Wann ich einen Tag hasse

* Wenn ich 200 Dinge auf einmal tun soll und jeder denkt, dass ich außer seiner Aufgabe nichts änderes hätte

* Wenn das Telefon dauernd klingelt und der 100. dann sagt: „Naaaa… Sind sind mir ja vielleicht schwer zu erreichen.“

* Und dann noch irgendjemand anruft und sagt: „Na, hosch zu tun?‘

* Ein Staubsaugervertreter, Rettungsfliegertrupp, Apfelverkäufer, Postkartenmaler oder sonst wer klingelt und Lust auf ein Schwätzchen hat: „Ach schön. Sie sind ja daheim.“ Nein. Ich bin bloß eine arme Sau, deren Einkommen für eine Extra-Miete nicht langt und drum daheim ein Büro hat.

* Wenn ich an einem Tag mehr als eine Reklamation erledigen muss. Ich hasse kaputte Brillen, defekte Mobiltelefone, kaputte Spülmaschinen und surrende PCs.

* Mich ein Handwerker fragt: „Wo ist denn hier die Bauherrin?“

Kein Kaffee für Kasi

Ein normaler Morgen bei Familie Kasi. Peter ist als erster wach. „Hunger. Wann gibt’s Frühstück?“ Peters Papa duscht schon seit geraumer Zeit. Peter soll sich anziehen. Ich bin noch nicht wach und deshalb auch nicht wirklich ansprechbar. Peter: „Neee…. will heute nix Blaues.“ Super. Drei Viertel aller Klamotten vom Sohnkind SIND blau. Weil ich Klamottenspiele am Morgen hasse wie die Pest, biete ich ihm zwei Shirts zur Auswahl an. Mit mehr ist mein Kind definitiv überfordert. Eins ist orange, das andere grün. Peter entscheidet sich für das grüne. Zu meinem Leidwesen stark quasselnd. Sagen Sie mal, atmet mein Kind durch die Kiemen wie sein Onkel? Mein Mann duscht noch immer. Ich beschließe, um des lieben Friedens willen einen Kaffee zu trinken – zwecks Menschwerdung. Peter krakeelt: „Mamaaaaa…. heut ist Musikschule. Ich brauch den Ordner.“ Und ich eine Nervenklinik. „Ach ja…. und heut nicht schon wieder Baaaanane.“ Ich erkläre dem Sohnkind ruhig und gefasst, dass er mich vielleicht in 30 Jahren anbrüllen muss – aber noch nicht jetzt und schon gar nicht vor 7 Uhr in der Früh. Mein Mann? Duscht noch immer.

Ich schlurfe endgültig in die Küche. Zur Kaffeemaschine. Während diese freundlich vor sich ihn blubbert, stürmt meine bereits angezogene Männerschar in die Küche. „Warum hast Du schon Kaffee gekocht? Das mach doch ich immer…“, meckert der Kleine, und der Große: „Hast Du Socken gewaschen? Wenn ja, wo sind sie?“ Wo wohl. Entweder a) noch in der Waschmaschine. Oder b) im Trockner. Oder c) in einem Korb. c) ist der Fall. Der Kasi-Mann findet sogar zwei gleiche. Das Kind schreit nach Nutella-Brot und Kaba. Mein Mann möchte einen Tee – „nimm die Innere Ruhe.“ Oh ja. Peter wünscht sich eine Banane zum Vesper. Und ach ja, heute Mittag hat er eine Verabredung. Und im Kindergarten ist heute Raumfahrts-Projekt. Und Kinderkonferenz. Und gemeinsames Frühstück. Ich warte noch immer auf meinen Kaffee. Bin mit Vesper richten, Socken suchen, Nutella-Brot-Schmieren und Terminkalender-Merken vollauf beschäftigt. Mein Mann packt seine Aktentasche schaut mich in meinem Schlafanzug entgeistert an und fragt: „Sach mal, warum bist Du eigentlich noch nicht angezogen?“

Zu Gast bei Biene Maja

Das Schöne, wenn man ein Kind hat, ist die Tatsache, dass man jederzeit Sendungen wie Heidi oder Biene Maja gucken kann, ohne sich zu genieren. Was habe ich das kleine Mädchen im roten Kleidchen geliebt, die hoch oben auf der Alm beim Großvater im Heu schlafen durfte. Die so furchtbar litt in Frankfurt unter der dummen Schnefe Fräulein Rottenmeier. Ich bekomme heute noch Hassfalten, wenn ich deren hohe Stimme höre. Bei Biene Maja wollte ich immer den Willi schubsen – damit der wenigstens einmal ein bisschen Tempo kriegt. Auf der Klatschmohnwiese wollte ich immer gerne wohnen, am liebsten in Alexanders gemütlichem Mäuseheim.

