Peter muss dringend zum Friseur. Mein Sohnkind sieht aus wie ein Yeti und droht zuzuwachsen. Er lässt sich richtig beraten: „Was steht mir denn?“ Und entscheidet sich dann für etwas Bob Ähnliches: „Ich will es etwas länger tragen.“ Das Tüpfelchen auf dem Friseuren-I sind stets die bunten Strähnchen, die sich jedes Kind danach frei aussuchen darf. Peter wählt als Basisfarben neonpink und giftgrün. Kicherd koboldhaft vor sich hin: „Hihihihi… wenn mein alter Papa nachher heimkommt… den wird vielleicht der Schlag treffen…“ Das kann ja heiter werden, bis der Sprössling 16 ist.
Kategorie: Peter & Paul
Unser Sohn ist berühmt-berüchtigt für seine Bonmots, seine netten Sprüche und so manche Anekdote…
Rechtlos in der Musikschule
Peter und ich kämpfen am hellen Nachmittag darüber, welche Schuhe er anziehen soll. Ich bin für die älteren, im Kindergarten geht man vermutlich nach draußen. Peter erbost: „Immer muss ich tun, was DU willst. Hab ich eigentlich gar keine Rechte – so als Kind?“
Peter geht zum ersten Mal in die Musikschule. Dort klebt er mit ein bisschen Hilfe mühevoll einen Notenschlüssel aus Wollfäden aus Papier. Stolz präsentiert er das Kunstwerk danach seiner Oma Schatz: „Schau mal, Oma Schatz. Ich hab einen Zündschlüssel geklebt.“ Mein kleiner Autonarr.
Wir wollen den neuen Scirocco probefahren, gleichzeitig wird mein Auto geschätzt. Peter schaut angeekelt auf die sandigen Sitze und die Brezelkrümel: „Da musste die Kiste aber noch ordentlich putzen. Sonst genier ich mich ja mit Dir.“
„Der Papa ist manchmal voll ne Spaßbremse.“
Peters Papa: „Peter, bin ich dick?“ – Peter: „Neee. Aber…“
Peters Papa: „Wen findest Du dick?“ Peter überlegt: „Neee, die Mama auch nicht. Obwohl sie Busen hat.“
Susi und Strolch
Letzte Peter-Story für heute. Das Sohnkind liegt zähnegeputzt, gebadet und mit Himbeercreme gesalbt wohlduftend in seinem Hochbett. Ist schon so halb dösig vor Müdigkeit. Ich steige hinauf, um das allabendliche Ritual hinter mich zu bringen: Lesen und Singen. Als Lektüre habe ich ein Susi-und-Strolch-Buch gewählt. Weil ich die beiden Hundchen als Kind so süß fand. Peter schaut angeekelt auf den Buchdeckel und murmelt: „Wasn das?“ Ich erkläre wortreich die Geschichte von den beiden Hundchen, die sich so lieb haben und sich retten und überhaupt. Peter findet das alles doof und schiebt mir wortlos die Auto-Bild rüber: „Lies mir mal besser was Gescheites vor.“
Familienausflug Teil 1
Familienausflug bei Familie Kasi. Zur Freude des Sohnkinds wollen wir ins Kino, in den neuen Laura-Stern-Film. Dass das Wetter herrlich ist, lassen wir beiseite. Dass ich denke, dass normales Fernsehen für die reizüberfluteten Kinder von heute auch ausreicht zur Bespaßung auch. Jeder im Kindergarten war schon im Kino, nur unser Thronfolger nicht. Wir geben uns geschlagen. Bei herrlichem Herbstwetter. Und weil wir dem Kind einen Wunsch erfüllen wollen.
