Punkt für Kasi

Dass ich geblitzt worden bin, erheitert meine Männer. Ich hoffe, vor allem dem Großen vergeht demnächst nicht das Scherzen, wenn das offizielle Amtsschreiben à la „Ihnen wird zur Last gelegt“ ins Haus kommt und er vier Wochen lang Chaffeur spielen darf – nicht für Miss Daisy, sondern für Mrs Kasi. Dass ich gern rasant fahre, ist hinlänglich bekannt. Auch, dass ich mitunter sehr unorthodox parke. Als ich damals heiratete, war der Brüller des Abends ein Foto all meiner Strafzettel – ungelogen ein knietiefer Haufen Papier. Aber dieses Mal ist es anders. Ich wurde im Stadtgebiet (wenn auch SEHR außerhalb) geblitzt. Und ordentlich flott. Hoffentlich reicht’s.

Nichts desto trotz. Gesetzt den Fall, ich kriege zwei Punkte. Dann wären das pro autofahrendem Jahr 0,12 (gerundet) Punkte. Ich finde, das ist nicht viel. Auch ein wohlwollend geschätztes Bußgeld von 80 Euro liest sich mit 4,71 pro Jahr relativ lässig, finde ich. Das ist nicht einmal der Gegenwert von einmal Falschparken im Ebinger Spitalhof oder Dummerweise-Parkuhr-Nicht-Verstellt. Nicht berücksichtigen darf man in der Aufstellung allerdings, dass ich nicht immer vorschriftsmäßig Auto fahre. Und von daher viel öfter…. Aber lassen wir das. Sicher  ist dieses Mal aber eins: Punkt für Kasi.

Was ich hasse…

… wenn es nach dem ersten Frühlingstag wieder schneit und friert und eklig kalt ist.

…. wenn das Nutella aus ist.

… wenn mein Mann fragt: „Kasilein, könntest Du noch KURZ…?“ Haha. KURZ. Heißt meistens: Dauert Stunden. Und „Kasilein“ stinkt zum Himmel.

… wenn mein Kind mich nachts um drei in meinem Bett heimsucht und sich dann auf quer dreht. Das bedeutet, dass ich auf dem Nachtschränkchen direkt neben dem Wecker schlafe.

… wenn das Telefon nach 21 Uhr klingelt und das Kind weckt. Eigentlich reicht da auch schon nach 20 Uhr.

… wenn mein Handy-Akku immer gerade dann leer ist, wenn ich DRINGENDST telefonieren müsste.

Wird fortgesetzt. Mit Sicherheit.

Warten auf Freitag

Kennen Sie auch solche Wochen, in denen Herr Murphy, Sie wissen schon, der mit den üblen Gesetzen, ständig zu Besuch ist? So eine Woche, in der tausend Gläser kaputt gehen? Das Email-Programm streikt? Die Parfüm-Flasche am Badboden zerschellt? So eine Woche habe ich gerade. Leider ist erst Dienstag.

Gestern Abend wurde ich (wieder einmal) geblitzt. Leider innerorts. Leider viel zu schnell. Ich hoffe auf eine Mega-Toleranz-Zone, ein verdrecktes Nummernschild und etwas Glück. Ich will schließlich nicht zu Fuß gehen. Außerdem muss ich meine Wohnung putzen. Anstatt eines netten Lobs von einem meiner Familienmitglieder fließt mein sündhaft teures Gesichtswasser den Abfluss hinunter, weil ich das Glasregal sauber wischte und die Flaschen liegenderweise im Waschbecken aufbewahrte. Der Kippverschluss meines Gesichtswassers mit Baumwollblüten war leider offen. Shit happens. Derzeit gibt mein Sohn alias Campino mit seiner Kinder-E-Gitarre ein Konzert auf meinem Schreibtisch und hört dazu zum gefühlten 1000. Mal „Benjamin Blümchen und die Spaghetti-Eis-Maschine“ an. Natürlich ist ihm trotzdem langweilig. Im Briefkasten waren nur Rechnungen (hohe!) und die Wasser-Nachzahlung. Mein Mann muss länger arbeiten und ich habe noch einen Abend-Zeitungstermin vor mir, in dem es um nichts als Zahlen geht (bekanntermaßen nicht gerade mein Spezialgebiet). Außerdem ist das Nutella aus, ich habe nur noch glutenfreies Brot im Haus und und und. Sie wissen sicher, was ich meine. Hoffen wir also gemeinsam auf den Mittwoch. Und warten auf Freitag.

Spießer werden

Dass Peters Papa glücklicherweise vernünftiger und ernsthafter ist als Peters Mama, die alte Quatschliese, ist meinen Lesern wohl hinreichend bekannt. Drei Chaoten im Haus wären definitiv zu viel – von daher tun dem Sohnkind und mir Herrn Kasis rationell arbeitender Verstand bisweilen sehr gut.