Ich erinnere mich auch noch gut daran, wie ich, stolze 25 Jahre alt, eines sonntagnachmittags Lust bekam, mal wieder das Dschungelbuch zu gucken, das just an diesem Tag im Kinderkino mit ermäßigtem Eintritt lief. Dann saß ich inmitten lauter Fünf-, Sechsjährigen (gegebenenfalls mit Mama), die sich mit Popcorn bewarfen, mit Gummibären-Tüten raschelten und bei den spannendsten Stellen – beispielsweise da, wo die Schlange kommt – unter dem Sitz verschwanden. Selten habe ich mich so seltsam – und so alt gefühlt. Kinderkino ohne Kind ist einfach doof. Mittlerweile ist das einfach. Ich habe selbst einen Sohnemann, dem ich solche Filme schmackhaft machen kann. Allerdings funktioniert mein Kind nicht so wie andere. Er guckt lieber den DMAX-Checker, die Ludolfs oder sonstige Schrauber-Sendungen. Außerdem mag er weder Detlef Jöcker noch Rolf Zuckowski, sondern hört lieber die Toten Hosen oder seine geliebte Ballermann-Sammlung. Wie man’s macht…

Brei für den Teufel

Wir haben wieder Fasnet – schwäbisch-alemannisch also das, was anderswo Karneval oder Fasching heißt. Unser Dörflein hat eine Zunft; ich stamme zwar nicht von hier, gehe aber zum „Narren“, seit ich meinen Mann kenne. Also mittlerweile auch schon fast seit zehn Jahren.  Mir macht es Spaß, während der Umzug Schabernack mit den Zuschauern zu treiben (natürlich in Maßen :-)), kurz zu plaudern, Bonbonle abzugeben und dann weiterzuziehen. Manche Bekannte oder alte Schulfreunde trifft man exakt einmal im Jahr – auf der Fasnet.

Als dann vor gut vier Jahren unser Sohnkind das Licht der Welt erblickte, stand für uns gleich fest, dass der Zwerg mit zur Fasnet geht. Der bedauernswerte Wurm wurde also in seinem ersten Jahr als Erdenbürger gleich mit zu den Umzügen geschleift, dick verpackt im Wagen. Ich erinnere mich gut, ich hatte Muttermilch in einer Thermoskanne dabei und Karottenmatsch zum Warmmachen. Das Wasser dafür musste ich in einer Festzeltküche holen. Die Jahre danach verbrachte Peter die Umzüge in einem Buggy oder einem Bollerwagen. Oft verschlief er sie trotz großer Geräuschkulisse. Dass er bleibenden Schaden davon getragen haben könnte – diesen Eindruck gewann ich nie. Peter war seit jeher eine kleine Partyratte. Woher er das bloß hat?

Nun ja – all das mag übertrieben sein. Gestehe ich zu. Auch die Tatsache, dass ich meinem Männchen schon früh die Angst vor den Masken, den Larven, nehmen wollte – noch dazu, wo wir zu Hause eine Teufelsmaske haben, eine freundlich ausschauende zwar, aber halt trotzdem eine Teufelsmaske. Ab November saß stets der Fif (so nannte Peter den Teufel, er konnte Mephisto nicht sagen)  bei uns am Tisch. Er lebte mit uns, er aß mit uns, saß bei uns auf dem Sofa. Einmal hat Peter den armen Holzteufel sogar hingebungsvoll mit Dinkelbrei gefüttert, den ich großflächig abkratzen musste.   Der Fif durfte regelmäßig sogar in Peters Bettchen schlafen, was ich ganz rührend fand, eng umschlungen vom Thronfolger. Mittlerweile geht Peter gern mit zu den Umzügen. Gerade vorhin hatten wir Häsprobe. Nächste Woche ist Uraufführung. Narri, Narro!