Zuerst lässt sich alles ganz prima an. Peter freut sich riesig über den Ausflug und weil er endlich mitreden kann beim gemeinsamen Frühstück im Kindergarten. Von der Technik in dem winzigen Kinosälchen ist er fasziniert, mein Mann eher von den niedrigen Preisen der Nachmittagsvorstellung. Der Film beginnt. Für meinen Mann zuerst mit einer hektischen Einkaufaktion, weil Peter die mitgebrachten Schokolinsen nicht mag und unter dem vorwurfsvollen Blick der anderen Eltern lautstark verkündet, dass doch jedermann – „Herrgott“ – auf dieser Welt weiß, dass er am liebsten „nooormaaale Gummibärchen“ ist. Mein Mann tapst schuldbewusst wie eines davon. Ja. Das weiß doch eigentlich jeder.
Dann sitzen wir endlich alle. Sogar auf den richtigen Plätzen. Plötzlich weist uns die Nebensitzerin darauf hin, dass es draußen Sitzerhöher für kleine Besucher gibt. Vorwurfsvoll: „Ihr Kind sieht ja gar nix.“ Ich verkneife mir die Bemerkung, dass man hier umso besser hört – Leute, war Kino schon immer so laut? Oder wird das Publikum immer älter? Der Kasi-Mann will beim ersten Mal alles richtig machen und holt sofort so eine Gummischale, die eher nach Sanitätshandel aussieht als nach Cineastentum. Egal. Das Sohnkind ist glücklich und sitzt hoch. Und wir sind endlich auch zufrieden.
Dieser ungetrübte Zustand des Glücks währt allerdings nicht lange. Peter ist zu leicht für den roten Plüsch-Klappsessel. Und beginnt zu schaukeln. Was höllisch quietscht. Erst die Androhung, man verlasse das Haus sofort und ohne Widerrede, verhilft uns zu Ruhe. Peter sitzt still und verfolgt Lauras Reise nach China. Bis der Neujahrsdrache ins Spiel kommt. Ich habe ansonsten kein sehr sensibles Sohnkind, wie Sie wissen. Aber den Film empfinde ich für kleine Leute (ist immerhin ab 0 Jahren freigegeben) als sehr gruslig. Peter auch. Er verkrümelt sich auf meinem Schoß, hat den Kopf unter meinem linken Arm und wimmert: „So ein schreckliches Vieh.“ Natürlich wiederum lautstark. Ich gebe ihm recht. Mein Mann reagiert pädagogisch sehr sinnvoll, wer von uns wollte mal Lehrer werden? Er sagt: „Ach Peter, komm‘ jetzt.“ Was natürlich zur Folge hat, dass ich, das weinende Sohnkind in der Winterjacke, mit meinem Mann darüber streite, ob ein kleiner Junge im Kino Angst haben muss oder nicht. Ich bin für nein und den sofortigen Amarsch nach Hause. Mein Mann, der Schwabe, man hat ja bezahlt, unweigerlich fürs Bleiben. Und Peter selbst? Heult mittlerweile wie eine Sirene, weil er sich nicht entscheiden kann, ob er Angst hat oder nicht. Bis ich ihm – pädagogisch auch nicht korrekt – einen Besuch in einem Fast-Food-Tempel verspreche. Sofort spritzt er auf. Mein Mann und ich diskutieren kurz, wer was abräumt (Flaschen, Trinkhalm, Schokolinsen, Gummibärchen). Ich und Peter gehen nach draußen. Das Männlein schluchzt: „Da guck ich lieber wieder Ludolfs oder Bauer sucht Frau.“ Hört zum Glück niemand.
Wer nicht kommt, ist unser Familienoberhaupt. Ich stehe frierenderweise mit dem Sprössling auf dem Kino-Parkplatz und zähle VWs, Audis und Fiats. Erkläre, warum der Panda alt ist und der Golf nicht. Und mein Mann? Kommt nicht. Erst nach gut 20 Minuten lässt er sich blicken: „Ich musste ja noch sehen, wie der Film ausgehen.“ Männer.