Auch Peter hat mitunter Ideen, die man unter dem Gesichtspunkt, dass er erst vier Jahre alt ist, schlichtweg ablehnen muss. Letztens wollte er mit zu einem Fußballspiel am Abend, das seine Eltern besuchten. Peters Papa stellte unmissverständlich klar, dass ein Match, das erst um 20.45 Uhr beginnt, definitiv nichts ist für einen kleinen Buben.

Das Männchen rast vor Wut. Ist sauer. Ärgerlich. Betrübt. Es heult und brüllt. Tränen laufen sturzbachgleich über sein verzerrtes Gesichtchen. Mit letzter Kraft erinnert er an eine bekannte Sparkassenwerbung und keucht: „Wenn ich groß bin, will ich auch Spießer werden.“ Glauben Sie mir, dass ich fluchtartig das Zimmer verlassen musste, um mein Gesicht nicht zu verlieren?

Warum…

… habe ich immer Herpes, wenn man mich fotografieren muss? Es gibt seit der vierten Klasse kein „offizielles“ Foto von mir ohne Lippenbläschen.

… wacht mein Kind samstags pünktlich um 5 Uhr früh auf und könnte wochentags bis acht schlafen, so dass wir dann in den Kindergarten rennen müssen?

… geht immer bei mir das warme Wasser im Bad aus? Hat sich schon einmal jemand die Haare kalt gewaschen? Igitt.

… warum haben wir nie Milka Zartherb im Haus, obwohl ich für mich immer mindestens drei Tafeln einkaufe?

… warum dauert es beim Einkaufen immer gerade an meiner Kasse am längsten? Obwohl ich so sorgsam überlegt habe, wo ich mich anstelle? Und wenn es einmal schnell geht, muss man spätestens bei der Kundin vor mir storniernen – „Frau Maier, den Schlüssel… Storno!!!“ Und es dauert wieder ewig.

… sind Druckerpatronen immer dann leer, wenn man gerade etwas BESONDERS Wichtiges ausdrucken muss?

… hat Kabel BW immer dann Wartungsarbeiten, wenn ich für den Job wirklich Internet brauche?

… schläft mein Kind im Auto 400 Meter vor dem heimischen Garagenhof ein, wenn es sich nicht mehr lohnt?

Künstlerpech

Es ist Fasnet. Der Mann will abends noch aus und kämpft tagsüber wacker auf seiner Baustelle mit schicken, integrierten Deckenleuchten, die auf Neudeutsch Downlights heißen. So wie ich mich mit einem porösen Hirn zu erinnern glaube, war Abfahrt zu seiner Fete irgendwann so kurz nach sieben. Jetzt ist kurz nach sieben. Und vom Holden selbstverständlich noch keine Spur. Ich bin eine gute Ehefrau. Rufe ihn an und erinnere ihn an seine Fasnetssause. „Ach komm, was hektiziert Du schon wieder?“ bekomme ich gelangweilt zur Antwort. Abfahrt, so erfahre ich, sei erst gegen acht Uhr. Ich verkneife mir die Frage, ob er wisse, wie lange er im Bad brauche? Dass er Haare waschen UND rasieren müsse? Frau Kasi beschließt: Herr Kasi ist alt genug. Was er de facto mit knapp 40 ja auch ist.

Deshalb wundere ich mich auch nicht, als auch um acht Uhr kein Männe zu Hause ist. Was weiß ich, wie er verabredet ist? Ich versorge das müde Kind mit Speis und Trank. Badewanne. Danach bin auch ich müde und platziere meinen Luxuskörper auf der Couch, deren Faszination ich sofort erliege. Der Gatte kommt irgendwann kurz vor halb neun ins Haus gepoltert und will sich gemütlich ins Bad aufmachen. Plötzlich fällt sein Blick auf die Funkuhr an unserer Wohnzimmerwand. Ein spitzer Schrei. Ich hebe verwundert den müden Kopf und blicke entgeistert auf seine Armband-Uhr. Dort ist es exakt 18.26 Uhr. Künstlerpech.

Kasi und Herr Kasi

Üblen Diskussionsbedarf gibt es bei uns wirklich selten, wenn ja, dann:

* Beim Ausgehen: Der Kasi-Mann möchte immer früher heim als Frau Kasi: „Ich könnt‘ so langsam…“  Ich noch nicht. Ich will noch bleiben. Es ist ja erst zwei. Oder drei?

* Bei der Badplanung: „Das ist viel zu modern.“ NEIN! Es gibt höchstens viel zu spießig. Wenn ich groß bin, will ich auch Spießer werden.

* Beim Einkaufen: Vor dem Maggi-Fix-Regal: „Ach, das schmeckt bestimmt alles lecker.“ Stimmt. Und alles gleich. Dann lieber nur Nudeln mit Butter.