Böse Gerüchte über mich

* Ich habe keine verknoteten Ohren vom Zuviel-Brezel-Essen. Mein Mann behauptet, meine Ohren würden sich von erhöhten Brezelkonsum bald winden wie eine Brezel.

* Vom Salat-Essen sind mir auch noch keine Hasenohren gewachsen.

* Ich gebe immer noch Blut beim Arzt, nicht etwa Nutella oder Kakao. Ich brauche auch keine drei Gläser Nutella pro Woche, sondern nur zwei.

* Ich habe NICHT mehr Turnschuhe als Unterhosen. Nur fast.

* Ich schlafe nicht in meinen Chucks (Mama, das sind die ollen Turnschuhe, die Du schon früher nicht mochtest.) Mittlerweile bin ich Snob und habe sogar welche aus LEDER.

* Ich übe keinen schlechten Einfluss aus auf mein Kind. Peter mag laute Rockmusik, seine Toten-Hosen-Hemden und Ballermannfeten auch ohne mein Zutun. ALLE Schimpfworte kommen von anderen Kindern.

* Ich fahre nie zu schnell Auto und parke grundsätzlich immer nur dort, wo man darf. Das Gerücht, die Stadt Albstadt habe zwei Mitarbeiter entlassen, als ich den Arbeitsplatz wechselte, entbehrt selbstverständlich JEGLICHER Grundlage.

* Ich bin morgens nicht mufflig. Dass ich da noch nichts rede, liegt nicht an mir, sondern an meiner Umwelt, die so laut ist, dass ich gar nichts mehr sagen muss.

* Ich war als Kind friedlich und still. Wo mein Kind sein Wesen her hat, weiß ich nicht.

* Ich bin kein fanatischer Fußballfan. Mir wäre nie ein Wochenende verdorben, wenn’s in Stuttgart mal nicht so läuft. Na ja….

* Ich habe NIE das letzte Wort. NIE. NIE. NIE. GAR NIE.

Wir und das iPhone

Ich habe ein neues iPhone. Eigentlich haben es eher wir – Peter und ich. Peter hat das kleine Kistchen schon super im Griff und würde am liebsten jeden Tag tolle Handyspiele herunterladen (also die so genannten Apps), seine Stimme aufnehmen oder mal kurz navigieren, wo wir im Urlaub hinfahren. Dank eines sehr freundlichen Kumpels, der Peter stundenlang sein iPhone zur Verfügung stellte, damit der Thronfolger Monopoly spielen konnte, glaubt das Kind allerdings, ein iPhone sei eine Monopoly-Maschine, mit deren Hilfe man uneingeschränkt im Knast landet, Bahnhöfe kauft oder Einkommenssteuer abdrücken muss. Warum das Monopoly-Programm allerdings verlangt: „Rütteln Sie an Ihrem Gerät“, wenn man würfeln muss, ist mir bislang noch unerschlossen.

Lange Rede kurzer Sinn. Peter glaubt also, ich hätte jetzt eine Monopoly-Maschine. Als ich die Handykarte einbaue, fragt er, was das werde. Ich erkläre ihm, dass das zum Telefonieren ist. „WAAAAS?“ fragt der Zwerg: „Telefonieren kann es auch noch?“ Ich erkläre ihm, dass es einst Zeiten gab, in denen Telefone nur zum Telefonieren da waren, keine Kameras hatten und kein Navigationsgerät. Peter fragt: „Mama, DAS ist sicherlich schon GAAAAANZ lang her. Da nämlich, als Du noch jung warst.“

Inbetriebnahme

Familie Kasi hat eine neue, schicke Kaffeemaschine bekommen. Seit jeher weigere ich mich, neue Elektrogeräte in Betrieb zu nehmen – wozu hat man einen Mann, dessen Hobby, Beruf und Berufung Strom aller Art ist? Ich schiebe den Riesenkarton also gepflegt ins Eck. Da habe ich die Rechnung aber ohne den Thronfolger gemacht. Der steht mit erbostem Blick in der Tür, winkt mahnend mit seinem kleinen Zeigefinger und fragt mit eisigem Tonfall: „Was bitte wird das?“ Ich erkläre ihm, dass Inbetriebnahmen seit jeher und Jahrtausenden Aufgabe seines Papas ist. Peter will das gar nicht einsehen: „Wieso denn das? Kannst Du keine Gebrauchsanleitung lesen?“

Ja. Ich geb’s zu. Ich habe mich vor meinem knapp fünfjährigen Sohnkind geniert und deshalb ganz zügig den Karton geöffnet. Brav die Gebrauchsanleitung studiert (war auch gar nicht lang). Selbstverständlich haben Peter und ich mit vereinten Kräften den neuen Automat zum Laufen (sprichwörtlich) gekriegt. Peter triumphierend: „Na siehste. Du kannst das doch. Und mir hasse mal wieder nicht geglaubt.“ Woher hat er das, dass er IMMER das letzte Wort haben muss.