Dich oder keine
Abholzeit am Kindergarten. Bin wieder die letzte eintreffende Mama. Das Sohnkind ist sehr erleichtert, mich zu sehen. Er stürzt sich in meine Arme und gibt mir einen nassen Schmatzer auf die Wange. Auf meine Frage, ob er nicht lieber jüngere Frauen küssen würde, meint er treuherzig: „Ach Mama. Dich oder keine.“ Ich bin gerührt. Peters Großmut geht noch weiter: „Und wenn ich dann mal groß bin und meinen Fiat fahre, darfst Du vorne bei mir sitzen. Der Papa, der muss hinten rein.“
Rote Karten, blaue Briefe
In Peters Kindergarten ist es ein lobenswerter Brauch, dass ein Kind „Verbot“ kriegt, wenn es nicht aufräumt. Das finde ich gut – ich kann gut nachvollziehen, dass keine Erzieherin der Welt Lust hat, sich wegen diverser Aufräumaktionen den Mund fusslig zu reden. Ehrlich gesagt, reicht mir zu Hause mein beratungsresistentes Einzelkind zuhauf, was das anbelangt. Deshalb verstehe ich nur zu gut, dass die Erzieherinnen wenig Ambitionen haben, ständig hinter 20 bis 30 kleinen Ferkelchen herzuräumen.
Mein Kind ist defintiv ein solches Ferkelchen. Eher sogar ein ausgewachsenes Ferkel. Im Kindergarten gibt es also Kaspertheater-, Puppenecken- oder Baueckenverbot. Daheim kann ich dem Kind schlecht das Wohnzimmer verbieten – wohl aber den Fernseher.
Im Kindergarten hängt nach Verhängung eines Verbots stets ein roter Zettel mit den Namen all jener Kinder drauf am betreffenden Spielobjekt – also Kaspertheater, Puppenecke oder Bauecke. Daheim klebt mittlerweile ein Zettel an der Glotze, weil Peters Papa ja oft nicht wissen kann, was ich und das Kind miteinander erkämpft haben. Außerdem haben wir erziehertechnisch zu Hause mitunter „fliegenden Wechsel“. Da ist die Kommunikation über Zettel mitunter der einzige Weg, sich zu verständigen. So weit ist das ja alles gut und schön mit der Konsequenz. Wenn da nicht das „Arbeitszimmer“ von meinem lieben Mann wäre. Das, liebe Freunde, sieht aus, als hätte eine Bombe reingeschlagen. Und zwar mittenmang.
Passenderweise kommt mein Mann heute gerade heim, als Peter und ich mal wieder wegen diverser Aufräumaktionen kämpfen. Markus weiß das nicht und erkundigt sich teilnahmsvoll: „Na Männchen, was is’n los?“ Peter schluchzt herzzerreißend: „An DEIN Zimmer kleb ich auch mal einen roten Zettel…“ Rote Zettel, das weiß man doch, sind genauso schlimm wie rote Karten auf dem Sportplatz. Sie bedeuten: „Stopp.“ Das erklärt auch einen Satz meines Sohnemanns am heutigen Mittag: „Du Mama. Hab zwar Verbot gekriegt. Aber der Zettel war blau.“ Na, dann geht das ja noch. Wenn er mal in die Schule geht, hätte ich an blauen Briefen mit Sicherheit keine Freude. So viel heute zur Farbenlehre.
PS: Soeben kommt der Knirps in mein Arbeitszimmer und beginnt, diverse Kostbarkeiten wie Fahrrad-Reflektoren, Lego-Autos und Gummi-Männchen auf meinem Schreibtisch zu drapieren. Als ich frage, was das wird, antwortet er: „Wenn ich wieder Sauerei mache, kommt das schon mal nicht rein.“ Sie sehen, beratungsresistent.
