsam gekleidetes Fräulein mit einem weiß-rot-gestreiften Schirm leuchten sehen, bin das ich.

Die Karriere sitzt

Peters Papa spielt schon seit Jahren in einem Fanfarenzug. Peter geht immer gern mit zu den Auftritten  und findet die Uniform total schick. Ich: „Peter, willst Du auch einmal im FZ spielen?“ – Peter ungerührt: „Neee… ich werd‘ Schlagzeuger bei den Toten Hosen.“ Die Karriere sitzt.

Hundertwasser hypnotisiert

Nach dem „Hype“ um Hundertwasser kehrt in der Galerie Albstadt – zumindest vorübergehend – Ruhe ein.

Albstadt. Der bekannte Maler und Grafiker hat die Massen magisch angezogen. Fast 18.000 Besucher wollten seine Werke sehen (wir berichteten): alt und jung, Schulklassen, große Gruppen und kleinere, vom Kindergartenkind bis zum 100-jährigen Kunstfreund Alfred Sebenico. Die Besucher kamen nicht nur aus Albstadt, sondern reisten aus Stuttgart, vom Bodensee, aus Tübingen, Mannheim oder Berlin an.

Das Galerieteam ist angesichts dieser Besuchermassen immer noch sprachlos. „Das hätten wir nie zu träumen gewagt“, sagt Volontärin Beate Reutter, die das Organisatorische rund um die Schau erledigt hat. Der literarische Brunch, zu dem am Sonntag Rosemarie Banholzer Prosa und Lyrik las, bildete sozusagen den Schlussstrich unter etwas, was die Galerie in dieser immensen Form noch nie erlebt hatte – auf Neudeutsch hieße es vermutlich „massiver Run“. Selbst zum abschließenden Brunch waren noch einmal über 40 Kunstfreunde da und ließen sich Kuchen und Maultäschle schmecken.

Nach so viel „Action“ jetzt erst einmal Durchatmen. Dr. Veronika Mertens, langjährige Mitarbeiterin in der Galerie Albstadt, freut sich sehr über den riesigen Besuchererfolg der Hundertwasser-Ausstellung. Zum einen hätten viele „neue“ Gäste den Weg ins Albstädter Kunsthaus gefunden. Zum anderen habe sich Hundertwasser mit seinen vielen, farbenfrohen Werken gut dafür geeignet, um selbst ganz junge Besucher behutsam mit Kunst vertraut zu machen. Außerdem hat die Hundertwasser-Ausstellung laut Mertens davon profitiert, dass der bekannte Künstler in den Lehrplänen der Schulen fest verankert ist: „Stellenweise waren drei, vier Schulklassen auf einmal da.“

Dennoch wird Veronika Mertens nicht müde, auf die große Bedeutung der Albstädter Sammlung hinzuweisen – egal ob mit Dix oder Caspar-Filser. Veronika Mertens und ihrer Kollegin Beate Reutter ist bewusst, dass ein Otto Dix und seine oft düsteren Kriegsmotive die Massen mitunter verhaltener mobilisieren als ein Hundertwasser, „dessen Name sehr vielen Menschen vertraut ist“. Allerdings, so sagt Mertens, brauche ein Haus wie die Galerie Albstadt beide Facetten: Ausstellungen mit allgegenwärtig vertrauten Namen wie Hundertwasser und genauso die Schauen, die der Albstädter Sammlung gerecht werden. Nicht zuletzt seien Werke aus Albstadt in der ganzen Welt zu sehen – „egal ob Wien, Madrid oder Mailand“.

Von daher wünscht Veronika Mertens auch der neuen Ausstellung mit Zeichnungen von Otto Dix, Martina AltSchäfer und Ulf Cramer einen großen Erfolg. Vernissage ist am Sonntag, 5. Juli.