Was man mich montags um 7 Uhr nicht fragt

* Mama, gab es schon Telefon und Strom, als Du jung warst? Nein, wir hatten 20 Hamster im Rädchen.

* Hättest Du jetzt keine bollerige Fleecejacke an, sähest Du vielleicht einigermaßen vernünftig aus? Haha. Dann wäre mir aber kalt. Außerdem liebe ich bollerige Fleecejacken.

* Bist Du schon geschminkt? Morgens um 7 Uhr. So was fragen nur Männer. Ich bin froh, wenn ich ohne Anleitung die Kaffeemaschine in Gang kriege.

* So? SIE sind schon auf? Ja. Ausnahmsweise. Sonst schlafe ich gern bis um 11 Uhr und wechsle dann vom Bett aufs Sofa.

* Sie können nachher sicher kurz vorbei kommen. Nein. Kann ich nicht. Solche Termine dauern dann immer Stunden.

* Warum hat der VfB am Wochenende so schlecht gespielt? Ich war nicht in der Aufstellung und saß auf der Bank.

* Beim Bäcker: Was machen Sie denn hier? Na, den Freischwimmer vermutlich. Oder meine Abitur-Prüfung nochmal. Die war nicht so toll.

* Wo ist Deine Brille? Mist. Das ist jetzt wirklich ein ernst zu nehmendes Problem. Ohne diese bin ich nicht lebensfähig.

Erziehungsgrundsätze

* Peter hat Grisu, den kleinen Drachen gesehen. Er wundert sich sehr, dass in der Serie zwei Streithähne sich offenbar etwas an den Kragen gehen. Folgender Dialog entspinnt sich.

 „Maaaama…. darf man würgen?“

Ich: „Um Gottes Willen. Nein. Nie. Niemanden.“

Peter: „Und wenn mir wer dumm kommt?“

Ich: „Man haut nicht. Und man würgt schon gar nicht. Konflikte löst man anders.“ (Ach, an mir ist ein Pädagoge verloren gegangen.)

Peter: „Ich darf also echt niemanden würgen?“

Ich: „NEIN! NIE!!!“

Peter: „Nicht mal nen Bayernfan?“

Ich hinterfrage meine Erziehungsziele. Denn solche Aussagen gehen selbst mir zu weit. Das Kind bekommt eine Standpauke zu Gewaltlosigkeit und Fußball. So.

Wir sind beim Skifahren. Das Kind hat leider eine Eigenschaft von mir geerbt: die Ungeduld. Peter ärgert sich über seine Ski (weil die keinen Pflug machen). Außerdem über seinen Papa, weil der will dass er einen Pflug macht und nicht Schuss fährt. Den Vorschlag, in der örtlichen Skihütte unseres Örtchens einzukehren, findet er großartig. Und manfestiert einen Vorschlag: „Komm Mama, wir geben den Papa am Lift ab und machen Party.“ Wiederum überlege ich, was ich dem kleinen Mann eigentlich vorlebe. Das zweite Mal an diesem Tag übrigens im vollbesetzten Speisezimmer, als Peter voller Inbrunst gröhlt: \“Hey, das geht ab…\“ 

Peter ist seit längerem einmal wieder im Hotel auf Ferien. Dort beherzigt er in vollem Umfang das, was man ihm zu Hause eintrichtert: Er muss sich abmelden, bevor er den Standort wechselt. Deshalb sagt er zu der netten Bedienung beim Abendessen – wohl gemerkt in breitestem Schwäbisch: „Id dass da morga verschrickscht. Wenn mir mol fehled, send mir bloß Nutella kaufa.“ Selten habe ich jemanden so entgeistert gucken sehen.