* Auf der Baustelle: „Hast Du mir wieder nicht zugehört?“ Kann nicht sein. Allerhöchstens hast DU es umständlich und unverständlich erklärt. Ich bin kein Handwerker, sondern Schreiberin.

* Bei der Kindererziehung: „Das Temperament hat er von Dir!“ (mit mahnendem Unterton gesprochen). JA! Zum Glück!

* Beim Autofahren: „Möchtest Du nicht so langsam bremsen?“ NEIN! Das 80-er-Schild hab ich übrigens auch gesehen. Aber nicht beachtet.

Frau Kasi sucht das Glück

Wo sind die Autoschlüssel? Wo der Geldbeutel? Wo das Handy? Ständig sucht Frau Kasi irgendetwas. Nach meinem Zeitvertreib gefragt, sollte ich statt „Lesen“ besser „Suchen“ angeben. Aber was kann ich dafür, wenn Dinge ständig ihren Platz wechseln? Aber ehrlich gesagt, bin ich eher schusselig. Denn wenn ich zum Training gehe, fehlt mir 1) meistens die Trinkflasche. 2) manchmal das Handtuch. 3) ab und zu sogar die Sportschuhe.

Bei meinem letzten Besuch im Bauch-weg-Tempel fehlte urplötzlich mein Handy, das ich wegen beruflicher Ereichbarkeit (die ich sonst beim Sport meide wie der Teufel das Weihwasser) den ganzen Nachmittag mit mir herumgeschleppt hatte. Ich stellte meinen Spind zweimal auf den Kopf. Räumte meine Tasche exakt dreimal wieder ein und aus. Schreckte sämtliche halbnackten Damen auf, die gerade auf dem Weg in die Dusche waren. Nein. Es war auch nicht in der Sauna. Überall habe ich nachgeschaut. Des Rätsels Lösung war ganz einfach. Es lang am Empfang für mich bereit.

Heute war wieder so ein Ich-bin-Kasi-und-suche-heute-alles-Tag. Stolz darauf, an meine Trinkflasche gedacht zu haben, machte ich meine fette Trainingstasche zu. Es ist übrigens kaum vorstellbar, dass da drinnen etwas FEHLEN könnte. Mein Mann könnte mit dem Inhalt meiner Sporttasche vermutlich eine Woche zelten fahren. Oder wenigstens drei Tage nach Hamburg. Ich hatte den mp3-Player, zwei Garnituren Fitnessklamotten (nach dem Spinning-Bike muss ich mich immer umziehen), super Socken, Turnschuhe, einen Haargummi, einen zur Reserve und sogar einen Eiweiß-Riegel eingepackt. Prima. Dürfte also so ziemlich alles sein. Meine Toilettentasche war auch an Bord. Im Studio angekommen, merkte ich, dass ich keine Geldbörse dabei hatte. Normalerweise brauche ich zum Einchecken eine Karte. Weil die aber im Geldbeutel zu Hause war, gab ich meinen Autoschlüssel als Pfand ab. Kein Problem also. Erwartungsfroh zog ich mich um. Um dabei festzustellen, dass ich kein Handtuch dabei hatte. Weder ein kleines fürs Training, noch ein großes für die Sauna. Prima. Aber in meinem Studio gibt es sogar Handtücher zum Leihen und Kaufen. Endlich beim Sport. Puh. Irgendwann wollte ich zu meinem Spind. Mich umziehen. Was fehlte? Klar. Der Schlüssel.

Wieder hektisches Suchen. Unter dem Spinning-Bike. Ich nahm den nächstbesten Schlüssel mit. Bis ein gut aussehender, freundlicher Herr protestierte. Das sei eindeutig seiner. Er könne mir gern mit einem Sliip aushelfen, meinte er mit anzüglichem Augenaufschlag. Ich verzichtete. Was hätte ich, verschwitzt und nass wie ich war, einzig mit einer Unterhose anfangen sollen? Allerdings überlegte ich mir kurz, ob die Unterwäsche des Herrn wohl so hübsch ist wie er. Ich dankte also und suchte hektisch weiter. Währenddessen suchte man an der Theke den Generalschlüssel. Meine Kleidung ruhte noch immer im Spind. Bis eine freundliche Frau mich darauf aufmerksam machte, dass hinten bei den Matten ein Schlüssel nebst Tempo-Päckchen lag. Hurra.

Rasend schnell zog ich mich an und genoss die Dusche besonders ausgiebig. Danach suchte ich wieder. Was? Meinen Autoschlüssel? Es dauerte geraume Zeit, bis mir einfiel, dass dieser ja an der Theke als Einscheck-Pfand lag. Weil ich ja Karte und Geldbörse vergessen hatte. Frau Kasi sucht das Glück.