Definitiv ein neuer Kasten
Peter hat immer noch meinen ausrangierten Schlafzimmerschrank aus meiner allerersten Single-Wohnung in seinem Zimmer. Das Ding ist mittlerweile alt und klapprig, fällt ständig auseinander und wird beim nächsten Auszug mit Sicherheit ersetzt. Heute Mittag ereignete sich Folgendes. Während ich die Küche aufräume, schleicht ein sehr schuldbewusstes Sohnkind in die Küche. Unter dem Arm trägt das Männlein ein Brett, das sich beim näheren Hingucken als der vordere Teil einer seiner Schrankschubladen erweist. „Maaama“, stottert das Zwerglein, „ich glaub, ich brauch definitiv einen neuen Kasten“. Oh ja.
Manni Ludolf lässt grüßen
Wir befinden uns mitten in der Autophase. Das liegt zum einen daran, dass die Liebe zum Gefährt bei kleinen Jungs in den Genen fest verankert ist. Zum zweiten hat Peter (wie seine Mama) eine große Vorliebe für die vier Schrottplatz-Brüder Ludolf. Zum dritten sind Autos ganz einfach auch was Schönes. Peter ist derzeit also Feuer und Flamme für alles, was fährt – Polizei, Rotkreuz und Feuerwehr großzügig eingeschlossen. Unlängst auf unserer Baustelle. Peter spielt mit ein paar alten Brettern und Eimern offensichtlich „Auto“ unter dem Gerüst. Ein älteres Ehepaar kommt vorbei. Peter verblüfft die beiden mit der Verlautbarung, er spiele nicht nur Auto, sondern „Ford Capri“. Diese Geschichte kennen viele von Ihnen sicher schon.
Nicht jedoch diese. Wir backen Brot. Die Zutaten – Mehl, Öl, Salz, Wasser, Hefe und Zucker – sind schon in der Rührschüssel, ich nehme die Küchenmaschine in Betrieb. „Mach sie mal schneller“, dirigiere ich den Sprössling vom Spültisch aus. „In welchen Gang soll ich hochschalten?“, fragt mein kleiner Autofreak, „die Drehzahl ist so ja viiiiiiiel zu hoch…“ Okay. Ich hoffe, er plant bei meiner braven Maschine keinen Ölwechsel. Manni Ludolf lässt grüßen.
Ich will was sagen
Peter darf mit zu einem Pressetermin bei der Feuerwehr – mit allem. Eine Runde Feuerwehrauto fahren, Magazin besichtigen, Kesselfleisch essen. Mit großem Interesse verfolgt er die Manöverkritik nach der Übung, hält ausnahmsweise sogar den Schnabel. Der letzte Redner geht nach hinten. Plötzlich spritzt mein Kind auf: „Jetzt sind alle fertig. Da will ich noch etwas sagen. Liebe Gesellschaftsvertreter…“
Es ist ein Schwabe
Peter war morgens mit seinem Papa auf der Baustelle und hat dementsprechend seinen kuschligen Nachmittag. „Ach Mama“, schmiegt sich mein Sohnkind vertrauensvoll an mich, gemütlich auf dem Sofa liegend, nein, eher hängend. „Weißt Du eigentlich, wie lieb ich Dich hab‘? Du bist die guteste Mama, die man sich denken kann. Und ich will auch keine neue“. Ich bin sehr gerührt. Sonst neigt keiner meiner Männer zu derart offensichtlichen Gefühlsausbrüchen. „Und wenn ich mal ein großer Mann bin und einen Smart fahre (Anmerkung der Redaktion: Schließt sich das nicht kategorisch aus?!), dann darfst Du neben mir sitzen, wenn ich fahre. Weil hinten ist ja der Kofferraum.“ Vorausschauend, das Kind. Doch der Knirps denkt noch weiter: „Außerdem ziehe ich NIE aus. GAR NIE. Ich will immer bei Dir sein.“ Das glaube ich so zwar noch nicht, aber na schön. Ich frage, warum er immer bei mir bleiben will. Peter ist um keine Antwort verlegen: „Ich bin doch nicht doof und ziehe aus – jetzt, wo Ihr so ein schönes Haus baut.“ Da kommt der Schwabe durch. Aber in vollem Umfang.