kasi für Zollernalbkurier

Wir kommen wieder

Ich beneide alle, die ohne Kind ein Haus bauen können. Wir brauchen für jeden gemeinsamen Bau-Dienst einen Babysitter, egal ob Bretter-Tragen oder Firmenbesuch, oder wir nehmen den Knirps halt mit. Mittlerweile fragt das Sohnkind schon, wenn wir mal „nürgends wo“ hingehen: „Gehen wir heute zu keinem Schreiner?“ Nun ja. Diese Woche waren wir zwar bei keinem Schreiner, aber dafür bei einem Sanitärfachmann und Heizungsbauer. Peter, direkt aus Kindergarten und Omas Garten, steht vor Dreck. Zum Umziehen reicht die Zeit nicht, weil sowohl Papa als auch Mama im Büro getrödelt haben. Deshalb nehmen wir unser verdrecktes Sohnkind halt so mit wie es ist. Ohne Abendessen und frische Klamotten, dafür mit viel frischem Sand, Grasflecken und leichtem Sonnenbrand. Kaum im Büro des sehr freundlichen Herrn angekommen, sagt Peter: „Du hast es schön hier. Kann ich bitte ein Glas Wasser haben?“ Die Frau des netten Handwerksmeisters bringt für uns alle Wasser und Gläser. Peter trinkt zufrieden. Um dann mitzuteilen: „Jetzt hab ich aber Hunger.“ Wieder weiß die nette Gattin Abhilfe und bringt ein Überraschungsei. Peter mampft ergeben: „Mönsch, super, sogar mit ner Brosche drin. Jetzt gehe ich in die Spielecke. Wo ist die?“ Während ich den Tisch säubere und das Kind, können mein Mann und der nette Heizungsfachmann wenigstens die Details unserer Heizung klären. Eine Spielecke, bedauert der Firmenchef mit traurigem Gesicht, gebe es nicht. Peter nimmt das einigermaßen gelassen: „Dann gibt’s die halt das nächste Mal.“ So weit alles klar. Weiter im Heizungs-Text.

Bis Peter wieder die Ruhe stört: „Sag mal, wo ist Dein Klo? Ich muss mal groß.“ Ich weiß nicht, wohin ich gucken soll. Mein Mann wünscht sich vermutlich zu seiner Mama zurück in seine Single-Wohnung unter dem Dach. Ich packe den Sprössling und folge mit rotem Kopf dem netten Heizungsbauer in seine sanitären Anlagen. „Cool“, brüllt Peter, „sooo ein schönes Klo will ich auch.“ Ja. Ich spüle Dich gleich das schöne Klo runter, Du Satansbraten. Peter sitzt auf, und alles passt. Wir lüften und gehen frisch gewaschen zurück in den Besprechungsraum. Der Rest des Gesprächs verläuft einigermaßen ruhig. Als wir gehen, bekommt der Zwerg eine eigene Seife, einen eigenen Labello und einen eigenen kleinen Meterstab. Das Kind strahlt vor Glück und sagt: „Danke schön. Du bist so nett. Und alles ist so schön. Sogar die Kaktusse auf dem Balkon. Wir kommen wieder.“ So eine Drohung für so einen netten Mann. Er tut mir Leid.

Am Tag darauf. Peter zieht seine Lieblings-blaue-Latzhose an (viel zu kurz, und trotz Hitze mit gestrickten Socken): „Jetzt fehlt nur noch das Heizungsbauer-Logo. Weil ich werd jetzt Rockstar und Heizungsbauer in einem schönen Büro.“

Wenn der auch nicht hört

Ein hektischer Tag. Spät vom Termin zurück. Im Sturmschritt eingekauft. Kind vom Kindi abgeholt. Wenigstens war der Thronfolger dankbar: „Super Mama, heut‘ war ich wenigstens mal nicht der Letzte.“ Danach mit fliegendem Schurz und unendlicher Hektik ein nahrhaftes und leckeres Mittagsmenü gezaubert. Während ich bis zu den Ellbogen in der Fleischmarinade stecke, klingelt das Telefon. Weil ich den Hörer ungern mit Chili-Sauce vollschlunzen will, weise ich das Sohnkind an, sich ordentlich zu melden und freundlich mitzuteilen, dass seine Mama gerade kocht und später zurückruft, er aber auf jeden Fall nach dem Namen fragen soll. Das Klingeln hört auf, Peter ist also am Telefon. Ich hingegen lausche angestrengt: „Meine Mama kocht. Du sollst später anrufen. Aber erst, wenn wir Mittagessen gehabt haben und Nachtisch gegessen haben.“ Okay. Sinngemäß kommt das ja einigermaßen hin. Ich frage, wer dran war: „Ein unhöflicher Mann. Er hat seinen Namen nicht gesagt. Ich meinen aber auch nicht.“

Exakt drei Minuten später dudelt das Telefon wieder. Peter brüllt in den Hörer: „Hab ich Dir nicht gesagt, dass Du später anrufen sollst? Dass wir erst Mittag essen? Und Nachtisch? Und dass die Mama kocht? Mensch.“ Wütend drückt er das Gespräch ab und meckert vor sich hin: „Wenn der auch nicht hört.“