Der Rocco kommt

Der Rocco kommt. Ich habe nach langem Hin und Her einen neuen Scirocco bestellt. Den Dreier. In der tollen Farbe Salsared. Mit Sportausstattung. Etwas prollig, aber was soll’s. Peter war bei der Probefahrt dabei, Peter kennt sich mit Autos sowieso super aus, seit er immer Ludolf und den DMAX-Checker guckt. Natürlich hat er mich bei der Farbauswahl beraten: „Das Weiß is bei Dir eh immer dreckig… und schwarz hatten wir schon…“ Stimmt beides auffallend. Wir haben sogar gemeinsam den Kindersitz getestet. Er passt gut rein und ist auch super einfach zu installieren. Okay, der Kofferraum könnte größer sein. Aber sind wir mal ehrlich. Keine Sau kauft einen Scirocco, um Lasten zu transportieren.

Ich gebe es zu: Ich freue mich auf den neuen Wagen. Seit ich Auto fahre (also seit ich 18 bin, was definitiv ein paar Lenze her ist), habe ich immer nur DIE Autos gefahren, die ich bekommen habe oder die ich aus irgendwelchen Vernunftsgründen gekauft habe. Erster Vernunftsgrund war meistens der Kostenfaktor. Dieses Mal habe ich dank des tollen VW-Journalistentrarifs genau DAS Auto, das ich mir zum Geburtstag wünschen würde. Deshalb ist meine Freude umso größer, denn der neue Rote stellt also so etwas wie einen Lebenstraum dar. Trotzdem würde ich meinen alten Rocco, die alte Lady, für nichts in der Welt hergeben. Einen Onkel gibt man ja auch nicht zur Adoption frei.

Selbstverständlich habe ich mich gut eingelesen. Abendeweise im Internet gesurft. Mir einen Scirocco-Bildband zugelegt. Pannenstatistiken gelesen. Den Checker geguckt. Und die Ludolfs :-). Als Peter und ich dann zum Probefahren erschienen, dachte der Verkäufer wohl, die junge Frau hätte sich 1) verlaufen 2) eine Panne oder 3) ein Kind, das dringend aufs Klo muss. Hätte alles sein können. Es war augenscheinlich, dass der schnittige junge Mann alles andere dachte, als er mich und das Sohnkind sah. Nur nicht an eine Probefahrt im Scirocco. Natürlich musste ich all meine Fragen los werden, die sich während meiner langen Abende am Computer aufgetan hatten. Ich fragte nach den besten Motoren. Der Farbskala. Den Sportausstattungen. Das Gesicht des jungen Herrn wurde immer ungläubiger. „Haben Sie sich eingelesen?“ – „Klar“, sagte ich keck, „glauben Sie, ich investiere viel Geld und hab keine Ahnung, für was?“ Das sah er ein. Staunte, als er hörte, dass ich noch einen alten Scirocco Scala aus dem Jahr 1988 besitze. Der nette Mann half mir toll weiter. Beantwortete all meine vielen Fragen mit engelsgleicher Geduld. Zeigte mir das ganze Auto. Servierte Peterchen zweimal Apfelschorle und mir zweimal Milchkaffee. Baute sogar den Rücksitz um. Zeigte mir das Reserverad und die tollen Sitze. Selbstverständlich. Die Probefahrt (dann ohne ihn) war klasse. Bei der Rückkehr erkundigt er sich: „Gibt’s zu dem jungen Mann auch einen Papa?“ Peter ungerührt: „Ja, meinen.“ Das hätten wir jetzt auch besprochen.

Komisches Gefühl

Ich sitze mutterseelenallein in meinem großen Haus. Das Sohnkind nächtigt heute bei Oma Lotte. Der Mann ist noch auf seiner geliebten Baustelle. Ich warte bis er heimkommt, dann gehen wir zur Fasnet. Der Mann und ich. Um es klar zu sagen: Alles ist also allerbestens. Ich gehe zur Fasnet mit meinem Mann. Die Fasnet, die ich sehr liebe. Mit meinem Mann, ach ja, den natürlich auch. Aber trotzdem. Das stille Haus. Keiner fragt: „Wann darf ich endlich glotzen?“ Oder quengelt nach Schokolade. Ich versuche, das Gefühl einzuordnen. Früher war ich gern allein, habe lang in einer großen Wohnung allein gelebt. Heute ist das anders. Ich fühle mich – ja einsam. In Mitten von so viel Ruhe (ich weiß, ich habe mir an genau dieser Stelle schon sehr oft über die Hektik und die Lautstärke unseres Haushaltes beschwert). Zumal das Sohnkind grad beim Abschied ein, zwei Tränchen verdrückt und geflüstet hat: „Aber gell, Mamilein, ich darf JEDERZEIT anrufen, wenn ich zurück zu Dir will.“ Klar, Peterchen. Darfst Du. Ich auch?